Til, die gottlose Fledermaus

28 08 2008

Dass Gott tot sein soll, weiß man ja spätestens seit NitzNietsch…Schopenhauer, jetzt wird es auch noch romanhalber unterstellt. Ronald F. Currie benennt seine Erzählung nämlich so (Also „Gott ist tot“ und nicht „Gott soll tot sein“) und führt auch gleich noch aus, wie es dazu kam und welche Konsequenzen es hat oder vielmehr haben kann.

 

Wie es dazu kam? Gott schlüpfte wegen akutem schlechten Gewissen über das, was er so angerichtet hat, in den Körper eines Menschen und zwar – man will es sich ja nicht zu leicht machen – einer Flüchtlings-Stammesfrau in Darfur. Prompt wurde ihm/ihr auch an einem Weidezaun von marodierenden Truppen das Leben genommen. Aus verschiedenen Gründen wurde nun auch noch in der Welt bekannt, dass Gott tot sei, was die verschiedensten Folgen mit sich brachte, wie man sich leicht denken kann.

 

Der Erzählstil ist überwiegend düster, aber auch immer wieder von kaum hellerem Humor durchzogen. Das Buch bekam sehr unterschiedliche Kritiken, aber ich würde grundsätzlich Interessierten dazu raten, es erst zu lesen und dann ggf. zu meckern.

 

Während der Lektüre wird einem erstmals oder auch mal wieder die Vermutung nahegelegt, dass es nicht unbedingt eines Gottesbeweises bedarf, jedoch zumindest die Möglichkeit einer göttlichen Fügung oder eines sonstwie von irgendwo her bestimmten und gewollten Schicksals notwendig ist, um die Menschheit in ihrer gewohnten Funktion zu belassen. Das jedoch ist das Erstaunliche an der Geschichte: Die Welt geht nicht unter, sondern sie dreht sich weiter, auch die Menschen existieren weiterhin, aber halt anders.

 

 

Es braucht nicht viel, um an der Existenz Gottes zu zweifeln, dafür reicht mitunter bereits ein Kinobesuch. Wenn es ihn denn gäbe, den Allmächtigen, ließe er wirklich zu, dass einem arglosen Zuschauer, der sich eigentlich nur einen Lehrfilm über in Großstädten lebende Fledermaushumanoide und weißgesichtige Grinsekatzen ansehen möchte, per Trailer kurz aufeinanderfolgend die angedrohten Machwerke des Herrn At.ze Schrö.der (als U-Boot-Kapitän) und des Herrn Schwei.ger als eineinhalbter Ritter unter Mitwirkung der Herren Gott(!)schalk und Urgroß(j)opi Hees.ters aufgezwängt werden? Was für eine Welt, was für ein Gott ist das denn?

 

Von anderen schlimmen Dingen mal ganz zu schweigen…

 

 





Nachkommastelle rulez!!!

25 08 2008

Ohooooo! Ich habe 400 Kommentare zu meinem letzten Posting erhalten. Na, eine solche Resonanz hätte ich nun wirklich nicht..*guckbeschämt*…aber wo sind sie denn? *augenreib*…Ach, das heißt gar nicht „400″ sondern „4,00″ !

Ja, da sag ich doch mal DANKE an die Götter von WordPress. Darauf haben wir doch wirklich dringender gewartet als auf das 1-Liter-Auto oder sich selbst rauchende Zigaretten. Endlich, endlich ist es möglich, auch die ganzen Halb- und Viertelkommentare gebührend darzustellen. Wenn es das Wort „lebensbereichernd“ nicht bereits gäbe, hierfür wäre seine Einführung spätestens gerechtfertigt gewesen.

Nochmals 1,00 ganz herzliches Dankeschön!!!





