MICH!!!DICH!!!

17 07 2009

Mit dem Alter ist es in etwa so wie mit dem Gewicht; es geht nur nach oben. Hier hilft noch nicht einmal eine Diät. Das hat u.a. zur Folge, dass man gezwungen ist, sich immer wieder auftretenden Veränderungen anzupassen.

Nicht, dass mir das nicht möglich wäre. Ich frage schon lange nicht mehr, wann der nächste Doppeldecker nach Siam geht und habe auch meine Schalltrichtervorrichtung zum Abhören von Schellackplatten ins Archiv verfrachtet. Ich habe mich an PCs, Internet, Latte Macchiato und Bärlauchpesto gewöhnt (naja, zumindest halbwegs) und schaue auch nicht  mehr verwundert drein, wenn mir ständig Menschen begegnen, die den Eindruck erwecken, als führten sie Selbstgespräche.

Bei einigen Dingen allerdings bleibe ich bockig, zum Beispiel bei mir nicht nachvollziehbaren Sprachverhunzungen. Die jüngste Entdeckung sind beispielsweise solche Bemerkungen:

„Ich erinnere, dass ich dort auch schon einmal war.“

„Erinnerst Du, wie Du damals auf Malle Jürgen D.rews die Fresse poliert hast?“

Was soll das denn bitte sein? Jedermann und sein Schwager übernimmt diese Redewendung und zwar nicht nur jüngere Generationen. Selbst vor Kameras wird bedenkenlos so geplaudert. Wieder einer dieser Fälle, in denen man glaubt, sich wörtlich an das Englische halten zu müssen? Dann sollte man aber bedenken,  dass das Englische sowieso teilweise eine ganz andere Syntax übt und außerdem mehrere Begriffe sich mit dem Erinnern beschäftigen. „Do you remember…“ ist eben nicht gleich „Erinnerst Du…“

Wofür haben denn Marie C.urie und Eins.tein einst unter großen Anstrengungen das wundervolle Reflexivpronomen erfunden? Klar, auch Sprache wandelt sich, Alda, voll korrekt, aber man muss doch nicht jeden Mist gut finden.

Ich wundere, warum so viele Menschen derartiges unreflektiert übernehmen, kann mich damit aber nicht anfreunden. Nicht wirklich …

 





Abwesenheitsnotizen

12 07 2009

Hin und wieder schüttelt einem das Leben ein wenig durch, dann tut man so, als wäre man ein Mond und eine Erde und kreist um sich selbst. In solchem Momenten fehlt dann die Zeit und der Saft zum bloggen.

Wahnsinnig viel verpasst habe ich allerdings auch nicht. The Times of the sour cucumbers has arrived …

Am Dienstag wunderte ich mich zunächst, warum überall die Beerdigung eines Mafiapaten im TV übertragen wird, bis mir klar wurde, dass es sich bei der Sonnenbrillen-Gang um die Jackson-Family handelte, die das tat, was sie schon immer gut konnte, nämlich Kinder auf die Bühne schubsen. MJ hat sich zeitlebens bemüht, die Kleinen aus den Medien zu halten, deshalb musstet ihr euch über die Rotationsgeräusche aus dem Sarg nebenan nicht wundern. Hätte LaToya übrigens auf ihren UFO-großen Hut verzichtet, wären bestimmt noch 500 Menschen mehr in das  Stapelcenter zu stapeln gewesen.

Il Silvio grandioso hatte die glorreiche Idee, die Fantastischen 8 zu einem Einsatz ins heimische Erdbebengebiet einzuladen. Tolle Idee, wenn man davon ausgehen könnte, dass er die Regierungschefs näher an die Leiden der Bevölkerung heranbringen wollte, von denen viele ja immer noch und auf unabsehbare Zeit in Zelten hausen müssen. Tatsächlich meinte er aber, dort könnten zumindest die ständig präsenten Chaoten nix mehr kaputt machen. Wow, ein echter Silvio! Wenn es das schürzenjägernde Schmierhaar nicht bereits gäbe, man müsste ihn erfinden.

Giulia sucht übrigens immer noch nen Mann (ist sie eigentlich vertraglich gebunden, mit einem der Herren tatsächlich eine gewisse Zeit in einer Verbindung zu leben? DAS wäre fein!) und ein Sommermädchen-to-be hat Angst, vom 3-Meter-Brett zu springen, weil ihr womöglich die Kunsttitten platzen könnten. Selbst wenn, untergehen würde sie wegen des Vakuums ganz oben auf keinen Fall.

