[dreckFROSCH!]

DDD

Der Traum Film- und Fernsehschaffender, die dritte Dimension zu erobern, ist beinahe so alt wie der Film selbst. Mittlerweile haben die Bemühungen einen  respektablen Grad an Vollendung erreicht. So etwas lässt auch mich nicht immer unbeeindruckt. Ich fand es beispielsweise durchaus putzig, das Gefühl haben zu dürfen, in „Avatar“ die Hand direkt in den dortigen Urwald hineinstrecken zu können und die bunte Flora und Fauna beinahe zu berühren. Es gibt sicher einige Filme, die gerade der Räumlichkeit ihre besondere Attraktivität verdanken.

Andererseits gibt es meiner Beobachtung nach aber auch noch viel mehr Filme, bei denen 3D nicht nur keine Verbesserung bringt, sondern dem Film einiges von seinem Zauberr nehmen kann.  Noch schlimmer und mittlerweile , glaube ich, auch nicht gering verbreitet sind Machwerke, die einzig und allein auf ihre Dreidimensionalität hin gebaut wurden und man sich mit solchen Nebensächlichkeiten wie einer hübschen Story, spannenden Charakteren, einem verzaubernden Ambiente undsoweiter nicht weiter aufhalten wollte.

Bah!

Abgesehen davon zwingt es auch nicht wenige Kinos, technisch enorm aufzurüsten, um 3D-fähig zu sein, was viele aber finanziell nicht können und deshalb so nach und nach den Multischnultiplexen das Feld überlassen müssen. Traurig.

Von daher finde ich es schon bemerkenswert, wenn an diesem Wochenende zwei sehr unterschiedliche Filme den Weg in die Aufführungshäuser finden: Zum einen die dreidimensionale Version von „Star Wars 1″ (also dem tatsächlich ersten Teil, nicht dem vermeintlichen, der ja eigentlich Teil 4 ist, aber das wisst Ihr eh alle, warum schreibe ich das überhaupt?), der von den drei neueren, sowieso weniger gelungenen Teilen uninteressanteste mit einem Darth Vader als kleinem, rennenfahrendem Hosenscheißer und einer Menge computergenerierter Figuren, die einem kein Stück interessieren. Auch 7 Dimensionen würden diesen Film nicht besser machen.

Gleichzeitig startet aber auch „The Artist“, eine bereits Golden-Globe-prämierte und oscarnominierte Verbeugung vor dem Kino der zwanziger Jahre, welche nicht nur zweidimensional, sondern auch noch in schwarz-weiß und im Stile eines Stummfilms (im Gegensatz zum obengenannten Stumpffilm) gedreht wurde.

Natürlich ist dies im Gegensatz zu 1927, wo es nicht anders ging, ebenfalls artifizielles Kino und hinterlässt ein wenig dieses Gefühl von misslungener Authentizität, das man auch beim Hören von CDs mit extra hinzugefügten Knacksern haben könnte, aber dieses Leinwandwerk scheint in großen Mengen etwas zu haben, das sich nur sehr schwer künstlich erzeugen lässt, nämlich Charme.

Ganz weit oben auf meiner Musstugucknliste und eine Empfehlung.

Bei Filmen mit Adam Sandler hingegen ist selbst eine Dimension verschwendeter Rohstoff …

Hmmm ….

… ob dieser Blog wohl durch eine dritte Dimension an Attraktivität gewinnen könnte …?

Nun ja, das könnte man noch mal überdenken …

Teufelskerl

Der Herwig Mitteregger (Nina Hagen Band, Spliff) hatte damals sein erstes Soloalbum mit einem prophetischen Titel versehen:

Kein Mut, kein Mädchen!

Hat er sehr wahrscheinlich recht. Man muss einfach raus aus seiner Comfort Zone, sich selbst überraschen, mehr Schritte machen, auch mal blind springen, wenn man es in Zweisamkeitsangelegenheiten weiter bringen möchte.

