Wunschzettel

6 12 2009

Wenn es denn möglich wäre, alle nicht anderweitig dringend benötigten Mengen an Mut, Einsicht, Weisheit, Einigkeit und Intelligenz zu bündeln und auf ein bestimmtes Ziel zu richten, dann möchte ich mir doch wünschen dass all das in den nächsten Tagen über der dänischen Hauptstadt niedergeht und sich dort festsetzt wo es dringend nötig ist.

Ist ja Vorweihnachtszeit, da darf man ja mal Wünsche äußern, dafür verzichte ich auch auf das Pony und die Spielekonsole …

(Photo via dieter-egert<punkt>de)





Die Milchstraße und ich

3 12 2009

Es gibt ja bereits seit einiger Zeit einen gewissen Hang zur Retroseligkeit, was Genussmittel anbetrifft. Nehmen wir nur die ganze Twi.x-Ra.ider-Geschichte oder das Comeback von Tr.iTop usw.

Etwas wenig beachtet wird dabei meines Erachtens der klassischste unter den Klassikern, der nie ein Comeback hatte, weil er nie weg war, quasi die Rolling Stones unter den Naschereien.

Seit Beginn an war Mil.ky Way eigentlich M.ars minus den Karamellmatsch. Erst Anfang der 90er Jahre hatte man die Rezeptur verändert. Seitdem ist der Geschmack etwas anders und vor allem ist die Füllung seitdem hell, sozusagen milchfarben.

Wann immer ich an MW denke, muss ich auch an den Spruch denken, mit dem es viele Jahre lang beworben wurde:

„So locker und leicht – der schwimmt sogar in Milch“

Dies wurde dann auch bildlich dokumentiert, was aber leider eher aussah wie ein in einem Milchsee schwimmendes Hundewürstchen, aber seis drum…

Seitdem ich diese Werbung kenne, frage ich mich, welche spezielle Qualität dahinter verborgen sein soll. Gelogen ist es zumindest nicht, da die geringe Dichte des Riegels (0,88g je cm², für die Physiognomiker unter den hiesigen Lesefröschlein) tatsächlich ein Aufmilchschwimmen ermöglicht. Wozu aber soll dies gut sein? Ist ein Szenario wirklich realistisch, in dem ein Flugzeug in einen Milchsee stürzt und von allen an Bord befindlichen Lebensmitteln nur die bereitgehaltenen MW-Packungen nicht versinken und somit ein Verhungern der im See herumschwimmenden Passagiere verhindern?

Gibt es eventuell eine Glaubensrichtung, deren Anhängern nur erlaubt ist, Lebensmittel mit einer Höchstdichte von unter 1,0 g/cm² zu sich zu nehmen?

Hätte man nicht genauso gut den Werbeslogan „So kurz – der passt sogar quer in ihren Mund“ durchsetzen können?

Ich kann mich zumindest daran erinnern, dass MW sozusagen die Holzklasse unter den Schokoriegeln war. die meisten wollten aber lieber das Zeug mit Karamell und Nüssen oder Crispkrempel oder Kokoskleber. Mütter hingegen beruhigten ein wenig ihr Gewissen, weil MW noch als das am wenigsten schädlichste Süßzeug galt, und wenn schon mal was „zwischendurch“ genascht werden durfte, dann halt das. Immerhin schwimmt es ja in Milch und Milch ist gesund, also kann man ja  mal …

Über Genussmittel philosophiern kann ein recht netter Zeitvertrieb sein. Demnächst dann vielleicht sloterdijkähnliche Betrachtungen über Lec.kerschmecker oder St.orck Riesen …

Oh, noch ein Extraservice für süßmäulige USA-Reisende: Das dort erhältliche MW ist wie unser M.ars. Wenn man etwas wie das hiesige MW haben möchte, sollte man dort auf „3 Mus.keteers“ zurückgreifen.

So, jetzt erstmal einen Apfel oder eine Clementine essen, Kinder! Und nicht soviel Fernsehen gucken oder am PC hängen! Geht auch mal raus! Bewegt euch! Schal nicht vergessen!





Diss ze plin!

2 12 2009

Wenn man nach Einkauf aus dem Gedächtnis (bin ja keine Pussy, die mit Zettelchen durch den Markt rennt, gehe dafür dann halt öfter einkaufen) endlich das begehrte Trennstäbchen anlegt und seine künftigen Erwerbungen aufs Laufband legt und in diesem Moment feststellt, dass der Vordermann die Wasabi-Chips gekauft hat, die man ja auch schon seit einiger Zeit probieren wollte, zeigen sich die Vorteile des Erwachsenseins.

