Buchmesse-Special-Post:
Im verzweifelten Bemühen, Tipps und Anregungen hinsichtlich eventuell zu lesender Bücher zu erhalten, scheinen die sog. Klappentexte keine allzugroße Hilfe darzustellen.
Zunächst habe ich in vielen Jahren noch keine einzige Beschreibung gelesen, die nicht mindestens von milder Euphorie bestimmt war. Eine Kurzkritik á la „XY hat schon bedeutendere Werke als dieses verfasst, aber es ist ganz okay“ findet man einfach nicht.
Aufschlussreicher könnten da Zitate aus Buchbesprechungen von Zeitungen und Zeitschriften oder sonstigen Medien sein. Allerdings gibt es mir schon zu denken – und man darf mir hier ruhig einen gewissen Dünkel unterstellen -, wenn die einzigen wohlwollenden Zitate aus der G.ala, Wild und H.und, der Sup.erIllu oder AutoMot.orSport stammen.
Noch kompetenter erscheinen zunächst Lobesworte von Berufskollegen. Aber auch hier macht es für mich bspw. einen Unterschied, ob sich John Ir.ving oder Tommy J.aud äußern. Darüber hinaus geben einige wohlbekannte Autoren offenbar jedem Autorenkollegen, der es möchte, auf Zuruf eine wohlwollende Empfehlung mit auf den Weg. Jonat.han Franz.en scheint mir unter anderen so einer zu sein. Dieser Name tauchte in letzter Zeit häufig auf den Rückklappen von Büchern auf.
(Notiz an mich: bei IHK nachfragen, ob „Buchbesprechung jeder Art“ ein lohnenswertes Nebengewerbe abgeben könnte).
In der Interpretation solcher Kurzkritiken scheint mir außerdem die selbe Detailkenntnis und Fähigkeit wie beim Lesen von Arbeitgeberzeugnissen gefragt zu sein:
„XYZ versteht es immer wieder , seine Leser zu überraschen“
(Man ist immer wieder überrascht, dass er von Roman zu Roman noch schlechter werden kann)
„Ein typischer ABC!“
(Furchtbar wie immer)
„Dieses Buch wird Ihr Leben verändern. Definitiv!“
(Es macht Sie zumindest um 22,90 € ärmer, dafür aber um die Erkenntnis reicher dass Xb.oxdaddeln vielleicht doch die bessere Freizeitbeschäftigung darstellt).
„Die Autorin nimmt Ihre Leser mit in eine funkelnde Parallelwelt, die die Grenzen unserer Phantasie auslotet und unsere Sinne in einem wunderbaren Strudel der Erlebnisse Reizen aussetzt, die wir gar nicht mehr in uns vermutet haben“
(Das Buch wurde wohl unter Drogen geschrieben, die Handlungsstränge haben keine logische Struktur, weil die Autorin am Ende nicht mehr weiß, was sie am Anfang geschrieben hat. Der Leser hält dies aber für hohe Kunst, weil er es nicht versteht)
Solche Dinge eben …
Wäre es da nicht hilfreicher, den freien Platz für Werbeanzeigen zu nutzen und dadurch den Verkaufspreis zu senken? Ich halte mich solange lieber an die …ähem…objektiven und erfahrungsdurchdrungenen Kritiken der Leser auf am.azon oder anderen Spezialistenplattformen.