Herr Lehman hat mich eingeladen, einen Gastbeitrag auf seinem Blog abzuladen. Wenn ich also schon fremdgehe, dann sollte es auch um geografisches Fremdgehen handeln.
Schaut euch aber bitte auch die sonstige Hamsterware an. Sehr empfehlenswert!
Herr Lehman hat mich eingeladen, einen Gastbeitrag auf seinem Blog abzuladen. Wenn ich also schon fremdgehe, dann sollte es auch um geografisches Fremdgehen handeln.
Schaut euch aber bitte auch die sonstige Hamsterware an. Sehr empfehlenswert!
Früher:
Rock-,Indie- oder Sonstwas-Konzert in der großen Stadt. Meist unbestuhlt, der Laden rammelvoll, Dopeschwaden in der Luft, the Crowd goes YEAAHHH, verschwitzte Leiber reiben sich aneinander (was nicht immer toll sein muss), jemand verschüttet garantiert Bier auf meinem Shirt.
Heute:
Konzert einer deutschen Band mit schauspielerndem Sänger in der Kleinstadt vor der großen Stadt, Musik irgendeine Mischung aus Gypsy, Deutschrock, Waits und Kunstlied (so weit, so interessant). Kleiner Saal, durchgehend bestuhlt, aber nicht besetzt, dreistellige Beucherzahl wird verpasst (aber wie mir einer der Musiker später erzählte, waren ein paar Tage zuvor in Magdeburg mehr Leute auf als vor der Bühne. Bei einem Quintett, am Wochenende ohne große Konkurrenzveranstaltungen! Schäm Dich, Magdeburg!). Die ältere Dame am linken Rand pustet ihr mitgebrachtes Hämorrhoiden-Sitzkissen auf, die zwei Endzwanziger in der Reihe davor unterhalten sich über Nebenkosten-Rückerstattungen und weitere Karrierepläne. In der zweiten Hälfte des Sets lässt die Band zur Auflockerung eine Flasche Schnaps rumgehen und diese kommt mehr als halbvoll zurück.
Coming of best Age sucks … somehow!

In seiner zerebralen Ausstattung ist – wie überall sonst auch – jeder Mensch unterschiedlich begütert worden. Das ist ja auch gut so, sonst hätten wir nur noch Schriftsteller, Mnemotechnikweltmeister oder Buchhalter unter uns, was auf unterschiedliche Art alles schrecklich wäre.
Mein Gedächtnis beispielsweise arbeitet recht gut, was Worte und auch Zahlen angeht. Es spinnen heute noch Telefonnummern in meinem Kopf, die es schon ewig nicht mehr gibt (wahrscheinlich künftig sogar Nummern von Menschen, die es nicht mehr gibt).
Wesentlich schlechter geölt ist dagegen mein Gedächtnis für Gesichter, was mitunter für peinliche Momente sorgen kann, wenn z.B. ein Mensch, mit dem man beruflich in lebensbedeutender Situation zu tun hatte, ein paar Wochen später im Supermarkt an einem vorbeiläuft, freundlich grüßt und man selbst zunächst bestenfalls eine ungefähre Ahnung hat, wer das sein könnte. Das Gedächtnis rattert dann in Höchstleistung und versucht einen Zusammenhang zwischen dieser namenlosen Visage und einer früheren Situation herzustellen. Ist das der Typ von der Reinigung? Arbeitet der im Me.dia-Markt? Ist das der neue Freund von Anja? Oder der Typ, der mich letztens in der U-Bahn zusammenschlagen wollte? Hin und wieder stellt sich nach geraumer Zeit sogar ein Erfolg ein. Nun könnte ich entschuldigend anmerken, dass er ja ganz anders angezogen war als damals, aber so richtig überzeugend wirkt dies nicht einmal auf mich.
