Kleine Anfrage

30 08 2009

Hallo, schleimiger Auswurf kloakenverseuchter Inzu liebe Politiker!

Bekommt man das eigentlich in einem Pflichtkurs „Auftreten in der Öffentlichkeit“ beigebracht oder wird das parteiübergreifend und aus Steuergeldern finanziert intravenös verabreicht?

Was? Na, dieses uniforme Verhalten in Interviews an Wahlabenden. Man bekommt eine nachvollziehbare Frage über Erkenntnisse und geplantes weiteres Vorgehen nach einer Wahl gestellt, antwortet aber zunächst nicht darauf, sondern beginnt mit den Worten „Lassen Sie mich zunächst feststellen, dass  …“, gefolgt von zum Ballspiel folgenden Halbsätzen:

-“… wir wiederum stärkste Fraktion wurden …“

„… ohne oder gegen uns keine Regierung gebildet werden kann …“

„… Herr xxx und seine Partei vom Wähler abgestraft wurden …“

„… wir das drittbeste Ergebnis seit 1871 erzielt haben ..“

Und derlei mehr …

Liebe Pilotiker, ihr werdet das wahrscheinlich nicht wissen, aber zur Vorbereitung auf derart epochale Inteviews bieten die Sender den Zuschauern tatsächlich eine ganze Reihe von Informationen an, Viele Zahlen, wächsende Säulen, bunte Tortenstücke und vieles mehr. Wer also nicht gerade sein Hirn zur Reinigung abgegeben hat, konnte sich bereits vorher ein Bild darüber machen, was ihr erst qua Feststellung zur Realität machen möchtet. Diese Extramühe müsst ihr euch also gar nicht machen und könntet somit direkt zur eigentlichen Fragenbeantwortung kommen. Das wirkt in diesem Moment auch überhaupt nicht unhöflich oder überambitioniert, das könnt ihr mir echt glauben..

Denkt dabei doch bitte auch an eure Vorbildfunktion! Wenn so etwas Schule machen sollte, geht man demnächst zum Biohof, möchte wissen, was die Gurken kosten und bekommt zu hören „Lassen Sie mich zunächst feststellen, dass Gurken nicht zum Steinobst gehören und in aller Regel von grüner Farbe sind …“ undsoweiter. Das möchte man doch nicht, oder?

So, wir üben das jetzt noch mal kurz: „Ja, Frau xxx, wir müssen nun tatsächlich überlegen, ob wir mit den Blauen in eine Koalition gehen können, auch wenn uns dies eigentlich nicht passt.“

Hey, hiergeblieben!!! … alles Feiglinge! …





Sonntag günstig abzugeben

30 08 2009

Zunächst war Sonnenschein, um mich in der trügerischen Hoffnung zu wiegen, einem hübschen Tag ins Auge zu blicken. Kaum wurde ich darüber nachlässig und nahm meine Deckung etwas herunter, kam auch schon der erste Schlag.

Autobatterie leer!

Aber so richtig leer. Da ging gar nix mehr. Unverständnis meinerseits. Kündigt sich so etwas nicht an? Aber für was haben wir denn unsere gelbe Karte? Bereits 90 Minuten später klingelte der Fahrer eines nicht näher zu benennenden Allgemeinen Deutschen Automobilclubs an der Tür. Eigentlich sollte er ja 5 Minuten vor seinem Eintreffen anrufen, dann hätte ich auch ohne Rasierschaumreste vor die Tür treten können. Darauf angesprochen meinte er, er hätte anzurufen probiert, aber nur die Mitteilung bekommen, der Teilnehmer sei vorübergehend nicht erreichbar, was er mir durch einen erneuten Anruf auch beweisen konnte. Grmblfx, aber darum musste  ich mch später kümmern, die Autoreanimation ging vor. Kaum dort, kam auch schon eine Nachbarin auf uns zu und meinte, sie hätte gesehen, dass die ganze Nacht Licht am Auto brannte. Sie wollte mich auch anrufen. aber sie bekam nur zu hören … genau!

