InfluenzaTV

13 11 2009

Wenn man grippegeplagt darniederliegt und selbst das Lesen einem ein Übermaß an Anstrengung abverlangt, könnte man der Versuchung erliegen, sich vom TV berieseln zu lassen. Das könnte auch leidlich gut funktionieren, wenn nicht mehr als ein Hunderstel der vorhandenen Hirnzellen ihren Dienst verrichten.

Bei mir waren offenbar ein paar mehr aktiv, sodass ich tatsächlich auch inhaltlich mitbekam, was sich an am anderen Ende des Kabels abspielte. Es gibt  beispielsweise Moderatoren von Frühsendungen, die intellektuell bereits mit den beiden Multitasking-Elementen „Seidenschaltragen“ und „Indiekameraschauen“ ausgelastet sind. Wer kann da noch erwarten, dass sie sich mit der jüngeren deutschen Vergangenheit auskennen? Nachdem er zunächst nachfragen musste, ob der 9.11. denn bereits gefeiert wurde (ja, wurde er, aber ganz im Stillen, das hat wohl nicht jeder mitbekommen *zwinker*), plapperte er unerwartet vom wenige Tage später stattgefundenen Fall des Brandenburger Tores, was nicht nur mich, sondern auch die anwesende Sportstudiomoderatorin ins Erstaunen verfallen ließ. auch das nachgeschobene „Na, das unten halt, wo man durchgeht“ konnte die Verwirrung nicht lindern.

Ich habe erst vor wenigen Tagen mit eigenen Augen gesehen, dass das Brandenburger Tor steht, aber wer weiß, vielleicht haben sie es ja mittlerweile wieder aufgebaut. Sogar alles, nicht nur das unten, wo man durchgeht …

Später dann Familientherapie bei Frau Kalkweiss. Innerhalb einer Stunde musste sich eine gesellschaftlich etablierte und  gutsituierte Familie damit auseinandersetzen, dass der Sohn eine Verlobung platzen lässt, weil er schwul ist, der Vater es zumindest mal war, die Tochter von einem Messerwerfer aus einem Wanderzirkus stammt und deshalb jetzt nicht Literaturwissenschaft studieren darf usw. Kurz vor Ende der Stunde Sendezeit löste sich aber gottseidank alles in Wohlgefallen auf. Wieso schaffen es diese Pfuscher von Therapeuten da draußen nicht einmal, auch nur eines dieser Probleme zu lösen, bevor ein Jahr vergangen ist?

Zwischenzeitlich lief natürlich reichlich Werbung, die noch nicht einmal von der Krankenkasse finanziert werden muss, und in einem dieser Werbespots ging es um Spenden für die Identifizierung von Kriegsgräbern „im Osten“. Unterlegt wurde das Ganze von einer leicht veränderten Kinderliedfassung „Ein Männlein liegt im Walde ganz still und stumm…“

Wenn sich Realität und Satire derart unverschämt überlappen, ist es doch kaum noch der Mühe wert, beide auseinander zu halten. Vielleicht sind diese Überlegungen aber auch nur meiner infektionsgeplagten Gesamtsituation zuzuschreiben…





Blamieren statt Kassieren

1 11 2009

Aus gegebenem Anlass einige Fragen, bei denen Herr R.aab gehörig ins Schleudern käme, wenn er bei „Blamieren oder kassieren“  mal wieder zu früh den Buzzer drückt:

„Der DFB ist das oberste Organ des deutschen Fußballs. Sein derzeitger Vorsitzender ist Dr. The.o Zw.anziger. Sitz des DFB ist in Frankfurt am Main. Frage: Wie heißt der Bürgermeister der kanadischen Partnerstadt Frankfurts?“

„Der diesjährige Literaturnobelpreis ging an die Deutsch-Rumänin Herta Müller.  Ideengeber dieser Preise war der schwedische Dynamiterfinder und Chemiker Alfred Nobel. Hauptbestandteil von Dynamit ist Nitroglyzerin. Frage: Wie viele Kilometer sind es von Bukarest nach Stockholm?“

„Die neue Bundesregierung ist im Amt. Jüngster Neuzugang im Kabinett ist Bundesgesundheitsminister Phi.lipp Rösl.er, ein gebürtiger Vietnamese, der 1973 von einer deutschen Familie adoptiert wurde. Frage: Was ist die maximale Packungsgröße, in der man „Thom.apyrin“ in deutschen Apotheken erwerben kann?“

Ja, Pros.ieben, Du darfst dich gegen ein geringes Entgelt gerne dieser Fragen bedienen.

