Traum Nr. 167

… und wie Wogen seidigen Wassers spürte er immer wieder und meist zu den richtigen, nötigen Zeitpunkten diese Kraft aus Gewissheit, Lust und Inspiration in sich, als stünde er unter dem gütigen Schutz der liebevollsten Person, die man sich vorstellen kann.

Wann immer er schwächelte, irritiert war, wie es weitergehen sollte, sich Steine in seinen Weg legten, umfassten ihn zärtliche Arme und ein weiser Mund flüsterte ihm die stets richtigen Dinge ins Ohr, begleitet von einem warmen Atem, der sich wohlig an seinem Nacken niederließ wie ein glücklicher Wanderer nach einem Tagesmarsch.

Wie lange trug er diesen Traum mit sich, viel mehr Ballast als Flügel, weil er es ihm untersagte, die Grenzen des eigenen Kopfes zu überwinden. Erst in der einen Nacht, in einer Zeit als das Leben sich ihm von seiner garstigen Seite zeigte, spürte er eine strahlende Hand auf seiner Stirn und er fühlte, dass die Zeit gekommen sein musste.

Seit jener Nacht verfügte er über neue Kräfte … oder vielmehr waren es wohl bereits in ihm schlummernde Kräfte, die nur darauf warteten, für das richtige Ziel eingesetzt werden zu dürfen. Dazu kam eine neugewonnene Sicherheit in dem, was er tun wollte, musste, die ihm, der sich sonst notorisch solange alles Für und Wider zu Herzen nahm, bis sich eine beinahe schon gnädige Lähmung in ihm ausbreitete und dafür sorgte, dass Andere oder das Leben ihm die Entscheidung abnahm, spüren ließ, wie richtig alles war und ihn vorantrieb.

Anfänglich war er so sehr durchströmt von der Umsetzung seines Traumes, dass er mitunter hektisch, beinahe wahnhaft agierte, was es dem größten Teil der Umwelt, die ihm zumeist eh schon augenrollend gegenüber stand, noch leichter machte, sich spöttisch agierend von ihm abzuwenden. Mit der Zeit allerdings wurde er immer sicherer in seinem Tun und sein Agieren wurde ruhig aber beständig. Die wenigen, die sich noch mit ihm auseinandersetzten, bemerkten, welch beinahe schon majestätische Aura ihn zu umgeben begann und sich ausbreitete.

Sie sahen einen glücklichen Menschen vor sich, auch in den reichlichen Momenten, in denen Dinge schiefgingen, sich alles gegen ihn zu verschwören schien. Momente, in denen viele wohl enttäuscht aufgegeben hätten. Dies war keine Option mehr für ihn. Aufzugeben hätte für ihn bedeutet, sich bereit zum Sterben zu machen. Ein Zurück war keine Alternative mehr und es gab seit dieser einen Nacht auch keine Sekunde mehr, in der er sich dies gewünscht hätte, So sehr wusste er, dass es schleßlich gelingen würde,denn eher wäre er nicht fertig. Selbst wenn er sterben sollte, bevor er seinen Traum erfüllt hätte, er ginge als zutiefst glücklicher und beseelter Mensch.

Noch war er auf seinem Weg und noch warteten neugeborene Steine darauf, sich vor seine Füße zu werfen, aber er wusste, es würde ihm gelingen. Für sich und für diese beiden Arme, die seine Brust umfassten und den warmen Atem in seinem Nacken…

(für alle Träumer und Macher)

Notausgang

Brigitte möchte, dass mir Burghart Geschichten von Ferdinand vorliest ..

Hörbücher also. Neue Reihe “Starke Stimmen” und da liest u.a. Herr Klaussner aus dem Werk “Verbrechen” des Herrn von Schirach. Ein Strafverteidiger, der aus seinem reichhaltigen Nähkästchen plaudert und offenbart, wie es bei Menschen wie Euch und mir … naja, doch eher wie bei Euch … zugehen kann.

Gleich die erste Geschichte brachte mich durchaus zum sinnieren. Da lernte ein junger angehender Arzt – bislang nicht gerade als Don Juan unterwegs – eine hübsche Frau kennen und lieben. Schon bald war Hochzeit, danach war dann aber auch schon Schluss mit lustig. Seine Frau begann mehr und mehr mit Motzereien (jaja, das scheint die Entwicklung in 92% aller Ehen zu sein), belässt es aber nicht bei deutlich dargestellter Unzufriedenheit, sondern beginnt irgendwann, ihn auch zu schmähen und zu beleidigen, zunehmend auch in sehr entwürdigender Form.