Ich bin mir zumindest sicher, dass meine Türklingel auf jeden Fall funktioniert hätte, aber man soll nachbarschaftliche Hilfe auch nicht überbeanspruchen. Zumindest half diese Äußerung uns, sich der vermeintlichen Ursache zu nähern. und siehe da, kaum war das Notstromaggregat an der Batterie angeschlossen, leuchtete es ein klein wenig in den Tag hinein. Ich war mir eigentlich sicher, dass mein Lichtwarner auch bei Parklicht anspringt, dies scheint aber offenbar nicht der Fall zu sein. Immerhin also kein Kabelschaden oder grundsätzliches Ableben der Batterie. Danke, Du Engel! Nachdem der Engel mich noch schnell auf eine Plusmitgliedschaft upgraden wollte und dabei eine durchaus nicht uninteressante Geschichte aus der eigenen Familie, in der es um einen Autounfall in Osteuropa, 4 bezahlte Rückflüge aus Nirgendwo und einen ebenfalls spendierten Sonderplatz im Flugzeug für ein gebrochenes Bein ging, erzählte, durfte ich mich zu Batterieaufladezwecken für mindestens eine halbe Stunde hinters Steuer setzen und ziellos durch die Gegend fahren, eine meiner 5 Lieblingsbeschäftigungen an Sonntagvormittagen in der Schlabberhose und halbrasiert (oben natürlich).

Solches kann recht öde werden und ödnisverstärkend kam noch hinzu, dass – der erfahrene Leser wird es bereits erahnt haben – mein automobiles Entertainmentsystem die temporäre Saftabstellung übel genommen hatte und erst wieder seinen Dienst aufnehmen wollte, wenn ich einen Code eingebe. Welchen Code? Ich habe keinen Code! WEnn man so ohne Beschallung mit einem nicht mehr brandneuen Auto durch die Gegend fährt, nimmt man plötzlich Geräusche wahr, die einen sonst nicht auffallen. Da ist schon ein verdächtiges Rasseln zu hören und auch diese leichte Schleifgeräusch von Zeit zu Zeit … nix für mich, so zu fahren.

Wieder zuhause angekommen, musste ich feststellen, dass ich tatsächlich keinen Code besitze. Die Seite mit den wertvollen Hinweisen ist nicht mehr dort, wo sie die Betriebsanleitung versprochen hatte und ich bin auch sehr sicher, dass mir der Händler seinerzeit keine Keycard mit verschwörerischem Unterton in die Hand gerdrückt hatte. Muss ich also morgen dort anrufen, wahrscheinlich nur um mir sagen zu lassen, dass ich selbstverständlich diese Karte bekommen hätte und bli und bla. Ich ahne schon, dass ich mir für teuer Geld einen Universalcode im Bahnhofsviertel besorgen muss … dann kann ich auch gleich ein neues Autoradio mitnehmen.

Nur um mich zu ärgern, funktionierte das Telefon natürlich wieder als ich zuhause war, aber das verwunderte mich schon nicht mehr.

Weiteres Ungemach blieb bislang aus, zumal ich ja auch kein Politiker aus Sachsen, Thüringen oder dem Saarland bin. Trotzdem machen es solche Sonntage leichter, den kommenden Montag hinzunehmen.





A Glass of Milk, s’il vous plait!

26 08 2009

Wer den Film bereits im Original oder als OmU gesehen hat, wird etwas mit der Überschrift anfangen können, den anderen möchte ich empfehlen, dies zu tun, denn im Film läuft derart viel über Sprache(n), das in der deutschen Fassung gar nicht transportiert werden kann.

Wenn man keine Sympathie für Ta.rantino hat, wird man sicher auch diesen Film blöd finden. Man sollte schon ein Faible für derartiges haben, die endlosen Dialoge, die dann aber auch unvermittelt einsetzende Gewalt, die Zitate in Klinikpackung, all das.

Dennoch sind die Bastarde etwas „nüchterner“ inszeniert als seine früheren Werke, nur gelegentlich blinken Pulp und Reservoir durch, was aber kein Manko sein muss. Herr Wal.tz ist hervorragend; jetzt ist man fast schon geneigt, ihm zu verzeihen, dass er damals Kommissar Rex schwer traumatisierte, als er sein erstes Herrchen erschoss.

Nicht alle Szenen sind gelungen, manches zu lang inszeniert, aber insgesamt ein großer Spaß. Die letzte Viertelstunde wird auch gerne als „Herrn Mandelbrots feuchter Traum“ bezeichnet, aber wer lässt sich nicht gerne einmal zeigen, wie die gesamte Reichsführung … hmmm, soll ichs verraten?…ach, egal, das hat sich doch eh schon herumgesprochen … in einem Kino gleichzeitig geröstet und von tausenden Kugeln durchsiebt wird.

