„So, unser nächster Anrufer ist T. Schwan aus Münster, der unter starkem Liebeskummer leidet. Hallo!“
„Ja, hallo, Domian! Schön, dass ich durchgekommen bin…“
„Für was steht denn das T.? Thomas? Theodor?“
„Tretboot!“
„Häähh…? Ach so, jetzt wird mir das klar. Ich habe mehrfach in der Presse über dich gelesen. Du bist das schwanenförmige Tretboot, in das sich eine reale Schwänin verliebt hat und die es jetzt für einen anderen realen Schwan verlassen hat.“
„Du beschreibst mich, als wäre ich irgend so ein Ding, das tut mir auch weh..“
„Ja, Entschuldige vielmals, das war nicht sehr sensibel“
„Weißt Du, früher kannte ich die Liebe nicht. Die Leute bestiegen mich, hatten eine schöne Zeit und ließen mich dann einfach zurück. Ich dachte, das Leben muss so sein“
„Mein lieber Schwan, Du glaubst nicht, wie oft ich dich diese Darstellung hier schon zu hören bekommen habe. Gestern erst von Agnieska aus dem hiesigen Bahnhofsviertel.“
„Ja, und dann kam sie mit ihrer Bewunderung für mich. Sie war einfach da, schaute zu mir auf und wich mir nicht mehr von der Seite. Zuerst wußte ich gar nicht, was ich damit anfangen sollte, aber nach und nach empfand ich etwas für sie. Auf einmal konnte ich mir ein Leben ohne sie gar nicht mehr vorstellen. Meine Güte, ich wurde geliebt, das war wundervoll..“
„Auch wenn man jetzt natürlich einwerfen muss, dass eure Liebe unter schwierigen Bedingungen stattfand. Ihr habt eine äußerst unterschiedliche Herkunft, sprecht nicht einmal dieselbe Sprache..“
„Doch, die Sprache der Liebe! Mir war schon klar, dass es nicht einfach wird. Auch körperlich war es…schwierig. Aber die Gefühle waren definitv vorhanden; auf beiden Seiten. Plötzlich schwomm sie aber immer öfter alleine weg, das kam mir schon merkwürdig vor. Und vor einigen Tagen sah ich sie dann. Mit ihm, diesem schwarzfedrigen Drecksack“
„Oh, das tut weh, das kann ich verstehen.“
„Ich war so liebesbeseelt, dass ich gar nicht bemerkte, wie sich die Dinge veränderten. Offenbar hat sie aber nach etwas gesucht, das ich ihr nicht bieten konnte. Womöglich war ich ihr auch einfach zu hölzern. Aber was soll ich tun? Ich kann nun mal nicht aus meiner…Ummantelung…“
„Die Liebe ist ein seltsames Spiel, sie kommt und geht von einem zum andern. Das was Du nun durchmachst, haben schon Millionen von…ähhh…also viele Millionen durchgemacht.“
„Das macht es aber nicht besser. ich würde mich am liebsten selbst versenken.“
„Tu das bitte nicht! Du weißt doch nicht, was das Leben noch für Überraschungen für dich bereithält. Du wirst darüber hinwegkommen. Lass den Schmerz heraus, es gibt ein danach, auch für dich!“
„Na, wenn Du meinst…“
„Klar! Auch Du wirst wieder schnäbeln eines Tages. Behalt nur schön den Kopf über Wasser.“
„Danke Dir! Tschüss!“
„So, unser nächster Anrufer ist Knut aus Berlin, der unter seiner rapiden Gewichtszunahme leidet…“