Vor-Stellungs-Gespräch

29 03 2009

Möööönsch, ist das aber schlagartig lange hell da draußen, nicht wahr? Liegt wahrscheinlich am besseren Wetter. Trotzdem hat man heute aber das Gefühl, der Tag ginge rum wie nix, oder? Und wieso läuft „Fluch der Karibik 2″ denn schon so ungewohnt früh?

Dämmert außer dem Tageslicht da jetzt vielleicht etwas?

Nein?

Na, dann auf jeden Fall viel Spaß morgen früh! ;o)





Hurra, hurra, die Schule pennt!

27 03 2009

Moin, moin aus Schietwetter-Hamburch!

Soso, die Schülerinnen und Schüler des Berliner Paul John-Lennon-Gymnasiums wurden also befragt, ob sie nicht lieber zumindest im Winterhalbjahr erst um 9 Uhr zu Schule gehen möchten. Das Ergebnis fiel unterschiedlich aus: Während die unteren Jahrgänge sich mehrheitlich für die Beibehaltung des Status Quo aussprachen, votierten die älteren Semester überwiegend für einen späteren Schulbeginn, u.a. um besser das berühmte Berliner Nachtleben auskosten zu können.

Nachtleben?!?!? Ich glaube, es bollert!!!

Während also Papi und/oder Mami morgens frühe um fünfe aus der Koje müssen, um die Familie mit ihren Erst-,Zweit- und Drittjobs irgendwie über Wasser zu halten, drehen sich die Blagen noch genüßlich zwei- bis dreimal um und die wenigen bereits funktionierenden Hirnzellen gehen der Frage nach, ob das grünliche Gesöff vom Vorabend tatsächlich Absinth oder doch wieder nur Berliner Weiße mit Waldmeister war.

Schüler sollten den Begriff „Nachtleben“ überhaupt nicht kennen und erst recht nicht an einem solchen teilnehmen. Schule, Hausaufgaben, Zimmer aufräumen, Essen vorbereiten, Abendessen, ein wenig fernsehen, Zähne putzen und je nach Jahrgangsstufe spätestens ab 22 Uhr Bettruhe, so wäre das ja wohl richtig.

Nachtleben, pah…

Und überhaupt: Halloooo, Leute, ihr seid am John-Lennon-Gymnasium! Da wird einfach mal mit „ja“ und „nein“ gestimmt und gut is? Man sollte bei diesem Namensgeber doch zumindest davon ausgehen, dass die Anhänger der jeweiligen Variante mit tage- oder wochenlangen Sit-Ins, Bed-Ins, Teach-Ins und Sonstwas-Ins auf sich aufmerksam machen. Die Klassenräume werden besetzt und die Klampfen herausgeholt, die Jüngeren trällern „Morning has broken“ (gut, is jetz nich Lennon, aber wurschtegal) während die Älteren mit „Whatever gets you thru the Night“ kontern.

War aber nix, gelle? Klar, sonst hätte man ja auch zuviel Nightlife verpasst.

Mannmannmann, diese Jugend …

Kommentare zum Wattestäbchen-Phantom spare ich mir übrigens auf; ich bin immer noch nicht schlüssig, ob ich mich darüber weiterhin tagelang auslachen sollte oder heftigste Bedenken hegen …





Der seltsame Fall des Ben.edict Sixt.een.

19 03 2009

Sehr geehrter Herr Josef R.,

ich spreche Sie ganz bewusst mit ihrem bürgerlichen und nicht mit dem Künstlernamen an, denn ich möchte nicht den Glaubensvorstandsvorsitzenden, den größten Brückenbauer, den Unfehlbaren, sondern den Menschen in Ihnen ansprechen.