Im Film wimmelt es von deutschen Schauspielern, man muss schon sehr konzentriert zuschauen, um beispielsweise den Sehrkurzauftritt von Bela B. überhaupt zu bemerken. Til fällt nicht allzu oft auf und ist auch bald wieder weg und Daniel..tja, ich weiß noch nicht genau, was ich von Herrn B.rühls Leistung halten soll, aber das sagt ja auch schon viel.

Wie immer bei Quentin bleibt von der opulenten Schauspielerriege am Schluss nicht viel übrig ,aber ich werde an dieser Stelle zumindest nicht verraten, ob Herr P.i.tt das Filmende lebend erreicht oder vielleicht doch vorher von einem Deutschen massakriert, skalpiert und ausgeweidet wird, nur weil er kein Italienisch kann.

Was dem Film sicher nicht anzulasten ist, war die Tatsache, dass er in einer Sauna gezeigt wurde. Hätte ich dies vorher gewusst, hätte ich Handtuch und Badehose mitgenommen. Es sah aber von außen aus wie ein gewöhnliches Kino und roch auch nicht nach Latschenkieferaufguss, deshalb hatte ich nicht damit gerechnet und durfte somit über 2 Stunden eigensaftgaren. Viel Spaß demjenigen, der heute morgen meinen Sitz auswringen darf!

Bitte? NEIN, hier geht es NICHT um die Besprechung von „Wickie und die starken Männer“. Banausen!





Gegen das Abstumpfen

24 08 2009

Anlässlich einer heute morgen gelesenen Schlagzeile musste ich mal wieder darüber sinnieren, welche Meldungen uns überhaupt noch überraschen oder schockieren könnten. Angelehnt an den Schlagzeilen-Klassiker „Mann beißt Hund“ interessierte es mich, welche der folgenden Schlagzeilen die werte Leserschaft noch am ehesten zum weiterlesen animieren könnte:

„Mann steckt Vogel mit Schweinegrippe an“

„Schwein steckt Mann mit Vogelgrippe an“

„Vogel steckt Schwein mit Männergrippe an“ (die schlimmste aller Grippen)

„Mann steckt sich beim Vögeln an, das Schwein!“

„Bahn erhöht Fahrkartenpreise“

Ich bin ja mal gespannt …





Alle Vögel sind schon da …

22 08 2009

Es gibt wenig angenehmeres, als Samstag morgens von ein wenig Vogelgezwitscher (nein, ich meine jetzt nicht T.witter, sondern das wahre Leben) geweckt zu werden.

Ein wenig, wohlgemerkt …

Auf dem gegenüberliegenden Baum fand heute morgen allerdings offenbar die turnusmäßige VogelVollVersammlung statt. 5.000 dürfte nur ein wenig übertrieben geschätzt sein. Der Baum musste dadurch an seine Belastbarkeitsgrenze gekommen sein. Wer weiß, wie knapp man an einer Baumkatastrophe entlanggeschlittert ist; hätte sich vielleicht auch nur ein weiterer Vogel dort niedergelassen … Welcher Subspezies das Federvieh angehörte, kann ich nicht wirklich beurteilen. Ausschließen kann ich, dass es sich um Störche oder Möwen handelte, viel weiter reichen meine ornithologischen Kenntnisse allerdings nicht. Amsel, Drossel, Fink oder Star, wahrscheinlich Spatzen, wer weiß das schon? Ich gehe jetzt einfach davon aus, dass es sich um Buchfinken handelte, schon alleine wegen der niedlichen Assoziation, die ich mit diesem Namen habe. Ich stelle mir dann immer Vögel mit winzigkleinen Nickelbrillen vor, deren Schnäbel Seiten dicker Wälzer umzublättern versuchen.

Nachdem allerdings ca. 20 Minuten lang ein Gezwitscher aus tausenden von Kehlen (hmmm, haben Vögel überhaupt Kehlen?) zu hören war, verstummte es urplötzlich und abrupt, als hätte  der Obervogel mit befehlsgewohnter Stimme Ruhe eingefordert. Absolute Stille trat ein, wie sie sonst wohl nur von Frau Friedrich im Berliner Olympiastadion angemahnt werden kann.  Es erinnerte mich ein wenig an das hektische Treiben auf dem Börsenparkett in vorcomputerisierter Zeit, das mit dem Ende der Handelszeit um 12 Uhr schlagartig erlosch. Erst nach ca. einer Minute fingen die ersten Waschweiber wieder an, sich vermutlich über den neuen Federschmuck von Astrid oder Belindas misslungene chirurgische Schnabelbegradigung auszulassen.

