Digilog

Jaja, jetzt TV nur noch digital. Wer nun graues Rauschen auf dem Schirm hat, muss sich die letzten 6 Monate im Koma befunden haben oder sich grundsätzlich von nichts und niemandem angesprochen fühlen. In diesem Fall viel Spaß bei der Suche nach einem Termin mit dem Fachmann!

Digital überall, schön und gut. Früher musste ich, um 100 Stunden Musik mobil bei mir zu haben, einen Walkman, einen Rucksack voller Musikkassetten und noch einen für die Batterien mit mir rumschleppen. Jetzt ist alles auf einem daumengroßen mp3-Player oder am besten gleich im Smartphone integriert.

Ahaaaber, sehr geehrte Damen und Herren und lovely Lesefröschleins, glaubt nun büddebüdde nicht, das Leben könne generell in Nullen und Einsen, schwarz und weiß, ja und nein eingeteilt werden. Die wichtigen Dinge im Leben sind und bleiben analog, unscharf, zwiespältig, ähnlich, ungefähr, zweifelhaft, grau, rauschend, wellig, unregelmäßig, mit Krümeln, dreckig, voller Flusen, sporadisch, unberechenbar, vorübergehend, holprig, wechselhaft und überraschend.

Deswegen werden auch schon mal künstliche Analogknackser auf Musik-CDs hinzugefügt.

Bleibt unberechenbar!

Requiem

“… someday I’ll wish upon a star
And wake up where the clouds are far
Behind me.
Where troubles melt like lemon drops
Away above the chimney tops
That’s where you’ll find me …”

Meine Güte, jeder ehemalige Staatsoberhäuptling hat nun mal das Recht, sich den Zapfen streichen zu lassen, unabhängig von Dauer und Ehrenhaftigkeit seiner Regentschaft. Und wenn sich der letzte Wizard of Bellevue noch einen Bonustrack wünscht, dann lasst ihm doch die Freude! Man muss auch nicht wie in einem kollektiv verankerten bedingten Reflex einen Vuvuzela-Flashmob drumherum bauen. Wird doch eh bereits bizarr genug, dann kann man sich doch zumindest in die obengenannte Musik hineinträumen und darüber sinnieren, wie es hätte sein können, wenn Probleme wie Zitronenbonbons schmelzten. Hätte er sich lieber “Should i stay or should i go” von The Clash wünschen sollen? Das wäre ja noch peinlicher ….

Mich beschäftigt hierbei etwas Anderes:

Mal angenommen, ich würde Präsident aller Bunden, führe ein paar Jahre durch die Weltgeschichte, hielte einige wenig beachtete Blablareden und ehrte Rhönradsportler bevor es mir lästig wäre und ich mich aus dem Amt verabschiedete, um meinen wohlverdienten Ehrensold zu genießen. Welche Songauswahl träfe ich für meinen Ausmarsch?

Das ist gar nicht so einfach, vor allem, wenn man mehr als 10 Lieder kennt. Man sollte dabei bedenken, dass die Lieder von einem Blasmusikkorps vorgetragen werden, deshalb wird es bei einiger Musik schwierig in der Umsetzung. Synthesizer-Orgien von Pink Floyd oder Tangerine Dream sind da offensichtlich wenig geeignet. “Sympathy for the Devil” von den Stones könnte inhaltlich anecken.

Ungeschickt wäre sicher auch, ließe man sein eigenes Auftreten akustisch vom “Imperial March” aus dem Star-Wars-Soundtrack untermalen, es sei denn, man atmete sowieso bereits schwer.

Wenn man das Korps an den Rand der Erschöpfung bringen möchte, könnte man sich beispielsweise die Vollversionen von “In-a-Gadda-da Vida” oder “Bolero” wünschen. Für ganz perfide Menschen böte sich “As slow as possible”von John Cage an, wie es derzeit und die nächsten sechshundertpaarundzwanzig Jahre in Halberstadt aufgeführt wird (Immerhin fanden während Chrissies Amtszeit zwei Klangwechsel statt).

