Lordiot

Die Szenerien, über die sich Generationen von Zuschauern seit vielen Jahren beöm … amüsiert haben, leben unter anderem auch davon, dass sich der sehr geschätzte Herr von Bülow ausgiebig im Leben der Menschen umschaute und die Komik des Alltäglichen fein herausfilterte.

Was Wunder also, wenn man sich in seinem eigenen Alltag hin und wieder in eine Loriot-Situation versetzt fühlen darf, wie auch ich dieser Tage. Nein, man hat mich nicht heimlich bei der Teilnahme am VHS-Kurs „Französisch Jodeln für Anfänger“ erwischt. Es klingelten auch nicht mehrere Vertreter an meiner Tür während ich noch mit dem Haushalt beschäftigt war, bei mir fragte auch nicht der Vatikan bezüglich der Beteiligung an einer Herrenboutique an und schon gar nicht teilte ich mir eine Badewanne mit einem Vorstandsvorsitzenden aus Lüdenscheid.

Meine loriotesque Szenerie betraf die Situaton im Restaurant. Gut ,einige Details wichen ein wenig von der Vorlage ab. Es war ein Café und kein Restaurant (in dem ich übrigens zu jenem Zeitpunkt der einzige Gast war). Es ging auch nicht um die berühmt-berüchtigte Kalbshaxe „Florida“ sondern um Zupfkuchen sowie einen hausgemachten Weihnachtsstollen und die mir von 2 immer wieder die Räumlichkeiten durchquerenden Beschäftgten gestellte Frage war auch nicht „Schmeckts?“ sondern eher ein „Bei Ihnen alles okay?“ in verschiedenen Variationen, dies aber gefühlte 35 Mal innerhalb einer halben Stunde. Mehrfach wurden mir auch die Vorzüge des hausgemachten Weihnachtsstollens angepriesen und ich kam mir beinahe schäbig vor, mich für den Zupfkuchen entschieden zu haben anstatt den sicher sehr leckeren hausgemachten Weihnachtsstollen zu wählen.

Mit Zupfkuchen im Mund spricht man „Zupfkuchen“ übrigens eher wie „Mupfmuhen“ aus. Das wäre mir mit hausgemachtem Weihnachtsstollen sicher nicht passiert.

Eine entscheidende Differenz zum Loriotsketch gab es aber, denn mir platzte nicht irgendwann der Kragen um laut „JAAA!“ zu brüllen, was aber zumindest zu einem Teil daran lag, dass die beiden Beschäftigten plötzlich zum Schneeräumen abkommandiert wurden. Dies hinderte jedoch einen der beiden nicht daran, mir pantomimische Gesten durch das Panoramafenster zu widmen, deren Inhalt auch ein Laie ohne große Mühe als eine „Alles okay?“-Variation  interpretieren konnte. Wie schade, dass ich irgendwann aufbrechen musste. Nun weiß ich wieder nicht, wie es um meine nervliche Belastungsgrenze in der Vorweihnachtszeit bestellt ist.

Mit diesem ausführlichen Einblick in mein abenteuerliches Freibeuterleben möchte ich meine Lesefröschlein in einige wunderbare und liebevolle Feiertage entlassen. Fühlt euch dezent genasstupst!

P.S.: Wer in der Überschrift „Lordidiot“ gelesen hatte, sollte sich was schämen … nun ja, ein klein wenig zumindest …

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Ein Kommentar zu “Lordiot

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