Teufelskerl

by lordfoltermord

Der Herwig Mitteregger (Nina Hagen Band, Spliff) hatte damals sein erstes Soloalbum mit einem prophetischen Titel versehen:

Kein Mut, kein Mädchen!

Hat er sehr wahrscheinlich recht. Man muss einfach raus aus seiner Comfort Zone, sich selbst überraschen, mehr Schritte machen, auch mal blind springen, wenn man es in Zweisamkeitsangelegenheiten weiter bringen möchte.

Ein positives Leitbild liefert hierzu unter anderem die Werbespot-Kampagne eines Online-Dating-Portals. Hier erzählen Paare, was aus ihrer Netz-Bekanntschaft geworden ist. Als Beispiel möchte ich hier kurz aus der brüchigen Erinnerung heraus die Bekenntnisse von – na, nennen wir sie Waltraud und Willi – wiedergeben:

Waltraud: “Wir gingen spazieren und da nahm er auf einmal meine Hand …”

Willi (dezent sächselnd): ” … es war ein guter Moment, ich habe mich gut gefühlt …”

Waltraud: ” … da wusste ich: Das isses …!”

Verlassen wir die rührende Szenerie an dieser Stelle.

Ist das nicht ein Abenteurer? Ein Teufelskerl? Ein Freibeuter der Liebe? Schnappt der sich da einfach ihre Hand … völlig unerwartet … gut, es war ein guter Augenblick und er fühlte sich gut und die Situation war insgesamt sicher günstiger, als wenn sie gerade mit Magen-Darm-Virus auf der Toilette gewesen wäre, aber das muss man erst mal bringen!

Zack!, da war die Hand in seiner, einfach so! Unglaublich, so ein irrer Typ!

Wie erbärmlich fällt da der innerlich abgehaltene Vergleich mt mir aus. Ich hätte in der gleichen Situation sicherlich eher stundenlang über kürzlich gesehene Kinofilme oder die Unerlässlichkeit der Mülltrennung referiert statt mir einfach ein Herz und zugleich ihre Hand zu fassen.

Daran erkennt man ja auch, wer in einer Beziehung ist und wer nicht.

Moderne Helden, es gibt sie noch. Ich hoffe, dass ich mir sein leuchtendes Beispiel vor Augen halten kann, sollte ich nochmals in eine solche Situation geraten.  Ich visualisiere mir dies nun in einer ausführlichen Meditation …