Regionalprogramm

Werte Frankfurter Gastronomiestätten, die Ihr Euch gerne mal “Café” oder “Café Bistro” oder dergleichen nennt und morgens um 10 Uhr noch nicht geöffnet habt:

GEHT STERBEN!!!

Wann sollte Eurer Meinung denn ein Café geöffnet haben? Mittags von 15 bis 17 Uhr, damit einige Omis und Halbtagsmuttis ihren Schonkaffee oder Lattucchino genießen können? Oder abends ab 19 Uhr, denn wann mag das Bedürfnis, ein Cafè zu besuchen größer sein, als nach Einbruch der Dunkelheit in Erwartung des allseits beliebten Mitternachtskäsekuchens?

Ich  weiß ja, dass Frankfurt eher so eine Gernegroßstadt ist und lege sicher nicht die Erwartungen zugrunde, die mir beispielsweise in Hamburg oder Berlin erfüllt werden. Aber dass man bei “Café” eine Institution erwartet, die sich bereits am Morgen dem Publikum öffnet, scheint mir keine perverse Neigung zu sein..

So, das musste mal raus …

Auf der Suche nach einer Befriedigungsmöglichkeit für morgentliche Kaffeesucht stößt man dann unversehens auch auf folgende Beschilderung:

Nein, es geht nicht um verfremdete Namen und Telefonnummern. Es geht auch nicht um die ungewöhnliche Vornamensschreibweise. Eventuell kommt die Dame ja aus Frrranken oder es gab eine “2 für 1″- Aktion beim Schilderdienst oder was auch immer.

Es geht auch nicht um das Katastrophenapostroph. Dies in der heutigen Zeit noch zu kritisieren, hieße doch nur, Athen’s Eulenbestand in’s Unzählbare zu steigern.

Aber “Marrions Friseur & Shop”? Oder um es noch deutlicher zu formulieren: ???

Gut, in Zeiten totgerittener Wortspielchen wie “Haarscharf”, “Schnittchen” oder “Coiffeur Schneider” ist dies ein beinahe sympathisch wirkender Dadaismus, aber dennoch bleibt die Frage “???”. Ein Fall für Galileo Mystery, oder? Immerhin, ich freue mich für Marrion, dass sie sowohl einen  Friseur als auch einen Shop ihr eigen nennen kann und sich nicht wie jeder Dritte heute als “Lifecoach” verdingen muss. Aber dennoch …

Mika Milchkaffee

Yippiieeeh, endlich hat die Mainmetropole auch mal wieder einen lokalen Aufreger jenseits von Gut.tenberg, Gad.dafi und Getreidesprit (jahaa, ich habe schon Alliterationen benutzt, da war “Bauer sucht Frau” noch der feuchte Traum eines Erteel-Praktikanten!).

Dazu muss ich kurz ausholen: In Frankfurt gibt es einen Stadtteil namens Nordend, der mittlerweile offensichtlich einen ähnlichen Ruf wie Berlin-Mitte oder Prenzlberg hat, was seine Bewohner betrifft. Gut bis besser situierte Pärchen sollen sich dort niedergelassen haben, der Stadtteil wird gerne als “schwarz-grün” bezeichnet und die horrenden Mieten sorgen dafür, dass sich asoziales Pack wie ich dort erst gar nicht niederlassen kann. Ja, auch ich wohnte dereinst im Nordend. Es waren zwar nur die ersten zweieinhalb Lebensjahre aber diese frühkindliche Erfahrung lässt mich immer noch mit dieser Gegend verbunden bleiben.

Auch die Produktion von Nachwuchs scheint im Nordend gut zu gedeihen und ist die Brut erst geschlüpft, bieten einige Parks in der näheren Umgebung Auslauf und Vergnügen. Hin und wieder wollen sich Muttis aber auch mal jenseits von Spielplätzen treffen und ein wenig plauschen und da setzt das Problem an.

Eines der im Nordend befindlichen Cafés hat nun mittels Aushang wissen lassen, dass es Café und keine Hüpfburg sei und sich damit als nicht besonders kinderfreundlich geoutet, was natürlich prompt zu großer Aufregung führte. Die Betreiber waren laut Presse zutiefst entnervt von sich im Café breitmachenden Mütterhorden, die den Laden in Beschlag genommen und zur Krabbelstube umfunktioniert haben sollen.  Freie Entfaltung der Kinderseelen stand dabei wohl im Vordergrund, was aber nicht unbedingt von den anderen Gästen goutiert wurde.

Ob dies übertrieben dargestellt ist, kann ich nicht beurteilen, aber als recht regelmäßiger Gast solcher Etablissements kann ich eigene diesbezügliche Erfahrungen beisteuern. Es ist schwer, bei ständigem Geplärre mal in Ruhe etwas zu lesen und wenn am … nein … auf dem Nachbartisch ein öffentlicher Windelwechsel stattfindet, während man selber bis dato mit Lust an seiner Mousse au Chocolat genascht hat, sind auch meine persönlichen Toleranzgrenzen überschritten. Gleiches gilt für Eltern, die sich als Mittelpunkt des Universums begreifen und sich darüber echauffieren, dass ein Gartencafé keine Mikrowelle zum Babymatschebreiwarmmachen hat, als gehörte dies zur selbstverständlichen Grundausstattung.

