Der Verdacht liegt nahe, man muss dafür nicht mal besonders paranoid sein. Dem Trinkwasser meines Heimatortes wird neuerdings offenbar ein Sedativum beigefügt. Baldrian wird es wohl nicht sein, denn von einem verstärkten Katzenaufkommen kann nicht die Rede sein. Vermutlich also irgendetwas chemisches.
Die Frage nach dem Warum treibt mich um. Man kann nun nicht gerade behaupten, dass wir hier an penetranter Reizüberflutung leiden. Auch die Trubeligkeit der einigermaßen nahen Großstadt überschwemmt uns nur sehr bedingt. Klar, wir sind eine expandierende Kleinstadt, das Verkehrsaufkommen nimmt stetig zu, es gibt sicher eine Menge noch ruhigerer Orte, aber dennoch…?
Sind es Gegenmaßnahmen zu den häufiger werdenden Beschwerden einiger Anwohner über den Lärm der wochenendlichen Musikveranstaltungen im Kulturzentrum, die dazu führten? Wahlen stehen auch nicht unmittelbar bevor, die eine solche Maßnahme zwar nicht akzeptabel, jedoch nachvollziehbar machen könnten.
Vielleicht irre mich ja auch und unserem Trinkwasser ist auch weiterhin nur der übliche Chemiecocktail beigefügt wie immer. Warum aber stehen dann seit einigen Tagen ständig irgendwelche Schnarchnasen an den örtlichen Ampeln, bei denen das grüne Licht zunächst keinerlei motorische Aktivität auszulösen scheint? Und dies wohlgemerkt besonders gerne an Ampeln, deren Grünphase für durchschnittlich 2,38 Autos ausreicht. Die Folge: Der Wachkomapatient schafft es irgendwie gerade noch so, seine Karre über die Ampel zu hieven, während der ein bis drei Autos weiter hinten stehende Lord Foltermord mal wieder das Nachsehen hat.
Möglicherweise ist das alles auch Teil eines großen Plans und soll die wachsende Zahl derjenigen auszugleichen helfen, die neuerdings in verstärktem Maße selbst zu entscheiden pflegen, wie lange sie bei einer Rotphase stehen bleiben oder ob überhaupt und zwar nicht des nächtens an einer leeren Kreuzung sondern mitten am Tag in einer der meistfrequentierten Straßen Frankfurts.
Es wird wohl wieder mal Zeit für „Sind Sie fit für den Führerschein?“ mit Herrn Pi.lawa. Geht aber jetzt nicht, denn heute Abend moderiert er ja erst einmal „Wie deutsch sind Sie eigentlich?“. Nein, diese Sendung wurde nicht aus den Fernseharchiven der 30er Jahre gefischt, sondern aktuell als Reaktion auf den nunmehr geltenden Einbürgerungstest aus dem Boden gestampft. Ja, das wird bestimmt wieder lustig, liebe ARD, und wir können uns gemeinsam darüber beömmeln, wie viele Leute glauben, der Bundespräsident würde von der DSDS-Jury bestimmt oder das Wappentier Bayerns wäre der Braunbär. Besonders herzhaft lachen werden wohl diejenigen, die an solchen Tests scheitern werden und noch ein wenig deutsches TV beim Kofferpacken schauen, bevor es wieder ins heimische Totschlagistan geht.
Mehr davon, liebe öffentlichrechte Rundfunkanstalten. Wie wäre es denn zum Beispiel mit „Wie krank sind sie eigentlich?“ Hmmm…ob ich dann eher mit der Gruppe der Tumorpatienten fiebere oder mich über die Erfolge der Demenzkranken freue?…
Ja, an so was denkt man während der zweiten oder dritten Rotphase bei Ampeln…
Nachtrag: Gestern war ich tatächlich mal wieder erster an einer Ampel. “Juchhu”, dachte ich so bei mir, “endlich muss ich mal nicht auf irgendeine Reaktion eines Kriechdenkers warten!”. Das grüne Licht war gerade mal so am Aufleuchten, da war ich aber auch schon in Zehntelsekundenschnelle mit dem Fuß auf dem Gaspedal. Huiii, wie das aufheulte, während mein Auto sich aber nicht bewegte. Hätte wohl vorher den Gang einlegen sollen. Die Gedanken der hinter mir stehenden bohrten sich wie Pfeile in meinen Hinterkopf. Tschulldigung, das war technisches Versagen.
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