Die eigene Unzulänglichkeit wirkt noch peinlicher, wenn man Menschen in seinem näheren Umfeld hat, bei denen es genau ins andere Extrem geht. Ein Gespräch verläuft dann beispielsweise so:
„Schau mal, das ist doch die Schwester der Freundin des Brudes von Olli!“
„Olli?“
„Na, der ab und an in „Johnsons Living Monza“ auflegt und der letztes Jahr auch mal kurz auf Christines Geburtstagsfeier war.“
„Ahhhh,ja…ja, …ähhh…stimmt, das…ähhh…ist er wohl“
„Sie!“
„Klar, Sie!“
Es könnte unter Umständen auch daran liegen, dass ich Menschen nicht immer ordentlich ins Gesicht schaue, aber entschuldigense mal, manchmal ist das aber auch eine echte Zumutung. Muss ich halt damit leben, öfter mal angeraunzt zu werden. Zumindest konzentriere ich mich darauf, freundlichst zurück zu grüßen, auch wenn ich nicht weiß, wer mich da grüßt. Schadet ja nix, es könnte ja der Gerichtsvollzieher sein …
P.S.: Falls jemand auf die Idee kommen sollte, zu kommentieren. er habe auch ein prima Nummerngedächtnis, er könne sich noch super an die Nummern mit Jasmin, Biggi, Julia usw. erinnern, muss ich leider sagen: Zu spät, das Ding ist jetzt bereits durch …
Es gibt Momente, da durchdringt einem von einem Augenblick auf den nächsten womöglich die Erkenntnis, dass wir ein Haufen zusammengepacktes Nichts sind, das auf einem Staubkorn inmitten eines Universums, welches wir uns nicht annähernd vorzustellen in der Lage sind, durch etwas trudelt, das wir als Zeit bezeichnen, das aber letztlich auch nur eine hilflose Konstruktion des Unfassbaren darstellt, und eine bodenlose, untröstliche, beinahe wahnsinnig machende Verlorenheit und Einsamkeit erfasst einem.
Vielleicht war es einer dieser Momente, der eine mitteljunge Frau dazu veranlasste, auf einem großzügigen Parkplatz, bei dem im Umkreis von 25 Metern nur ein Auto parkte, sich genau neben dieses eine Auto zu stellen. Eben um eine gnädige Milderung dieses tieftraurigen Gefühls zu erhoffen. Und da die Einsamkeit sehr groß war, stellte sie sich auch so eng neben das andere Auto, dass dessen Fahrer, der gerade noch recht gutgelaunt mit einem der letzten Eise dieser Saison in der Hand zurückkam, sich seine Zeit als Schlangenmensch in Erinnerung rufen musste, um überhaupt sein Gefährt besteigen zu können.
Mit einem Waffeleis in der Hand sich in ein Auto zu zwängen, ohne nennenswerte Kleckereien verursacht zu haben, halte ich für eine grandiose Leistung dieses Fahrers, den zu rasieren ich jeden Morgen das Vergnügen habe.
Noch besser war allerdings jener Verkehrsnichtteilnehmer, der von der Flut der bereitwilligen Parkmöglichkeiten überfordert zu sein schien und sich stattdessen lieber auf die Fahrbahn stellte, unmittelbar vor der Ausfahrt, so dass alle Autos (also zumindest das eine, in welchem der noch Waffelreste knabbernde Schlangenmensch saß) mühsam um ihn herumkurven mussten.
Dafür wurde ihm dann aber auch der böseste Blick der Woche zuteil … obwohl, warten wir es ab, die Woche ist ja noch nicht zu Ende …
…ja, und ich das gesehen und so voll gedacht: „Ey, krass, das is ja voll die easy Sprech und so. Muss ich ja nur direkte Rede machen und vorher sagen, wer es sagt“ Und meine Hirnzellen dann so: „Hallo, spinnst Du? Wir sind jahrzehntelang getrietzt worden, bis Du dich einigermaßen kultiviert unterhalten konntest und jetzt willst Du wieder freiwillig auf Neandeertalernivaeu runter? Geht ja mal gar nicht“. Voll angepisst, die! Und ich dann so: „Fresse, ihr Honks, ihr habt hier gar nix zu melden. Wenns mir zu blöd wird, erwürge ich mich selbst, dann habt ihr aber voll das Problem!“ Und die alle so: „Du Blödkopp kannst Dich überhaupt nicht selbst erwürgen, Du wirst doch eh vorher ohnmächtig, also proll hier nicht so rum!“ Und ich so voll grübelgrübel und so und dann klar gecheckt, was geht. Lass ich es halt und versuche weiter, mittels geistreicher und gekonnter Konversation verschnörkelte Brücken zu Anderen zu bauen und mich als soziales Wesen in einem komplexen Gesellschaftssystem zu verankern. Und meine Hirnzellen alle so: YEAAH!! …
Nun ja, „lieben“ ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber von den schlimmen Wochentagen (Mo.-Fr.) ist der Mittwoch für mich nicht der größte Schurke. Der Montag hingegen …*grrrr*…
Laut Untersuchungen scheint er aber tatsächlich das unbeliebteste von sieben Kindern zu sein. Es finden sich dafür auch jede menge handfeste *kicher* Belege: Judas’ Verrat hat an einem Mittwoch stattgefunden, Mittwochs mittags haben die meisten Ärzte zu (???) und viele Leute sind enttäuscht, weil sie den Jackpot wieder nicht geknackt haben. Letzteres wird sich aber bis zur Einführung des Donnerstagslottos kaum ändern …
Der entscheidende Beleg ergab sich aber aus der Auswertung von Blogeinträgen. Man untersuchte aufwändig, an welchen Tagen welche Gefühlszustände besonders oft gebloggt wurden und der Mittwoch kam dabei nicht gut weg.
