Wenn man grippegeplagt darniederliegt und selbst das Lesen einem ein Übermaß an Anstrengung abverlangt, könnte man der Versuchung erliegen, sich vom TV berieseln zu lassen. Das könnte auch leidlich gut funktionieren, wenn nicht mehr als ein Hunderstel der vorhandenen Hirnzellen ihren Dienst verrichten.
Bei mir waren offenbar ein paar mehr aktiv, sodass ich tatsächlich auch inhaltlich mitbekam, was sich an am anderen Ende des Kabels abspielte. Es gibt beispielsweise Moderatoren von Frühsendungen, die intellektuell bereits mit den beiden Multitasking-Elementen „Seidenschaltragen“ und „Indiekameraschauen“ ausgelastet sind. Wer kann da noch erwarten, dass sie sich mit der jüngeren deutschen Vergangenheit auskennen? Nachdem er zunächst nachfragen musste, ob der 9.11. denn bereits gefeiert wurde (ja, wurde er, aber ganz im Stillen, das hat wohl nicht jeder mitbekommen *zwinker*), plapperte er unerwartet vom wenige Tage später stattgefundenen Fall des Brandenburger Tores, was nicht nur mich, sondern auch die anwesende Sportstudiomoderatorin ins Erstaunen verfallen ließ. auch das nachgeschobene „Na, das unten halt, wo man durchgeht“ konnte die Verwirrung nicht lindern.
Ich habe erst vor wenigen Tagen mit eigenen Augen gesehen, dass das Brandenburger Tor steht, aber wer weiß, vielleicht haben sie es ja mittlerweile wieder aufgebaut. Sogar alles, nicht nur das unten, wo man durchgeht …
Später dann Familientherapie bei Frau Kalkweiss. Innerhalb einer Stunde musste sich eine gesellschaftlich etablierte und gutsituierte Familie damit auseinandersetzen, dass der Sohn eine Verlobung platzen lässt, weil er schwul ist, der Vater es zumindest mal war, die Tochter von einem Messerwerfer aus einem Wanderzirkus stammt und deshalb jetzt nicht Literaturwissenschaft studieren darf usw. Kurz vor Ende der Stunde Sendezeit löste sich aber gottseidank alles in Wohlgefallen auf. Wieso schaffen es diese Pfuscher von Therapeuten da draußen nicht einmal, auch nur eines dieser Probleme zu lösen, bevor ein Jahr vergangen ist?
Zwischenzeitlich lief natürlich reichlich Werbung, die noch nicht einmal von der Krankenkasse finanziert werden muss, und in einem dieser Werbespots ging es um Spenden für die Identifizierung von Kriegsgräbern „im Osten“. Unterlegt wurde das Ganze von einer leicht veränderten Kinderliedfassung „Ein Männlein liegt im Walde ganz still und stumm…“
Wenn sich Realität und Satire derart unverschämt überlappen, ist es doch kaum noch der Mühe wert, beide auseinander zu halten. Vielleicht sind diese Überlegungen aber auch nur meiner infektionsgeplagten Gesamtsituation zuzuschreiben…
In der Haut deines Gehirns möchte ich ja nicht stecken… virenbefallen und dann noch DAS Programm… da fragt man sich, was es wohl ausgefressen haben mag…
Nee.nee, Hirnhautentzückung ist es gottseidank nicht …im übrigen frisst es, was auf den Tisch kommt.
Du Schwein. Du Mexikaner. Du Heinz-Neinz. Bleibt fern von mir und meinem Fernseher, sach ich Dir! *holzkreuzvorsichhalt*
Ist ja gemein, dass der homosexuelle Mensch seine Verlobung auflösen musste. Der hätten seinen Freund doch heiraten können! ^^ Naja, schon irgendwie lustig, diese Kalkweißfälle mal in ein paar Sätzen zusammengefasst serviert zu bekommen. Da scheint ja in vierzig Minuten Sendezeit mächtig was abzugehen.
Der Fall des Brandenburger Tores… hm… das wäre mir selbst neu. Und vor allem gibt es da diese eine U-Bahnstation, die von „Unter den Linden“ extra in „Brandenburger Tor“ umbenannt wurde. Das wäre ja dann alles umsonst gewesen!!!
Hatte mich doch glatt vertan und ersten Satz wie folgt gelesen: „Wenn man grippegeplagt darniederliegt und selbst das ‘Leben’ einem ein Übermaß an Anstrengung abverlangt…“; begleitet von einem dezenten Augenrollen nach dem Motto „Typisch Mann“. Sorry… und weiterhin gute Genesung!
Ach, in diesen Tagen ist soviel von Depression die Rede, da möchte ich nicht auch noch die mitunter vorhandene Schwierigkeit des Lebens in den Vordergrund stellen. Es war wirklich nur profanes Leiden an Deutschlands Fernsehlandschaft … obgleich diese bei fortgesetzter Rezeption durchaus für Depressionen sorgen kann
)
Nee… bloß nicht übertreiben *heißen Tee und Muffin rüberschieb*
Ich sag nur #bsf und #sg, nicht wahr?
Mach nur weiter so, d’oh! Ich glaube ja, dauerhaft ziehen dann auch noch die letzten Hirnzellen unter lautstarkem Protest aus. Obwohl, mit den #’s isses dann ja sogar noch ganz unterhaltsam. (nein! ich hab’s nicht geguckt. nur mitgelesen)
jetzt geh ich mal da drüben den fremdgeposteten Beitrag lesen. Wehe, der ist nicht hübsch und ich laufe ganz umsonst los.
#dieneueStrenge, du weisst schon
autsch, erwischt, herrin …
naja, bsf und sg appellieren aber auch wirklich an die niederen instinkte, die auch in mir vor sich hin vegetieren. außerdem schafft es in der heutigen zeit der zunehmenden isolation ein nettes gemeinschaftsgefühl, so im rudel zu kommentieren. überdies haben diese formate durchaus philosophisches potential. immer wenn man sich als der einsamste mensch der welt empfindet, kann man sich damit trösten, dass es noch schlimmer kommen könnte. potentielle schwiegermütter, die in urlauten nach mehr mehl schreien, tiefebenenbauern, die strumpfbänder aufbewahren, wo andere ihre servietten haben usw.
…und so köstliche momente wie der, als josef seine erkennbar asiatische flamme nach dem kirchgang den einheimischen vorstellte und meinte „sie kommt aus norddeutschland“. man konnte quasi via TV in die gedankenwelt der aborigines schauen, wie sie dachten „jo mei, so schaugt oiso a nordler aus“.
heute abend lese ich aber meinen de montaigne weiter, um der komplettdegeneration ein wenig einhalt zu gebieten, versprochen …