Haben Sie einen kleinen Moment? Dann möchte ich Ihnen gerne etwas erzählen. Dauert echt nicht lange. Also, es gibt Untersuchungen über die Entwicklung von Verkehrsunfällen und die damit einhergehenden Verletzungen und Todesfälle. Laut diesen Untersuchungen geht seit einigen Jahren die Zahl der bei Unfällen Schwerstverletzten und Getöteten permanent nach unten, was ja gut ist. Gleichzeitig steigt die Zahl der Verkehrsunfälle insgesamt aber immer weiter an. Der Grund für diese Entwicklungen sind nach Meinung von Wissenschaftlern Airbags und andere Sicherheitsmaßnahmen. Sie verhindern seit Jahren sehr oft schwerere oder tödliche Verletzungen, fördern aber bei den Autofahrern das subjektive Sicherheitsgefühl, was diese zu einem riskanteren, schnelleren Fahrstil verleitet und deshalb die Unfallhäufigkeit erhöht.

Um die Zahl der Unfälle insgesamt zu reduzieren, so die Wissenschaftler, müsse man in die Lenkräder statt Airbags Speerspitzen einbauen, die bei einem Aufprall herausschnellen und sich lebensbeendend in die Brust des Fahrers bohren. Die Zahl der Unfälle ginge daraufhin drastisch zurück, der prozentuale Anteil der tödlich verlaufenden Unfälle entwickelte sich dagegen in Richtung 100 Prozent.

Die paar Unfälle die dann noch entstünden, wären wohl zumeist auf Herzinfarkte völlig verängstigter Autofahrer zurückzuführen, aber die Schadenslage wäre nahezu phänomenal niedrig, oder?

„Das ist ja völlig absurd!“ werden Sie jetzt sicher einwenden, Herr R., und damit haben Sie Recht. Außerdem hielten Sie solche Überlegungen garantiert auch für menschenverachtend undsoweiter. Wieder richtig! Sehe ich ähnlich. Das sehen sogar die Wissenschaftler so, die solche Überlegungen anstellen. Sie wollten damit auch nur darstellen, wie schnell und wie sehr man sich im dickicht von Ursachen und Wirkungen verheddern kann.

Worauf ich nun eigentlich hinaus möchte … also … ähhhh … wie soll ich sagen? … könnte es sein, dass Ihr Airbag die Lümmeltüte ist und Sie auch der Versuchung erlegen sind, Ursachen und W … bitte? … ach, toll, jetzt sind Sie eingeschnappt! Das war ja zu erwarten … ich wollte doch nur mal … hallo? … hallooooooooo??? …





Nightmare on Bahnhof St.

18 03 2009

Es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre einem monströsen Albtraum ausgeliefert gewesen …

Fast hätte ich gealbt, die ganze Welt bestünde tatsächlich nur aus Menschen, wie wir sie tagtäglich in Sendungen wie *tieflufthol*  Mit.ten im Leben, Die Au.ssteiger, Die Superna.nny, We are Fa.miliy, Das perfe.te Din.ner, U 20, Zwei bei Kall.wass, Neu.nlive und weiteren versendeten Degenerationsbeschleunigern zu sehen bekommen: Hilflose überforderte Mütter, die ihre Töchter verwahrlosen lassen, weil sie ganztägig damit beschäftigt sind, am PC irgendwelche Neo-Pets mit französichen Doppelnamen am Leben zu halten, während ihre Brut herauszufinden versucht, ob es gesund ist, mit 11einhalb Jahren gleichzeitig zu v*geln und zu k*ffen. Einige Nichtzurechtkommer, die tatsächlich der Meinung sind, ihre mehrfachen Nichttalente alleine dadurch in Ordnung zu bringen, indem sie Deutschland mit Spanien vertauschen, wobei sie es nicht mal für nötig halten, spanisch zu lernen, weil“ die ja da eh alle Deutsch können, die Spanjockels“.  Eine Bande Profilästerer, die zum Essen eingeladen werden und nichts besseres zu tun haben als an allem rumzumäkeln und – während der Gastgeber schwerste Erschöpfungszustände am Herd erleidet – im Wäscheschrank und den Fotoalben herumstöbern und sich vor laufender Kamera über die fotografierten dicken Kinder ausgiebig lustig machen. Der Profialkoholiker, der seinem Sohn dabei helfen soll, von der gleichen Droge wegzukommen, in dem er mit ihm eine Gartenlaube baut und sich nach getaner Arbeit erst mal ein lecker Bierchen gönnt. Die hysterische Zicke, die sich von der eigenen Tochter oder wahlweise dem eigenen Sohn mit ihren diversen Bekanntschaften, welche ihr ja nur selbstlos dabei behilflich sind, mit den Lebensschwierigkeiten fertig zu werden, hintergangen fühlt, während ihr Mann im Krankenhaus verzweifelt auf die Spendernieren wartet. Die renitente Pubertierende, die partout nicht einsehen will, warum ihre Eltern ihr kein Schamlippentattoo erlauben möchten. Solche Menschen halt …