Eine Discountertochter in Salzburg schleudert Sprit für weniger als 60 Cent den Liter unter die Leute und möchte ein ähnliches Angebot auch in Deutschland starten. Juchhu, endlich kann man wieder einfach nur so aus Daffke sonntags stundenlang mit quietschenden Reifen um den Kaufhausparkplatz fahren und die Lieder im Radio mitsingen, ohne sich dabei zu urinieren … ruinieren …

Also wirklich nicht viel verpasst … kann ich also weiterhin Mond spielen …

Lieblingsdialog der Woche:

„Woas hoaßtn „Auftrag“ auf englisch?“

„Ähhh…“Command“?“

„Woas?“Command“???  Bist Du deppad? Mir san doch need in irgendahm Chuck-Norris-Fühm!!“

(Aus dem Trailer zu „Contact High“, den ich mir eigentlich nicht, aber vielleicht doch oder aber doch nicht oder eventuell auf jeden Fall … hat jemand einen Rat?)





Ein Käfig voller Mutmaßungen

10 06 2009

kaffeetasse2

Über die eine der beiden Frauen, die zwei Tische weiter saßen, kann ich nicht viel sagen, da ich nur ihre Rückseite sah. Bestenfalls könnte man annehmen, dass ihre langen Haare schon einigem Färbe- und sonstigem Stress ausgesetzt waren.

Die Andere jedoch saß eindeutig mit dem Gesicht in meine Richtung und setzte sich somit meiner spontanen, ungeplanten Beobachtung aus. Eigentlich war ich mit Lesen beschäftigt, ich wusste zunächst nicht, was mich immer wieder aufblicken ließ. Während sie in ein Gespräch mit der anderen Frau vertieft war, wurde es mir schließlich klar. Dieser Gesichtsausdruck …

Es scheint Menschen zu geben, die das Erwachsensein in einen dauernden Zusammenhang mit sorgenvollem Verhalten bringen. Als Erwachsener ist schluss mit lustig. Da hat man jede Menge Verantwortung und das sollte man auch zeigen. Der Beruf, die Familie, die Umwelt, das kranke Kaninchen der Kleinen, die kaputte Waschmaschine, die Blumen, die einfach nicht blühen wollen, der Sohn der besten Freundin, der bereits in jüngsten Jahren auf die schiefe Bahn zu geraten droht, der anstehende Besuch der Schwiegermutter, die bislang nicht gefundenen passenden Strumpfhosen … man könnte die Liste ins Endlose weiterführen.

All diese Sorgen zeichnen sich irgendwann auch in den Gesichtern solcher erwachsener Menschen ab. Vermutlich war sie bereits mit 16 erwachsen und war da schon erfahren darin, sich Erwachsenengedanken zu machen, während Gleichaltrige keine größeren Probleme haben als Jungs, die sich nicht melden.

Während der Viertelstunde, in der immer wieder mal mein Blick hinüberwanderte, war sie stets in Gespräch, aber nicht ein einziges Mal konnte man auch nur den Ansatz eines Lächelns erkennen. Klar, vermutlich war es ein wirklich bedeutendes Gespräch, vielleicht war ein Elternteil gestorben oder was auch immer. Ich vermute aber trotzdem, dass dieses Gesicht nicht allzu oft durch ein Lächeln in Bewegung gebracht wird. Es ist auf dauerhaft sorgenvoll eingestellt, denn es ist das Gesicht einer sorgenvollen Erwachsenen und es gibt tausend gute Gründe, sorgenvoll zu sein. Sie sieht dabei jedoch nicht so aus, als ginge es ihr finanziell schlecht, dafür war das Outfit zu elegant und es machte auch nicht den Eindruck, als müsse sie mit einer ernsten Erkrankung umgehen, soweit man das überhaupt am Gesicht eines Menschen ablesen kann.