Ein positives Leitbild liefert hierzu unter anderem die Werbespot-Kampagne eines Online-Dating-Portals. Hier erzählen Paare, was aus ihrer Netz-Bekanntschaft geworden ist. Als Beispiel möchte ich hier kurz aus der brüchigen Erinnerung heraus die Bekenntnisse von – na, nennen wir sie Waltraud und Willi – wiedergeben:

Waltraud: „Wir gingen spazieren und da nahm er auf einmal meine Hand …“

Willi (dezent sächselnd): “ … es war ein guter Moment, ich habe mich gut gefühlt …“

Waltraud: “ … da wusste ich: Das isses …!“

Verlassen wir die rührende Szenerie an dieser Stelle.

Ist das nicht ein Abenteurer? Ein Teufelskerl? Ein Freibeuter der Liebe? Schnappt der sich da einfach ihre Hand … völlig unerwartet … gut, es war ein guter Augenblick und er fühlte sich gut und die Situation war insgesamt sicher günstiger, als wenn sie gerade mit Magen-Darm-Virus auf der Toilette gewesen wäre, aber das muss man erst mal bringen!

Zack!, da war die Hand in seiner, einfach so! Unglaublich, so ein irrer Typ!

Wie erbärmlich fällt da der innerlich abgehaltene Vergleich mt mir aus. Ich hätte in der gleichen Situation sicherlich eher stundenlang über kürzlich gesehene Kinofilme oder die Unerlässlichkeit der Mülltrennung referiert statt mir einfach ein Herz und zugleich ihre Hand zu fassen.

Daran erkennt man ja auch, wer in einer Beziehung ist und wer nicht.

Moderne Helden, es gibt sie noch. Ich hoffe, dass ich mir sein leuchtendes Beispiel vor Augen halten kann, sollte ich nochmals in eine solche Situation geraten.  Ich visualisiere mir dies nun in einer ausführlichen Meditation …

Vom Fortgehen

Mutti ruft Vati auf der Arbeit an, ja es wird mal wieder später. Anschließend die halbwüchsige Tochter, die ihrem Alter pflichtgemäß eher patzig-rotzig reagiert, schließlich den kleinen Sohn, um ihm zu sagen, dass er heute bei seinem Freund übernachten darf, was diesen enorm freut.

Anschließend setzt sie sich in ihr Auto, fährt in den Stadtwald, setzt sich unter ihren Lieblingsbaum und verabreicht sich eine Überdosis Schlafmittel, was ihr als praktizierender Anästhesistin nicht schwerfallen dürfte. Wo sie zu finden ist, erfährt ihr Ehemann jedoch erst am nächsten Morgen durch eine zeitversetzt gesendete Mail. Viel zu spät, so war es gewollt.

Das ist die Ausgangshandlung des Films „Der letzte schöne Tag“, der Mittwoch abend im Ersten zu sehen war. Die restliche Laufzeit begleitet der Film zurückhaltend die kleine Familie und ihr (Un-)vermögen, mit dieser Ungeheuerlichkeit umzugehen. Hierbei ist es hilfreich, dass neben Motan Milke Wöhring (verflixt, den verwechsele ich namenstechnisch immer mit Warius Wüller-Mesternhagen!) keine allzu bekannten Schauspieler agieren, die die Konzentration von der Geschichte ablenken könnten.

Etwas schade aber, dass die bezaubernde Julia Koschitz als suizidale Sybille nur einige kurze Momente als Leiche oder in Rückblenden hat.

Der Film scheint mir sehr nah am realen Leben gezeichnet zu sein. Das beinahe groteske Schlittern zwischen katatonischer Starre und gestartetem Autopiloten des Witwers, die Unfassbarkeit, mit der sich die beiden Kinder auseinandersetzen müssen, ohne es wirklich verstehen zu können. Die Anderen sind auch da: Die etwas zu hilfsbereits Nachbarin, die Schwester des Mannes, die auch eher hilflos agiert, aber eben da ist und bei der Beerdigung ein Gedicht von Mascha Kaleko vorträgt, das den jungen Witwer kurzzeitig die Fassung verlieren lässt – endlich, möchte man beinahe sagen. Die Eltern, die sich um die Alltäglichkeiten kümmern und nicht zu vergessen, zu erwähnen, dass ihre Schwiegertochter schon immer etwas schwierig war.

