Sitze mit einem Cappucchino to go (hmmm…ist das paradox? Oder gar rechtswidrig?) inmitten eines halboffnen „Einkaufscenters“ im Rheinmainischen. Der Kaffee wärmt die Hände und ich überlege, warum ich mir nicht eine meiner beiden letztens erworbenen Mützen mitgenommen und aufgesetzt habe. Da hat mal pure Gesundheitsbewusstheit über Eitelkeit gesiegt, aber ich habe nichts davon. Nun liegen meine Mützen gemütlich bei mir zuhause im warmen Zimmer, wahrscheinlich bei Tee und Spekulatius, und lachen sich scheckig über mich, während mir hier die letzten aktiven Hirnzellen in den Kälteschlaf wandern …
In der Eisdiele schwadronieren immer noch die selben südländischen Typen herum, die ihre Haare mit kaltgepresstem Olivenöl statt mit Shampoo waschen und es finden sich immer wieder Mädels, die ihnen hinterher schauen.
Ein mittelgroßer schwarzer, wohl noch recht junger Hund entdeckt einen Artgenossen, der ihm bis auf s Haar gleicht. Schnauze an Schnauze und schwanzwedelnd stehen sich die beiden gegenüber, das simultane Beschnuppern verläuft allerdings sehr enttäuschend und so langsam scheint man an seiner sinkenden Rute zu erkennen, dass in ihm zumindest eine Ahnung davon aufkeimt, was ein Spiegelbild sein kann …
In den Gesichtern der Vorbeilaufenden kann man bereits jetzt die sich ausbreitende Weihnachtseinkaufpanik ablesen, noch gehen sie einigermaßen gemessenen Schrittes, in den nächsten Wochen wird der Schritt hastiger, der Gesichtsausdruck noch grimmig-entschlossener und der Blick noch hastig-suchender werden, deshalb werde ich mich den Rest des Jahres lieber aus solchen Centern fernhalten.
Mein Cappu wird kälter, während ich gedanklich abdrifte und plötzlich tut mal wieder die Welt weh, wie schon des öfteren in den letzten Wochen seit …
Die Zeit alleine ist eine bestenfalls mittelmäßig begabte Wundenheilerin. Sie schafft Distanz und fordert einem mit weitergehendem Leben, die Verarbeitung all der aufgewühlten und sich abwechselnd in den Vordergrund drängenden Gefühle nimmt sie einem nicht ab.
Mir fällt mal wieder auf, dass es mir inmitten einer Menschenmenge meist leichter fällt, mich mit meinen Gefühlen auseinander zu setzen als alleine mit meinen Mützen in der heimischen Stube.
Glücklicherweise meldet sich jetzt noch ein weiteres, ungeduldiges Gefühl namens Hunger und fordert Aufmerksamkeit. Meinem Magen ist bereits vorhin im Vorbeigehen aufgefallen, dass dort in diesem kleinen Laden diese leckeren italienischen Focacchio liegen, am besten die mit Fetakäse und einer Menge Grünzeug, alles leicht erwärmt … erwärmt ist gut …
Schnell noch bei einem Unterhaltungsgiganten eine DVD im Angebot für einen Freund holen, der mir dafür im Gegenzug eine CD im Angebot von einem anderen Unterhaltungsgiganten mitbringen wird (Der Gefangenenaustausch Colin gegen Grace findet später statt) und dann nach Hause zu den Mützen …und dem Spekulatius …