Erstaunt im Januar

Kaum hat das Jahr 2011 begonnen, schon nötigt es mich mehrfach, die Augenbrauen anzuheben und die Stirn zu runzeln.

Zunächst einmal Erstaunen hinsichtlich des neuesten Lebensmittelskandals. Nicht darüber, dass er entdeckt wurde, sondern darüber, dass die meisten und insbesondere diejenigen, die es eigentlich besser wissen müssten, überrascht darüber sind oder es zumindest vorgeben zu sein. Vor einigen Jahren waren es Fische mit Bonusinhalt ,später Wahnsinnssteaks vom Rind und jetzt halt Überraschungseier, die man wegen ihres Dieselgehaltes auch gerne mal in den Tank des Traktors geben kann.

Wenn man vor lauter Liebesdienerei der Weltwirtschaft gegenüber die meisten Kontrollmechanismen herunterschraubt oder sich zumeist dem geringsten Standard anpasst, wenn man viel zu selten Verwendungsnachweise anfordert oder kaum Veterinäre einstellt, muss man sich aber nicht wundern, wenn solche Dinge passieren. Manche würden auch abgehalfterte Uranstäbe an Kälber verfüttern, wenn es möglich wäre. Um mal sinngemäß den Gedankengang eines Twitterers zu zitieren: Wie schade, das ungehemmte Profitgier nicht krebserregend ist.

Man sollte allerdings auch nicht verwundert sein, wenn man eine Packung Eier für einszwanzich kauft und diese dann nicht hohen qualitativen Ansprüchen genügen. Da ist die eigene Nase!

Wir sollten vielleicht wirklich bald auf Lichtnahrung umstellen.

Wesentlich länger als die Erinnerung an den letzten Lebensmittelskandal hält die Erinnerung an manch einen Musiker. Wenn nun aber jemand stirbt, der nur einen einzigen Hit hatte und dies vor über 30 Jahren, dann erwartet man, dass eine Meldung über sein Ableben bestenfalls einen kleinen Mehrzeiler in der Rubrik „vermischtes“ wert ist. Nicht jedoch nun bei Gerry Rafferty. Zwei Tage lang ging die Todesmeldung durch sämtliche Medien und wurde reichlich zitiert und kommentiert, auch bei Zwitscher und dort mehrfach von Menschen, die bestenfalls annähernd so alt sind wie sein One-Hit-Wonder „Baker Street“.

Erneutes Staunen. Möglicherweise hat er aber schlichtweg einmal alles richtig gemacht und die Menschen mit einem Lied tief innen erreicht. So viele können das gar nicht von sich behaupten. In mir regt der Song vor allem Erinnerungen an Zeiten an, in denen ich mit einem Kassettenrekorder und einem Mikro vor dem kleinen Radio saß und die wöchentliche Hitparade mitschnitt in der Hoffnung, dass nicht wieder im besten Moment familienseits „Essen ist fertig!“ in den Song geschrieen wird. Aber danke auch dafür und möge er in Frieden ruhen.

„Baker Street“ wird bestimmt auch nach wie vor von Liebespaaren gehört, womöglich sogar, während sie einem neuen Trend nachgehen, um die Größe ihrer Liebe zu zeigen, nämlich mit ihren Namen und dem Kennenlerndatum gravierte Kettenschlösser an ein Geländer zu ketten und dann den Schlüssel wegzuwerfen. Besonders gerne sollen dafür Brückengeländer genommen werden, weil man dann so schön symbolisch den Schlüssel in die Ströme des sich darunter befindlichen Flusses werfen kann. Und ich habe mich schon gewundert und dachte in der Vergangenheit, derartige Schlösser wären stumme Hinterbliebene eines gelungenen Fahrraddiebstahls.

Wenn aber schon die Zeitung darüber schreibt, muss es wohl ein trend sein.

Hmmm … solche Paarrituale treffen grundsätzlich schon meine romantische Hauptschlagader, keine Frage. Ich frage mich aber, ob ein Schloss mit Kette wirklich ein passendes Symbol für eine Liebe sein kann. Klar, es könnte schlimmeres kommen. Am Ende kommen Pärchen noch auf die Idee, gemeinsam Hühner oder Schweine mit chemischen Abfällen zu füttern.

