Wind: Nord/Ost, Startbahn 0-3 …

Nun hat sich also die Eröffnung des neuen Justin BBI/BER unter den Großflughäfen ein klein wenig verzögert. Tss, eine Verzögerung an einem öffentlichen Bauwerk, das ist ja mindestens so exotisch wie eine Verdoppelung von ursprünglich angesetzten Baukosten.

Aber grämt euch nicht, ihr Flughafenwichtel, am Kölner Dom wurde rund 300 Jahre herumgebastelt, daran wird nicht einmal mehr die Elbphilharmonie in Hamburg herankommen. Was sind da ein paar Jahresz  Wochen mehr? Die Verzögerung des Flughafens Willy Brandt beruht offenbar auf Probleme im … hihi … Brandschutz. Das Leben hat schon noch die eine oder andere Pointe parat.

Das mit der Namensvergabe von Persönlichkeiten an Flughäfen ist in Deutschland eine noch recht neue Weise der Benennung. In New York gibt es schon lange JFK, in Paris CdG oder in Neu-Delhi den Mahatma-Ghandi-Airport, aber in Deutschland bisher nur FJS in Minga. Tot muss man aber schon sein, bevor man Flughafen-Namenspate wird, also wird es mit dem Beckenbauer-Airport noch ein wenig dauern. Sollte Leimen dereinst mal einen eigenen Flughafen bekommen, wird die Namensfrage schnell geklärt sein und in Dortmund gäbe es nach der derzeitigen Gefühlslage posthum bestimmt eine große Zustimmung zu einem Aeroporto di Kloppo. Das ist aber alles Zukunftsmusik.

Und was ist mit Deutschlands größtem, der beinahe vor meinen Fenster (f)liegt? Frankfurt-Airport, naja … Da müsste sich doch auch ein verblichener und überregional bekannter Namenspate finden lassen. Wer hatte denn hier Bedeutung? Hermann-Josef Abs wäre eine interessante Symbolfigur für den Finanzcharakter der Stadt (nein, Berlin, davon musst Du nichts verstehen), der Onkel von Udo Jürgens war mal Frankfurter Oberbürgermeister, aber ich weiß ja nicht … Sabrina Setlur lebt noch … Heinz-Schenk-Airport? Grabowski und Hölzenbein erfreuen sich ja gottseidank auch noch ihres Lebens … Liesel Christ-Flughafen? Aaah, jetzt habe ichs: Nennen wir ihn doch “Babba-Hesselbach-Fluchhafe”. Nein? Wirklich nicht?

Ach, es ist wirklich bedauerlich, dass Frankfurt keinen großen verblichenen Dichter und Denker zu bieten hat …

Vernissage

Der erfahrene Vernissage- oder Finissage-Gänger weiß,  dass er die erste Stunde möglichst verpassen sollte. Der weniger versierte Gänger denkt sich hingegen “Hoppla, vielleicht gibt es ja eine kurzweilige Eröffnungsrede, die einem zu mehr Erkenntnis verhilft” und tritt pünktlich zur Eröffnung an.

Im Falle einer jüngst in Frankfurt gestarteten Foto-Ausstellung sah dies dann so aus: Man fällt in einem bereits sehr gutgefüllten Eingangsbereich, die ersten 25 Minuten passiert gar nichts, weil einer der Redner noch im Großstadtverkehr feststeckt. Dann beginnt ein Reden-Marathon, der vor allem durch Wiederholungen und Danksagungen geprägt ist, während dem Publikum langsam die Füße schwer werden. Als gewiefter Politiker kann man jedoch auch aus solchen Situationen Honig ziehen. Als bei der Ankündigung des letzten Redners ein großes Raunen den schmerzgeplagten Körpern der Zuschauern entsprang, verzichtete dieser großzügig auf seinen Redebeitrag und erntete dafür den stärksten und ehrlichsten Applaus des Abends.

Ergo, liebe Politiker, was lernen wir daraus? Mal die Fresse halten kann beliebt machen!

Die Ausstellung selber, die dann tatsächlich noch deutlich vor Mitternacht zur Begutachtung freigegeben wurde, erstreckt sich über mehrere Häuser und ist mal mehr, mal weniger spektakulär, aber durchaus sehenswert und aufgrund der Vielzahl der ausgewählten Fotografen sehr breit gefächert.

Ein Beispiel sei hier ausgewählt:

Das Foto “Kasse leer/no kasseler” des weithin unbekannten und unter dem Pseudonym “LFm.” arbeitenden Fotografen soll auch durch die spezielle Aufnahmetechnik einen Ausblick auf die postmaterialistische Gesellschaft geben, die sich nach dem Ende des Konsumrauschs vor einer großen Leere wiederfindet,die sich in den verschiedensten Ebenen spiegelt und den Betrachter quasi zur Introspektion zwingt.