Glücklicherweise bin ich so früh aufgewacht, dass dieser Traum erst gar nicht entstehen konnte. Puhhh, das war knapp!

Stattdessen lebe ich in einer Welt, in der sich z.B.  in Bücherbestsellerlisten zwischen den diversen Bis(s)igkeiten von Edward und Bella, zwischen Leichenblässe und Mängelexemplar, zwischen Glück, wo biste und Wer bin ich und wenn nein, warum ist heute Mittwoch auch solche epischen Erzähldramen wie „Wichtige Steuergesetze und ergänzende Verordnungen“ auf den vorderen Rängen wiederfinden. Wie beruhigend …





Eine andere Geschichte

16 03 2009

So, das wäre nun die andere Geschichte … nämlich die mit den Schuhen:

Ich wollte mir ein Paar (paarweise schien mir sinnvoll) neue Sneaker zulegen und liebäugelte ein wenig mit dieser etwas conversen Marke, die auch etwas höhere Modelle anbietet. In einem Schuhgeschäft (dieses dem Bäcker vorzuziehen erschien mir ebenfalls sinnvoll) war eine erkleckliche Auswahl an Modellen vorrätig, eines davon in einem nett aussehenden Materialmix, das sich auch preislich etwas unterhalb eines Monatsgehaltes bewegte. Dieses sollte es schließlich sein.

Das fast schon nicht erwähnenswerte Problem dabei war, dass meine Größe für dieses Modell leider nicht vorrätig war. Man könnte es bestellen (das dauert aber länger als von mir gewünscht) oder ich könnte es in einer anderen Depand… Zweigstelle versuchen. Da ich ungerne quer durch die City fahre, ohne einen Erfolg garantiert zu bekommen, bat ich darum, dort mal vorher kurz telefonisch nachzuhaken.

Dem kam die Mitarbeiterin gerne nach. Ich konnte also aus etwas Entfernung folgende Gesprächsfragmente mitbekommen:

„Ja, heiiiiii, hier ist die Steffi!

Sach ma, habt ihr zufällig noch diese uuuuuuralten Blablabla in Größe XY?….hmmm….ja…*kicher*…ich weiß …“

Nee, hattense natürlich nich und dann wollte ich auch nicht mehr. Wer so unsensibel mit seinem anvertrauten Material umgeht. hat es auch nicht verdient, dass man dort einkauft. Die schickt bestimmt auch ihre Eltern mit 63 ins Altenheim …

Es sind dann letztlich ganz andere Sneaker in einem ganz anderen Geschäft geworden und die sind auch in Ordnung. So, Frühling, dann mal schööön herkomm! …





So Momente

13 03 2009

Ein Zweieinhalbtages-Lehrgang, eine knappe vierfünftel Autostunde entfernt. Kurhotel am Park, wäre bestimmt eine nette Atmosphäre, wenn es nich ständig regnete. Bad und WC mit Komplettbefensterung zur Straße hin, die aber gottseidank niemals wissen wird, was das Wort „belebt“ wohl bedeuten könnte. Die üblichen Probleme mit dem Schlafen in ungewohnten Betten und den Aufwach-Content einer ganzen Woche in einer einzigen Nacht verbraucht. Immerhin ein wenig und noch ein wenig Neues erfahren, fachliches aber auch über methusalemige Spanner in gemischten Saunas und das Wissen, wie Chili con Carme auch „schmecken“  kann. Freitag dann Überraschungsbesuch der Sonne schon am frühen Morgen, bis zum Seminarbeginn aber schon wieder gut versteckt.