Früher war man ja auf sofortige und unbedingte Bedürfniserfüllung aus, dann wurde Mami solange angequengelt, bis sie nochmal in den Markt geht, weil es ja lebenswichtig war, genau JETZT diese leckeren sauren Drops oder das neue YPS-Heft zu bekommen. Einige Jahre später versuchte man es mit einer ganz ähnlichen Methode bei einer anderen Frau zu Geschlechtsverkehr zu kommen, da aber schon mit geringerem Erfolg und im Laufe des weiteren Lebens lernte man dann, dass zum einen nicht jedes möglicherweise implantierte Bedürfnis befriedigt werden muss und wenn, dann nicht sofort. Man lernt, zu planen, die Vorfreude zu genießen und eine gewisse Selbstdisziplinierung in seinem Leben walten zu lassen.

Man gewöhnt sich daran, Wichtigkeiten neu zu bewerten und lernt, dass die meisten Dinge eben keinen Weltuntergang darstellen. Daraus erwächst dann auch eine aus Lebenserfahrung resultierende Gelassenheit, die einem die Herausforderungen des Erwachsenenlebens leichter schultern lässt. Kann schon toll sein, dieses erwachsen sein!

Sind übrigens höllenscharf, diese elenden Chips …





Halbmeterbratwurst

29 11 2009

Nun ja, der Frankfurter Weihnachtsmarkt zeichnet sich ja in erster Linie durch seine schiere Größe und den damit verbundenen Trubel aus. Da ist es durchaus entspannend, wenn im Rahmen einer betrieblichen Weihnachtsfeierveranstaltung im jährlichen Wechsel mit dem üblichen Besäufnis vor Ort die Busse bestiegen und kleinere bis nicht ganz so große Weihnachtsmärkte im größeren Umkreis geentert werden. Meist ist deren Hauptmerkmal die Lage in einer möglichst pittoresken Altstadt, die von einem CehundAh, einem Erotikshop und dem örtlichen Kinocenter begrenzt wird.

So auch in der diesjährigen Stadt unserer Wahl, einer Mittelstadt in Mittelhessen mittel … quatsch … mit angenehm unprätentiös ausgestattetem stadteigenen Dom. Sehr unprätentiös auch der örtliche Weihnachtsmarkt. Wie soll ich sagen … es ist ein Weihnachtsmarkt für Klaustrophobiker. Als überladen kann man ihn nun wirklich nicht bezeichnen. Entsprechend schnell war er auch durchschritten, was angesichts von reichlich 5 Stunden Ausgang bis zur Rückfahrt eine gewisse Herausforderung darstellt.

Wenig hilfreich ist dabei dann auch, dass man vor Ort im Gegensatz zur Großstadt den Ladenschluss noch recht traditionell handhabt, damit nur ja nicht angeheiterte Weihnachtsmarktbesucher die schönen Sachen wegkaufen kommen. Mehr als eine halbe Stunde „aahh“, „oohhh“ und große Augen machen war auch im Dom nicht drin, also muss das Körperinnere herhalten, um die reichliche Freizeit zu bekämpfen. Welche Organe an vorderster Front tätig sind, ist individuell unterschiedlich. Einige fordern Magen und Darm zu Höchstleistungen heraus und stürzen sich von Halbmeterbratwürsten zu überkrossen Pfannkuchen und von da zum Waffelstand. Die Überzahl dagegen verlässt sich vor allem auf die Funktionstüchtigkeit von Leber und Nieren. Ich selber habe atmosphärische Anpassungsprobleme, bei 12 Grad und Regen will die warmrote Zimt-Nelken-Brühe nicht so richtig bei mir andocken. Viele Andere benutzen ihn hingegen als Vorglühwein und arbeiten sich nach und nach zu den Kräuter- und Obststuben vor, die sich aber nicht als Bioläden herausstellten, sondern eher im Fuselgewerbe tätig sind.

Dennoch schafften es alle Kolleginnen und Kollegen noch rechtzeitig und unverletzt zurück an die Abfahrtstelle, was keineswegs als selbstvertändlich angesehen werden kann. Das schlimmste sollte aber noch kommen: Ein verhinderter Entertainer im Körper eines Busfahrers. Auf der Hinfahrt hatte er sich noch weitgehend zurückgehalten, vor einem abendlich angeschickerten Publikum kam dann aber die Rampensau in ihm hervor. Pest und Cholera hießen in diesem Fall abwechselnd Schlagermusik von Wolfgang, Andrea, Helene und Konsorten und zwischendrin eingestreute Altherrenwitzchen in Fi.ps.As.mussen-Qualität. Hätte ich dies geahnt, hätte ich mich doch auch stundenlang in der Kräuterstube präpariert. So waren meine Sinne leider noch funktionabel.