Ich möchte hier aber nun wirklich keine Progromstimmung gegen diejenigen schüren, die sich um die Sicherung Eurer Renten (für meine waren schon Andere zuständig) verdient machen. Deswegen halte ich es auch für wenig hilfreich, wenn eine überregional bekannte Tageszeitung, welche vor allem in Frankfurt Rundschaut, am Wochenende das Thema ordentlich in den Vordergrund stellt, dabei  jeweils einen Pro- und einen Contra-Kommentar hineinwirft, die ich beide für bedenklich halte und sich dann heute sogar auf dem Titelblatt mit den aus dem selbstgeschürten Popanz resultierenden Reaktionen der Gut- und Wutbürger beschäftigt.

Der Pro-Mann beschwerte sich über Wickelmütter, die in Cafe sitzende Geistesgrößen kantscher oder marxscher Prägung am Neuordnen der Welt hindern. Ich sehe andere Besucher in Cafés und da sind mitnichten vorwiegend Dichter und Denker anwesend. Der Contra-Mann hingegen ging gleich ins Allgemeine, fühlte mit den Diffamierten und man war beinahe enttäuscht, dass der Kommentar nicht mit einem H*tler-Vergleich endete.

Heute wurde nochmals etwas sachlicher thematisiert, aber eine schnelle Lösung scheint sich nicht abzuzeichnen. Natürlich könnten sich einige Cafés zur kinderfreien Zone erklären, andere wiederum sich bewusst dieser Zielgruppe öffnen, aber diese Separatisierung ist mit äußerster Vorsicht zu betrachten, ansonsten muss man irgendwann sehr genau suchen, um ein Café für nichtrauchende, kinderlose Singles mit dunklen Haaren, leichtem Sprachfehler und gemusterten Unterhosen zu finden.

Ein Lösungsansatz könnte sicher auch sein, dass sich manche Eltern mal ein wenig mehr um ihre Umgebung kümmern und ihre Leons, Finns und Lenas auch ein klein wenig im Zaum halten. Keine Angst, es bleibt doch später noch genug Zeit, ADS oder Autismus zu entwickeln oder sich im Supermarkt ostentativ und andauernd auf dem Boden zu wälzen und zu schreien, als wäre man angezündet worden, weil man die Quengelware nicht bekommt.

Ich rechne damit, dass es im sozialen Netzwerk bereits entsprechende Dafür- und Dagegen-Gruppen gibt, sich gegenseitig Dreck in die Accounts werfen. Demnächst dann vielleicht ein Bürgerbegehren, dass man ja noch super mit der Forderung nach Anwohnerparkplätzen an den örtlichen Friedhöfen verbinden könnte.

Ja, das sind so Probleme, die Ihr in Heinis Pilsstübchen nicht so sehr kennt, aber dafür ist dort hin und wieder der Zapfhahn verdreckt und so hat jeder sein Kreuz zu tragen …

Dienstagebuch

Sofern man sich einen kurzfristig entstandenen freien Tag mit Inspektionshintergrund durch den Genuss eines Frühstücks in einem frühstücksservierenden Etablissement aufwerten möchte, sollte man tunlichst darauf achten, nur dann das Schälchen mit dem Honig von der Tellermitte an den leicht geneigten Rand zu bugsieren und dann für mehrere Minuten aus den Augen zu lassen, wenn man experimentierfreudig ist und unbedingt einmal Salami-Käse-Butter-Gurkenscheibe-an-Honigjus probieren möchte.

Honig auf ein Brötchen zu träufeln ist im Übrigen eine ganz wunderbare Entspannungs- wenn nicht gar Meditationsübung. Spirituell versierte Existenzen malen dabei noch ein Mandala aus.

Kann man übrigens auch machen: In der U-Bahn einen Halbliterbecher Buttermilch vor sich hertragen, nach gefundener Sitzgelegenheit diesen so zu öffnen, dass der Aludeckel in möglichst viele kleine Fetzen zerreißt und den Inhalt anschließend derart zu verschlingen, als wäre man Teilnehmerin in einem Schnellsaufwettbewerb. Oh, mannigfaltige Welt!

Gerade entdeckt: Eine Frankfurter Sparkasse bietet ab sofort die AdlerCard an. Eine Bankkarte mit dem Wappenmotiv von Eintracht Frankfurt nebst diversen Fanvorteilen. Sehr gute Idee! Und so kommunikationsfördernd! Welch Spaß, sich beim Geldabheben am Straßeneck-Automaten  in anderen Städten die Kauleiste neu modellieren zu lassen, während um einen Fangesänge irgendeines Effzeh oder was auch immer skandiert werden …

Die heute oder morgen zu erwartende Mitteilung über den Ausgang der Inspektion sowie der durchgeführten Hauptuntersuchung meines Gefährts und der damit verbundene und erwartete finanzielle Aderlaß nötigen mich dazu, vorsichtig anzufragen, ob sozial engagierte Menschen eventuell bereit sind, diesen Blog tageweise oder auch länger zu mieten (Verhandlungssache). Immerhin hatte er in den letzten Monaten jeweils zwischen 1.200 und 2.500 Aufrufe und die Leserschaft ist samt und sonders intelligent, attraktiv, wohlriechend und vielseitig interessiert. HeiratskandidatInnen allesamt, sogar die verheirateten.