Man fährt dann mittags wieder nach Hause, kennt die Gegend zwar ein wenig, fühlt sich aber weitaus weiter von allem entfernt, als es der Kilometerzähler ausdrücken kann. Irgendwie haben es die Wolken bis unter die Schädeldecke geschafft.  Dann aber ändert sich in kurzer Zeit einiges. man biegt um die Kurve auf eine Straße, die einem in bekanntes Terrain führt, die Sonne kommt wieder hervor und bringt einige ihrer Celsiuskumpels mit, es fällt einem ein, dass man nicht nur etwas einkaufen wollte, sondern den Frühling mit einem neuen Paar Sneakern herbeizwingen will (was sich aber noch als etwas nervig herausstellen sollte, aber das ist eine andere Geschichte) und man außerdem nur noch 5 Arbeitstage von einem Fortnight-Break entfernt ist, das Seitenfenster ist urplötzlich geöffnet und lässt wärmer riechende Düfte und Aromen hinein, die Heizung hat sich wie von Geisterhand abgestellt und der Player, der listige DJ, lässt ausgerechnet in dieser Situation das Stück „Spring will surely come“ von einer Musikzeitschriften-CD-Beilage seinen Klang ausbreiten, während irgendetwas an meinen Mundwinkeln zieht, der Schwerkraft entgegen, das „man“ einem „ich“ weicht und ich argen Appetit auf ein Eis bekomme.

Das sind dann so Momente …





Pluto hängt an Kätchens Brust

10 03 2009

Wenn mir irgendetwas oder irgendjemand innerhalb weniger Tage mehrfach in irgendwelcher Form auffällt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es, sie oder er in meinem Blog Erwähnung findet um ein Vielfaches an. Nun hat es also auch Perrys Kätchen erwischt. Die tourt zur Zeit ja ein wenig durch Germany, was sie auch darf, hat ja keiner was dagegen, solange die Suppe reicht.

Gerne wird sie mit Attributen wie „sexy“, „verrucht“ oder „frech“ in Verbindung gebracht, was sie auch mittels Auftritten in ihren Videos als Bettchenluder oder schrecklich-schön verheulte Braut ordentlich unterfüttert. Nun konnte ich vor kurzem ihren Ausschnitt einen Ausschnitt eines ihrer Konzerte – ich glaube es war in Hamburg – im TV begutachten. Während sie ihr Heißkaltliedchen mit argem Bemühen trällerte, stand sie da in einem Outfit, welches vornehmlich von einem oversized Longshirt, auf dem sich Mickys Pluto breit machte, definiert wurde. Obendrauf dann noch ein etwas länger geratener Pagenkopf, wie ihn meiner Erinnerung nach eine andere, nämlich Toms Katie eine Zeitlang vor sich her trug … hmmm … tja … ich weiß nicht … bin vielleicht zu alt zur angemessenen Beurteilung, aber so richtig dolle sexy und verrucht sah das nu nich aus. Aber wer weiß, vielleicht war ja eines der Lesefröschlein hier auf einem ihrer Konzerte und kann erzählen, wie sie später noch in diesem Sadodominabunnyschlampenkostüm auftrat und  eine sinnenbetörende Höllenshow abzog. We’ll see …

Einige Tage vorher war zu lesen, dass irgendein Gay-Magazin irgendeine Award-Show veranstaltete, anlässlich selbiger unter anderem Frau Perrys Erstgeborener “ I kissed a Girl“ als bester Song international gewählt wurde (National war es vermutlich wieder mal Rosens.tolz). Abermals hmmmm … oberflächlich betrachtet mag dies als nachvollziehbar erscheinen, von wegen Protagonistin einer schrankenüberwindenden Sexualität, dann auch noch in den USA vorbama …

