Im derzeitigen Wirtschaftstrubel wird verstärkt wieder auf Selbstbesinnung gesetzt. Insbesondere das Leben im Hier und Jetzt und die damit verbundene Achtsamkeit sich selbst und den Dingen gegenüber wird hierbei in den Vordergrund gestellt. Wenn man isst, sich mit allen Sinnen ausschließlich auf das Essen konzentrieren, statt Nebenbeifutterei während man Fernsehen schaut oder im Netz chattet, ist eine dieser Achtsamkeitsübungen.
Und überall wo man achtsam ist, stößt man auf Dinge, die zwar schon immer da waren, sich aber unterhalb der eigenen Wahrnehmungsschwelle befanden und nun erst mit neuen Augen tatsächlich gesehen werden. Dann beginnt auch der gedankliche Auseinandersetzungsprozess.
Hier beispielsweise steht, wann immer man eigenes oder fremdes Gedankengut kommentiert, ganz unten folgender Satz:
„Du bist der Autor dieses Beitrags“
Sofern man es überhaupt wahrnimmt, rutscht einem bestenfalls ein gedankliches „Weiß ich wohl, Dösbaddel!“ durch die Hirnwindungen. Erst in einem lichten Moment wird einem die philosophische Strahlkraft dieses ach so unscheinbaren Satzes bewusst und man verfällt in ehrwürdiges Erstaunen.
„Du bist der Autor dieses Beitrags“ . Ja, ich bin. Ich schreibe, also bin ich. Ich lese, also bin ich. Ich denke, also … usw … Und ja, ich bin ein Autor! Ich stelle kraft meiner Gedanken, meiner Empfindungen und meiner tastentippenden Finger Buchstaben aneinander und schicke diese Elaborate, seien es literarische Momentaufnahmen, die Essenz langen Nachdenkens oder Erlebens, purer Nonsens oder Schmuddelliteratur, in die Unendlichkeit des Netzes. Dort werden – von mir nicht mehr beeinflussbar – diese Worte von Anderen wahrgenommen und lösen etwas aus. Zustimmung, Ablehnung, Gelächter, Ärger, herablassende Kommentare oder vielleicht auch kleine Perspektivverschiebungen im inneren Weltgebäude.
Und genau so wie ich Autor verschiedener Beiträge bin, bin ich auch Rezipient der gedanklichen Auslassungen Anderer, die mich mal mehr, mal weniger erreichen und beeindrucken, mir die Zornesader schwellen lassen, ein müdes Abwinken erzeugen oder dafür sorgen, dass ich Gefahr laufe, mich in jemanden nur aufgrund einiger hingehuschter Zeilen zumindest virtuell zu verlieben.
Wunderwelt der Worte. Wie selten wird einem dies bewußt.
Ja, ich bin auch der Autor dieses Beitrages (und des Beitrages darunter, so klein ist die Welt) …