Ich kann das nicht teilen, immerhin ist mit Ablauf des Mittwochs doch der größere Teil der Arbeitswoche absolviert und man kann sich schon gedanklich ein wenig mit dem bevorstehenden Wochenende beschäftigen, ohne sich vollends lächerlich zu machen.
Mein Lieblingstag ist allerdings Freitag nachmittag bis Samstag nachts und das nicht nur, weil in dieser Zeit vor vielen Jahren auch meine persönliche exe-Datei gestartet wurde.
Trotzdem, auf die Gefahr hin, dass auch dieser Blog dereinst ausgewertet wird, möchte ich doch ein kleines Gegengewicht setzen und dem Mittwoch ein wenig dienlich sein:
fröhlich, lächelnd, zuversichtlich, Blumenduft, Naschkekse, flirten, Sonnenstrahl, Einkommenssteuerrückerstattung, Pistazieneis, Überraschung, liebevoll, Füße im Sand, der Duft von frischgebackenem Kuchen, ein Zwinkern, die Musik von Herrn Fitzsimmons, nachlassender Schmerz, ein Schmetterling …
Gern geschehen, lieber Mittwoch!
„Ich bereue gar nix, ihr W**er und jetzt legt schon den Schalter um!“
„Ich bin seit 20 Jahren Dachdeckermeister, meine Dachziegel halten …“
„Was ziehen? An welcher Schnur denn? HIER IST KEINE SCHNUR!!!“
„Boah, ganz schön schwer, so eine Boa an einem …uff, na,na, Freundchen, jetzt mal nicht so eng an mich …“
„3…2…1..JETZT!“
„Hä? Also ich sehe hier keine Kugel im Lauf, dann müsste doch …“
„Schatz, wirf mir doch bitte mal den Fön herüber ,so kann ich das Baden sinnvoll nutzen“
„Was weiß ich, was BIOHAZARD bedeutet? Ich geh da jetzt rein…“
„Gute Nacht, liebe Frau, ich freue mich schon ganz wahnsinnig auf meinen 98. Geburtstag morgen…“
„Nein, Compadre, ich habe El Presidente nicht gewählt …“
„So, liebe Touristen, wir nähern uns nun dem Marktplatz von Pompeij … huch, ich glaube, wir werden soeben Zeugen eines Vulkan …“
„Je.ns Leh.mann, Du bist die blödste Sau im Tor!“
Jaaa, das Gas ist abgestellt, jetzt fang schon an mit dem Schweißen!
Trau Dich, Feigling!
Jetzt links abbiegen!
Keine Bange, Sabine kennt sich in der Fugu-Zubereitung aus.
Schon toll, der Ausblick hier aus dem World Trade Center. Schau mal, das Flugzeug wirkt total groß hier oben!
Moment, ich … muss nur … kurz … Luft … holen …
So, jetzt laaaaangsam nach vorne rollen…LANGSAM!!!…
So, Kinder, bevor wir auf die Straße gehen, schauen wir zuerst nach rechts … dann gehen wir …
Also, Captain Kirk, ich stelle mich nur unter Protest als Testkandidat für dieses komische Gerät zum Beamen zur Verfügung …
Huch … das fühlte sich eben an, als wäre eine Ader in meinem Kopf geplatzt … witzig! …
4:21 Minuten! Ich bin der Apnoe-King!!! (gedacht, nicht gesprochen)
tbc…
Zunächst war Sonnenschein, um mich in der trügerischen Hoffnung zu wiegen, einem hübschen Tag ins Auge zu blicken. Kaum wurde ich darüber nachlässig und nahm meine Deckung etwas herunter, kam auch schon der erste Schlag.