Ich tendierte sicherlich zu anderen Symbolen … mal überlegen … vielleicht zwei langbrennende Kerzen die aneinandergelehnt angezündet werden und deren jeweils eine Hälfte mit der jeweils einen Hälfte der anderen Kerze verschmilzt, während die jeweils andere Hälfte noch die indivduelle Kerze erkennen lässt.

Naja, da findet sich evtl. noch Besseres. Sobald ich eine überzeugende Idee und ein liebend Herz gefunden habe, werde ich einen neuen Trend kreieren und es euch sogleich wissen lassen, sollen doch die hiesigen Lesefröschlein zur digitalen Bohème gehören …

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8 Kommentare zu “Erstaunt im Januar

  1. Hey, 1,20€ für Eier sind immerhin 0,20€ mehr als manch ein Job wert ist. Und es gibt wirklich eine Zeitung die diese ‚Pächenschlösser-Sache‘ als neuen Trend verkaufen will? Vermutlich berichten die demnächst noch, daß Modern Talking sich getrennt haben.

    • Wie?Was?Getrennt? (O O)

      Ich muss beschämt zugeben, dass diese Sache (Schlösser, nicht MT!) tatsächlich bislang an mir vorbeigerutscht ist. Wahrscheinlich bin echt langsam zu alt oder habe schon zu lange nicht mehr geliebt.

  2. Das mit den Schlössern scheint so ein Fern-Ost-Import zu sein. Malysia? Singapur? Hab das vor längerer Zeit mal irgendwo im TV gesehen. Da gefällt mir deine Idee mit den Kerzen wesentlich besser – wenn auch nicht so langlebig und wenig prädestiniert für die Öffentlichkeit.

    Von Garry Raffertys ableben höre ich jetzt just zum ersten Mal – da kann man mal sehen, was die letzten Tage so alles an mir vorbei gegangen ist. Baker Street weckt definitiv immer noch schöne Erinnerungen. Erste heimliche Disco-Besuche und so ^^ Wenn auch lange nicht gehört, so doch gedanklich immer noch im Ohr.

    P.S. Du hast den aktuellen Dioxin-Skandal und somit die thüringischen Ferkel unterschlagen. Absicht?

    • Mit dem Begriff „Überraschungseier“ sollte eigentlich auch die Dioxinierung eingeschlossen sein. Da die Neubesetzung der „Stern TV“-Moderation bereits geregelt ist, wollte ich hier nicht durch übertriebenen Investigativjournalismus auffallen.

      Meintest Du mit „Ferkel“ eigtl. die Tiere oder die Verursacher? In letzterem Fall wäre die Bezeichnung viiiel zu harmlos.

      Es täte mich ja schon interessieren was verpaarte Menschen (oder Menschen die mal verpaart waren oder dies beabsichtigen oder zumindest schon mal davon gehört haben) als ein gelungenes Symbol ihrer Zweisamkeit empfänden. Aber hier ist wohl zu wenig Traffic, um da einige Ergebnisse zu erzielen.

      Oder? Prove me wrong, Guys n Gals!

      • Mit Ferkel meinte ich schon diese entzückenden, rosa-farbenen Vierbeiner, die auch vom Spieß vorzüglich schmecken ^^

        Da ich zur Spezies der Menschen gehöre, die schon einmal von Verpaarung gehört haben, schon verpaart waren und verpaart sind, könnte ich meine Erfahrungen mit dir teilen – wenn in meinem Fall das Symbol der Verbundenheit aber eher profaner Natur ist. Wir tragen die gleichen Ohrringe, die wir uns einst natürlich gegenseitig reingefummelt haben und die nur rausgenommen werden, wenn es zwingend notwendig ist ^^

  3. Entschuldigung, ich kann leider nichts Sinnvolles beisteuern, weil ich immer noch so über den Kommentar meines Vorgängereis lachen muss.
    (Ja, ich bin heute schon wieder ein schlichtes Gemüt und sehr simpel zu erheitern.)

    • Ich würde die App ja „Eggchegg“ oder „Chicken Check“ nennen.
      Was aber ist zu tun, wenn man diese vorbemalten Eier erworben hat? Ich denke ernsthaft darüber nach, meinen alten Kosmos-Chemiebaukasten zu suchen, auch wenn ich befürchte, dass da bestenfalls noch Kaliumpermanganat übrig geblieben ist. Kann man mit Kaliumpermanganat einen Dioxintest machen?

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