[desastrous flirting]

21 08 2008

Aus der Reihe „Wie man sich das Leben mal wieder unnötig schwer macht“ heute:

 

Fünf nicht allzu erfolgversprechende Varianten, einen Kollegen/eine Kollegin, auf den/die man ein Auge/eine Augin geworfen hat, anzuflirten:

 

5. „Kannst Du mal schauen, was ich da auf dem Schulterblatt habe? Ist das ein Furunkel oder so was oder eher ein Eiterpickel?“

 

4. „Du wohnst doch in meiner Gegend, kannst Du mich mit auf die Arbeit nehmen? Die haben mich mal wieder ratzeblau beim Autofahren erwischt und jetzt ist mein Lappen weg.“

 

3. „Dieses Shirt steht Dir ausnehmend gut, wirklich. Das könnte ich jeden Tag an Dir sehen. Naja, eigentlich tue ich das ja auch…“

 

2. „Du magst doch auch Tiere, oder? Ich habe mir jetzt in der Tierhandlung eine burmesische Stinkohrenechse gekauft. Möchtest Du mal vorbeikommen und sie Dir ansehen?“

 

1. „Stehst Du auch so auf den Wendler wie ich?…sie liebt den DJ…lala….total geil….der kommt am Wochenende in unsere Stammdisko. Kommste mit?“





Bezahlen nach Zahlen

20 08 2008

Wenn Internet-Auktionsportale sich überlegen, wie man noch mehr Menschen zum Kaufen und bieten bewegen könne, kommen mitunter schon sehr eigenartige Ideen dabei heraus. Zunächst durfte man sich seine Lieblingsfarbe heraussuchen und bekam Produkte der jeweiligen Farbe präsentiert, jetzt geht es um die Lieblingszahl.

Wählt man nun also spaßeshalber zum Beispiel die 4, so erscheinen eine ganze Reihe mehr oder weniger naheliegender Produkte. Das Spiel „Vier gewinnt“ (Schönen Gruß an Ani) in den verschiedensten Variationen, CDs von den einen Fantastischen Vier, Comics über die anderen Fantastischen 4, Die 4. Folge von der Biene Maja, eine 4-CD-Box „Die Abenteuer des Pater Brown, DVDs der Filme „Vier Hochzeiten und 1 Todesfall (geht ja auch für die „1“), „Die schrillen Vier auf Achse“ oder „Der Teufel kommt um 4“ usw. Aber auch eher ungewöhnliche Dinge wie ein Vier-Tages-Aufenthalt im schönen Tirol (am Vierwaldstätter See wäre noch sinniger gewesen), eine Themen-Wanduhr „Kein Bier vor vier“ oder die DVD „Die 4-Wochen-Ananas-Diät“.

Dann aber begann ich heftigst zu stutzen. Sollte sich die Suchfunktion hier etwa vertan haben? Angeboten wurde nämlich ein acht(!!!)teiliges Messerset einer renommierten Marke. Nanu? Gilt das Suchkriterium jetzt auch für die Mehrfachen von Vier? Oder hat sich da etwa ein Fehler ins System geschlichen? Die schnöde Auflösung: Es handelt sich um ein sog. „4-Sterne-Set“.

Da muss ich dann aber doch mal höflichst unter der Gemeinde herumfragen: Kauft man heute wirklich so ein? „Ach, Schatz, ich hätte so gerne mal wieder irgendetwas violettes oder etwas mit der 7. Lass uns doch mal im Internet schauen“?

Ist das der Einkaufszettel der nahenden Zukunft?:

200 Gramm rot,

1 Packung mit 3,

2 große Dinge,

Etwas, das süßlich riecht,

1 rollendes Etwas

4 Scheiben längliches

Ist das dann sinnenorientiertes Einkaufen? Oder eher sinnfreies? Also ich weiß nicht…

Ich 8e auf weitere Entwicklungen.





