„Omnibus“ heißt das Werk aus Frankreich, dass als Vorfilm im Open-Air-Kino lief (Notiz an mich: Nimm gefälligst nächstes Mal eine Decke mit, Idiot! Du kannst nicht davon ausgehen, dass immer ausreichend Leihdecken vorhanden sind *bibber*) und er dauert gerade einmal 8 Minuten. Da er wohl nur wenigen Leuten bekannt gemacht wird, mache ich mir die Freude und versuche, den Inhalt nachvollziehbar wiederzugeben:
Falls jemand dennoch konkret vorhat, diesen Kurzfilm noch zu sehen bitte JETZT mit dem Lesen aufhören. Danke!
Unser Held ist ein einfacher Angestellter, der jeden Morgen mit dem Zug zu seiner Arbeitsstelle fährt, die irgendwo im französischen Niemandsland liegt. Bei der Fahrscheinkontrolle bemerkt der Schaffner, dass die Karte unseres Helden nur bis Cateau-Sowieso gilt und ob er denn noch ein Ticket für die restliche Strecke habe. Unser Held ist daraufhin reichlich verdutzt und im Laufe des Gesprächs klärt sich, dass dieser Zug nicht in Cateau-Sowieso hält, sondern bis Blabla-sur-Irgendwas durchfährt.
Unser Held empört sich seiner Meinung nach zurecht. Immerhin fährt er seit Monaten mit genau diesem Zug und immer stieg er in Cateau-Sowieso aus. Der Schaffner erklärt wie auswendig gelernt, dass dieser Zug seit dem 2.1. nicht mehr in Cateau-Sowieso halte, sondern bis Blabla-sur-Irgendwas durchführe. „Der 2.1. ist heute“ regt sich unser Held auf, „sie können doch nicht einfach am 2.1. den Fahrplan ändern!“.
„Das stand aber auf den Aushängen“ mischt ich nun die ältliche Sitznachbarin ein, die ganz offensichtlich auf Seiten der französischen Bahn steht und eine nicht zu übersehende Verachtung für unseren offenbar schlecht organisierten Helden im Blick trägt. Als der Schaffner ihn nun auffordert, das restliche Befördungsentgeld sowie eine Strafe in Höhe von 100 Franc zu zahlen (wir bemerken: Der Film scheint bereits einige Jahre alt zu sein), bittet ihn unser nun eher verzweifelt wirkender Held um ein Gespräch unter vier Augen.
Er versucht nunmehr dem Schaffner klar zu machen, wie wichtig es für ihn sei, auf jeden Fall in Cateau-Sowieso auszusteigen, denn wenn er bis Blabla-sur-Irgendwas durchführe und mit dem Bus zurückfahren müsste, käme er viel zur spät zur Arbeit, und darauf habe sein Vorgesetzter ja nur gewartet, der ihn wer weiß warum auf dem Kieker habe. So eine Verfehlung käme dem gerade recht, um unseren Helden zu entlassen. Das wiederum wäre eine große Katastrophe, wie er dem Schaffner weiter klarzumachen versucht. Seine Ehe hinge derzeit nämlich auch am seidenen Faden und wenn er seinen Job verlöre, verließe ihn seine Frau ganz bestimmt. Was wäre dann aber mit den Kindern? Da seine Frau kein eigenes Einkommen habe, verfielen diese dann garantiert der Wohlfahrt und hätten einen schlimmen weiteren Lebensweg vorprogrammiert. Und dies alles nur, weil er nicht in Cateau-Sowieso austeigen kann.
Nun ist der Schaffner auch nicht aus Holz und der Zuschauer sieht, wie er mit sich ringt. Allerdings versucht er nunmehr unserem Helden klarzumachen, dass er nicht einfach den Zug für ihn anhalten könne. Der einzige, der dies entscheiden könne, sei der Zugführer. Die beiden kämpfen sich also nun duch das Abteil, in dem mittlerweile eine übergreifende Diskussion eingesetzt hat und man aus den wenigen Wortfetzen herauszuhören glaubt, dass im Falle einer Abstimmung der Fahrgäste über ungeplante Zwischenhalte unser Held wohl das Nachsehen hätte.
Im Zugführer-Abteil angekommen sieht man einen Fahrer, der laut singend den Eindruck vermittelt, er wäre jetzt viel lieber auf dem Sitz einer Harley als im Führerhäuschen eines Vorortzuges. Nach nochmaliger Schilderung der Sachlage, überlegt dieser ein wenig, lässt dann aber unseren Helden wissen, dass er es gar nicht in der Hand habe, den Zug einfach anzuhalten. Das ginge ja alles über die Elektronik. Unseren Helden überfällt nunmehr eine Mischung aus Verzweiflung und Wut, der Zugführer überhört aber die Beschimpfung über seinen beamtenartigen Status, der es ihm ja leicht mache, in dieser Situation kühl zu bleiben und fragt unseren Helden schhließlich, wie schnell er denn rennen könne. Dieser verweist nicht ganz ohne Stolz auf seine sehr guten Laufzeiten zur Schulzeit und vermittelt überdies auch aktuell einen einigermaßen fitten Eindruck.
Der Fahrer macht ihm nun klar, dass er den Zug zwar nicht stoppen, jedoch die Geschwindigkeit beim Passieren des Bahnhofs in Cateau-Sowieso soweit reduzieren könne, dass eine beherztes Hinausspringen und Weiterrennen möglich sei, ohne sich dabei zu verletzen. Unser Held entscheidet sich spontan, dieses Angebot anzunehmen, zumal der anvisierte Bahnhof akut bevorsteht.
Der Countdown läuft, der Fahrer sagt die Geschwindigkeit an…noch 50 km/h … 40 km/h … unser Held macht sich bereits zum Absprung bereit, aber das ist natürlich viel zu früh, er müsse warten, bis der Zug auf 10 km/h heruntergebremst hat, das wäre immer noch eine durchschnittliche Fahrradgeschwindigkeit. Es sind noch 30 km/h … die Spannung steigt … noch 20 … unser Held ist bereit zum Sprung, die Anspannung ist allen Beteiligten in die Gesichter geschrieben … jetzt ist der Zug auf 10 km/h runter und unser Held nimmt all seinen Mut zusammen und springt aus dem Zug und im gleichen Moment, wo seine Füße den Boden des Bahnsteigs berühren, beginnt er zu rennen. Eine ganze Zeitlang rennt er neben dem Zug in gleicher Geschwindigkeit her und in seinem Gesicht ist numehr ablesbar, dass der Tag doch noch sein Freund wird und er seinen Job noch behalten wird und auch seine Frau ihn heute nicht verlassen wird. Langsam nähert er sich dem Ende des Bahnsteigs, der Zug nimmt wieder Fahrt auf und die Abteilwagen ziehen langsam an unserem Helden vorbei. Mittlerweile scheint sich die Stimmung im Zug zugunsten unseres Heldens gedreht zu haben, denn nun jubeln ihm die Leute aufgrund seines Mutes zu und klatschen ihm Beifall und er freut sich darüber und winkt in die Abteile und während er noch winkt, zieht ihn plötzlich eine aus der Tür des letzten Abteils ragende kräftige Hand wieder in den Zug und ein stämmiger Mann mittleren Alters raunt ihm zu, dass er jetzt aber ein Riesenglück gehabt habe, denn ohne sein beherztes Zugreifen hätte er den Zug wohl verpasst …
Abspann.