Think about it!

… Freiheit wohl grenzenlos …

Vor dem Frankfurter Römer wurden früher Fußballweltmeister gefeiert. Heute wird dort eher demonstriert, meist gegen etwas oder wen. Es gibt aber auch Kundgebungen FÜR etwas, so z.B. gestern wo sich sagenhafte 7.000 bis 10.000 Menschen zusammenfanden, um sich für einen weiteren Ausbau des Frankfurter Flughafens stark zu machen.

Endlich mal ein positives Zeichen! Nicht immer nur diese ewigen Nörgler, die dies nicht wollen und jenes auch nicht: Keine Studiengebühren, kein Genfleisch, keinen Kapitalismus, keine Atomkraftwerke, keine Datensammlungen, kein Gottschalklive usw.

Hier hingegen verantwortungsbewusste Menschen, denen klar ist. dass wirtschaftliche Prosperität nicht von alleine kommt. Frankfurt muss Flughauptstadt bleiben, da hängen soviele Arbeitsplätzchen dran, das kann man sich gar nicht vorstellen. Das wollten diese vielen tausend Menschen gestern, die garantiert alle komplett freiwillig und in ihrer Freizeit zur Kundgebung gekommen sind, einfach mal deutlich machen.

Wie sollen denn sonst auch im Winter die Erdbeeren herkommen, die Ihr für eure erotischen Schweinereien benötigt? Und die Flugmango heißt auch nicht Flugmango, weil sie per Tretboot ihren Weg zu uns findet. Was wir laut Aussagen der flughafenaffinen Firmen jedoch haben, ist ein Flugmanko, nicht wahr?

Das bisschen Fluglärm, vor allem nachts, wo doch eh alle schlafen … die solln sich mal nicht so haben. Dafür sind in Kelsterbach, Raunheim und Co ja auch die Mieten günstiger – naja, manche zumindest … ein wenig oder so. Und wie hieß es so treffend auf einem der Plakate? “Kinder machen auch Lärm!” Rischdisch!

Überhaupt war das offenbar ein cool gestalteter Event. Nicht so ein laienhaftes hingestümpertes Demodingens. Da waren PR-Profis am Werk, mit Moderation, Musik und allem Schnickschnack. Bestimmt sind auch Hostessen mit einem Wägelchen durch die Menge gelaufen und haben Sandwiches und Tomatensaft angeboten.

Bravo, das braucht Hessen! Menschen die wissen wo es … verdammt, das ist wieder die 15:10-Maschine nach Kairo … DIE WISSEN, WO ES LANGGEEEEHT!!!!

…tralala … in den Pfützen schwimmt Benzin, schillernd wie ein Regenbogen, Wolken spiegeln sich darin, ich wär’ gerne mitgeflogen …

Herbstzeitlose(r)

Dieser 2011er-Sommer ist ein rechter Schlingel. Bereits im April/Mai ordentlich vorglühen, dann in den klassischen Sommermonaten die Menschen mit ihren Open-Air-Theatern/Kinos/Biergärten und Freibädern schön im Regen stehen lassen und schließlich, wenn schon alle die Winterreifen aufziehen lassen, nochmal ordentlich Nachschlag geben. Nachspielzeit für T-Shirts, Flipflops, Apfelschorle und Zitroneneis. Nur das mit den spät einsetzenden, lauen Nächten funktioniert nicht mehr so richtig.

Also ab in den Park! Natürlich kann man nichts gegen unumstößliche Naturgesetze tun, demzufolge lässt sich auch heute 76 Sekunden nach meinem persönlichen Platznehmen eine Jungfamilie mit hysterisch und laut schreiendem Baby direkt neben mir nieder. Meistens halte ich es aus oder höre gekonnt darüber hinweg, heute jedoch war keiner dieser Meistens-Tage, also rascher Tischwechsel.

Nunmehr am Nachbartisch Treffen der Golden Girls. Harmlos. Es werden Hochzeitsbilder der Enkel herumgezeigt. Die klassische Hochzeitsfotosituation, Hübsche Frau im blendend weißen Hochzeitskleid auf halber Höhe zu Mann. Wird nicht das letzte Mal sein … Ich kann die begleitenden Gedanken und Gefühle förmlich noch bei mir spüren, eine Mischung aus Stolz und überwundener Angst, er interessierte sich eventuell gar nicht für Frauen. Später Diskussion über wenig freigiebigen Bekannten, die in dem Statement mündete “Die mit dem meisten Geld sind die Geizigsten!”. Ursache und Wirkung, Ladies.