In einem der weniger effektheischenden, plakativen Büchern über Lebenskunst wurde ausführlich über Sorge, insbesondere die Selbstsorge referiert und wie nötig sie sei. Damit war aber nicht gemeint, sich ständig um sich selbst oder andere zu sorgen, also Probleme zu wälzen sondern sich um sich selbst sorgen im Sinne von kümmern. Dazu gehört die Sorge um Körper und Geist und das beinhaltet auch, sich angesichts der Unmöglichkeit, alle möglicherweise entstehenden Probleme lösen zu können, das Aneignen einer gewissen von Weisheit unterfütterten Gelassenheit, die nichts mit einer allgemeinen Wurschtigkeit gegenüber allem und jedem gemein hat. Sie soll uns aber ermöglichen, auch innerhalb des täglichen Durcheinanders, dem wir alle mehr oder weniger ausgesetzt sind, hin und wieder die Vogelperspektive einnehmen zu können und durch das Erkennen der Absurdität vieler Dinge, die um uns herum geschehen, eine etwas entspanntere Haltung dem Leben gegenüber einzunehmen und sich auch den Blick zur Seite zu bewahren. Dies beinhaltet idealerweise auch, von Zeit zu Zeit einen zumindest retrospektiven belustigten Blick auf das eigene Tun und Denken zu werfen.

Verantwortung tragen müssen wir trotzdem ständig, aber es ist sicher kein Naturgesetz, dass die Mundwinkel verantwortlicher Erwachsener sich zwangsläufig in Richtung Erdmitte bewegen müssen.

Möglicherweise tue ich der Frau in dem Cafe extrem unrecht und mit meiner Menschenkenntnis ist es womöglich doch nicht weit her, aber irgendwie tat sie mir in diesem Moment leid, und das nur, weil ich ihr unterstellte, in einem Klischeebild über das Erwachsensein verfangen zu sein. Ganz schön anmaßend, Euer Lordschaft!

Draußen schien dann übrigens die Sonne …





Mittendrin? Nur dabei!

29 11 2008

Sitze mit einem Cappucchino to go (hmmm…ist das paradox? Oder gar rechtswidrig?) inmitten eines halboffnen „Einkaufscenters“ im Rheinmainischen. Der Kaffee wärmt die Hände und ich überlege, warum ich mir nicht eine meiner beiden letztens erworbenen Mützen mitgenommen und aufgesetzt habe. Da hat mal pure Gesundheitsbewusstheit über Eitelkeit gesiegt, aber ich habe nichts davon. Nun liegen meine Mützen gemütlich bei mir zuhause im warmen Zimmer, wahrscheinlich bei Tee und Spekulatius, und lachen sich scheckig über mich, während mir hier die letzten aktiven Hirnzellen in den Kälteschlaf wandern …

In der Eisdiele schwadronieren immer noch die selben südländischen Typen herum, die ihre Haare mit kaltgepresstem Olivenöl statt mit Shampoo waschen und es finden sich immer wieder Mädels, die ihnen hinterher schauen.

Ein mittelgroßer schwarzer, wohl noch recht junger Hund entdeckt einen Artgenossen, der ihm bis auf s Haar gleicht. Schnauze an Schnauze und schwanzwedelnd stehen sich die beiden gegenüber, das simultane Beschnuppern verläuft allerdings sehr enttäuschend und so langsam scheint man an seiner sinkenden Rute zu erkennen, dass in ihm zumindest eine Ahnung davon aufkeimt, was ein Spiegelbild sein kann …

In den Gesichtern der Vorbeilaufenden kann man bereits jetzt die sich ausbreitende Weihnachtseinkaufpanik ablesen, noch gehen sie einigermaßen gemessenen Schrittes, in den nächsten Wochen wird der Schritt hastiger, der Gesichtsausdruck noch grimmig-entschlossener und der Blick noch hastig-suchender werden, deshalb werde ich mich den Rest des Jahres lieber aus solchen Centern fernhalten.

Mein Cappu wird kälter, während ich gedanklich abdrifte und plötzlich tut mal wieder die Welt weh, wie schon des öfteren in den letzten Wochen seit …

Die Zeit alleine ist eine bestenfalls mittelmäßig begabte Wundenheilerin. Sie schafft Distanz und fordert einem mit weitergehendem Leben, die Verarbeitung all der aufgewühlten und sich abwechselnd in den Vordergrund drängenden Gefühle nimmt sie einem nicht ab.