Ja, natürlich war es schön und in zwei Jahren geht es dann nach … na, schauen wir mal … hauptsache Halbmeterwurst und Eierpunsch und Altstadtpflaster …





Fremdgegangen

9 11 2009

Herr Lehman hat mich eingeladen, einen Gastbeitrag auf seinem Blog abzuladen. Wenn ich also schon fremdgehe, dann sollte es auch um geografisches Fremdgehen handeln.

Schaut euch aber bitte auch die sonstige Hamsterware an. Sehr empfehlenswert!

Dickes B





Synopse: Konzerterlebnis

2 11 2009

Früher:

Rock-,Indie- oder Sonstwas-Konzert in der großen Stadt. Meist unbestuhlt, der Laden rammelvoll, Dopeschwaden in der Luft, the Crowd goes YEAAHHH, verschwitzte Leiber reiben sich aneinander (was nicht immer toll sein muss), jemand verschüttet garantiert Bier auf meinem Shirt.

Heute:

Konzert einer deutschen Band mit schauspielerndem Sänger in der Kleinstadt vor der großen Stadt, Musik irgendeine Mischung aus Gypsy, Deutschrock, Waits und Kunstlied (so weit, so interessant). Kleiner Saal, durchgehend bestuhlt, aber nicht besetzt, dreistellige Beucherzahl wird verpasst (aber wie mir einer der Musiker später erzählte, waren ein paar Tage zuvor  in Magdeburg mehr Leute auf als vor der Bühne. Bei einem Quintett, am Wochenende ohne große Konkurrenzveranstaltungen! Schäm Dich, Magdeburg!). Die ältere Dame am linken Rand pustet ihr mitgebrachtes Hämorrhoiden-Sitzkissen auf, die zwei Endzwanziger in der Reihe davor unterhalten sich über Nebenkosten-Rückerstattungen und weitere Karrierepläne. In der zweiten Hälfte des Sets lässt die Band zur Auflockerung eine Flasche Schnaps rumgehen und diese kommt mehr als halbvoll zurück.

Coming of best Age sucks … somehow!





Smells like Bean Spirit

31 10 2009

brötchen

Einer der unbestritten größten Vorteile familieneigener Bäckereien/Cafès gegenüber Kettenbäckern (neben der Qualitätsfrage) ist für mich, bereits beim Zulaufen auf das Objekt der Begierde am kaltfreundlichen Samstagmorgen, an dem eine freundlich gesinnte Sonne uns offenbar einen Besuch abstatten möchte, diesen wunderbaren Mischgeruch aus frisch gebackenen Brötchen und ebenso gemahlenem Kaffee in der Nase haben zu dürfen, statt des immergleichen Gemüffel nach aufgebackenen Blätterteigkäseweichteilen.

Alle Geschmackssinne und Magensäfte sind dann bereits ganz wuschig vor lauter Vorfreude.

Weekend, here i come!




Erkennungsdienst

27 10 2009

In seiner zerebralen Ausstattung ist – wie überall sonst auch – jeder Mensch unterschiedlich begütert worden. Das ist ja auch gut so, sonst hätten wir nur noch Schriftsteller, Mnemotechnikweltmeister oder Buchhalter unter uns, was auf unterschiedliche Art alles schrecklich wäre.

Mein Gedächtnis beispielsweise arbeitet recht gut, was Worte und auch Zahlen angeht. Es spinnen heute noch Telefonnummern in meinem Kopf, die es schon ewig nicht mehr gibt (wahrscheinlich künftig sogar Nummern von Menschen, die es nicht mehr gibt).

Wesentlich schlechter geölt ist dagegen mein Gedächtnis für Gesichter, was mitunter für peinliche Momente sorgen kann, wenn  z.B. ein Mensch, mit dem man beruflich in lebensbedeutender Situation zu tun hatte, ein paar Wochen später im Supermarkt an einem vorbeiläuft, freundlich grüßt und man selbst zunächst bestenfalls eine ungefähre Ahnung hat, wer das sein könnte. Das Gedächtnis rattert dann in Höchstleistung und versucht einen Zusammenhang zwischen dieser namenlosen Visage und einer früheren Situation herzustellen. Ist das der Typ von der Reinigung? Arbeitet der im Me.dia-Markt? Ist das der neue Freund von Anja? Oder der Typ, der mich letztens in der U-Bahn zusammenschlagen wollte? Hin und wieder stellt sich nach geraumer Zeit sogar ein Erfolg ein. Nun könnte ich entschuldigend anmerken, dass er ja ganz anders angezogen war als damals, aber so richtig überzeugend wirkt dies nicht einmal auf mich.