Dem sich an einem weiteren Nebentisch niederlassenden jungen Herren im lila Shirt hätte ich mal kurz stecken sollen, dass ein lässiger Gang nur dann eine Chance hat, ein solcher zu sein, wenn er nicht so sehr gewollt ist. Das sah eher nach akuter Hüftdysplasie oder unmittelbar bevorstehendem Coming-Out aus. Aber was kümmerts mich …?

Eigentlich wollte ich ja etwas lesen, eine Geschichte über einen Teddybären, der am gleichen Tag wie ich Geburtstag hat, aber Sonne macht mich immer schnell passiv und ich verfiel alsbald in einen leicht dämmernden Zustand. Für gute 20 Minuten schob sich der Stamm eines Baumes zwischen mich und die Mittagssone (zugegeben, diese Formulierung opfert biologische und physikalische Genauigkeit der literarischen Freiheit) und gönnte mir eine kleine Grillpause.

Von der nicht allzuweit entfernten Straße plärrt Musik aus einem offenen Wagen herüber. Ich erkenne das aktuelle Stück von Bosse, das mir bereits am Donnerstag beim zeitweise verfolgten Bundesschlimmersongcontest als eines von wenigen positiv auffiel und dem ich den Sieg weitaus eher gegönnt hätte als dem Tim-Struppi aus Berlin mit seinem Offenbarungseid, dass Worte nicht seine Sprache sind (Protipp: Wenn einem die Worte fehlen, einfach mal die Klappe halten!) Obwohl Bosse glaube ich aus Niedersachsen kommen, besingen sie Frankfurt/Oder, einen Ort, dem meines Wissens noch nicht allzu viele musikalische Epen gewidmet wurden.

Im Song geht es im wesentlichen darum, dass es unwichtig ist, ob man gerade in Honolulu Cocktails aus Kokosnusshälften schlürft oder im ostdeutschen Gartenpavillon gemeinsam die elterlichen Schnapsvorräte vernichtet. Alles ist schön, wenn die richtige Person dabei ist.

Besser als damit kann man diesen hochsommerlichen ersten Oktobereintrag nicht beenden, also sucht euch eure Liebe oder wenn ihr sie bereits habt, zieht sie nah an euch, drückt sie liebevoll und flüstert ihr “Ich bin froh, dass Du da bist!” oder etwas ähnliches ins Ohr. Jetzt sofort! Los!!!

Regionalprogramm

Werte Frankfurter Gastronomiestätten, die Ihr Euch gerne mal “Café” oder “Café Bistro” oder dergleichen nennt und morgens um 10 Uhr noch nicht geöffnet habt:

GEHT STERBEN!!!

Wann sollte Eurer Meinung denn ein Café geöffnet haben? Mittags von 15 bis 17 Uhr, damit einige Omis und Halbtagsmuttis ihren Schonkaffee oder Lattucchino genießen können? Oder abends ab 19 Uhr, denn wann mag das Bedürfnis, ein Cafè zu besuchen größer sein, als nach Einbruch der Dunkelheit in Erwartung des allseits beliebten Mitternachtskäsekuchens?

Ich  weiß ja, dass Frankfurt eher so eine Gernegroßstadt ist und lege sicher nicht die Erwartungen zugrunde, die mir beispielsweise in Hamburg oder Berlin erfüllt werden. Aber dass man bei “Café” eine Institution erwartet, die sich bereits am Morgen dem Publikum öffnet, scheint mir keine perverse Neigung zu sein..

So, das musste mal raus …

Auf der Suche nach einer Befriedigungsmöglichkeit für morgentliche Kaffeesucht stößt man dann unversehens auch auf folgende Beschilderung:

Nein, es geht nicht um verfremdete Namen und Telefonnummern. Es geht auch nicht um die ungewöhnliche Vornamensschreibweise. Eventuell kommt die Dame ja aus Frrranken oder es gab eine “2 für 1″- Aktion beim Schilderdienst oder was auch immer.

Es geht auch nicht um das Katastrophenapostroph. Dies in der heutigen Zeit noch zu kritisieren, hieße doch nur, Athen’s Eulenbestand in’s Unzählbare zu steigern.

Aber “Marrions Friseur & Shop”? Oder um es noch deutlicher zu formulieren: ???

Gut, in Zeiten totgerittener Wortspielchen wie “Haarscharf”, “Schnittchen” oder “Coiffeur Schneider” ist dies ein beinahe sympathisch wirkender Dadaismus, aber dennoch bleibt die Frage “???”. Ein Fall für Galileo Mystery, oder? Immerhin, ich freue mich für Marrion, dass sie sowohl einen  Friseur als auch einen Shop ihr eigen nennen kann und sich nicht wie jeder Dritte heute als “Lifecoach” verdingen muss. Aber dennoch …