So Tage halt…

19 08 2008

Der Himmel ist grau und es regnet vor sich hin. Mehr als ein Tröpfeln, aber auch keine Wasserfluten. Regen halt. Gabs ja schon öfter in meinem Leben, sogar in meiner Kindheit in den 70er Jahren (des letzten Jahrhunderts). Gelegentlich aber drängt es mich, immer wieder aus den Fenstern und nach dem Regen zu schauen. Ob er noch da ist vielleicht. Eventuell musste er ja auch mal dringend woanders hin oder Fluppen holen gehen…

 

Beruhigend, nicht traurig machend. So ist das eben an einem Herbsttag. Sommer hatte ich ja gestern und sogar etwas daraus gemacht. Nun ist noch nicht direkt Herbst aber nennen wir es einfach eine Vorschau auf künftige Attraktionen.

 

Plitsch, platsch…Menschen rennen durch den Regen. Die haben bestimmt alle gelesen, dass man weniger Regen abbekommt, wenn man durch den Regen rennt statt gemütlich durchzuflanieren. Das ist aber doch keine Salzsäure, jemine.

 

Ich säße jetzt gerne in einem kuscheligen kleinen Garten unter einem kleinen Vordach, das mich nur ein klein wenig nass werden lässt und könnte die nächsten Stunden einfach nur etwas eingemummelt schauen, wie es so vor sich hin regnet. Mehr bräuchte es nicht. Naja, vielleicht eine Tasse Bohnengesöff oder so. Oder eine herzensgeliebte Person zum gemeinsamen Regenschauen, das wäre was. Wieso überhaupt „oder“? Kaffee und Liebelein müsste doch  parallel möglich sein.

 

Es regnet immer noch. Warum auch nicht? Ist doch okay…





Gebrochene Flügel und Wiedergeburt

19 08 2008

Das mit dem Ersteigern von günstigen Bahntickets hat ja eher nicht geklappt, aber wenn ich schon mal in der ebucht unterwegs war, hat es nun zumindest zum Erwerb des sog. „weißen Albums“ der Beatles in einer Special-Edition gereicht.

 

Zu den 4 Herren aus Leberhausen könnte ich das Eine oder Andere anmerken, aber ich möchte es heute bei zwei Dingen belassen:

 

Als der damals noch lebendige George Harrison Anfang der Neunziger Jahre von Reportern gefragt wurde, wann denn jetzt mal mit einer Reunion der Beatles zu rechnen sei, soll er geantwortet haben „Nicht solange John Lennon tot ist!“.

 

Das ist für mich nach wie vor die lässigste Antwort, die man zu diesem Themenkreis geben konnte. Außerdem lässt sie zumindest bei Menschen vereinzelter Glaubensrichtungen Platz für Hoffnung…

 

Um bei diesem Thema zu bleiben: Wenn ich wieder geboren werde (Achtung, liebes Schicksal, ich meinte WENN und nicht FALLS, ich hoffe, wir haben uns da verstanden), möchte ich sehr gerne haben, dass zu meinem erneuten Hinausschlüpfen „Blackbird“ von besagtem weißen Album gespielt wird. Jajaja, das ist ein ganz großes Klischee, das schon bei Tausenden, wenn nicht Millionen von Kindsgeburten lief, von denen bestimmt (ich habe nicht die Zeit, das wissenschaftlich untermauern zu lassen) einige der Bälger trotzdem kriminell wurden oder in die Politik gegangen sind. Trotz alledem ist es einer der wunderbarsten Songs von vielen wunderbaren Songs aus der Feder der Beatles und man wird ja schließlich mal einen Wunsch äußern dürfen, ich mache es lieber rechtzeitig…

 

So, jetzt noch ein Nachtrag – oder nennen wir es themengerecht Bonustrack – aus gegebenem Anlass:

In obigem Text kommt unter anderem die Formulierung „Anfang der Neunziger Jahre“ vor. Seit einiger Zeit läuft man bei derlei Beschreibungen Gefahr, von einer gewissen Spezies Mensch dahingehend korrigiert zu werden, dass man nahe gelegt bekommt, diese Formulierung um den Zusatz „des letzten Jahrhunderts“ zu ergänzen, denn immerhin befinden wir uns ja zwischenzeitlich jenseits des Jahres 2000.