Die eigene Unzulänglichkeit wirkt noch peinlicher, wenn man Menschen in seinem näheren Umfeld hat, bei denen es genau ins andere Extrem geht. Ein Gespräch verläuft dann beispielsweise so:

„Schau mal, das ist doch die Schwester der Freundin des Brudes von Olli!“

„Olli?“

„Na, der ab und an in „Johnsons Living Monza“ auflegt und der letztes Jahr auch mal kurz auf Christines Geburtstagsfeier war.“

„Ahhhh,ja…ja, …ähhh…stimmt, das…ähhh…ist er wohl“

„Sie!“

„Klar, Sie!“

Es könnte unter Umständen auch daran liegen, dass ich Menschen nicht immer ordentlich ins Gesicht schaue, aber entschuldigense mal, manchmal ist das aber auch eine echte Zumutung. Muss ich halt damit leben, öfter mal angeraunzt zu werden. Zumindest konzentriere ich mich darauf, freundlichst zurück zu grüßen, auch wenn ich nicht weiß, wer mich da grüßt. Schadet ja nix, es könnte ja der Gerichtsvollzieher sein …

P.S.: Falls jemand auf die Idee kommen sollte, zu kommentieren. er habe auch ein prima Nummerngedächtnis, er könne sich noch super an die Nummern mit Jasmin, Biggi, Julia usw. erinnern, muss ich leider sagen: Zu spät, das Ding ist jetzt bereits durch …





So lonely, so lonely …

24 09 2009

Es gibt Momente, da durchdringt einem von einem Augenblick auf den nächsten womöglich die Erkenntnis, dass wir ein Haufen zusammengepacktes Nichts sind, das auf einem Staubkorn inmitten eines Universums, welches wir uns nicht annähernd vorzustellen in der Lage sind, durch etwas trudelt, das wir als Zeit bezeichnen, das aber letztlich auch nur eine hilflose Konstruktion des Unfassbaren darstellt, und eine bodenlose, untröstliche, beinahe wahnsinnig machende Verlorenheit und Einsamkeit erfasst einem.

Vielleicht war es einer dieser Momente, der eine mitteljunge Frau dazu veranlasste, auf einem großzügigen Parkplatz, bei dem im Umkreis von 25 Metern nur ein Auto parkte, sich genau neben dieses eine Auto zu stellen. Eben um eine gnädige Milderung dieses tieftraurigen Gefühls zu erhoffen. Und da die Einsamkeit sehr groß war, stellte sie sich auch so eng neben das andere Auto, dass dessen Fahrer, der gerade noch recht gutgelaunt mit einem der letzten Eise dieser Saison in der Hand zurückkam, sich seine Zeit als Schlangenmensch in Erinnerung rufen musste, um überhaupt sein Gefährt besteigen zu können.

Mit einem Waffeleis in der Hand sich in ein Auto zu zwängen, ohne nennenswerte Kleckereien verursacht zu haben, halte ich für eine grandiose Leistung dieses Fahrers, den zu rasieren ich jeden Morgen das Vergnügen habe.

Noch besser war allerdings jener Verkehrsnichtteilnehmer, der von der Flut der bereitwilligen Parkmöglichkeiten überfordert zu sein schien und sich stattdessen lieber auf die Fahrbahn stellte, unmittelbar vor der Ausfahrt, so dass alle Autos (also zumindest das eine, in welchem der noch Waffelreste knabbernde Schlangenmensch saß) mühsam um ihn herumkurven mussten.

Dafür wurde ihm dann aber auch der böseste Blick der Woche zuteil … obwohl, warten wir es ab, die Woche ist ja noch nicht zu Ende …





und alle so:

18 09 2009

…ja, und ich das gesehen und so voll gedacht: „Ey, krass, das is ja voll die easy Sprech und so. Muss ich ja nur direkte Rede machen und vorher sagen, wer es sagt“ Und meine Hirnzellen dann so: „Hallo, spinnst Du? Wir sind jahrzehntelang getrietzt worden, bis Du dich einigermaßen kultiviert unterhalten konntest und jetzt willst Du wieder freiwillig auf Neandeertalernivaeu runter? Geht ja mal gar nicht“. Voll angepisst, die! Und ich dann so: „Fresse, ihr Honks, ihr habt hier gar nix zu melden. Wenns mir zu blöd wird, erwürge ich mich selbst, dann habt ihr aber voll das Problem!“ Und die alle so: „Du Blödkopp kannst Dich überhaupt nicht selbst erwürgen, Du wirst doch eh vorher ohnmächtig, also proll hier nicht so rum!“ Und ich so voll grübelgrübel und so und dann klar gecheckt, was geht. Lass ich es halt und versuche weiter, mittels geistreicher und gekonnter Konversation verschnörkelte Brücken zu Anderen zu bauen und mich als soziales  Wesen in einem komplexen Gesellschaftssystem zu verankern. Und meine Hirnzellen alle so: YEAAH!! …