Autobatterie leer!
Aber so richtig leer. Da ging gar nix mehr. Unverständnis meinerseits. Kündigt sich so etwas nicht an? Aber für was haben wir denn unsere gelbe Karte? Bereits 90 Minuten später klingelte der Fahrer eines nicht näher zu benennenden Allgemeinen Deutschen Automobilclubs an der Tür. Eigentlich sollte er ja 5 Minuten vor seinem Eintreffen anrufen, dann hätte ich auch ohne Rasierschaumreste vor die Tür treten können. Darauf angesprochen meinte er, er hätte anzurufen probiert, aber nur die Mitteilung bekommen, der Teilnehmer sei vorübergehend nicht erreichbar, was er mir durch einen erneuten Anruf auch beweisen konnte. Grmblfx, aber darum musste ich mch später kümmern, die Autoreanimation ging vor. Kaum dort, kam auch schon eine Nachbarin auf uns zu und meinte, sie hätte gesehen, dass die ganze Nacht Licht am Auto brannte. Sie wollte mich auch anrufen. aber sie bekam nur zu hören … genau!
Ich bin mir zumindest sicher, dass meine Türklingel auf jeden Fall funktioniert hätte, aber man soll nachbarschaftliche Hilfe auch nicht überbeanspruchen. Zumindest half diese Äußerung uns, sich der vermeintlichen Ursache zu nähern. und siehe da, kaum war das Notstromaggregat an der Batterie angeschlossen, leuchtete es ein klein wenig in den Tag hinein. Ich war mir eigentlich sicher, dass mein Lichtwarner auch bei Parklicht anspringt, dies scheint aber offenbar nicht der Fall zu sein. Immerhin also kein Kabelschaden oder grundsätzliches Ableben der Batterie. Danke, Du Engel! Nachdem der Engel mich noch schnell auf eine Plusmitgliedschaft upgraden wollte und dabei eine durchaus nicht uninteressante Geschichte aus der eigenen Familie, in der es um einen Autounfall in Osteuropa, 4 bezahlte Rückflüge aus Nirgendwo und einen ebenfalls spendierten Sonderplatz im Flugzeug für ein gebrochenes Bein ging, erzählte, durfte ich mich zu Batterieaufladezwecken für mindestens eine halbe Stunde hinters Steuer setzen und ziellos durch die Gegend fahren, eine meiner 5 Lieblingsbeschäftigungen an Sonntagvormittagen in der Schlabberhose und halbrasiert (oben natürlich).
Solches kann recht öde werden und ödnisverstärkend kam noch hinzu, dass – der erfahrene Leser wird es bereits erahnt haben – mein automobiles Entertainmentsystem die temporäre Saftabstellung übel genommen hatte und erst wieder seinen Dienst aufnehmen wollte, wenn ich einen Code eingebe. Welchen Code? Ich habe keinen Code! WEnn man so ohne Beschallung mit einem nicht mehr brandneuen Auto durch die Gegend fährt, nimmt man plötzlich Geräusche wahr, die einen sonst nicht auffallen. Da ist schon ein verdächtiges Rasseln zu hören und auch diese leichte Schleifgeräusch von Zeit zu Zeit … nix für mich, so zu fahren.
Wieder zuhause angekommen, musste ich feststellen, dass ich tatsächlich keinen Code besitze. Die Seite mit den wertvollen Hinweisen ist nicht mehr dort, wo sie die Betriebsanleitung versprochen hatte und ich bin auch sehr sicher, dass mir der Händler seinerzeit keine Keycard mit verschwörerischem Unterton in die Hand gerdrückt hatte. Muss ich also morgen dort anrufen, wahrscheinlich nur um mir sagen zu lassen, dass ich selbstverständlich diese Karte bekommen hätte und bli und bla. Ich ahne schon, dass ich mir für teuer Geld einen Universalcode im Bahnhofsviertel besorgen muss … dann kann ich auch gleich ein neues Autoradio mitnehmen.
Nur um mich zu ärgern, funktionierte das Telefon natürlich wieder als ich zuhause war, aber das verwunderte mich schon nicht mehr.
Weiteres Ungemach blieb bislang aus, zumal ich ja auch kein Politiker aus Sachsen, Thüringen oder dem Saarland bin. Trotzdem machen es solche Sonntage leichter, den kommenden Montag hinzunehmen.