 

Liebe Mitdenkenden, sehr wohl habe ich den Zeitenwechsel mitbekommen. Da aber die neunziger Jahre des laufenden Jahrhunderts noch nicht angebrochen sind, die meisten der Blogleser, welche den Text vor Augen haben, 1890 noch durch Nichtexistenz glänzten und die Thematik zudem deutlich auf das 20. Jahrhundert hinweist, habe ich mir erlaubt, diesen Zusatz beiseite zu lassen. Wer nunmehr immer noch einen wertvollen Hinweis dazu geben möchte, darf sich gerne eine kostenlose Ohrenverlängerung bei mir abholen, aber sowas von…





Clever tanken

15 08 2008

Der Landkreis, in dem ich wohne, ist mit „Stadt, Land, Fluss“ ziemlich gut beschrieben. Am Horizont zeichnet sich die Skyline der einzigen größeren Stadt in Deutschland ab, die überhaupt über so etwas wie eine nennenswerte Skyline verfügt. Am andern Ende des Horizonts arbeiten sich LPG-große Kornfelder an die vereinzelt liegenden Gemeinden heran, im Westen steht der Taunus und sorgt dafür, dass sich Gewitter solange nicht über ihn hinwegsetzen können, bis sie sich ordentlich über uns abgeregnet haben.

 

Die Menschen, die in solch einer Gegend leben, verankern sich ebenfalls zwischen Hochhaus und Erdscholle, zwischen urbanem Afterworkpartygänger und schlauer Bauer. Morgens geht man in den Baumarkt, am späteren Tag dann zu „Jean’s Weinlädchen“ und in beiden Fällen kann man sich ganz prima über Erde und Holz unterhalten.

 

So ganz ohne Auto ist es in meinem Landstrich schwierig, seine täglichen Besorgungen zu machen. Wenn dann das notwendige Gefährt plötzlich anfängt, deutlich mehr Benzin als vorher zu verbrauchen, schaut man sich das eine Zeitlang verwundert bis verärgert an. Irgendwann befindet man schließlich, dass dies eine Scheißkarre sei und beschließt, diese zu verkaufen, soll sich halt ein anderer damit herumärgern.

 

Vorher fährt man aber noch mal zur Werkstatt, entweder um herausfinden zu lassen. woran es liegen könnte oder aber die Benzinschleuder für den Weiterverkauf herrichten zu lassen. Wenn einem dann der Werkstattmeister mitteilt, dass offenbar ein moralisch ungefestigter, jedoch cleverer und technisch versierter Jemand ein Loch in den Benzintank gebohrt und dies mit einem Drehgewinde verschlossen hat, um sich über mehrere Wochen hinweg  immer wieder mal einen Gratisschoppen Benzin zu gönnen und damit den preistreiberischen Scheichs eins auszuwischen, dann ist man sicher zunächst verwundert, denkt dann schließlich aber „Sowas gibt’s auch nur hier“ und erzählt es einer überregional bekannten Zeitung, die damit wieder ein wenig Sommerloch stopfen konnte.

 

Ja, so ist das hier…





Geld schlägt Hirn?

13 08 2008

Wenn man mal wieder mehr Monat als Penunze hat und sich mit Ungetier um Brotreste balgen muss, ist es doch immerhin aufheiternd, zu erfahren, dass es irgendwo eine Gruppe von Menschen gibt, denen es augenscheinlich viiiel besser geht, was das globale Glücksgefühl doch erheblich befeuern kann.

 

Eine gewisse Gruppe von Schauspielern beispielsweise. Nee, nicht die abertausende, die in L.A. autowaschen, kellnern oder pornographieren müssen, während sie auf die eine große Chance warten, sondern die Elitetruppe, die Blockbuster-Kings and -Queens.

 

Deshalb werden selbige auch immer wieder gerne mal in eine Rangliste der Allerbestendesverdienenden gestopft und diese der Öffentlichkeit zum Maulaufreißen vorgelegt. Spitzenreiter bei den Herren ist derzeit immer noch Schmitzens Willi, im Damenschauspielern häuft hingegen Frau Diaz die meiste Kohle an, nämlich in ihrem Fall so zirka 50 Mio. durchstrichene S per Anno.