Wenn man sich den Text aber etwas genauer ansieht, verfliegt der revolutionäre Eindruck doch recht schnell. Immerhin folgt der Titelzeile sogleich ein besorgtes „hope my boyfiend don’t mind it“ und auch der Text als Ganzes suggeriert hier doch eher, dass ein doch eigentlich kreuzbraves Mädchen mal ein bisserl neugierig war und etwas ausprobieren wollte, sich es damit aber auf gar keinen Fall mit ihrem cutyyyyy Boy verderben wollte. Ist dieses doch recht wertekonservative Liedgut  wirklich einen Gay-Award wert? Währenddessen gingen dann Rufus, Antony und all die anderen preislos nach Hause oder wie? Das ist doch auch nicht nett ..

So, demnächst ist dann die gute Lily dran, hähähä …





Strahlendes Lächeln

9 03 2009

Es liest sich wie eine Folge der Sim.psons, ist aber Realität. Rechtzeitig zum Tag der Frau und in einer speziellen Form von Wertschätzung von diesem  hat Springfield Russland seine diesjährige Gewinnerin der Wahl zur „Miss Atom“ bekanntgegeben. Irgendeine Olga Kommraufaufssova, die als ihr Motto aber nicht dieses langweilige „Frieden für die Welt“ oder „Rettet die Bisamratte“gewählt hat, wie man es von Kandidatinnen des Klassenfeindes ja gewohnt ist, sondern „Ich lebe energiegeladen“. Eine frühere Siegerin soll sogar das Motto „Atomkraft macht sexy“ ausgerufen haben.

Nochmals betont: Das ist das wahre Leben!

Eine Spätfolge dieser eigentlich gar nicht so dramatischen Havarie von 86, die unter Umständen vielleicht doch einige Teile der Bevölkerung unnötig kritisch gegenüber dieser sauberen Energieform gemacht hat. Man sieht dann z.b. eine atomar verstrahlte braungebrannte, durchaus ansehnliche Kandidatin vor possierlichen Kühltürmen, die zudem offenbar von eifrigen russischen Hausfrauen mit eigens geschaffenen Häkeldeckchen dekoriert wurden. Auf einem anderen Foto soll eine weitere Schönheit, in Nachfolge von Ursula An.dress und Hal.le B.erry aussehen, als sei sie soeben dem hinter ihr liegenden Kühlsee entstiegen.

Und die Botschaft scheint tatsächlich zu verfangen. Viele Menschen denken jetzt offensichtlich „Na, wenn da sooo hübsche Mädchen in einem AKW arbeiten, kann diese Atomkraft nicht wirklich schlimm sein.“ Einer lässt sogar extra sein Nachttischlämpchen länger brennen, um der Süßen den Arbeitsplatz zu sichern. Niedlich, oder?

Ob man ihm sagen soll, dass die meisten Kandidatinnen früher Männer oder energiereicheres Plankton waren? Neee, bin ja kein Spielverderber …





Schlecht bei Flaute *

6 03 2009

10. Oktober:

Er:

„…deshalb möchte ich mein Abonnement Ihrer Zeitschrift zum Ablauf des Quartals kündigen. Das Niveau der Artikel ihres Heftes hat in den letzten Monaten stetig nachgelassen und erinnert mittlerweile weitaus öfter an das pseudowissenschaftliche Gequatsche alkoholisierter Kneipengänger mit Viertelbildung als an den Geist anregende, mitunter sogar kognitive Dissonanz auslösende Abhandlungen kluger Köpfe, von denen es seinerzeit zumindest einige in Ihre Redaktion verschlagen haben musste. Ich bitte daher darum …“

2 Stunden, 10 Minuten später:

Sie:

„Lieber Herr Fogelweid,

so gerne ich ihre durchaus nachvollziehbare Kündigung in die Tat umsetzen möchte. so sehr fehlen mir die Möglichkeiten. Sie sind – wie bereits einige vor Ihnen – dem Tippfehlerteufel aufgesessen und wieauchimmer auf meiner Homepage „wegelagerer“ statt „Wege-Verlag“ gelandet, die sich mit eineiigem … Entschuldigung, da ist er wieder, der Tippfehlerteufel … einigem beschäftigt, jedoch nicht mit dem Vertrieb halbwissenschaftlicher Magazine fragwürdiger Qualität. Ich muss Sie daher leider bitten, ihre Kündigung nochmals an die richtige Adresse zu senden, wünsche Ihnen dabei allerdings viel Glück und hoffe, sie finden künftig Literatur, die ihren wachen und kritischen Geist wesentlich besser beflügeln kann.

