Rock the World (Updated Version)

26 06 2009

Im Jahre 1987,  als gerade die ersten Fruchtblasen der privaten Sendeanstalten platzten und die Öffentlich-Rechtlichen sich noch als die Gralshüter der Seriösität verstanden, passierte etwas für damalige Verhältnisse sehr ungewöhnliches:

Die A.RD sendete nach den Tag.esthemen gegen 23 Uhr nicht wie üblich einen wertvollen Kunstfilm oder eine politische Dokumentation zum Ausklang des Tages, sondern einen ca. 20-minütigen Kurzfilm, der aber eher ein sehr ausgewalztes Musikvideo zu dem Song „Bad“ war, als exklusive Deutschlandpremiere.

Ich denke, das zeigt, welchen Einfluss der jüngst Verblichene zu seinen höchsten Zeiten in der Gesellschaft hatte. Heute mag das nichts besonderes mehr sein, damals war es sehr außergewöhnlich.

Das Tröstliche daran ist, dass künftig – wie immer bei Toten – in Berichten nicht mehr der Aktualität verpflichtet die Fotos der jüngsten Zeit sondern die aus den Achtzigern gezeigt werden. Statt des kalkigen Zombies der bewegungstalentierte dunkelhäutige Künstler mit dem gemäßigten Afro.

Ich bin jetzt schon genervt, wenn ich an das multimediale Ballyhoo der nächsten Tage und Wochen denke, merke aber soeben, dass ich just selbst dazu beitrage und bin beschämt ruhig.

RIP, anyway! (gilt übrigens auch für die goldene Löwenmähne der späten Siebziger)

UPDATE:

Tag 1 nach MJ: Welch eine Hysterie. Alleine die ersten 8 Seiten der Rundschau sind voll vom Kingofpop. Auf der letzten Seite noch ein Ganzseitenfoto des weißen Handschuhs. Liebe Leute m Iran, hört mal bitte jetzt auf mit dem Demonstrieren, wir haben jetzt leider keinen Kopf dafür.

Während der Autofahrt überlagerten sich mal wieder zwei Sender. Dabei wurde das ABC der Jackson 5 von „Wannabestartinsomething“ des Meisters hinself überlagert. Sehr bizarres Mash-Up!

Sein sehr eigener Gesangsstil scheint offenbar zu einigen Verhörern geführt zu haben. einige hörten beim Refrain von „P.Y.T.“ immer „Tegernsee“

Ich dagegen stieß mich des öfteren an den Textzeilen:

„Heal the world

make it a better place

for you and for me

and the anti-human race“

Ähhh…was????

Ach so!

„entire“

Na dann … das andere wäre aber witziger gewesen.

Die Zeit wird zeigen, ob mehr übrig bleibt, als der Moonwalk, weiße Socken, der Handschuh, das Kieksen, der Griff in den Schritt, „Schamoarn!“ und die mundabwischende Handbewegung. Wahrscheinlich ja.


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4 Antworten

26 06 2009
Richard Synn

„jüngst Verblichener“, mannmannmann… das könnte dann wohl besser nicht passen…

Der Medienzirkus wird wahrlich nur schwer erträglich sein. Und in vielen Redaktionen wütet jetzt der Nachrufteufel: Den von Jopi Heesters hat man schon Jahre fertig und muss ihn immer nur um noch ein weiteres Jahr ergänzen. Ebenso wird auch der von Jürgen Habermas trotz Geburtstagsrummels wahrscheinlich schon fertig sein. Aber MJ? Ich glaube fast den hatte noch niemand so ganz ernsthaft auf seiner Liste…Ich war jedenfalls überraschter als ich rückblickend gedacht hätte…

27 06 2009
lightdot

„Liebe Leute m Iran, hört mal bitte jetzt auf mit dem Demonstrieren, wir haben jetzt leider keinen Kopf dafür.“ – LOL
Andererseits: Wer weiß, was damals ablief bei Elvis’ Tod. Und bisher hat sich noch kein Fan umgebracht aus Trauer, sogesehen ist noch alles recht zurückhaltend.

28 06 2009
lordfoltermord

Im Gegensatz zu Elvis fehlte MJ m.E. ein wichtiger hysterisierender Effekt: Ich kenne eigentlich niemanden, der ihn als Sexsymbol ansieht. Bei Elvis gibt es heute noch Menschen die bei den ersten Klängen von Jailhouse Rock noch spontan erfeuchten, wohl nicht nur Frauen …

Es fehlt sicher auch das disparate eines Herrn Cobain.

Dennoch wird sein Tod in einer Linie mit denen von JFK, Lennon, Elvis, Di u.a. stehe bei denen man sich auch noch viele Jahre später daran erinnern kann, wo man war,als man es hörte.

Bei mir ging kurz vor 6 Uhr der Radiowecker an und der Moderator plapperte „Gleich in den Nachrichten mehr über den Tod von Michael Jackson“ und da war ich sehr schnell wach ..

30 06 2009
lightdot

Stimmt. Und so makaber es auch klingen mag, sein Tod tut ihm gut. Das geplante „Comeback“ wäre wahrscheinlich ein Disaster geworden, der ihn endgültig demontiert hätte. So kann man ihn noch wenigstens so in Erinnerung behalten wie er zuletzt auf der Bühne war.

Mein Morgen lief an dem Tag genauso wie Deiner. Sonst dauert es bei mir immer ca. 5-10 Min. bis ich beim Dudeln des Radios richtig wach werde. Am Freitag war es nach 10 Sekunden der Fall.

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