Es sollte im weitesten Sinne auch volkstümlich sein – nein, nicht Silbereisenvolkstümlich, nehmen wir beispielsweise The White Stripes. Deren “Seven Nation Army” kann ja seit einigen Jahren von jedem Stadionbesucher mitgegröhlt werden. Dazu noch etwas von Abba oder den Beatles, das kennen alle und finden die meisten gut. Muss ja nicht gerade “Ob-la-di.ob-la-da” sein, vielleicht etwas dramatischeres wie “The long and winding Road” … wie bitte? Ja, “Let it be” ginge natürlich auch …

Am Schluss vielleicht dann noch “My Bonnie is over the Ocean” oder etwas vergleichbares?

Vielleicht genügte im Sinne der neuen Sparsamkeit auch ein Musiker, der Radiohead auf dem Akkordeon spielte ?

Ach, ich weiß nicht, eventuell wäre mir diese ganze Zeremonie, die man genauso gut für ein Begräbnis abhalten könnte, sowieso eher unangenehm. Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr entwickle ich Sympathie für das Verhalten des Altbundespräsidenten Heinemann, der 1974 auf den ganzen Militärschmonzens verzichtete und sich stattdessen eine Schiffsfahrt auf dem Rhein wünschte.

In diesem Sinne:

“I’m a creep, i’m a weirdo,

what the hell am i doing here?

i don’t belong here …”

HörBar 2011

It’s that Time of the Year …

Best of-Listen allerorten, da kann auch ich nicht widerstehen und meine Tradition fortführen, einige der Songs zu benennen, die mich im nun ablaufenden Jahr in besonderer Weise begleitet haben. Unvollständig sicherlich und sobald ich diesen Post fertiggestellt habe, werde ich ihn wieder verändern wollen. Also alles wie immer, dennoch …:

17 Hippies – Ton etrangere

Die Kunterbuntplatte des Jahres für mich. Multikulti at it’s best und von Könnern musiziert. Notiz an mich: Endlich mal auf eines ihrer Konzerte gehen!

Lana del Rey – Video Games

Eulen nach Athen, ich weiß. Einer DER Hypes dieses Jahres. Aber nicht zu unrecht. Im Spätestsommer bei diffus werdendem Tageslicht am Flussufer sitzend diesen Song im Ohr haben und gefühlig werden ist eines. Ende Januar kommt das Album, mal hören, ob es für mehr reicht.

Girls – Die

Es darf ruhig auch mal etwas rumpeln. Jaja, da sind Black Sabbath und Konsorten als Taufpaten zu hören, aber was solls …

Jamie Woon – Night Air

Fast überall wird James Blakes Album in den Jahrescharts hoch gehandelt. Jamie Woon beackert ein sehr ähnliches Feld, ging aber etwas unter. So geht das aber nicht. Los, groovt!

Dirty Beaches – Sweet 17

Kein Suicide-Revival, aber sehr schön daran erinnernder Indiesound aus Ostasien oder so. Hatte ich im Ohr, als ich frühjahrs durch Hamburgs berüchtigte Gegenden wandelte. Passt wie Dings auf Bums.

Kurt Vile – Baby s Arms

Auch so ein etwas untergegangener Kandidat. Schmachtender Rock der Kopfbilder macht. Täte ich mir auch gerne live mal ansehen.

Other Lives – For 12

Song gehört, Album zugelegt, etwas Zeit vergehen lassen, nochmals gehört, dann nochmals undsoweiter und immer besser gefunden. Sehr vielschichtiger Sound, der zu längerer Beschäftigung einlädt.

Panda Bear – Slow Motion

Ähnliches hier. Die Platte benötigt Zeit und Muße, sich darauf einzulassen. Ein Song alleine wird dem Ereignis nicht gerecht. Am besten das ganze Album anhören und sich auf eines Reise durch das Licht begeben.

Ada – Faith

Das Electronica-Schnucki des Jahres! Bewußtseinserweiternder Wölkchenpop aus Köln. Das Album heißt zwar “Meine zarten Pfoten”, ist aber dennoch nicht im Tierhandel erhältlich.

Apparat – Ash/Black Veil

Im Netz gefunden, lange bevor das Album erschien. Seitdem dutzende Male gehört und immer wieder vom Sound gefangen genommen. Herr Ring tritt ein wenig von der Tanzfläche zur Seite und macht Soundscapes. Auch live sehenswert!