Mir fällt mal wieder auf, dass es mir inmitten einer Menschenmenge meist leichter fällt, mich mit meinen Gefühlen auseinander zu setzen als alleine mit meinen Mützen in der heimischen Stube.

Glücklicherweise meldet sich jetzt noch ein weiteres, ungeduldiges Gefühl namens Hunger und fordert Aufmerksamkeit. Meinem Magen ist bereits vorhin im Vorbeigehen aufgefallen, dass dort in diesem kleinen Laden diese leckeren italienischen Focacchio liegen, am besten die mit Fetakäse und einer Menge Grünzeug, alles leicht erwärmt … erwärmt ist gut …

Schnell noch bei einem Unterhaltungsgiganten eine DVD im Angebot für einen Freund holen, der mir dafür im Gegenzug eine CD im Angebot von einem anderen Unterhaltungsgiganten mitbringen wird (Der Gefangenenaustausch Colin gegen Grace findet später statt) und dann nach Hause zu den Mützen …und dem Spekulatius …





ENDLICH! LIVE!! MIT SPECIAL GUEST!!! (woanders halt…)

26 11 2008

Heftiger Traffic auf der Dreckfoschpage? Ja, aber nur, weil ich meinen persönlicben Blog-pro-Monat-Rekord brechen möchte …

 

Worum es eigentlich geht: Ich beneide die Menschen in Hamburg und Berlin. Erstens schon mal des Dortwohnens selbst wegen (insbesondere Hamburg, mein gefühlter Zweitwohnsitz, wenn auch nur für wenige Tage im Jahr),aber vor allem, weil man davon ausgehen kann, dass so zirka 100 Prozent aller auf Tour befindlichen Musiker dort Station machen.

 

Berlin, Hamburg,Köln, München, das ist in etwa das Standardgerüst der allermeisten Tourpläne für Deutschland. Frankfurt kommt da vermutlich höchstens bei 40% der Tourpläne vor, insbesondere bei neuen Leuten, die noch keine Endlostour schultern können, fällt die hessische Metropole weg. Liegt vermutlich zu nahe an Köln, wo se ja auch fast alle hinkommen. Klar, sind ja auch höchstens 200 Kilometer von hier, die fährt man ja schon zum Brötchenholen. Und jetzt, wo einem das Benzin quasi hinterhergeschüttet wird …

 

Man muss ehrlicherweise zugeben, dass die Auswahl der nichtschämenswerten Auftrittsmöglichkeiten in Ffm eher begrenzt ist. Die „gut Stubb“, also Festhalle, ist ja akustisch nicht gerade der Hammer, im „Bett“ können wegen der geringen Fläche höchstens Duos auftreten, bleiben also Nachtleben, Batschkapp, Brotfabrik, Mousonturm usw. … alles bestenfalls mittelgroße Veranstaltungsorte, wenngleich mitunter durchaus mit Atmosphäre versehen. Fährt man hingegen mit dem Auto durch Berlin oder Hamburg und muss einmal niesen, hat man schon zwei bis drei nennenswerte Clubs übersehen. Ungerecht ist das, Menno!

 

Ach, eines noch: Ich bin grundsätzlich sicherlich kein Anhänger des Sinnspruchs „Sage mir, wo Du auftrittst und ich sage Dir, wer Du bist“ (zumal ich diesen Spruch eben das erste Mal lese). Oft kann das ein Künstler ja gar nicht beeinflussen. Wenn ich allerdings sehe, dass ein Herr Ma.ffay seine nächstjährige Tour mit einem Auftritt beim Völkerschlachtdenkmal in Leipzig beendet, mache ich mir schon mal Gedanken darüber, welche Aussagekraft dies haben könnte. Sollten da nicht eher Bands auftreten, bei denen ordentliches Moshen möglich ist?





The Future`s so bright i gotta wear Shades

9 11 2008

Es gab einiges zu lesen, hören und sehen in den letzten Tagen, die Obamania befeuert sämtliche Medien reichhaltig, vor allem in den Feuilletons und Kommentarspalten. Es ist doch erstaunlich, welches Erdbeben sich in der Meinung der Menschen ereignet hat. Ich kann mich noch einigermaßen an die erste Wahl Clintons erinnern. Große Erleichterung noch 8 Jahren Reaganomics und einer mäßigen Coda durch Bush d.Ä. inkl. Irakkrieg, der Erste. Er sah aus wie ein Peoples President, hörte Fleetwood Mac und spielte Saxophon. Damals eine große Sache.