Fänden sich Fische auf Bäumen zusammen, wäre dies wohl eine sehr viel ruhigere Angelegenheit geworden; ich muss aber zugeben, dass es etwas merkwürdig aussähe.

Wunderwelt der Tiere, ich sags ja immer wieder …





näher.com

21 08 2009

Mannmannmann, ich habe mich schon häufiger darüber echauffiert und werde es wohl auch noch öfter tun müssen, also lebt damit:

Supermarktkassen!

Nicht die Kassen selbst, die funktionieren ja offenbar recht tadellos. Ich meine natürlich das Anstehen an solchen, was auch kein Problem darstellte, wäre ich alleine. Da sind aber noch DIE ANDEREN. Es mag ja sein, dass ich von hinten womöglich aussehe wie ein begattungsbedürftiger Maikäfer. Es mag auch sein, dass es wissenschaftliche Untersuchungen über schnellere Abfertigungen gibt, wenn man sich möglichst eng an den Vordermann presst. Schließlich mag es auch sein, dass es sich um einen atavistischen Urtrieb des Menschen handelt aus einer Zeit, in der man sich noch eng an sein Rudel kuscheln musste, um überleben zu können wg. Eiszeit oder Säbelzahntiger oder was auch immer.

Ist mir aber alles wurscht. ES NERVT! Wenn ich es schon in Großbuchstaben benenne, kann man vielleicht erahnen, wie sehr es nervt. Jeder Versuch meinerseits, durch einen oder zwei Schritte nach vorne wenigstens ansatzweise so etwas ähnliches wie Distanz zwischen mir und Frau Alkfahne oder Herrn Fünftagenichtgeduscht zu bringen, ist um Scheitern verurteilt, weil diese kleine Lücke durch Aufrücken sofort wieder zunichte gemacht wird.

Leider ergeben sich in solchen Momenten auch nur äußerst selten Gelegenheiten, mal zufällig und aus der Situation heraus mit dem Arm nach hinten fahren zu müssen, ohne dass es nach Absicht aussieht und man hat auch nie ein Baguettebrot zur Hand, wenn man mal eines benötigt.

Den dann noch vorhandenen Rest an Selbstbeherrschung benötige ich, um die Person hinter/auf mir nicht zu fragen, ob wir denn nicht erst einmal zusammen essen gehen sollten bzw. sie darauf hinzuweisen, dass sie mit einem weiteren Schritt nach vorne einen wunderbaren Ausblick auf meine Lungenflügel hätte. Die meisten verständen es eh nicht.

Muss ich also meinen Frust weiterhin an dieser Stelle loslassen, Verzeihung!





I|see|a|ship|in|a|harbour

16 08 2009

Netter Titel (willkommen übrigens alle New-Or.der-Fans, die sich aufgrund des Titels hierher verirrt haben, machts euch bequem, Käffchen?), aber schlichtweg gelogen. Ich wollte zwar mal an den Hafen, um die eingelaufene Königin zu begutachten, kam aber leider nicht dazu. So musste also die QM2 ohne mich gesehen zu haben nach NYC. Der Tag in HH war dennoch ein wunderschöner Abschluss des Nordic Holiday. Bestes Wetter, die City brummte, da Dockville, HSV-BVB sowie die Vorbereitungen zu den Cyclassics sich am selben Wochenende die Aufmerksamkeit teilen mussten.

Netter Flohmarkt im Karoviertel, anschließend Kaffee- oder Bierpause bei Yoko.mono (wo man mich übrigens bereitwillig in das Küchengeheimnis einweihte, wie man aus zwei Stück Kuchen drei macht) und schließlich die Entdeckung einer kleinen Rarität, einer frühen Aufnahme des blonden Engels aus Indiana:

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(Courtesy of „Hanseplatte“, selbstverständlich)

Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch feststellen, dass die berühmt-berüchtigte „As.trastube“ Covergirl für die neue Scheibe von Herrn Del.ay geworden ist.