P.S.: Gibt es eigentlich bald mal ein Promi-Special bei „Schlaag den Rab“ und dürfte ich mir der guten alten Zeiten Wegen dann Mo.ses P. als ersten Gegenkandidaten wünschen?





Lennon lebt!

14 10 2009

Vor ein paar Tagen wäre er 69 Jahre alt geworden, wenn er denn noch wäre. Vor kurzem habe ich aber die offensichtliche Reinkarnation John Lennons in einem Cafe gesehen. Verblüffend die Ähnlichkeit, inklusive einer sehr ähnlichen Brille, wie er sie in seinen letzten Jahren getragen hatte.

Da er aber in einem Wust von Unterlagen stöberte und gelegentlich Selbstgespräche führte, habe ich letztlich doch davon abgesehen, ihn darum zu bitten „Mind Games“ für mich zu singen (Imagine wäre mir zu offensichtlich, das hätte ja jeder gewollt).

Endlich kann ich die Menschen verstehen, die heute noch behaupten, sie hätten E.lvis auf einer Pizza in Guadalajara gesehen …

…playing those mind games together …





Killekille

6 10 2009

Manche Filme können einfach nicht in Deutschland hergestellt werden. Böse, schwarzhumorige, groteske Dramödien zum Beispiel. Sowas kann man in England, Österreich oder Frankreich, evtl. auch in Spanien, Italien, Holland, Schweden oder Dänemark. Hat man dies akzeptiert, kann man sich durchaus neidlos einen Film wie „Louise hires a Contract Killer“ anschauen.

Kurz zum Inhalt: Die Arbeiterinnen einer im Zuge globalisiertem Wirtschaftsgebahrens geschlossenen Produktionsfirma in einer der weniger spannenden Gegenden Frankreichs entscheiden sich, ihre kläglichen Abfindungen zusammenzulegen und mit diesem Geld einen Killer zu engagieren, der den Chef rachehalber beseitigen soll.

Die stoische Louise, eine einfach gestricke Frau, von der man bereits früh ahnt, dass sie tut, was ihrer Meinung nach getan werden muss, findet einen Auftragskiller, der sich aber schnell als nur bedingt geeignet herausstellt und nicht einmal in der Lage ist, den dauerkläffenden Nachbarshund zu erledigen, um dem todkranken Auftraggeber seine letzten Tage etwas weniger nervend zu gestalten. Der Film wimmelt vor skurrilen Typen und läßt kaum ein Tabuthema aus: Verfolgungswahn, die Ausnutzung todkranker Menschen, die Genderthematik und so weiter. Vor allem aber bekommt man gezeigt, wie schwierig es ist, seinen Hass auf einen Verantwortlichen zu projizieren, wenn man nicht einmal sagen kann, wer der Verantwortliche ist, zumal diese ständig wechseln. Wie soll man seine Wut an einem Postfach auf den Jersey-Inseln angemessen auslassen können?

Auf Menschenleben wird dabei nicht allzuviel Rücksicht genommen. Mitunter möchte einem aufgrund der immer wieder durchscheinenden Realitätsnähe das Lachen im Halse stecken bleiben, schafft es aber nicht ganz.

Sogar einen bleibenden Lerneffekt erzielt der Fil, indem er einem recht drastisch klar macht, wie wichtig es ist, lesen zu können, zum Beispiel das Wort „Hausevakuierung“.

Es gibt allerdings so etwas wie ein kleines Happy-End und man sollte den Abspann durchstehen, es folgt noch eine nette Coda.

So, dann geht mal bitte schauen da draußen und beeilt euch. Sofern er überhaupt läuft, wird das in Programmkinos sein und da ist die Verweildauer oft nicht sehr lange. Es wäre schade darum …





Allehoool … Teil 2

2 10 2009

Liebe Leute von Kr.omb.acher,

wäre es möglich, mir kurz mal mitzuteilen, ob euer unermüdlicher Einsatz für den Regenwald denn bereits Früchte, resp. Blätter oder Nadeln trägt und ob geplant ist, diejenigen, die sich nun bereits seit längerer Zeit durch massenhaften Konsum eurer Produkte heldenhaft und nach Leberskräften darum bemühen, die grüne Lunge der Welt wieder saufzuforsten, mit Tapferkeitsmedaillen zu versehen, zur Not auch posthum?