Diesmal scheint aber deutlich mehr passiert zu sein, als dies. Es ist nicht nur ein afroamerikanischer Demokrat zum Präsidenten gewählt worden, sondern es scheint sich tatsächlich etwas wie eine Zeitenwende vollzogen zu haben. Plötzlich haben ein Haufen Menschen wieder strahlende Augen und verrückte Vorstellungen, wie die Welt auch sein könnte.

Bei aller Skepsis, die einem als realitätsnahen Menschen zwangsläufig ereilen muss (so schmächtig ist die Realität schon geworden), was die zu erwartende Erfolgsquote der Nummer 44 betrifft, ist alleine die Vorstellung der nunmehr bestehenden Möglichkeiten fast schon unfassbar.

Könnte es tatsächlich sein, dass ein anderes Denken in der Politik Einzug finden könnte? Ein Denken, dass sich nicht hauptsächlich an „Liebesdiensten“ für Öl-, Waffen- und sonstigen Lobbies orientiert, eines, das nicht nur kurzfristige Erfolge und die Wiederwahl im Auge hat? Ein Denken, das einen gesamtheitlicheren Ansatz verfolgt? Das womöglich wirklich die vielbeschworene Nachhaltigkeit in Fragen von Umweltschutz und menschlichem Wirtschaften fordert und fördert? Ein Denken, das auch viele Menschen, die sich in den letzten Jahren als nicht berücksichtigt empfanden, neue Hoffnung gibt und Mut macht, mehr zu wollen, mehr zu fordern, mehr zu tun, selbst aktiv zu werden und sich wieder als ein Teil des Ganzen zu fühlen?

Könnte es sein, dass sich diese Veränderungen auch schnell in der Gesellschaft verankern, in Kunst und Kultur, sich im Leben der Menschen umfassend breit machen, dass sie auch in anderen Ländern ein anderes Denken auslösen  und so z.B. die italienische Karikatur eines Staatsmanns zum überwundenen Ärgernis reduziert, bevor noch Schlimmeres passiert?

Das alles und noch viel mehr könnte passieren. Alleine die Möglichkeit wirkt pulserhöhend. Wahrscheinlicher ist wohl, dass die aktuelle Weltlage, die zu erwartende Weltrezession und andere Faktoren schnell das überlebensgroße Bild ins Wanken bringen werden und sich der Enthusiasmus schnell legt oder ein bewaffneter Spinner doch mal einen guten Tag erwischt.

Vielleicht entwickeln sich die Dinge aber auch so schnell in eine andere Richtung, dass sie die Amtszeit oder sogar die Existenz des nächsten Präsidenten überdauern könnten. Es liegt eine gewaltige Menge Hoffnung in der Luft und die Menschen atmen sie kräftig ein.

Ein klein wenig Zeitenwende vielleicht doch?

… der Blogtitel ist übrigens einem Song von Timbuk 3 aus den 80ern entliehen …





Elpee/Cedee/Empeedrei…

7 08 2008

Ach, damals war das alles anders…Ende 87 der erste CD-Player, aber noch fleißig Vinyl gekauft, nur ganz spezielle Veröffentlichungen auf CD, auch weil zu teuer. Dann aber kamen nach und nach einige Veröffentlichungen gar nicht mehr per PVC auf den Markt, die schwarze große Scheibe wurde immer teurer, die kleine silberne hingegen billiger und irgendwann waren es höchstens noch ein paar Maxis für den Club (KICK OUT THE JAMS, WHAT TIME IS LOOOOVE, buiiibuiii???), die man sich in schwarz und groß zulegte.

 

Damals schon die Glaubensfrage der Klangpuristen. Ich war eher praktisch veranlagt. Ja, sage ich auch heute, Vinyl klang satter, runder, aber ruhige Stücke waren auch schnell mal verknackst, was mitunter sehr stören konnte, beim romantischen Rumfummeln aber auch in der meditativen Versenkung. Kurzum, ich habe den Wandel akzeptiert, jajaja!

 

Was nervt, sind die zunehmenden Dynamisierungen der CDs. Beweis: Man lege mal eine CD von sagen wir 1992 in den Player und stelle den Lautstärkeregler auf angenehm. Danach wechsle man ohne Veränderung der Einstellungen auf eine aktuelle CD. Liebe Grüße von den Gläsern im Schrank resp. den Nachbarn!

