Eurostar Doherty

7 06 2008

Wenn sich drei von vier Kleinstbeiträgen einer Zeitung in der Rubrik “Aus aller Welt” in negativer Ausrichtung mit öffentlichen Verkehrsmitteln beschäftigen (Albtraum-Nacht im Eurostar, Zweijähriger von Lok erfasst und getötet, Rentner gesteht U-Bahn-Schubserei), möchte ich mich berufen fühlen, dem Volk da draußen dennoch zuzuraten, weiterhin öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, denn irgendwas ist ja immer. Der vierte Artikel beschäftigte sich übrigens mit einer Treibstoff-Explosion in einem russischen Hafen und dafür können die Öffis nun wirklich nix.

Der geschubsten U-Bahn möchte ich hingegen dazu raten, beim nächsten Mal ordentlich zurückzuschubsen. Das mag nicht sehr christlich sein, wird aber nachhaltigen Eindruck bei dem Herrn Schubs-Rentner hinterlassen.

Der Eurostar-Artikel verdient aber eine nähere Würdigung. Es ging darum, dass ca. 500 Fahrgäste in der Nacht zu Freitag 5 Stunden im Eurostar zwischen London und Paris im Dunkeln ausharren mussten. Warum dies passierte, darüber schweigt sich der Artikel leider aus, aber man darf von einer Kurzmitteilung auch nicht zuviel erwarten.

Der letzte Satz dieser Meldung ist allerdings so hinreißend, dass man sich spontan in ihn resp. seinen Verfasser oder seine Verfasserin verlieben möchte:

“Der Rockmusiker Pete Doherty verpasste sein eigenes Konzert.”

Ist dies nicht wundervoll formuliert? Dieser Satz erhebt sich ob seiner Majestätik leichtfüßig den strengen irdischen Fesseln von Zeit, Raum und Logik. Kleinbürgerliches Mäkeln ist dann schlicht nicht mehr möglich. Stattdessen wünscht man diesem symphatischen Musiker, der ja durch seine Drogenprobleme schon reichlich gebeutelt ist und der immer noch seiner Vermossenen nachzutrauern scheint, dass er bald jemanden treffen möge, der ihm möglichst detailliert erzählen kann, wie es denn so war, das Konzert, damit er wenigstens ein klein wenig das Gefühl haben darf, dabei gewesen zu sein.

Fahr trotzdem weiter Zug, lieber Pete, und schmähe die schnöden Flieger. Du bist auf dem richtigen Weg!


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