Yippiieeeh, endlich hat die Mainmetropole auch mal wieder einen lokalen Aufreger jenseits von Gut.tenberg, Gad.dafi und Getreidesprit (jahaa, ich habe schon Alliterationen benutzt, da war “Bauer sucht Frau” noch der feuchte Traum eines Erteel-Praktikanten!).
Dazu muss ich kurz ausholen: In Frankfurt gibt es einen Stadtteil namens Nordend, der mittlerweile offensichtlich einen ähnlichen Ruf wie Berlin-Mitte oder Prenzlberg hat, was seine Bewohner betrifft. Gut bis besser situierte Pärchen sollen sich dort niedergelassen haben, der Stadtteil wird gerne als “schwarz-grün” bezeichnet und die horrenden Mieten sorgen dafür, dass sich asoziales Pack wie ich dort erst gar nicht niederlassen kann. Ja, auch ich wohnte dereinst im Nordend. Es waren zwar nur die ersten zweieinhalb Lebensjahre aber diese frühkindliche Erfahrung lässt mich immer noch mit dieser Gegend verbunden bleiben.
Auch die Produktion von Nachwuchs scheint im Nordend gut zu gedeihen und ist die Brut erst geschlüpft, bieten einige Parks in der näheren Umgebung Auslauf und Vergnügen. Hin und wieder wollen sich Muttis aber auch mal jenseits von Spielplätzen treffen und ein wenig plauschen und da setzt das Problem an.
Eines der im Nordend befindlichen Cafés hat nun mittels Aushang wissen lassen, dass es Café und keine Hüpfburg sei und sich damit als nicht besonders kinderfreundlich geoutet, was natürlich prompt zu großer Aufregung führte. Die Betreiber waren laut Presse zutiefst entnervt von sich im Café breitmachenden Mütterhorden, die den Laden in Beschlag genommen und zur Krabbelstube umfunktioniert haben sollen. Freie Entfaltung der Kinderseelen stand dabei wohl im Vordergrund, was aber nicht unbedingt von den anderen Gästen goutiert wurde.
Ob dies übertrieben dargestellt ist, kann ich nicht beurteilen, aber als recht regelmäßiger Gast solcher Etablissements kann ich eigene diesbezügliche Erfahrungen beisteuern. Es ist schwer, bei ständigem Geplärre mal in Ruhe etwas zu lesen und wenn am … nein … auf dem Nachbartisch ein öffentlicher Windelwechsel stattfindet, während man selber bis dato mit Lust an seiner Mousse au Chocolat genascht hat, sind auch meine persönlichen Toleranzgrenzen überschritten. Gleiches gilt für Eltern, die sich als Mittelpunkt des Universums begreifen und sich darüber echauffieren, dass ein Gartencafé keine Mikrowelle zum Babymatschebreiwarmmachen hat, als gehörte dies zur selbstverständlichen Grundausstattung.
Ich möchte hier aber nun wirklich keine Progromstimmung gegen diejenigen schüren, die sich um die Sicherung Eurer Renten (für meine waren schon Andere zuständig) verdient machen. Deswegen halte ich es auch für wenig hilfreich, wenn eine überregional bekannte Tageszeitung, welche vor allem in Frankfurt Rundschaut, am Wochenende das Thema ordentlich in den Vordergrund stellt, dabei jeweils einen Pro- und einen Contra-Kommentar hineinwirft, die ich beide für bedenklich halte und sich dann heute sogar auf dem Titelblatt mit den aus dem selbstgeschürten Popanz resultierenden Reaktionen der Gut- und Wutbürger beschäftigt.
Der Pro-Mann beschwerte sich über Wickelmütter, die in Cafe sitzende Geistesgrößen kantscher oder marxscher Prägung am Neuordnen der Welt hindern. Ich sehe andere Besucher in Cafés und da sind mitnichten vorwiegend Dichter und Denker anwesend. Der Contra-Mann hingegen ging gleich ins Allgemeine, fühlte mit den Diffamierten und man war beinahe enttäuscht, dass der Kommentar nicht mit einem H*tler-Vergleich endete.
Heute wurde nochmals etwas sachlicher thematisiert, aber eine schnelle Lösung scheint sich nicht abzuzeichnen. Natürlich könnten sich einige Cafés zur kinderfreien Zone erklären, andere wiederum sich bewusst dieser Zielgruppe öffnen, aber diese Separatisierung ist mit äußerster Vorsicht zu betrachten, ansonsten muss man irgendwann sehr genau suchen, um ein Café für nichtrauchende, kinderlose Singles mit dunklen Haaren, leichtem Sprachfehler und gemusterten Unterhosen zu finden.
Ein Lösungsansatz könnte sicher auch sein, dass sich manche Eltern mal ein wenig mehr um ihre Umgebung kümmern und ihre Leons, Finns und Lenas auch ein klein wenig im Zaum halten. Keine Angst, es bleibt doch später noch genug Zeit, ADS oder Autismus zu entwickeln oder sich im Supermarkt ostentativ und andauernd auf dem Boden zu wälzen und zu schreien, als wäre man angezündet worden, weil man die Quengelware nicht bekommt.
Ich rechne damit, dass es im sozialen Netzwerk bereits entsprechende Dafür- und Dagegen-Gruppen gibt, sich gegenseitig Dreck in die Accounts werfen. Demnächst dann vielleicht ein Bürgerbegehren, dass man ja noch super mit der Forderung nach Anwohnerparkplätzen an den örtlichen Friedhöfen verbinden könnte.
Ja, das sind so Probleme, die Ihr in Heinis Pilsstübchen nicht so sehr kennt, aber dafür ist dort hin und wieder der Zapfhahn verdreckt und so hat jeder sein Kreuz zu tragen …
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