“… someday I’ll wish upon a star
And wake up where the clouds are far
Behind me.
Where troubles melt like lemon drops
Away above the chimney tops
That’s where you’ll find me …”
Meine Güte, jeder ehemalige Staatsoberhäuptling hat nun mal das Recht, sich den Zapfen streichen zu lassen, unabhängig von Dauer und Ehrenhaftigkeit seiner Regentschaft. Und wenn sich der letzte Wizard of Bellevue noch einen Bonustrack wünscht, dann lasst ihm doch die Freude! Man muss auch nicht wie in einem kollektiv verankerten bedingten Reflex einen Vuvuzela-Flashmob drumherum bauen. Wird doch eh bereits bizarr genug, dann kann man sich doch zumindest in die obengenannte Musik hineinträumen und darüber sinnieren, wie es hätte sein können, wenn Probleme wie Zitronenbonbons schmelzten. Hätte er sich lieber “Should i stay or should i go” von The Clash wünschen sollen? Das wäre ja noch peinlicher ….
Mich beschäftigt hierbei etwas Anderes:
Mal angenommen, ich würde Präsident aller Bunden, führe ein paar Jahre durch die Weltgeschichte, hielte einige wenig beachtete Blablareden und ehrte Rhönradsportler bevor es mir lästig wäre und ich mich aus dem Amt verabschiedete, um meinen wohlverdienten Ehrensold zu genießen. Welche Songauswahl träfe ich für meinen Ausmarsch?
Das ist gar nicht so einfach, vor allem, wenn man mehr als 10 Lieder kennt. Man sollte dabei bedenken, dass die Lieder von einem Blasmusikkorps vorgetragen werden, deshalb wird es bei einiger Musik schwierig in der Umsetzung. Synthesizer-Orgien von Pink Floyd oder Tangerine Dream sind da offensichtlich wenig geeignet. “Sympathy for the Devil” von den Stones könnte inhaltlich anecken.
Ungeschickt wäre sicher auch, ließe man sein eigenes Auftreten akustisch vom “Imperial March” aus dem Star-Wars-Soundtrack untermalen, es sei denn, man atmete sowieso bereits schwer.
Wenn man das Korps an den Rand der Erschöpfung bringen möchte, könnte man sich beispielsweise die Vollversionen von “In-a-Gadda-da Vida” oder “Bolero” wünschen. Für ganz perfide Menschen böte sich “As slow as possible”von John Cage an, wie es derzeit und die nächsten sechshundertpaarundzwanzig Jahre in Halberstadt aufgeführt wird (Immerhin fanden während Chrissies Amtszeit zwei Klangwechsel statt).
Es sollte im weitesten Sinne auch volkstümlich sein – nein, nicht Silbereisenvolkstümlich, nehmen wir beispielsweise The White Stripes. Deren “Seven Nation Army” kann ja seit einigen Jahren von jedem Stadionbesucher mitgegröhlt werden. Dazu noch etwas von Abba oder den Beatles, das kennen alle und finden die meisten gut. Muss ja nicht gerade “Ob-la-di.ob-la-da” sein, vielleicht etwas dramatischeres wie “The long and winding Road” … wie bitte? Ja, “Let it be” ginge natürlich auch …
Am Schluss vielleicht dann noch “My Bonnie is over the Ocean” oder etwas vergleichbares?
Vielleicht genügte im Sinne der neuen Sparsamkeit auch ein Musiker, der Radiohead auf dem Akkordeon spielte ?
Ach, ich weiß nicht, eventuell wäre mir diese ganze Zeremonie, die man genauso gut für ein Begräbnis abhalten könnte, sowieso eher unangenehm. Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr entwickle ich Sympathie für das Verhalten des Altbundespräsidenten Heinemann, der 1974 auf den ganzen Militärschmonzens verzichtete und sich stattdessen eine Schiffsfahrt auf dem Rhein wünschte.
In diesem Sinne:
“I’m a creep, i’m a weirdo,
what the hell am i doing here?
i don’t belong here …”