Damit aus „AufEx-Günni“ der respektable „Regenwald-Günter“ werden kann …





Jo von Blumfeld

6 09 2009

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Wenn der Herr Di.stelmeyer schon mal in einem Zelt sein neues Album vorstellt, welches noch gar nicht auf dem Markt ist, warum sollte ich ihn dann nicht einmal besuchen? Dafür musste ich zwar nach Mainz und somit auch über die Landesgrenze, aber ich halte mich für ausreichend polyglott und von früheren Aufenthalten konnten mich auch keine Negativerfahrungen belasten.

Dass eine Gruppe wandernder Regenwolken zur gleichen Zeit den gleichen Weg hatte wie ich, war zugegeben etwas nervig. Ich bin nicht der weltgrößte Fan von verregneten und spritzwassergetränkten Autobahnen. Kaum vor Ort, zogen die Wolken aber ohne mch weiter, bläbläblä, und es war noch ausreichend Zeit, um ein wenig durch die nahegelegene Altstadt zu bummeln, gerade noch zwei ausgewiesenen Lederlebern höheren Jahrgangs beim Ausderklausefallen auszuweichen und mir mit Geduld und List ein sonnenbegünstigtes Plätzchen in einem Cafe zu sichern.

Als es spät genug war, machte ich mich auf zum Ort des Geschehens, denn ich ging davon aus, dass es voll werden würde und war auf ein nettes Plätzchen erpicht.

Beim Anblick des Ziels entfuhr mir zumindest ein inneres „Huch!“, denn bei dem Zelt handelte es sich um ein zweckentfremdetes Spiegelkabinett eines Vergnügungsparks. Nun, wieder ein Neuzugang in meiner Liste ungewöhnlicher Konzertorte. Ein noch lauteres inneres „Huch!“ entfuhr mir allerdings ob der vergleichsweise geringen Besucherzahl. Anfänglich hatte ich fast das Gefühl, Teil eines Privatkonzertes zu sein, bis zu Jochens Auftritt war das Zelt zumindest gut halbvoll, was ich aber als enttäuschend empfand. Verbraucht der Durchschnittsmainzer seine Jahresenergie alleine an 3, 4 Tagen im Februar/März an gleicher Stelle?

Als ich zur Vermeidung einer weiteren Parkhausstunde nach der ersten Zugabe das Zelt verlies, wurde mir auch der Grund für die übersichtliche Zuschauerzahl klar: Der Rest stand nämlich draußen und ließ sich für umme beschallen, was übrigens auch noch zwei Straßen weiter super funktionierte. Jaja, in Zeiten der Not muss man sparen, wo man kann. Das Konzert war übrigens hübsch, vor allem eher laut und flott und natürlich spielte er auch alten Blumfeldkram und ich durfte mit meinen Geschlechtsgenossen minutenlang „Quo vadis!“ mitbrü…singen.

Für die, die es jetzt erst mitbekommen haben: Keine Bange, die eigentliche Tour kommt zum Jahresende.





Kleine Anfrage

30 08 2009

Hallo, schleimiger Auswurf kloakenverseuchter Inzu liebe Politiker!

Bekommt man das eigentlich in einem Pflichtkurs „Auftreten in der Öffentlichkeit“ beigebracht oder wird das parteiübergreifend und aus Steuergeldern finanziert intravenös verabreicht?

Was? Na, dieses uniforme Verhalten in Interviews an Wahlabenden. Man bekommt eine nachvollziehbare Frage über Erkenntnisse und geplantes weiteres Vorgehen nach einer Wahl gestellt, antwortet aber zunächst nicht darauf, sondern beginnt mit den Worten „Lassen Sie mich zunächst feststellen, dass  …“, gefolgt von zum Ballspiel folgenden Halbsätzen:

-“… wir wiederum stärkste Fraktion wurden …“

„… ohne oder gegen uns keine Regierung gebildet werden kann …“

„… Herr xxx und seine Partei vom Wähler abgestraft wurden …“

„… wir das drittbeste Ergebnis seit 1871 erzielt haben ..“

Und derlei mehr …

Liebe Pilotiker, ihr werdet das wahrscheinlich nicht wissen, aber zur Vorbereitung auf derart epochale Inteviews bieten die Sender den Zuschauern tatsächlich eine ganze Reihe von Informationen an, Viele Zahlen, wächsende Säulen, bunte Tortenstücke und vieles mehr. Wer also nicht gerade sein Hirn zur Reinigung abgegeben hat, konnte sich bereits vorher ein Bild darüber machen, was ihr erst qua Feststellung zur Realität machen möchtet. Diese Extramühe müsst ihr euch also gar nicht machen und könntet somit direkt zur eigentlichen Fragenbeantwortung kommen. Das wirkt in diesem Moment auch überhaupt nicht unhöflich oder überambitioniert, das könnt ihr mir echt glauben..