Herzlichst, Ihre Christina M.“

49 Minuten später:

Er:

„Liebe Christina M. (entschuldigen Sie die etwas ungelenke Anrede, aber mehr Information steht mir nicht zur Verfügung),

ich bedaure meinen Adressenlapsus – gleichzeitig aber auch wieder nicht. Denn anderenfalls wäre ich doch um das Vergnügen dieser so fein formulierten Email Ihrerseits gekommen. Sie zegut nicht nur von Formulierkunst, sondern auch von einer unübersehbaren Herzlichkeit und einem schelmischen Humor, den man nicht überall finden kann. Emails wie Die ihre sind es, die meinen Geist besser beflügeln können als jede auf den Massengeschmack zu- oder hingerichtete Zeitschrift.  Fast wäre ich geneigt, mein Vertippen als schicksalhafte Fügung zu bezeichnen. Wären Sie denn – sofern ich Ihnen verspreche, meine Kündigungsbemühungen weiter zu verfolgen – geneigt, mir noch etwas mehr über sich zu erzählen? Da hätte die Welt einen glücklichen Menschen mehr zur Verfügung, etwas, dass ihr sowieso jederzeit aber insbesondere heutzutage gut zu Gesicht stünde.

Hoffnungsvoll, ihr Werner Fogelweid“

1 Stunde, 8 Minuten später:

Sie:

„Ach, ich hätte es mir eigentlich denken können. Höflich wollte ich sein, weil ich Ihren Schreibstil symphatisch fand, aber jetzt bin ich wohl ein weiteres Mal gezwungen, unmissverständlich zu sein.

Ich habe das Pech, eine diesem obskuren Verlag sehr ähnliche Mailadresse zu besitzen. Ich war eher da, aber das nur nebenbei. Ich hätte, da diese „Vertipper“ sich des öfteren ereignen, schon vor längerer Zeit eine andere Anschrift gewählt, da ich diese Adresse aber bereits seit Jahren beruflich nutze, wäre eine Änderung ein großes und riskantes Verfahren. Deshalb bin ich gezwungen, immer wieder auf Mails mir unbekannter Menschen zu antworten.

Es mag sie ein wenig kränken, aber allzu originell sind Ihre Anbahnungsversuche leider nicht. Schon einige glaubten, so näher mit mir in Kontakt zu kommen. Aber nur, weil es in depperten Hollywood-Schinken oder realitätsfernen Büchern immer wieder veranschaulicht wird, ist dies noch lange kein erfolgverprechender Weg, seine Einsamkeit zu überwinden. Ich suche mir meine Kerle – nennen Sie mich altmodisch – immer noch auf die eher klassische Art und Weise aus, die stets mit persönlichem Kontakt in Natura einhergeht. Ich kann ja verstehen, dass dieses Internet eine prima Plattform für ansonsten verklemmte Mauerblümchen ist, einen Schritt aus ihrer selbstgewählten Isolation zu tun. Deshalb bin ich aber noch lange kein romantisch verklärtes Lyrikkätzchen, das schon im siebten Himmel schwebt, wenn hin und wieder mal einer in der Lage ist, drei Sätze einigermaßen gefühlvoll und/oder originell hintereinander zu setzen, ohne sich dabei gleich das Gehirn zu verstauchen. Was auch immer Ihre Kontaktstörungen verursachen mag, ob exotische Ansprüche, eine vermurkste Kindheit, Kleinschwänzigkeit, stinknormale Soziophobie oder was auch immer, ich bin definitiv kein Weg aus diesem Elend für Sie.

