Mensch läuft, Nase läuft mit

Man landet also nach ein paar Tagen Eremitenurlaub auf einer Nordseeinsel, auf der es einen ganzen halben Tag lang tatsächlich mal sonnig war, letztlich in Hamburg, die bereits von Zuhause über Sylt gepflegte Erkältung natürlich mit im Rucksack und trifft überraschenderweise auf … Regen! Mit etwas weniger Wind als an der Küste und in den unterschiedlichsten Variationen von fast gar nicht bis plötzlich und heftig. Man versucht, dies einfach zu ignorieren, was einem auch mindestens solange gelingt, bis sich Wasser unter die Mehrfachhülle aus Shirt, Nochnshirt, Hooded Sweater und Winterjacke gemogelt hat. Dann also ab in den ÖPNV (wofür habe ich schließlich eine Tageskarte) und von da aus in Läden und Cafes oder sonstwohin, wo dem Regen klargemacht wird, dass er draussen bleiben muss.

Am nächsten Morgen wacht man gerädert auf, spürt, dass sich in sämtlichen Hohlräumen des Kopfes über Nacht widerwärtige Substanzen abgelagert haben, von denen man sich sich ausgiebig befreien muss und überlegt ernsthaft, das ursprünglich geplante Tagesprogramm mit Plattenläden abklappern, Ausstellung besuchen, Bekannte treffen usw. eventuell gegen das in diesem Moment sehr attraktiv wirkende Alternativprogramm „Denganzentagimbettbleiben“ auszutauschen. In diesem Moment fällt aber der Blick auf die dem Bett gegenüberliegende Wand des liebevoll hin- bis hergerichteten Zimmers und DAS bohrt sich in das Gesichtsfeld:

carpediem


Wie kann man da noch bettlägerig bleiben, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen? Also doch frischauf in den Tag, in den Trubel, in den Regen …

Wenige Meter von meiner Unterkunft entfernt befindet sich das Meteorologische Institut der Uni und jedesmal, wenn ich dort vorbeilaufe, regnet es und jedesmal wenn dem so ist, schleichen sich nach pawlowscher Manier immer wieder dieselben Gedanken in mein Gehirn, in denen unter anderem die Worte „Pfuscher“ und „für was werdet ihr eigentlich bezahlt?“ vorkommen, begleitet von einer Wolke-Blitz-Totenkopf-Zeichnung, wie sie sattsam aus Comics bekannt ist.

Aber war insgesamt schon nett, dochdoch …

4 Kommentare zu “Mensch läuft, Nase läuft mit

  1. Symbolgeladener Aufenthalt, würd ich ma sagen. Hm, bin auch bald urlaubstechnisch weg und hab die Nase (im doppelten Sinne) voll. Dann will ich aber mindestens auch so ein Carpe-Diem-Schriftzug in meinem Zimmer!

  2. Jaja, und im Bus saß einer, der sehr jesusmäßig aussah. Das ist mir aber zuviel Symbolik im Urlaub, echt. Auf jeden Fall wünsche ich schon mal gute Erholung und Nasenbefreiung und jedweder Hinsicht :o)

  3. Hehe, vielen Dank.
    Dann hoff ich mal, dass ich auf dem Weg nicht zu allem Überfluss noch durch nen Tunnel komm, in dem ich am Ende ein helles Licht erkenne oder so… Hm, wobei bei genauer Überlegung ein Tunnel, bei dem kein Licht am Ende erkennbar ist, meinen klaustrophobischen Neigungen auch eher wenig gefallen würde…Mist, dann will ich einfach gar keinen Tunnel. So!

    Und so nebenbei Mal: wenn man in ner größeren Stadt unterwegs ist, trifft man da nicht zwangsläufig auf Typen, die wie Jesus aussehen? 😉

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