Die Leichenschmaus-Gesellschaft, die sich angelesene Selbstmörder-Anekdoten hin und herwirft, ihr ehemaliger Chef, dessen wichtigtes Augenmerk darauf zu liegen scheint, klarzustellen, dass im Krankenhaus penibel darauf geachtet wird, keine Schlafmittel verschwinden zu lassen, der sich aber durchaus sprachlos den Vorwurf durch den Mann machen lassen muss, dass er mehrere Jahre mit einer depressiven Kollegin gearbeitet hat, ohne es zu bemerken oder bemerken zu wollen.

In einer Rückblende zeigt sich kurz die Komplexität der Situation. Nicht nur, dass Sybille seit längerer Zeit an Depressionen litt, sie wollte auch nicht, dass es irgendjemand außer ihrem Mann mitbekommt, vor allem aus Angst um den Job. Zusätzliches Leiden am Leiden.

Während des Films blitzt öfter mal ein wenig Wut auf die Tat der Frau und Mutter auf, was völlig nachvollziehbar für mich ist. Ein kurzer Abschiedsbrief, in dem sie ihren Mann um Verzeihung für das bittet, was sie tun musste, bringt ihre Tochter in Rage, weil sie dort lediglich von „den Kindern“ spricht.

Nach gut einer Woche verlässt der Film die kleine Familie wieder, die nun tapsig im Ohnesieleben agieren muss und man ahnt, dass es noch ein langer Weg für alle sein wird. Erklärungen liefert der Film eigentlich keine und auch dann ist er sehr nahe am realen Leben.

Im Film erzählt ein Beamter, dass neun von zehn Selbstmördern gar keinen Abschiedsbrief hinterlassen, was es den Angehörigen noch schwerer macht. Dies scheint der Realität zu entsprechen.

Ein bewegendes Schauspiel, das derzeit auch noch in der ARD-Mediathek zu sehen ist.

Seeeehr clever übrigens, dass in 3sat nicht um 22 Uhr oder am nächsten Tag sondern zeitgleich eine Dokumentation über Menschen lief, die damit zurechtkommen müssen,  dass ein wichtiger Mensch im Leben fortgegangen ist. Nun ja, dafür wird es zum Ausgleich dann wieder Tage geben, an denen im Ersten die Superdupervolksmusikparade läuft und parallel auf 3sat eine Doku über Menschen, die ohne Jodeldiplom durchs Leben gehen müssen …

Ich bin 1 a, Hohlmichel raus!

Ob ich öfter neidisch bin? Ach was, gar nicht!

Sicher kommt es hin und wieder mal vor, dass ich das Aussehen, Einkommen, sexuelle Erleben, geringe Alter oder den Beruf Anderer bei mir besser aufgehoben fände, aber dies ist kein Neid, sondern höchstens eine ganz natürliche kritische Beobachtung hinsichtlich einer unausgereiften  Verteilungsgerechtigkeit.

Nehmen wir den Beruf. Ich hätte nach mittlerweile mehrfacher Betrachtung überhaupt nichts dagegen, Moderator des Dschungelcamps zu sein. Man wird 3 Wochen in den australischen Sommer verbracht, bekommt Geld dafür, ein paar dumme Sprüche loszulassen und lässt sich den größeren Teil des Tages die Sonne auf die Plautze brennen.

Vor allem befriedigte dieser Job meine sadistische Ader. Man sieht genüsslich dabei zu, wie ein knappes Dutzend Menschen die vielleicht mal ansatzweise prominent waren oder es zumindest gerne wären und samt und sonders unter fortgesetzter Beobachtung des Finanzamtes stehen, weil ihnen in besseren Zeiten niemand den Unterschied zwischen Brutto und Netto erklärte oder sie sich eine Immobilie auf einer ehemaligen Giftmülldeponie andrehen ließen, mitten in einen Naturpark geworfen werden und sich dort mit Känguruhhoden füttern lassen müssen.