RHCP – Rain Dance Maggie

So richtig gute Alben der Peppers sind wohl vorbei und Herrn Kiedies’ Pornobalken geht ja mal überhaupt nicht. Dieses Stück aber hat etwas. Sexy Bass und Kuhglocken. Es sollten öfter Kuhglocken in Songs verwendet werden. Siehe auch “Hey Ladies” von den Beastie Boys. Das Outro könnte ruhig noch 10 Minuten dauern …

Lykke Li – I follow Rivers

Auch ein Album zum Ofthören. Neben “Get some” für mich der beste Track des Albums. Bin auch ein wenig neidisch auf den desperaten Herrn im Video, hachz …

Bosse & Anna Loos – Frankfurt Oder

Eigentlich jetzt nicht sooo sehr meines, aber eines der wenigen Highlights des diesjährigen BuViSoCoDoReMiFaSo. Außerdem enthält es “Frankfurt”, wenn auch nicht das heimatliche und hat eine grundrichtige Kernaussage: Es kommt nicht auf das “wo” und “wie”, sondern auf das “mit wem” an. Übrigens: Ich bin froh, dass Du da bist, auch wenn Du das hier nicht liest und wahrscheinlich nicht einmal an mich denkst.

Sophie Zelmani – Free Now

Bislang eher als Frau Schönpop bekannt, ist Frau Zelmani auf dem neuen Album sehr intensiv, musikalisch angenehm reduziert. Das auf Tour in einem kleinen Club kann ich mir gut vorstellen.

Mirel Wagner – No Death

Noch mehr Intensives? Bittesehr! Wie nennt man sowas? Bluesfolk? Egal, wichtig ist aufm Ohr!

William Fitzsimmons – I kissed a Girl

Wie könnte ich dieses Jahr abgrasen, ohne Herrn Fitzsimmons zu erwähnen. Dieses Kate-Perry-Cover ist zwar nicht vom diesjhrigen Album, aber egal, wundervoll bleibt wundervoll. Schaut ihn euch bitte live an, er ist auch ein ausgesprochener Sympath.

R.E.M. – Oh my Heart

Wahrscheinlich war es ein richtiger Schritt, die Band zu begraben, aber herrje, sie haben mich so lange begleitet und so viel Wunderbares hinterlassen, da musste ich einfach traurig sein. R.I.P., R.E.M.!

… und wenn wir schon beim Traurigsein sind:

Amy Winehouse – Tears dry on their own

Dazu muss man nichts mehr sagen …

Sorry an alle, die es auch verdient hätten, hier zu stehen, in meinem Herzen seid ihr vertreten. Falls sich jemand der hiesigen Lesefröschlein hier ein klein wenig inspirieren lässt, hat es sich schon gelohnt.

Lioness

Ob es wirklich eine gute Idee war, Frau Winehouse anlässlich der nunmehr erschienenen Resteverwertung mit dieser Analogie aus dem Tierreich zu versehen? Ich sehe sie nicht wirklich als Löwin, eher doch als ein Reh, so wie sie auf ihren dürren Beinen in den Highheels umherstakste. Wobei – drogenversumpfte Rehe sind auch eher selten. Eventuell sollte man es generell unterlassen, stets Vergleiche mit dem Tierreich anzustrengen.

Dass es noch vor Weihnachten zu einer kommerziellen Ausschlachtung von Amys Hinterlassenschaften kommen würde, war mindestens so sicher wie die Comeback-Bemühungen KTs. Allzuviel erwartet hatte ich mir davon übrigens nicht, denn die Erfahrungen früherer Fälle zeigten, dass viele Songs von uns gegangener Künstler  nicht zu Unrecht im Nachtschränkchen geblieben sind. Da der Tod aber die unangenehme Eigenschaft hat, sehr nachhaltig zu wirken und den Betroffenen leider keine Möglichkeit mehr lässt, noch Werke nachzulegen (bei Tupac hatte ich damals angesichts der jahrelangen Veröffentlichungsflut unbekannter Tracks diesbezüglich meine Zweifel), muss man die Fans halt mit dem Vorhandenen trösten, dass man so gut wie möglich in Szene gesetzt hat.

