Manche Tatorte sind für mich schwer zu ertragen. Ich kann mit dem rheinischen Currywurst-Duo nicht viel anfangen, noch viel weniger mit den Münchner Wachtlhubern oder der Krimivariante von Heinz Beckers Familie.
Es gibt aber auch angenehmere Figuren. Das Duo Liefers/Prahl, der Herr Milberg aus Kiel oder Herr Selge und Frau May (obwohl das ja unter „Polizeiruf 110“ firmiert, aber das ist mir grad mal egal).
Der Frankfurter Tatort war bis vor einigen Jahren auch so ein Weggucker für mich, Lokalkolorit hin oder her. Herr Fliege von Hassel erreichte mich einfach nicht. In den letzen Jahren allerdings…gut, ich finde Frau Sawatzki immer noch ziemlich faszinierend in ihrer Rolle, bei der sie sich immer zu fragen scheint, was sie dort eigentlich macht. Andere finden sie nervig oder affektiert, vielleicht ich ja auch irgendwann.
Ich lache mich auch gerne mal ortskenntnisbedingt schlapp, wenn man dem Zuschauer eine 1 km lange kontinuierliche Fahrt vom Hauptbahnhof ins Präsidium zeigt und tatsächlich dafür jeweils 200 m Fahrt in fünf völlig unterschiedlich gelegenen Ortsteilen zusammenbastelt.
Letztlich sind aber Frankfurter Tatorte schwere Kost geworden und deswegen interessant. Nun der Fall des plötzlichen Todes eines Kleinkindes, der von den meisten gar nicht als plötzlicher Kindstod angesehen wird, nicht einmal der Vater glaubt dies. Die Mutter macht es mit ihrem Verhalten fast allen leicht, sie zu verdächtigen. Als lebensuntüchtig würde man sie spontan einstufen. Vor zwei Jahren ist ihr bereits ein Kind weggestorben. Als Kind war sie auch schon schwierig, stiehlt, haut ab, macht jeden Unsinn. Wer nicht ganz aus Beton gegossen ist, kann im Laufe des Films aber zumindest Mitgefühl für diese Frau bekommen, die vieles nicht versteht und nicht verstanden wird.
Die Falllösung steht gar nicht mehr so sehr im Mittelpunkt. Es sind die teilweise quälend langen Einstellungen, die einem fordern, sei es der Familie beim Nichtfunktionieren zuschauen zu müssen oder bei der Obduktion des Kindskörpers.
Letztlich war es doch anders, aber darauf kam es gar nicht mehr an. Es war die letzte Einstellung auf eine kleine Familie, die sich aneinander klammerte und von der man ahnt, dass sie es wohl kaum schaffen kann, aber vielleicht ja doch, die mich vor allem berührte.
Keine leichte Kost, vielleicht auch etwas zu sehr darum bemüht, noch tiefere gesellschaftliche Abgründe aufzuzeigen, aber allemal bewegender als 2 Stunden Cobra11 mit 46 Überschlägen und Explosionen auf der Autobahn.
Und, ja, „KDD“ ist auch ganz toll, ist halt nur eine blöde Sendezeit. Außerdem bete ich darum, niemals in das Kreuzfeuer eines solchen Haufens zu kommen…