In der Nachmittagshitze dann weitergeschleppt zum Beachclub im Schanzenviertel und anschließend noch in ein ein Esstübchen aus dem Lande des Fado, in dem es lecker Quiche mit reichlich frischem Salat für wenig Taler gab. Scheint im übrigen auch Herbergsstube für viele Hamburger Musiker zu sein (Herr Rellöm in senfgelber Trainingshose – sexy as hell, thx 4 not wearing Leggings). Es war reichlich was los, man musizierte brasilianisch oder sah einfach nur portugiesisch umwerfend aus, der Kiez war auf Sommerfrische eingestellt.

Als Mary abends Abschied nahm, war der Krach bis Altona zu hören. Mein Abschied war wesentlich leiser, aber wohl wehmütiger. In diesen Momenten kommen die Stimmen und sie flüstern „Bleib doch hier!“. Gute Idee, kommt vielleicht noch. Für den Moment gehöre ich natürlich weiterhin nach Frankfurt, denn wo sonst bekommt man diese windstille, schwülwarme Hitze mit permanenter Gewitterneigung? Sollte ich allerdings mal längere Zeit nicht zu finden sein, wisst ihr, wo ihr suchen dürft …





Manche Dinge punktpunktpunkt

13 08 2009

Früher (also vor spürbar mehr als 5 Jahren) …

…da kam ich aus dem Film „Zorro“ und WAR Zorro, da kam ich aus „Star Wars“ und WAR Darth Vader (oder Yoda?), da kam ich aus „Schulmädchen-Report Teil 7″ und … na, ich denke, das Prinzip ist mittlerweile klar geworden.

Heute … (also eigentlich vorgestern) …

..komme ich aus „Hangover“ und habe das Gefühl, den schlimmsten Kater meines Lebens zu haben. Sch…-Einfühlungsvermögen! Wenigstens habe ich mir keinen Zahn gezogen …





Frauen lieben Zementbeine!

11 08 2009

Zugegeben, man kann schon mal überlegen, welchen Sinn es macht, ein sog. „Stadtmagazin“ mit in den Urlaub zu nehmen, aber ich habe nun einmal dafür bezahlt und es lag unmittelbar vor der Abreise im Zeitungsrohr, also warum nicht? Außerdem kann man sich ja nicht nur darüber informieren, bei welcher Veranstaltung in ca. 600 km Entfernung man heute garantiert nicht anwesend sein wird. Es befinden sich ja noch weitere lesenswerte Artikel in der Zeitschrift. Zum Beispiel die Kontaktanzeigen, die ich in letzter Zeit aus verschiedenen Gründen nur sehr sporadisch verfolgt habe.

Hierbei beziehe ich mich meinen perversen Neigungen folgend natürlich auf die der Kategorie „Frau sucht Mann“, denn was Männer suchen, weiß ich ja selber. Außerdem überfällt mich mein Lesen maskulin erzeugter Anzeigen zu oft ein Fremdschämreflex …

(…während ich schreibe, läuft im Internetradio das von mir schon lange nicht mehr gehörte „Welcome to the Jungle“ und es ist zugegebenermaßen nicht allzu einfach, sich auf das Schreiben  zu konzentrieren, während ständig der Kopf heftig hin- und herwippt. Aber weiter im Text …)

…  bei den Frauen scheint sich in den letzten Jahren ein gewisser Anspruchswandel vollzogen zu haben. Wurden in der Vergangenheit vor allem Männer gesucht, mit denen man einerseits Pferde stehlen konnte, die dann aber auch in feiner Gesellschaft und gleichermaßenem Anzug charmant darüber parlieren konnten, wie sie ihr Vermögen mit illegal erworbenem Pferdefleisch angehäuft hatten, so wird heute in gefühlten 110% aller Anzeigen auf Männer Wert gelegt, die „mit beiden Beinen fest im Leben stehen“. Hierbei sollte man wissen, dass die Anzeigen zumindest für Nichtabonnenten kostenpflichtig und deshalb eher knapp gehalten sind. Auf das Formulieren dieser Kernkompetenz wollte aber dennoch keine Frau verzichten.

Es scheint sich hierbei ganz offenbar um eine Auswirkung der gefühlten generellen Unsicherheiten unserer Zeit zu sein, in denen viel Wert auf Stabilität gelegt wird. Das ist einerseites sicher verständlich, andererseits macht es mich ein wenig traurig, denn es sind wohl keine guten Zeiten für die weniger Geerdeten. Wenn ich mich selbstkritisch betrachte, muss ich konstatieren, im Durchschnitt bestenfalls mit 1,35 Beinen im Leben verankert zu sein. Zu oft stolpere ich (übrigens nicht nur metaphorisch betrachtet), irre plan- und ziellos umher, verstehe mich und die Welt nicht, prokrastiniere, verdränge, verfalle in Tagträume, die nur selten direkte produktive Auswirkungen haben und dergleichen mehr.

