Cine-Man Teil 2,659

Double-Preview-Edition

Vol. 1:

Ein Sommer  in New York /The Visitor  (läuft bereits)

Blöder deutscher Titel zunächst mal, denn das hat eigentlich so gar keinen Bezug zu dem Filminhalt. Gut, es ist tatsächlich Sommer in NY (wenngleich der Blattfarbe der Bäume im Central Park nach zu urteilen, eher Spätsommer), aber die Geschichte könnte auch im Frühjahr oder Herbst spielen und es müsste auch nicht unbedingt New York sein.

Über verunglückte deutsche Titel könnte man eine Doktorarbeit schreiben (do you remember „Die unglaubliche Reise in einem total verrückten Flugzeug“, im Original „Airplane“?), das soll aber nicht Gegenstand dieses Beitrages sein.

In besagtem Sommer kehrt nun also ein eigentlich in Connecticut lebender und als Uniprofessor arbeitender, seinen Beruf aber eher hinmogelnder und jeglichem Enthusiasmus beraubter verwitweter Walter in seinen besten Jahren in seine New Yorker Zweitwohnung zurück, weil er dazu verdonnert wurde, an der NYU einen Vortrag zu halten, über dessen Inhalt er eigentlich gar nichts weiß, da er nur for the Record als Coautor geführt wird. Dort trifft er zu seiner nicht geringen Überraschung auf ein illegales Pärchen, welches die Wohnung von einem ominösen Ivan gemietet hat, der vorgab, im Besitz dieser zu sein. 

Nach anfänglichem kleinem Zores ermöglicht Walter den beiden, vorerst wohnen zu bleiben, da diese akut über keine Wohnalternative verfügen. Man gewöhnt sich nach und nach aneinander und Walter beginnt sich für Tareks Trommelspiel zu interessieren, das eine lang in ihm brachliegende Begeisterung auslöst. Man begibt sich also zum gemeinsamen Jammen in den Central Park und auf dem Rückweg tritt anlässlich einer unglücklichen Aktion in der U-Bahn der ungünstige Teil des Schicksals auf die Bühne. Die Konsequenz heißt Abschiebehaft, was Walter zu einem kleinen, für seinen neuen Freund kämpfenden Löwen werden lässt.  Aber auch kleine kämpfende Löwen mit Halbglatze haben es nach Nineeleven nicht leicht mit Einwanderungsbehörden, selbst mit anwaltlicher Unterstützung nicht.

Im letzten Drittel des Films tritt dann noch Tareks Mutter, eine stolze attraktive Syrierin (merkwürdig, Männer werden meist als „Syrer“ bezeichnet, mit wem muss mann denn da ins Bett steigen, um an das „i“ zu kommen?)  in Walters Leben und zwischen beiden entspannt sich innerhalb des bestehenden Chaos so etwas wie eine vorsichtige, feingliedrige Romanze.

Dies muss nicht zwangsläufig auf ein Happy-End hindeuten, aber wir wollen ja hier nicht alles vorwegnehmen. Jedenfalls entwickelt der Film für mich eine ganz eigene Poesie und es lässt einem nicht unberührt, wenn man mit den Schicksalen der abschiebegefährdeten Menschen konfrontiert wird.

An dieser Stelle möchte ich mich dann auch von der eingangs benutzten Formulierung „illegales Pärchen“ distanzieren. Es handelt sich selbstverständlich um zwei Menschen, die niemals illegal sein können, deren Aufenthalt in den USA jedoch keine rechtlichen Grundlagen besitzt. Sprache kann Menschen töten, das geht ganz fix.

Dem Film tut im übrigen auch sehr gut, dass keine wirklich der breiten Masse bekannten Schauspieler agieren, das hätte nur abgelenkt.

Reingehen? Ja! Das nächste Mal kann man sich dann ja wieder diese spritzige Liebeskomödie mit Frau Dings und Herrn Bums anschauen …

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2 Kommentare zu “Cine-Man Teil 2,659

  1. Ach, über deutsche Titel aufregen ist ein Garant für Herzinfarkt, deswegen besser ignorieren 🙂

    Über den Film selber habe ich aber bisher nur Gutes gehört und mit dieser Beschreibung hier, werde ich den auf den jeden Fall im Auge behalten. Kann man den denn auf deutsch sehen?

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