Kennen muss man dieses intellektuelle Notstandsgebiet natürlich nicht, es reicht doch, wenn man sich von jedem Teilnehmer einen halbseitigen Lebenslauf zeigen lässt und 2 Minuten darüberschaut. Während die Dschungelcamper sich nachts mit Schlangen und Dingos um ihren Schlafplatz prügeln müssen, verbringt man entspannte Nächte im 5-Sterne-Hotel und kann sich dieses ständige gemeine Dauergrinsen selbst dann nicht verkneifen, während man das reichhaltige Frühstücksbuffet entlangwandert.

Okay,ganz anstrengungsfrei ist der Job auch nicht. Man muss jeden Tag von Anderen geschriebene Dialoge auswendig lernen und so tun, als ob diese ständigen Spitzen und gemeinen Wortspiele ständig spontan dem eigenen Hirnkastel entspringen. Außerdem muss man sich täglich mehrere Minuten zu dem bereits nach wenigen Stunden völlig verwilderten Aussatz begeben, um ihnen mitzuteilen, wer die nächste Prüfung zu absolvieren hat. Meist ergibt sich schon nach kürzester Zeit ein „Liebling“ der Fans, der dann so gut wie jedes Mal zur Prüfung ausgewählt wird. Man verlängert die Qual, indem man erstmal ausgiebig klarmacht, wer alles nicht zur Prüfung muss.

Davon aber mal abgesehen scheint mir das Ganze ein Riesenspaß zu sein. Sollte also Herr Bach demnächst doch platzen oder mit dem immens erfolgreichen Hape-Musical doch auf Welttournee gehen und unbekö … unabkömmlich sein, wollte ich nur kurz daran erinnern, dass ein gewisses Interesse meinerseits besteht. Ich benötigte nur ein wenig Vorlauf, wegen der betrieblichen Urlaubsplanung, aber da ich den Kalender verwalte, wird das auf jeden Fall klargehen. Muss die Kollegin ihre schwerkranke Mutter in Paraguay halt ein halbes Jahr später besuchen fahren …

I am your Wurst Nightmare!

Alter Mann mit nachlassender Warcr … Sehkraft bekommt sowas natürlich erst mit, wenn im Netz darüber geplaudert wird, aber doch immerhin:

Seit einiger Zeit finden sich hier und da offensichtlich die ersten aufgestellten Wurstautomaten. Nun ja, warum auch nicht, wenn es Fluppen, Getränke und Süßigkeiten oder sogar Ballerinas am Automaten gibt, warum dann nicht auch Wurst, eines DER deutschen Grundnahrungsmittel?

Ein wenig Nachdenken über das Warum sei dann aber doch erlaubt. An Automaten wird doch zumeist das angepriesen, auf das man spontan und zu jeder Uhrzeit Gelüste entwickelt. Das scheint mir bei Zigaretten und Schokoriegeln nachvollziehbar, bei Wurst nur bedingt. Klar, wer dachte sich auf dem Nachhauseweg von der Disse nicht schon einmal „Jetzt nen Happen Bierschinken oder Lyoner, das wärs“? Kaum jemand? Oooch!

Das mag dann auch erklären, warum ich bei einer kleinen Recherche entdeckte, dass der Betreiber eines Frankfurter Wurstomaten diesen plus den begleitenden und erst zur Hälfte ausgesessenen Knebelvertrag mit der vertreibenden Firma abgeben möchte. Vielleicht hat man doch die Absatzmöglichkeiten ein wenig zu optimistisch eingestuft. Vielleicht ist die Frankfurter Taunusstrasse auch nicht der klassische Absatzmarkt für derartiges. Banker suchen eventuell ja auch eher ein Zwischenlager für die eigene Wurst als sich noch eine zu ziehen.

Grundsätzlich möchte ich nun aber nichts gegen das Konzept gesagt haben, auch wenn ich mich persönlich eher an einem Käseautomaten stehen sehe. Existenzgründer voran, bestimmt ist es erfolgversprechender als noch ein Bubble-Tea-Shop.

Wir sollten uns dann allerdings auch an die tränenerstickte Stimme der Frau gewöhnen, die bei der Polzei angibt, ihr Mann sei doch nur mal kurz zum Geflügelwurstziehen runtergegangen und seitdem nicht mehr aufgetaucht.

Geflügelwurst, pffft, wer glaubt denn sowas …?

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 720 other followers