Denkt dabei doch bitte auch an eure Vorbildfunktion! Wenn so etwas Schule machen sollte, geht man demnächst zum Biohof, möchte wissen, was die Gurken kosten und bekommt zu hören „Lassen Sie mich zunächst feststellen, dass Gurken nicht zum Steinobst gehören und in aller Regel von grüner Farbe sind …“ undsoweiter. Das möchte man doch nicht, oder?

So, wir üben das jetzt noch mal kurz: „Ja, Frau xxx, wir müssen nun tatsächlich überlegen, ob wir mit den Blauen in eine Koalition gehen können, auch wenn uns dies eigentlich nicht passt.“

Hey, hiergeblieben!!! … alles Feiglinge! …





Alle Vögel sind schon da …

22 08 2009

Es gibt wenig angenehmeres, als Samstag morgens von ein wenig Vogelgezwitscher (nein, ich meine jetzt nicht T.witter, sondern das wahre Leben) geweckt zu werden.

Ein wenig, wohlgemerkt …

Auf dem gegenüberliegenden Baum fand heute morgen allerdings offenbar die turnusmäßige VogelVollVersammlung statt. 5.000 dürfte nur ein wenig übertrieben geschätzt sein. Der Baum musste dadurch an seine Belastbarkeitsgrenze gekommen sein. Wer weiß, wie knapp man an einer Baumkatastrophe entlanggeschlittert ist; hätte sich vielleicht auch nur ein weiterer Vogel dort niedergelassen … Welcher Subspezies das Federvieh angehörte, kann ich nicht wirklich beurteilen. Ausschließen kann ich, dass es sich um Störche oder Möwen handelte, viel weiter reichen meine ornithologischen Kenntnisse allerdings nicht. Amsel, Drossel, Fink oder Star, wahrscheinlich Spatzen, wer weiß das schon? Ich gehe jetzt einfach davon aus, dass es sich um Buchfinken handelte, schon alleine wegen der niedlichen Assoziation, die ich mit diesem Namen habe. Ich stelle mir dann immer Vögel mit winzigkleinen Nickelbrillen vor, deren Schnäbel Seiten dicker Wälzer umzublättern versuchen.

Nachdem allerdings ca. 20 Minuten lang ein Gezwitscher aus tausenden von Kehlen (hmmm, haben Vögel überhaupt Kehlen?) zu hören war, verstummte es urplötzlich und abrupt, als hätte  der Obervogel mit befehlsgewohnter Stimme Ruhe eingefordert. Absolute Stille trat ein, wie sie sonst wohl nur von Frau Friedrich im Berliner Olympiastadion angemahnt werden kann.  Es erinnerte mich ein wenig an das hektische Treiben auf dem Börsenparkett in vorcomputerisierter Zeit, das mit dem Ende der Handelszeit um 12 Uhr schlagartig erlosch. Erst nach ca. einer Minute fingen die ersten Waschweiber wieder an, sich vermutlich über den neuen Federschmuck von Astrid oder Belindas misslungene chirurgische Schnabelbegradigung auszulassen.

Fänden sich Fische auf Bäumen zusammen, wäre dies wohl eine sehr viel ruhigere Angelegenheit geworden; ich muss aber zugeben, dass es etwas merkwürdig aussähe.

Wunderwelt der Tiere, ich sags ja immer wieder …





Manche Dinge punktpunktpunkt

13 08 2009

Früher (also vor spürbar mehr als 5 Jahren) …

…da kam ich aus dem Film „Zorro“ und WAR Zorro, da kam ich aus „Star Wars“ und WAR Darth Vader (oder Yoda?), da kam ich aus „Schulmädchen-Report Teil 7″ und … na, ich denke, das Prinzip ist mittlerweile klar geworden.

Heute … (also eigentlich vorgestern) …

..komme ich aus „Hangover“ und habe das Gefühl, den schlimmsten Kater meines Lebens zu haben. Sch…-Einfühlungsvermögen! Wenigstens habe ich mir keinen Zahn gezogen …





Open-Mind-Kino

30 07 2009

Das Freiluftkino im Frankfurter Brentanobad bemüht sich fast einen ganzen Sommer lang, Menschen einen abwechslungsreichen Abend zu bescheren. Man gönnt sich dabei den Luxus, nicht nur von einem Blockbuster zum näxten zu hüpfen, sondern lässt immer wieder auch kleine, weniger bekannte Filme an den Start, was mich, der sich ja gerne mal kleine, weniger bekannte Filme anschaut, durchaus freut.