Im Zweifelsfall kann ich diese Seite auch dem Welthandballverband übergangsweise zur Verfügung stellen, bis sich die Zustände in Ägypten wieder geklärt haben.

Interesse anyone? Ich möchte mich nur ungerne gezwungen sehen, mich an Atomenergieverbände zu wenden …

Lordiot

Die Szenerien, über die sich Generationen von Zuschauern seit vielen Jahren beöm … amüsiert haben, leben unter anderem auch davon, dass sich der sehr geschätzte Herr von Bülow ausgiebig im Leben der Menschen umschaute und die Komik des Alltäglichen fein herausfilterte.

Was Wunder also, wenn man sich in seinem eigenen Alltag hin und wieder in eine Loriot-Situation versetzt fühlen darf, wie auch ich dieser Tage. Nein, man hat mich nicht heimlich bei der Teilnahme am VHS-Kurs “Französisch Jodeln für Anfänger” erwischt. Es klingelten auch nicht mehrere Vertreter an meiner Tür während ich noch mit dem Haushalt beschäftigt war, bei mir fragte auch nicht der Vatikan bezüglich der Beteiligung an einer Herrenboutique an und schon gar nicht teilte ich mir eine Badewanne mit einem Vorstandsvorsitzenden aus Lüdenscheid.

Meine loriotesque Szenerie betraf die Situaton im Restaurant. Gut ,einige Details wichen ein wenig von der Vorlage ab. Es war ein Café und kein Restaurant (in dem ich übrigens zu jenem Zeitpunkt der einzige Gast war). Es ging auch nicht um die berühmt-berüchtigte Kalbshaxe “Florida” sondern um Zupfkuchen sowie einen hausgemachten Weihnachtsstollen und die mir von 2 immer wieder die Räumlichkeiten durchquerenden Beschäftgten gestellte Frage war auch nicht “Schmeckts?” sondern eher ein “Bei Ihnen alles okay?” in verschiedenen Variationen, dies aber gefühlte 35 Mal innerhalb einer halben Stunde. Mehrfach wurden mir auch die Vorzüge des hausgemachten Weihnachtsstollens angepriesen und ich kam mir beinahe schäbig vor, mich für den Zupfkuchen entschieden zu haben anstatt den sicher sehr leckeren hausgemachten Weihnachtsstollen zu wählen.

Mit Zupfkuchen im Mund spricht man “Zupfkuchen” übrigens eher wie “Mupfmuhen” aus. Das wäre mir mit hausgemachtem Weihnachtsstollen sicher nicht passiert.

Eine entscheidende Differenz zum Loriotsketch gab es aber, denn mir platzte nicht irgendwann der Kragen um laut “JAAA!” zu brüllen, was aber zumindest zu einem Teil daran lag, dass die beiden Beschäftigten plötzlich zum Schneeräumen abkommandiert wurden. Dies hinderte jedoch einen der beiden nicht daran, mir pantomimische Gesten durch das Panoramafenster zu widmen, deren Inhalt auch ein Laie ohne große Mühe als eine “Alles okay?”-Variation  interpretieren konnte. Wie schade, dass ich irgendwann aufbrechen musste. Nun weiß ich wieder nicht, wie es um meine nervliche Belastungsgrenze in der Vorweihnachtszeit bestellt ist.

Mit diesem ausführlichen Einblick in mein abenteuerliches Freibeuterleben möchte ich meine Lesefröschlein in einige wunderbare und liebevolle Feiertage entlassen. Fühlt euch dezent genasstupst!

P.S.: Wer in der Überschrift “Lordidiot” gelesen hatte, sollte sich was schämen … nun ja, ein klein wenig zumindest …

Lennon lebt!

Vor ein paar Tagen wäre er 69 Jahre alt geworden, wenn er denn noch wäre. Vor kurzem habe ich aber die offensichtliche Reinkarnation John Lennons in einem Cafe gesehen. Verblüffend die Ähnlichkeit, inklusive einer sehr ähnlichen Brille, wie er sie in seinen letzten Jahren getragen hatte.

Da er aber in einem Wust von Unterlagen stöberte und gelegentlich Selbstgespräche führte, habe ich letztlich doch davon abgesehen, ihn darum zu bitten “Mind Games” für mich zu singen (Imagine wäre mir zu offensichtlich, das hätte ja jeder gewollt).

Endlich kann ich die Menschen verstehen, die heute noch behaupten, sie hätten E.lvis auf einer Pizza in Guadalajara gesehen …

…playing those mind games together …