 

Jetzt aber MP3: Es ist okay für mich, mp3-Stücke für unterwegs auf den Player zu ziehen, damit man auch beim Bahn- oder Radfahren oder in diesem unerträglich öden Meeting was Nettes für die Öhrchen dabei hat. Die Basis bleibt aber für mich der physische Tonträger. Früher hat man davon halt Cassetten aufgenommen für unterwegs, heute sind es reduzierte mp3-Files. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man sich ausschließlich mit mp3s abgeben kann, wenn man von Musik mehr erwartet, als die Vermeidung von Stille durch Geräuschberieselung. Der Empeedrei-Sound ist mies, er genügt für unterwegs aber lange nicht für zu Hause.

 

Nun ist aber zu befürchten, dass die Verbreitung von Tonträgern in den kommenden Jahren nur noch ein Nischendasein (hihi, das liest sich wie „Nies-chendasein :o ) ) führen wird und das gibt mir zu denken. Die paar Bytes auf nem Chip, das kann doch nicht alles sein. Nicht nur des mediokren Klanges wegen; wo bleibt denn dann det janze Drumherum? Coverartwork? Kritzeleien des Künstlers im beigelegten Büchlein? Haptisches Erlebnis? Von mir aus auch der Geruch (das Booklet zu Madonnas „Like a Prayer“ z.B. war parfümiert und muffelte jahrelang hübsch vor sich hin). Außerdem möchte ich Erinnerungen an CD-Käufe haben dürfen. Gut, nicht notwendigerweise ständig, aber hin und wieder nehme ich eine in die Hand und mir fällt ein, wie ich sie mir im Urlaub im Secondhand-Laden in XY gekauft habe und wie warm es an diesem Tag war und wie ich noch mit Anderen zu diesem Beachclub gekrabbelt bin und all das…

 

Ich bin nicht gegen mp3, aber für Tonträger und all das drumherum, das musste mal gesagt werden, so! Und jetzt ihr…





Y???

2 07 2008

Da schaut sie mal wieder zum Fenster herein, die immer wieder beliebte Frage nach dem Warum? Sie beschäftigt sich nicht nur mit Bananen und deren Krümmung, legt sich als ewige Wiederholung in Kindermünder oder gehört als einer der 5 W-Musketiere zum Rüstzeug jeden Reporters (oder waren es 6 W’s???)…

 

Das jetzt auftauchende Warum erscheint in modischem T-Shirt und einigermaßen okay aussehenden Sandalen und beschäftigt sich mit meinen Blogs.

 

Ach, herrgott, was weiß ich , warum ich blogge…zum einen fröne ich ein Stück weit meiner Eitelkeit, weil ich mich wie viele andere als ein überdurchschnittlich begabter Buchstabenzusammenbastler empfinde und dies hin und wieder gerne unter Beweis stellen tun..will…können…

 

Außerdem ist es natürlich eine reizvolle Angelegenheit, auf diesem Weg mit ansonsten wildfremden Menschen in Kontakt kommen zu können.

 

Obwohl der größere Teil meiner Posts doch eher in Richtung fein- bis unsinniges Kommentieren von gehörtem, gelesenem oder gesehenem tendiert, drängt mich hin und wieder etwas in mir, einer Stimmung oder Empfindung in mir Ausdruck zu verleihen, entweder um andere daran teilhaben zu lassen, aber auch, weil manche Dinge einfach bearbeitet werden müssen.

 

Ich habe größten Respekt und ein dickes Stück Bewunderung dafür übrig, wenn es jemand wirklich schafft, seine Gefühle und Gedanken nicht nur niederzuschreiben wie sie kommen, sondern  auch noch den Anspruch an sich hat, diese ungefiltert und unzensiert in einem Blog zu veröffentlichen. Das könnte ich bestenfalls innerhalb eines Briefes oder einer Mail an eine Person, zu der ich eine gewisse Nähe fühle.