Gestern lief beispielsweise vor recht gut besuchter Liegewiese der tschechische Film „Der Dorflehrer“. Sogar als OmU, was ein wenig erhöhte Konzentration erforderte, aber das geht schon. Der Film, der auch schon bepreist wurde, erzählt von einem … na? genau! Lehrer, der vom vergleichsweise mondänen Prag kommend in die tiefste tschechische (jemine, ich möchte immer „tscheschische“ schreiben) Provinz gelangt, um dort an der Dorfschule zu lehren. Ein Ort, der hauptsächlich von Landwirtschaft geprägt ist, in dem das einzige zugelassene Verkehrsmittel der Traktor zu sein scheint, die Menschen sich gerne zu jeder Gelegenheit größere Mengen Alkohol einverleiben (zum Trost, zum Feiern, bei Zahnschmerzen oder auch nur so) und sich die meisten Dorfbewohner auch recht ähnlich sehen, was nicht verwundert, wenn ma nseit Generationen kaum mal weg kommt  (sowas soll es ja sogar in Frankreich geben, nichwahr, Frau N. *g*).

Natürlich fragt sich nicht nur der ihn begrüßende Direktor der Schule, sondern auch der geneigte Zuschauer, was diesen zarten, romantischen, empfindsamen jungen Mann in solch eine Gegend verschlägt und im Laufe des Filmes werden wir erfahren, dass es seine sexuelle Orientierung ist, die ihn dorthin hat … sagen wir flüchten lassen. Er versucht aber mit einigem Erfolg, sich in die Dorfgemeinschaft zu integrieren und zeigt dabei auch große Genügsamkeit. Privatsphäre heißt dort zum Beispiel, dass man ein Mietzimmer bekommt, das durch eine Art riesigen Duschvorhang vom restlichen Zimmer getrennt ist, in dem auch eine Oma schläft, die dies nur bei laufendem TV kann.

Dem lebenserfahrenen Zuschauer schwant aber bereits zu einem recht frühem Zeitpunkt, dass man, wo immer man hinflüchtet, sich selbst ja stets mitnimmt, und logischerweise gerät unser Lehrer wieder in die Bredouille, als er seinen erwachenden Gefühlen für den Sohn einer verwitweten Frau, mit der er sich angefreundet hat, die aber in Unkenntnis seiner Präferenzen gerne mehr von ihm hätte …kommt ihr noch mit? Prima! …, einmal nicht genug Einhalt gebieten kann und diesen sexuell bedrängt, um es vorsichtig auszudrücken, was jenem, der sowieso recht orientierungslos durch sein Leben hangelt und zudem unglücklich verliebt ist, nicht gefällt.

Unser Lehrerchen flüchtet daraufhin in einen fast schon feige zu nennenden Selbstmordversuch, macht einen halbherzigen Rückkehrversuch in die große Stadt, kann sich dann aber wieder aufrappeln und beschließt, in dem kleinen Örtchen zu bleiben und sich seinem Leben und seinen Neigungen zu stellen. Als der zwischenzeitlich nach Prag abgehauene Sohn wieder zurückkommt, fragt er seine Mutter kurz vor Ende des Films, warum DER jetzt bei ihr sei, wenn sie doch nichts miteinander hätten, worauf die Mutter antwortet (und dafür gönnen wir uns eine Extra-Zeile):

Jeder braucht jemanden!

Da sitzt man nun openair in einem DeLuxe-Caminglehnensessel mit Getränkehalter bei leicht auffrischenden Temperaturen unter dem Frankfurter Nachthimmel und fragt sich kurz, ob dieser Satz denn nun einfach nur banal oder traurig und resignativ oder weise und hoffnungsvoll ist und kommt nach einigem Überlegen und Hineinhören zu dem Schluss: Genau! Ist er! Das alles!

Und mit genau dieser Feststellung steht man dann auf, klappt sein Campingstühlchen zusammen, holt sich den Flaschenpfand zurück, redet ein wenig mit den Anderen und versucht, die irgendwo im Inneren aufkommende Melancholie nicht allzu sehr nach außen dringen zu lassen, obwohl man tief drinnen weiß, dass die Frau wohl recht hat. Nicht irgendjemanden, aber jemanden …

P.S.: Der tschechische Begriff für „Ja“ hört sich in etwa wie „Nooa“ an, was für deutsche Ohren ähnlich verwirrend ist wie das italienische „caldo“ für heiß. Wer dies weiß, kann sich womöglich vor einigen schwierigen bis peinlichen Situationen retten und muss die tschechische Polizei nicht früher kennen lernen als unbedingt nötig.