 

Mir wurde das mal wieder von meinem Internet-Provider mitgeteilt, der diese kleine Geschichte natürlich textlich noch etwas aufhübscht. Da wird dann u.a. davon gesprochen, wie diese Spezies in Saus und Braus lebt und vor allem – ich zitiere – „sich dumm und dämlich verdient“

 

Ich bin ja grundsätzlich ein großer Anhänger von Ursache und Wirkung und kann mich immer wieder kindlich darüber begeistern, wenn eines zum anderen führt, aber in diesem Fall..ähhh..wie soll ich sagen…?…wird hier die Wirkung von Geld nicht ein wenig überschätzt?





„Swingtime is good Time! Good Time is better Time!“

12 08 2008

„Fleisch isst mein Gemüse!!!“ wäre ein empörter Aufschrei, den ich auch schon gerne mal gehört hätte. War aber nicht und das Buch wie auch der darauf basierende Film müssen mit einem s weniger auskommen.

 

Buch fand ich gut, Buchverfilmungen lassen mich meist schon im Vorfeld erschaudern. Bei dieser bestätigten erste Kritiken meine Vermutungen, also bin ich dem Film erstmal ferngeblieben. Jetzt aber Openairkino, muss man ja ein- bis achtmal pro Sommer gemacht haben, lauschiger Abend, lecker Versorgung und alles, also gut, warum auch nicht?`

 

Darum! Ja, jetzt weiß ich es wieder. Bis in die späte Mitte des Films hangelt sich dieser sehr eng am Buch entlang, was ihm gut tut und von mir schwer gegutheißt wird. Dann aber kommt eine bislang nicht bekannte Lovestory ins Spiel. Nun gut, dachte ich mir, warum nicht? Der junge hatte es ja vorher auch nicht wirklich einfach im Leben, gönnen wir es ihm. Wenn dann aber noch ein fragmentarischer Song des halbverbrannten G**mbay Dance Band-Frontmannes auftaucht, den er mit seiner Liebe, die glücklicherweise auch noch laut und angenehm singen kann, komplettiert und ihn bei einem Musikkonzern unterbringen will, dort aber an der Konzernmatratze hängen bleibt, das Handgemenge dazu führt, dass das Tape quer durchs Foyer und dem abgedrehten Konzernchef genau vor die Füße fällt, was letztlich zu einem ungeahnten Karrieresprung des Brot-Agonisten Heinz führt, muss ich mich schon mit Recht fragen dürfen: „Häääähhh????“  Solche überkandidelten Sujets hätte man doch eher in 80er-Jahre-Dödelfilmen wie „2 Nasen tanken bleifrei“ vermuten dürfen. Wo waren denn Gottschalk und Helmut Fischer hier?…gut, letzterer ist bis auf weiteres entschuldigt…

 

Im Gegenzug wird dafür aber das weitere Schicksal der gar nicht mal unsymphatischen Schützenfest-Muckerband unauffällig weggefräst. Das ist schaaade. Ich gebe zu, dass das Buchende nicht gerade ein Special-Effects-Highlight darstellt, aber symphatischer war es allemal. Ach, Mensch, Heinz!…

 

Das Ganz-hinten-Ende, das war dann aber wieder versöhnlich, als auch die tote Mutti und die noch totere Nachbarin wieder auflebten und mitjammten. Das sollte ich schon noch erwähnen, ich will ja hier nicht als der permanente Meckerfritze gelten.

 

Mittelmäßig abgeliefert würde ich mal sagen…





Walk this Way!

8 08 2008

So, das wäre es dann mal wieder: Emanzipation hin, Postmoderne her, bei der Bewertung des bevorzugten Gangs des gegnerischen Geschlechts bleibt wohl alles beim alten.

