Frankfurt am Meer

Einerseits bekommt man ja bereits seit Jahren eingetrichtert, diese Gesellschaft wäre reizüberflutet und deshalb so abgestumpft. Tausender brutaler Videospiele und vor allem dieses Dings, wo da jetzt alle drin sind … nein, nicht dieses brustaufgepumpte Promiluder, dieses „Internetz“ meine ich, sollen dafür gesorgt haben, dass unser Nervenkostüm schon lange kapituliert hat und unsere Aufmerksamkeitsspanne höchstens … huch, da ist ja ein Eichhörnchen …

Egal, ich denke, es ist klar geworden, was ich meine. Vertreter dieser Ansicht möchte ich nun aber einladen, an einem beliebigen sonnenbegünstigten Januarsonntag nach Frankfurt zu kommen und darüber zu staunen, wie sich tausende Menschen an Ufern und Brücken sammeln, um stundenlang den unüblichen Wasserstand der lokalen Wasserader Main zu betrachten. Es ist dabei nicht so, dass da arg dramatische dinge passieren, Keine panisch schreiende Rinderherde treibt hilflos den Fluss hinunter, kein havariertes Schiff verliert tausende Liter radioaktiv verseuchtes Benzin, es sitzen auch keine weinenden Menschen auf den Dächern ihrer mitten im Wasser befindlichen Häuser.

Die Situation ist vielmehr eher ruhig und beinahe statisch, der Pegelstand war unter der Woche schon mal höher, es wirkt insgesamt eher kontemplativ. Beinahe möchte man vor diesem Hintergrund seine Tai-Chi-Übungen absolvieren.

Solange sich Menschen also stundenlang von recht effektarmen Naturschauspielen noch derart faszinieren lassen, erscheint mir eine Diskussion über Reizüberflutung eher bemüht. Seid ein Stein!

Ich selbst war selbstverständlich nicht aus Hochwassertourismusgründen vor Ort ,sondern weil ich ein wenig im Sonnenschein flanieren und einen Kaffee trinken und anschließend in meiner wiedereröffneten Lieblingsfußballerkneipe (oder heißt es Fußballerlieblingskneipe?) ein wenig begeisterndes Tauschgeschäft (3 Tore gegen 3 Punkte) zwischen Main und Leine ansehen wollte.

Damit auch Nichtfrankfurter wissen, von was ich rede. Das in der Mitte ist der Main, das rechts und links auch und noch ist gar nichts schlimmes passiert …

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6 Kommentare zu “Frankfurt am Meer

  1. Lieblingskneipe die dem Alleinzweck dient dem kolletiven Fußballrausch zu verfallen
    Ach nee … das wäre dann doch zu lang – für Mann ^^

    Dass mit dem Hochwasser ist in der Tat ein interessantes Phänomen. Die Bilder von den großen Hessischen Strömen kenne ich nur via TV, aber ich muss zugeben dass ich – als ich die Tage an Hessens drittlängstem Fluß vorbei um Einkaufen fuhr – auch irgendwie fasziniert von dem Wasserstand und den Überschwemmungen war. Vielleicht ist es auch Faszination gepaart mit Ehrfurcht in Anbetracht der Tatsache, was Wasser doch für eine gewaltige Kraft hat.

    • „Fussipinte“ wäre angenehm kurz …

      Ich will das Glotzen ja nicht grundsätzlich kritisieren, is ja menschlich. Es war aber wohl so, dass in Frankfurt Katastrophentouris die Feuerwehr bei ihrer Arbeit behinderten und auf gesperrte Brücken kletterten und dergleichen, nur um ein geilomates Foto für ihren Facebook-Foto-Account zu haben.

      Das wird dann irgendwann nervig …

      Wenn meine Recherchen richtig waren, meintest Du einen Fluss, der über eine eigente Talsperre verfügt. Dort entlang kann man einkaufen???

  2. Touris, die die Hilfskräfte behindern, finde ich natürlich auch mega-peinlich und gehören rigoros vertrieben.

    Kluges Kerlchen ^^ – eigene Talsperre und Hessens schönster Stausee davor. Direkt am Fluss gibts natürlich keine Supermärkte … tzzz … aber Wege zu selbigen führen fast daran vorbei. Und jaaa … auch in Nordhessen kann man einkaufen 😉

  3. Pingback: Hochwasser « Gedankenchaos

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