Was machte er? Er hielt es aus, gab es keineswegs mit gleicher Münze zurück und stürzte sich lieber so oft und lang wie möglich in seine Arbeit. Er wurde ein guter und beliebter Arzt und wenn er denn zuhause sein musste, beschäftigte er sich ausgiebig mit seinem Garten. So ging dies Jahr um Jahr um Jahr, bei immer schlimmer werdenden Auswüchsen ihrerseits.

Als sie schon beinahe in Richtung Goldener Hochzeit gingen, hatte sich sein Leidensfass doch noch gefüllt. Nach einer weiteren Schmähung bat er sie in den Keller des Hauses, wo er sie mithilfe einer dort lagernden Axt in eine gespaltene Persönlichkeit verwandelte und sie danach auch gleich noch entsprechend portionierte. Schließlich meldete er geruhsam den Vorgang bei der Polizei und wartete auf seine Abholung.

Bei Gericht stellte sich selbstverständlich die Frage nach dem Warum und nach Erörterung und Würdigung aller Begleitumstände bekam der sich mittlerweile in seinen Siebzigern befindliche Mann schlussendlich eine Verurteilung zu 3 Jahren, die er allerdings im offenen Vollzug verbringen konnte.

Warum – so fragen sich sicherlich die meisten – wählte er diesen Weg und trennte sich nicht einfach von ihr? Weil es nicht einfach war, weil es aus seiner Sicht auch nicht ging. Noch auf der Hochzeitsreise, als es sich noch gut anfühlte, rang sie ihm den Schwur ab, sie niemals zu verlassen. Für ihn galt dieser Schwur etwas. Außerdem liebte er sie, auch nach fast 50 Jahren der Vorwürfe und Beleidigungen, wie auch immer dies funktionieren mag.

So blieb aus seiner Sicht wohl nur dieser eine Weg.

Wäre er nicht Arzt sondern Privatrechtsanwalt geworden, vielleicht wäre er irgendwann auf die Idee gekommen, dass sich das Objekt seines Schwurs dermaßen grundlegend von dem entfernt hatte, was ihm einstmals das Gelübde abforderte, dass es eigentlich keine diesbezügliche Bindung mehr gab, denn diesem zänkischen Wesen der Nachhochzeitsjahre hätte er ein solches Versprechen wohl kaum gegeben.

Oder doch?

Die Liebe ist alles Mögliche und mitunter auch bedrohlich und kein Mensch kann einem derartig zusetzen wie derjenige, der einem am nächsten steht.

Hoffen wir also auf ein rechtzeitiges “Halt die Klappe! Halt die KLAPPE! HALT ENDLICH DEINE VERDAMMTE KLAPPE!!!”

Naja, oder halt auf einen wundervollen Menschen an unserer Seite …

 

spektral

dein rot.

es pulst mich.

ströme aus leidenschaft, wildheit hat segel gesetzt.

wärme leitet leben in mich.

*****

 

dein blau.

es befriedet mich.

ein meer voll himmel, es lehrt mich fliegen.

wagenladungen von leichtigkeit an deinen fingerspitzen

*****

dein grün.

es nährt mich.

ich wachse an dir, hoffnung keimt

stelle mich in die sonne, lass mich werden und vergehen

*****

dein schwarz.

es ängstigt mich.

wo angst ist, wird auch mut.

das wissen, dass dahinter immer du sein wirst, leitet meine reise

*****

dein weiß.

es durchstrahlt mich.

möchte in deinem licht vergehen, uns geschehen lassen

ein lächeln, ein blick, ein alles.

*****

(Naja, Buchmesse halt … ihr wisst schon … keine Angst, das geht schnell vorbei)

Gossipschaft

Es gibt Beiträge, die schreiben sich quasi von alleine. Genau genommen haben sie sich bereits geschrieben und man muss sie lediglich noch zitieren.

Da gab es diese kleine Meldung auf der heutigen letzten Seite der Tageszeitung … hupps … das ist unhübsch formuliert; das sieht ja jetzt so aus, als hätte ich eine Zauberzeitung aus Hogwarts oder so, deren Seiten sich jeden Tag neu füllen … hab ich natürlich nicht, ich muss jeden Morgen an den Briefkasten, egal bei welchem Sauwetter … manchmal ist sie vom Regen bereits völlig durchnässt, aber ich werde mir ja wohl kaum den Wecker auf 4 Uhr morgens stellen, nur damit ich in den Besitz …oh, ich schweife wohl ein wenig ab.