Reißen Sie sich halt mal zusammen, gehen Sie unter Leute, pflegen Sie ihre Interessen mit Gleichgesinnten, öffnen Sie sich neuen Eindrücken, aber lassen Sie mich bitte in Ruhe. Vorsichtshalber und aus gegebenem Anlass möchte ich ihnen auch noch miteilen, dass mein Cousin beim LKA tätig ist. Dort hat man keinerlei Probleme, ihre Identität zu enträtseln und Ihnen gegebenenfalls bös auf die Pelle zu rücken, sollten Sie tatsächlich auch weiterhin noch den jämmerlichen Versuch wagen, mich amateurhaft becircen zu wollen. Ich hoffe, ich war nunmehr deutlich genug!

Gerade noch freundlich, C.M.“

*= Es gibt, was den Titel des Beitrages betrifft, m.E. drei Arten von Menschen: Die erste Gruppe weiß um die Bedeutung von Titel und Beitrag, bildet sich darüber ihre eigene Meinung, ist aber nicht weiter informationsbedürftig. Die zweite Gruppe kann zwar keinen Zusammenhang zwischen Titel und Inhalt erkennen, denkt sich aber aus Erfahrung, dass dies einfach mal wieder eine Spinnerei des Herrn LoFoMo darstellt und hat kein weiteres Interesse an Aufklärung. Die dritte Grupe schließlich erkennt ebenfalls keinen Zusammenhang, hat aber durchaus ein gewisses Maß anNeugier in sich, das befriedigt werden möchte. Nur dem letzteren Personenkreis sei deshalb hilfsweise kurz erläutert, dass es sich bei Titel und Inhalt um eine harmlose Parodie des durchaus netten  Romans „Gut gegen Nordwind“ handelt, der von einem ganz anderen Autor (remember filosofy 2.0: Ich bin der Autor DIESES Beitrags) zum gleichen Thema Liebesanbahnung per Internet verfasst wurde, allerdings wesentlich ausführlicher und mit einem deutlich anderen Handlungsverlauf. Mittlerweile gibt es davon sogar eine Fortsetzung namens „Alle sieben Wellen“. So ist das nämlich …





… and Justice for all …

4 03 2009

Klar, das kann schon mal passieren, dass man beim Skifahren im wohlverdienten Winterurlaub mal ein wenig von der Piste abkommt und einen Anderen ums Leben fährt. Ski happens! Ich frage mich allerdings schon, ob ich – wäre ich der Brettlfahrer gewesen – auch nach einem Eintagesprozess (ich dachte, so etwas gäbe es nur in totalitären Staaten) zu einer unisono als „milde“ bezeichneten Geldstrafe abgeurteilt worden wäre, die offenbar nicht einmal zum Status der Vorbestraftheit führt. Mich hätte doch garantiert ein Verfahren erwartet, dass sich mindestens bis in den nächsten Winter gezogen hätte, mich beruflich, finanziell und auch in allen anderen Belangen ruiniert hätte, um mich schließlich für 2 bis 5 Jahre zum Nachseifebücken zu verurteilen, je nachdem, wieviel Geld ich für einen Anwalt zu invetieren in der Lage gewesen wäre.

Neinnein, ich rede hier nicht von einer Zweiklassenjustiz … ganz bestimmt nicht … das sind mindestens drei Klassen.

Es kann sicher auch mal passieren. dass man in einer deutschen Karnevalshochburg die U-Bahn erweitern möchte und zu diesem Zweck monatelang hektokubikliterweise Grundwasser und Sand absaugt. Wer kann schon damit rechnen, dass der Kölner Boden der Klügere in dieser Angelegenheit ist und schließlich nachgibt? Da die dafür Verantwortlichen aber bestenfalls lokalen Promistatus haben, wird die juristische Aufarbeitung eine andere sein. Hauptbelastet wird schließlich sehr wahrscheinlich ein polnischer Leiharbeiter sein, der das Bohrfräßsonstwasgerät eine Stufe zu hoch eingestellt hatte, ganz klar.