St. Paul

Die Natur, irgendein Gott oder von mir aus auch der große Kürbis haben es so eingerichtet, dass unterschiedliche Lebewesen unterschiedlich lange Lebenserwartungen haben. Zwischen Eintagsfliege und Schildkröte ist so ziemlich alles vertreten.

Kraken ist in aller Regel ein Leben von ein bis vier Jahren vorbestimmt. Nach menschlichem Ermessen recht kurz aber womöglich haben Kraken da ein ganz anderes Zeitgefühl. Krakeriche sterben oft sogar direkt nach einer Paarung (eine bedenkenswerte Alternative zu dem, was sich männliche Homo Sapiens danach oft an tun; Ehe und dergleichen …).

Nun hat es also auch die derzeit berühmteste Tentakelschleuder erwischt: Paul ,das überaus erfolgreiche WM-Orakel aus Oberhausen. Logischerweise wurde seit gestern mittag auch ausführlich in allen Medien darüber berichtet; das ist in der heutigen Gesellschaft durchaus schon als normal anzusehen. Welche Auswüchse dies annehmen kann, konnte ich aber gestern abend im Nachtjournal eines Primatsenders beobachten. Dort lief ein sehr sentimentaler Bericht über das kurze Leben des Calamaro, seine Betreuerin machte im interview einen sehr bedröppelten Eindruck (ich frage mich, ob die Ausbildung zur „Krakenpflegerin“ nicht eventuell doch nur dem Fehlen eines Buchstaben geschuldet war), Passanten äußerten ihr tiefes Bedauern, hin und wieder meinte man ein feuchtes Glitzern in den Augen zu erkennen, irgendwo wurden Oberhausener Flaggen auf halbmast gesichtet und ständig liefen Bilder der jüngst verblichenen armen Krake mit ihren Krakenarmen in Zeitlupe, unterlegt mit Michael Holms „Tränen lügen nicht“ und „Only Time“ von Enya.

Spanien hatte schon Interesse am Leichnam des Glücksbringers geäußert, aber nix da, er wird frittiert  eingeäschert und die Reste an einem würdevollen Oberhausener Ort endgelagert. Dumm auch für Herrn von H., der sicher gerne einen plastinierten Paul in seinem Onlineshop angeboten hätte.

Den jetzigen Ereignissen zufolge muss damit gerechnet werden, dass Paul demnächst heiliggesprochen oder zumindest ein lokaler, wenn nicht gar nationaler Gedenktag eingerichtet wird. Man könnte auch das Oberhausener Stadion Niederrhein in „Pauls Arena“ umbenennen, wie es das Vorbild Gelsenkirchen zu Ehren des seinerzeit verstorbenen Blindschleichen-Maskottchens „Veltin“ getan hatte (ja, war n Witz, isjagut …)

Angesichts dieser Prognosen macht sich in mir eine grundsätzliche philosophisch-psychologisch orientierte Fragestellung breit:

Habt ihr eigentlich alle ein Rad ab???

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5 Kommentare zu “St. Paul

    • An den großen Kürbis glauben … das wäre wohl etwas zu stark formuliert. Aber ich akzeptiere die Möglichkeit der Existenz des großen Kürbisses. Mal ehrlich, im Gottheiten-Check käme er ziemlich gut weg, wenn man mal vergleicht, was der Glaube an andere Gottheiten alles schon so angerichtet hat. So, jetzt muss ich aber dringend meine frischgewaschene Schmusedecke (es war wirklich nötig!) zum Trocknen aufhängen …

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