Also, nochmal: Auf der letzten Seite der heutigen Tageszeitung (HA!), welche grundsätzlich mehr für die bunten Nachrichten reserviert ist, stand folgende Kurzmeldung, die ich hier ungekürzt wiedergeben möchte:

“Die britische Schauspielerin Kate Winslet ist angeblich wieder vergeben. Die 35-jährige sei mit dem Neffen des britischen Unternehmers Richard Branson, Ned Rocknroll (33) liiert, berichtete die britische Tageszeitung The Sun. Winslet lernte Ned, der in Wirklichkeit Abel Smith heißt, im August während ihres Aufenthaltes auf der privaten Karibikinsel seines Onkels, Neckar Island, kennen. Als dort ein Feuer ausbrach, half die Britin bei der Rettung von Bransons 90-jähriger Mutter.

Ned hatte danach auf einen Job in den USA verzichtet, um an Winslets Seite zu bleiben, wie die Sun berichtete.” (Quelle: dapd)

Wow!

Da muss man gar nichts mehr hinzudichten oder so, hier ist schon alles darin enthalten. Total abgefahrene Wahnsinnsnamen (Branson, hihi), ein schwerreicher Onkel, eine paradiesische Insel, die klingt, als läge sie in der Nähe von Stuttgart, eine zu rettende Omi, eine Heldentat, Liebe siegt über Karriere … Das schreit doch nach einer Verfilmung.

Bei der Kate ist das übrigens nichts Neues. Sie hatte schon mal eine spektakuläre, wenngleich kurze aber innige Beziehung zu dem Maler Jack Dawson, den sie auf einer Kreuzfahrt nach New York kennenlernte, während sie dort anfangs noch mit ihrem snobistischen Verlobten zusammen war. Sie konnte Jacks Charme jedoch nicht wiederstehen und verliebte sich in ihn. Leider stieß das Schiff auf halbem Weg an einen Eisbär und sank und ihr geliebter Jack konnte sich im Gegensatz zu Kate leider nicht retten. Auch diese Story wurde später Vorlage für eine Verfilmung.

Manche Menschen verfügen einfach über ein sagenhaft aufregendes Leben! Mir hingegen riss heute beim Müllwegbringen eine der Griffe der Mülltüte und ich konnte gerade noch so ein Unheil verhindern.

Später aß ich noch eine Birne.

Kerlitis

Es ist sicher ein heikles Thema, da die Gefahr besteht, dass sich liebe Menschen, denen ich hier oder an anderer Stelle folge, womöglich auf Schlips oder Hermés-Tuch getreten fühlen, aber wenn mir wiederholt etwas aufstößt, sollte ich es doch zumindest mal erwähnt haben.

Warum ist es innerhalb der weiblichen Schreiberschaft so angesagt, ihre jeweils männlichen Müllrunterbringer und Händchenhalter als “Kerl” zu bezeichnen?

Es soll lieb und gleichzeitig nicht zu kitschig sein, da bringt ein eingestreutes “Mein Kerl” eine gewisse lockere Burschikosität mit hinein, welches gleichzeitig die ausgeprägte Maskulinität des Lebenspartners kennzeichnet, das verstehe ich schon. Dennoch – ich finde es als Bezeichnung für den Liebsten nicht allzu hübsch. Ich sehe mich dann zumeist in einer Rolle als maulfaulen, grummelnden Basecap-Träger im Holzfällerhemd.

Gerade der Damenwelt wird gemeinhin doch gerne eine besondere Virtuosität im Umgang mit Worten unterstellt aber genau an dieser Stelle scheint sich die sortenreiche Blumenwiese weiblicher Sprachgewandtheit in ein dürres Stoppelfeld zu verwandeln. Wenn mich meine Alte als ihren Kerl bezeichnete, wäre ich wohl nicht so begeistert. Meine Ische dürfte sich ruhig mal ein wenig bemühen, um eine etwas liebevollere oder zumindest phantasievollere Bezeichnung zu finden.

Erwarte jedoch – liebe Damenwelt – keine Vorschläge von meiner Seite aus. Ich gehöre zu den zu bezeichnenden Objekten, die sich dann mit Titulierungen wie “Lustgnubbel”, “Schweineprinz”, “Billyboy”, “Schniffelschnuffel” oder “Mein Meister” auseinandersetzen müssen.

Also, meine Häschen, Schnuckelchen und Pornochicks, das bekommt Ihr doch ganz bestimmt hin, gelle?