(Bevor jetzt wieder Bemerkungen über die hier in letzter Zeit feststellbare Seksualisierung meines Blogs und die dadurch vermutete Unterversorgung des Autors in diesem Bereich kommen: Jaja, mag ja sein, bin auch nur ein Mensch mit wechselnden und nicht immer befriedigten Bedürfnissen, ABER auch wenn dieser Beitrag vordergründig mal wieder auf Lendenhöhe angesiedelt zu sein scheint, stecken doch eher die Themenbereiche Alter, Zeitenwandel, Modediktatur und Generationenwandel dahinter)
Es ergab sich aber, dass LordFM am späten Samstagabend einen kleinen Twialog über Schambehaarung hatte, dessen weitergehende Gedanken etwas mehr als 140 Zeichen zu benötigen scheinen.
Ich gehöre nun mal jener Generation an, die nicht nur mit meist präsenter Achsel- sondern auch und insbesondere mit Schambehaarung aufgewachsen ist, sowohl der gesellschaftlich dominierenden als auch der eigenen individuellen. Ich sage nur: Ne.na im “Musikladen” und dergleichen. Schambehaarung gehörte zum Erwachsenwerden, es ist für mich auch selbstverständlicher Teil der erotischen Grundausstattung einer Person und kann darüber hinaus mit all seinen Wuchsformen Ausdruck der Individualität sein. Wie bei allen sinnlichen, optischen Reizen existiert auch eine ureigene ästhetische Rahmenakzeptanz, über die Andere gelegentlich auch hinausschießen. Achselbehaarung, die den Eindruck vermittelt, man hätte Tina Tur.ner im Schwitzkasten war dann sicher nicht mehr jedermanns Sache. Genausowenig manch selbstgezüchtetes Regenwald-Ambiente im Schlüpper. Im Großen und Ganzen aber möchte ich behaupten. dass für diejenigen, die ihre Sexualität in den 60ern, 70ern, oder 80ern verpasst bekamen, die Schambehaarung größtenteils eine nicht zu unterschätzende erotische Qualität hatte und sicher auch noch hat. Das erste Mal (naja, und auch einige weitere Male) die Erlaubnis zu bekommen, fremde Waldgebiete zu entdecken, darin zu stöbern, sie zu liebkosen und all das, was man noch so tun kann, gehört sicher zu den aufregenderen Erfahrungen nicht nur meines Lebens.
Irgendwann begann sich dann nach und nach der Kahlschlag durchzusetzen. Wahrscheinlich vorwiegend aus USA und Japan importiert, befeuert durch Po.rn.o-Industrie und Modemagazine, Filme und dem ganzen Topmodelkrempel wurde es lichter und lichter auch in deutschen Zentralgebieten. Heute werden die nachwachsenden (ja, ich weiß, eine eher unglückliche Wortwahl in diesem Zusammenhang) Generationen schon verächtlich angeschaut, wenn sich den gängigen Tuningformen widersetzen und haben es bereits derart verinnerlicht, dass sie einen Ekel dagegen entwickeln können.
Nein, ich möchte mich bestimmt nicht für die Wiederaufforstung von Intimbereichen stark machen, genausowenig wie ich der Wiedereinführung von gepuderten Perücken das Wort reden möchte. Ich möchte auch nicht den persönlichen Kahlschlag verdammen und werde mich wohl daran gewöhnen können, auch wenn ich bei solchem Anblick generationsbedingt immer noch ein wenig das ungute Gefühl verspüre, im Pädophilen-Bastelladen zu sein. Es geht mir vor allem darum, dass diese Tunings zu einem Gesamtkomplex gehören, zu denen auch das mittlerweile selbstverständlich gewordene Brustaufpumping, Lippenplustering, Stirngiftspritzing und dergleichen mehr gehören, die allesamt dazu verführen, seinen Körper, sogar sein gesamtes Wesen als eine Art Dauerbaustelle zu betrachten und der eigene Körper eine stete Aufforderung zur “Optimierung”, eine ständiger Soll-Zustand wird. Ich bin kein Psychologe, aber ich denke nicht, dass diese Angewohnheit, sich immer weiter von der Akzeptanz des gegebenen Wesens zu entfernen und zu einem plastinierten, reinen Abbild eines Abbildes zu werden, gut für unsere Seele ist. Dabei ist mir durchaus bewusst, dass es hierbei wie meist sehr fließende Grenzen gibt, aber Lidschatten und Rouge haben für mich noch einen anderen Stellenwert als zwei implantierte Säckchen gelartiger Substanz.
Darüber hinaus uniformieren wir uns dabei immer weiter und widersprechen uns dabei dem eigentlich doch auch dem in den meisten von uns vorhandenen Bedürfnis der Individualität. Beispiel gefällig? “The Girls of the Pla.yboy-Mansion”. Bei aller Anstrengung konnte ich diese Ansammlung platinblonder Mopswunder nicht auseinander halten. Ich vermute fast, da spielen nur 2 Mädchen mit, die alle 4 verschiedene Namen und Bikinis bekommen. Was richtet es denn aus, wenn Eltern der volljährig gewordenen Tochter die Implantation von Wackelpuddingtitten schenken? Die transportierte Aussage, die sich dahinter versteckt ist doch “So wie Du bist, ist es nicht in Ordnung, aber wir verhelfen Dir zu mehr gesellschaftlicher Akzeptanz”. Wie soll sich denn unter derlei Umständen jemand selbst akzeptieren, nein noch besser, toll finden können und ein entsprechend stabiles Selbstbewußtsein entwickeln?
Der Mensch ist unvollkommen, er riecht manchmal komisch, hat hier und da Beulen und Schrammen, einen schiefen Mund, ungleiche Brüste, Haare überall und eine Kartoffelnase aber man kann sich auch damit lieben und geliebt werden. ES IST NICHT SOOO WICHTIG!
So, ihr wilden jungen Dinger mit euren Leggings und ausgeprägtem Cameltoe, jetzt hat sich der alte Mann mal ausgekotzt.
P.S.: Vielleicht sollte ich für die Jüngeren noch erläutern, dass “Ne.na im Musikladen” nur als Beispiel für Achsel- nicht jedoch für Schambehaarung stehen sollte. So kurz war der rote Lederminirock dann doch nicht …
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