 

Zunächst mal schreibe auch ich recht ungefiltert alle Möglichen Gedanken und Empfindungen zusammen. Dann aber schabt sich mein Sprachgefühl an dem Text. Außerdem unterstelle ich dann, dass viele Leser die notwendigen Hintergründe gar nicht kennen, um manche Äußerungen zu verstehen. Also wird dann doch meist umgeschrieben, gelöscht, dazugenommen und ausgebaut und all das. Mehr an Öffnung nach außen geht wohl derzeit nicht bei mir.

Immerhin gibt mir diese erste Gedankensammlung die Möglichkeit, mich mit einigen Dingen nochmals aus ei nander zu setzen. Sie wirken dann doch oft ganz anders, so in Buchstaben gegossen und wollen ausgiebig betrachtet werden.

 

Hilft das jetzt irgendjemandem weiter? Keine Ahnung, ich werde diesen Post jetzt nämlich so gut wie unbearbeitet veröffentlichen, ha!





River Man

29 02 2008

Es bedurfte zu meiner Schande als Musicoholic tatsächlich erst eines VW-Werbespots im Jahr 2000, um auf die Musik von Nick Drake aufmerksam zu werden. „Pink Moon“ hatte man zur Untermalung gewählt. Drakes Musik eignet sich oberflächlich betrachtet eigentlich nicht besonders für Werbung, ist sie doch geprägt von der melancholischen Weltsicht des 1974 natürlich mal wieder viel zu jung verstorbenen Musikers.

Zu Lebzeiten hatte er es gerade mal auf drei Alben gebracht und der kommerzielle Erfolg blieb damals weitgehend aus. Der Einfluss seiner vorwiegend im Folk verwurzelten Musik auf nachkommende Musiker ist jedoch stetig gewachsen.

Wer ein Herz für die Musik von Elliot Smith, Jeff Buckley (beide auch schon Wurmfutter), Damien Rice und Konsorten hat, sollte sich die große Freude machen und mal ein bis zwei Ohren auf Herrn Drake richten. Obwohl die Texte meist Düsternis, Melancholie und Leiden transportieren, zieht mich seine Musik sooft ich sie mir gönne, nicht hinunter. Im Gegenteil, nicht selten vermittelt sich mir das Gefühl, er nähme meine Melancholie auf und packe sie mit in seine Gitarre. Hier und da umarmen sich auch Streicher und Flöte innig, wobei seine Lieder meist sehr transparent bleiben.

Am 19.06. wäre er 60 Jahre alt geworden, ein nachlässiger Arzt hat dies verhindert. Aber geben wir uns keinen Illusionen hin; auch mit ordnungsgemäßer Medikation hätte er es wohl nicht gepackt.

 „Time has told me

not to ask for more

someday our Ocean

will reach its shore” 

Nachhaltige Empfehlung…





1amkeit

8 01 2008

Sie kommt ganz schön rum, die liebe Einsamkeit. Letztens brachte sie es sogar auf die Titelseite des „Stern“, und zwar ohne ein Politiker oder ein Hitlertagebuch zu sein oder dralle Möpse zu besitzen.

Jetzt oder im November ist ihre große Zeit, aber durchaus auch mal der hohe Sommer oder der beginnende Frühling, wenn alles knospt und grünt und blüht und Jedermann und sein Schwager sich raus aus der Miefbude in die lecker riechende Natur aufmachen.

Bei vielen war sie schon zuhause, da könnte man fast den Eindruck bekommen, sie sei ein äußerst fragwürdiges Flittchen, das sich vom einen zum anderen schmetterlingt und gebrochene Herzen in Anstaltspackungen hinterlässt.

Ganz so ist das aber nicht.

Mir ist sie eine treue Freundin, die immer wieder den Weg zu mir findet, gerne auch ungefragt. Irgend etwas an mir scheint ihr zu gefallen. Mein Eau de Toilette vielleicht? Meine Plattensammlung? Mein verstocktes Wesen?

Richtig fuchsig wird sie, wenn man sie mit dem Alleinsein verwechselt. Sie kann nämlich durchaus auch in großer und bunter Gesellschaft auftauchen, da hat das Alleinsein gar nix verloren. Teilen lässt sie sich eigentlich nicht, aber sie nimmt auch nicht viel Platz weg.

Ich sollte sie wohl lieben, denn sie war schon immer für mich da und wird es wohl auch bis zum Ende sein. Von wem kann man das schon behaupten?

Bitte was? Tauschen? Gegen was denn? Hmmm….