Genauso ist das Album dann auch. Neben einigen neuen Titeln, die mal mehr, mal weniger gelungen sind, noch einige alternative Versionen von Titeln des letztens Albums (die ja mittlerweile dermaßen abgenudelt sind, dass eine veränderte Version tatsächlich frisch wirkt) und ein Duett mit Tony Bennett, dass bereits vor kurzem auf seiner eigenen Platte erschienen ist.

Schade, dass ihre vor einiger Zeit zusammen mit Quincy Jones aufgenomme Version von “It’s my Party”, welches zuletzt irgendwann in den Achtzigern in der Aufnahme von Dave Stewart (nein, nicht der von den Eurythmics!) und Barbara Gaskin ein Charthit war, nicht mit enthalten ist. Ich tippe mal auf Rechteprobleme …

Manche Tracks der Platte erscheinen mir etwas beliebig instrumentiert und arrangiert aber sei’s drum: Wenn sie beispielsweise in ihrem Cover von “The Girl from Ipanema” so stimmlich herumjammt, wird einem schon noch schwer ums Herz. Sie war eine verdammt gute Croonerin, die im Jazz und Soul weit mehr zuhause war, als ihr Äußeres vermuten ließ und sowas findet sich auch heute nicht an jeder Ecke und noch seltener in einer der weltweit Hunderttausenden von Castingshows. Es geht hierbei um Stimme und Attitüde.

Elende Drogen!

 

Cum as you aaaahhh

“Was hörstn so für Musik?”

“Joah, Link.in Park, Met.allica … ab und an auch Nir.vana …”

“Boah, Du Schlampe!”

Sicher, das muss man nun Einigen wieder näher erläutern. Nun, es gibt in Kleinwebbersdorf irgendwo ein Datingportal, das vor allem versucht, Menschen über ihren Musikgeschmack definierend zu verkuppeln. Grundsätzlich sicher gar keine so dumme Idee, schließlich wäre es auch für einen sehr toleranten Menschen wie mich sehr schwer, über die musikalische Leidenschaft für den We.ndler, Unh.eilig oder DJ Ö.tzi hinwegzusehen und pure Sympathie strahlen zu lassen. Nicht unmöglich, aber wirklich schwer.

Innerhalb seiner Mitgliederschaft stellte das Portal nun die Frage, wie weit die Betroffenen denn bereit seien, beim ersten Date zu gehen. Verschiedene Antwortmöglichkeiten waren gegeben, angefangen beim schüchternen Händchenhalten oder Wangenkuss zum Abschied aber nach oben offen.

Ausgerechnet unter den Anhängern der obengenannten Bands waren nun laut der Umfrage besonders viele Menschen bereit, schon beim ersten Date .. äähhh… das Lager zu teilen oder um im Musikersprech zu bleiben, den Sandmann entern zu lassen.

Bei den Anhängern von beispielsweise Radio.head hingegen scheinen die zurückhaltenderen in der Mehrheit zu sein (klar, bei den ersten Treffen muss man ja sich zunächst gegenseitig seinen letzten Nervenzusammenbruch erzählen). Interessant aber, dass unter den prüderen auch viele Lady-G.aga-Anhänger oder Anhängerinnen sind. Vielleicht kam es aber auch nicht zum Vollzug, weil sich jemand vorher die Bemerkung “Huch, Du hast ja auch einen Fleischanzug an!” nicht verkneifen konnte.

Lassen wir mal die Reliabilität und Validität einer solchen Statistik beiseite, auch die recht geringe Teilnehmerzahl, das Unwissen um die Männlein-Weiblein-Aufteilung oder die grundsätzliche Skepsis gegenüber derartigen willkürlich wirkenden Schlussfolgerungen und freuen uns doch einfach über diese neuen Erkenntnisse.

Morgen ist übrigens hochoffizieller Record-Store-Day, also werde ich die Geilegenheit nutzen und mal genau hinschauen, wer sich “Nevermind” oder “… and Justice for all …” schnappt.

Luder, luderiges!