Ich habe das akzeptiert und komme meist damit klar, aber muss ich mich nun als nicht vermittelbarer Luftikus empfinden? Darf ich mich künftig nur noch mit dem Gesicht in weibliche Achselhöhlen quetschen, Haare ausdauernd zerwühlen (oh ja, ich bin ein leidenschaftlicher und nicht untalentierter Haarezerwühler) und Kussattacken auf Kniekehlen starten, wenn ich zuvor die Auserwählte von meinen eichenhaften Qualitäten überzeugen konnte? Sind ein unbefristeter Arbeitsvertrag und ein Heimwerkergürtel die neuen Aphrodisiaka?

Hach, man soll halt keine Stadtmagazine im Urlaub lesen. So,  liebe Frauen, jetzt macht mir mal bitte Hoffnung … auch die Weiden wollen geliebt werden, nicht nur die Eichen …





Ein Abend voller Nacht

9 08 2009

Ro.bert de Ni.ro und Ro.bert Re.dford haben  mir in einer Fensterfabrik unter Klavierbegleitung  Gedichte und Geschichten über die Nacht von Novalis, Eichendorff, Goethe, Poe und anderen vorgetragen, nachdem mir vorher Schimmelreiter über den Weg fuhren!

Man soll keine unbekannten Pilze zu sich nehmen? Traue niemals der Urlaubsvertretung Deines Stammdealers?

Ja, das stimmt grundsätzlich. Erst recht, wenn unbekannte Pilze die Urlaubsvertretung Deines Stammsdealers übernommen haben.

Ist aber für den ersten Satz nicht relevant. So war das wirklich! Ist vielleicht noch etwas erläuterungsbedürftig … oder nee, warum eigentlich, das kann man ruhig mal so hinnehmen…


… oh, dieses Genörgel, na gut, dann halt doch kurz erläutert: Es waren nur dann die beiden Roberts oder auch mal Harvey K.eitel oder noch so einige, wenn man die Augen schloss, dann hörte man nämlich  eine von Deutschlands markantesten und notorischsten Synchronstimmen, die zuletzt eher durch die Besprechung deutscher Geschichte im Zweiten auffiel.

Der Ort war tatsächlich das für dieses kulturelle Highlight einer nordeutschen Kleinstadt umfunktionierte Fabrikgebäude einer Fensterfirma und die Eventkulisse gaben Häuserimitationen ab, deren Zweck eigentlich die Demonstration der Zuverlässigkeit und Formschönheit deutscher Doppelglasfenster ist. Das ganze nennt sich übrigens „Marktplatz“ und ich als Urlaubender bin in meiner rheinmainischen Naivität doch zunächst tatsächlich davon ausgegangen, dass es sich um den ebenfalls in dieser Ortschaft befindlichen Marktplatz handelte, der im nachhinein betrachtet eine heimeligere Kulisse abgegeben hätte. Der eigentlich für solche Events vorgesehene Dom ist zur Zeit in Reparatur, wird aber noch rechtzeitig vor Weihnachten mit einem Chorkonzert wiedereröffnet, was der erlauchten Zuhörerschaft ein erfreutes „Aaah!“ und „Ooohhh“ entlockte. Bei dieser Gelegenheit darf ich dann mal erwähnen, dass es eine der mittlerweile selten gewordenen Gelegenheiten für mich war, den Altersschnitt des anwesenden Publikums mal von unten zu befeuern. Man muss sich halt nur die richtigen Gelegenheiten aussuchen. Weihnachtskonzert im Seniorenwohnheim, ich komme!

Die Kombination Rezitation/Klavierstück war allerdings durchaus hübsch. Auf allzu naheliegendes wie „Der Mond ist aufgegangen“ wurde verzichtet, auf „Wanderers Nachtlied“ und „Claire de Lune (musikalisch wie literarisch)“ jedoch nicht, was auch gut so war.

Das mit den Schimmelreitern erläutere ich jetzt aber nicht auch noch, bin ja schließlich im Urlaub. Das könnt ihr euch leicht selbst erg**geln und zusammenreimen.