 

Nach einer Umfrage sehen Männer Frauen am liebsten, wenn sie einen katzenähnlichen, leichtfüßigen aber erotisch anmutenden Gang haben. Frauen hingegen mögen wohl mehrheitlich bei Männern immer noch die John-Wayne-Ausstattung, wie soeben vom Pferd gestiegen.

 

Jaja, die guten alten archaischen Muster…aber mal abgesehen davon: Wenn man z.B. im Café sitzend anderen Menschen beim flanieren zuschaut, lässt sich doch so einiges an der Gangart ablesen. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um die Tausende von Arten wie Menschen sich fortbewegen, sondern eher um eine vorhandene oder fehlende Stimmigkeit. Manche Menschen gehen so, wie man es von der Erscheinung her auch vermuten würde. Dynamisch, stolz, schüchtern, raumgreifend, vorsichtig, tänzelnd oder was auch immer.

 

Bei einigen allerdings steht der Gang in einem unübersehbaren Gegensatz zur sonstigen Erscheinung. Ich kann mich heute noch erinnern, wie ich einige Sekunden an einem vorübergehenden Mann blicktechnisch hängenblieb, ohne mir im ersten Moment erklären zu können, warum. Dann fiel es mir auf: Er war in feinsten Businesszwirn gewandet, auch sein Blick strahlte diese typische Ich.bin-wer-Arroganz aus, aber sein Gang war derart deprimierend, als hätte er kurz hintereinander erfahren müssen, dass er seinen Job los ist und für den Rest des Lebens impotent sein wird. Das Gesicht zeigte dies nicht, der Gang jedoch…

 

Auch gab es da dieses Zwischending aus Mädchen und Frau – nennen wir es Frädchen – , das gekleidet war wir eine MTV-generierte Upperclass-Schnitte, die selbstbewusst im Designerkleidchen und mit Chanel-Sonnenbrille verziert ihre regelmäßige Edelboutiquentour absolviert, während sie telefonisch nochmals kurz checkt, wann der VIP-Einlass des Clubs öffnet. Die Highheels, auf denen sie herumturnte, müssen jedoch neu oder grundsätzlich noch ungewohnt gewesen sein, denn bei jedem ihrer Schritte bestand akute Absturzgefahr, was ihren Gesamteindruck fast schon symphatisch konterkarierte.

 

Ich möchte mir jetzt nicht anmaßen, zu behaupten, der Gang wäre verräterischer als der Gesichtsausdruck, aber es ist ein gar feines Beobachtungsmoment. Mir sagt man übrigens auch nach, dass man mir meine Verfassung am Gang ablesen könnte, aber das ist keine Kunst, da reicht schon ein Blick in mein Gesicht. Ich selbst kann über meinen Gang nicht viel sagen, denn ich bin keine Du-Darfst-Schnepfe, die sich bei jedem Schaufenster an sich selbst begeistert. Im Zuge eines gekonnten Selbstmarketings behaupte ich jetzt jedoch einfach, dass mein Gang grundsätzlich lässiger Art ist…na ja, bis ich mal wieder an einem Pflasterstein kleben bleibe oder eine Stufe übersehe.

 

Zwei Dinge nerven mich allerdings gewaltig: Das unaufhörliche „quatschquatsch“ sich festsaugender und wieder lösender Käsequanten in Flipflops und Menschen, die einen extrem schlurfenden Gang drauf haben. Da kann ich mich nur mit Mühe zurückhalten, nicht sogar mir völlig fremde Menschen anzuschnauzen, sie sollen mal ein wenig die Füße heben. Komisch, ich kann mich keines Ereignisses erinnern, das eine derartige Antipathie nachvollziehbar machen könnte. Ich bin auch kein geläuterter Ex-Schlurfer, denn die können ja meist die schlimmsten sein.

 

Aber wie man daran sieht, kann es doch so einfach sein, gut mit mir auszukommen. Die Flipflops im Schrank lassen und ein wenig die Füße heben beim Gehen, schon ist alles in Ordnung und keinem wird etwas geschehen…