Nomen est Omen

ICH BIN EIN KEVIN, HOLT MICH HIER RAUUUUUUUUUUUUS …!

Der Oberhirte Benni Ratze mahnt nun die Elternschaften an, ihren Kindern wieder verstärkt biblische Namen zu geben und sie nicht immer neumodisch Kevin, Cheyenne oder Möbelpolitur zu nennen. Immerhin sei der Vorname ein unverwechselbares Zeichen des heiligen Geistes.

Zumindest ein Zeichen des Geisteszustandes der Eltern, möchte ich ergänzen. Aber hier begegnen wir einer Variation des Huhn-Ei-Problems. Macht der Name etwas mit dem Menschen oder prägt der Mensch den Namen? Es ist sicher kein Zufall,  dass die Verwendung des Vornamens „Adolf“ seit den späteren 40er Jahren massiv zurückgegangen ist, nachdem er es bei den beliebtesten Vornamen der 30er Jahre immerhin bis auf Platz 44 geschafft hat, zumindest inoffiziellen Quellen zufolge.

Des weiteren muss ich zugeben, dass Schakkeline zu meiner Jugendzeit noch kein Synonym für ein Plattenbau-Pummelfrettchen im rosa Jogginganzug war. Vielmehr stellte man sich vor, dass Jacqueline mit ihren Freundinnen Brigitte, Chantal und Jeanette in einer Model-/Schauspielerinnen-/Flugbegleiterinnen-WG im 6. Arrondissement von Paris lebt und ihre Tage vorwiegend damit verbringt, ihre schicken Beine lasziv aus der Badewanne hängen zu lassen, wenn sie nicht gerade an der Croisette urlaubte.

Früher hätte ich bei „Fritz“ , „Karl“, „Max“ oder „Hannes“ an die Freunde meines Opas gedacht, die mit dem stinkenden Zigarrenstumpen. Heute sind das wieder Hosenscheißernamen … und ich meine damit nicht inkontinente Senioren!

Früher war „Mario“ typisch für einen gelhaarigen Eiscafebetreiber oder Pizzabäcker. Heute besteht die Gefahr, dass dahinter ein Mittelmaßkomiker steckt, der sein Pulver schnell verschossen hat und nun Leute für die Nutzung von Sprüchen abmahnen lässt, die er selber mal geklaut hat. Dafür ist dann der Gelhaarige jetzt Selbstverteidigungsminister.

Zeit macht etwas mit den Namen, Namen machen aber auch etwas mit Zeit und Menschen.  Wer „Theophilus Fürchtegott“ heißt, wird schon sehr früh wissen, wie nasser Sand schmeckt. Selbst jedoch bei unauffälligen Namen wie „Bruno“ können gesellschaftliche Komplikationen entstehen; zumindest wenn das Kind ein Mädchen ist.

Man sollte jedoch nicht allzusehr im Klischee verharren. 2010 findet sich auf der inoffiziellen Namensstatistik Kevin erst auf Platz 40 und Jacqueline ist überhaupt nicht in den ersten 200 vertreten (Chantal immerhin auf 122). Stattdessen heißen die Kinder heute gerne mal Leon oder Lena, Finn oder Laura, Niklas oder Mia und warum auch nicht? In anderen Ländern heißen Kinder übersetzt auch mal Fluss oder Hattemalwasmiteinembären.

Sollte ich selbst mal in die Verlegenheit kommen, Namen vergeben zu müssen, wäre ich aus Sorge um das Kind nicht allzu exotisch (Meine Kinder bräuchten keine besonderen Namen um besonders zu sein), vermiede aber möglichst auch die aktuellen Top 20. Es ist nicht allzu lustig, wenn noch zwei, drei andere Kinder in der gleichen Klasse den selben Vornamen tragen, so wie ich das erleben musste (Ja, damals hießen sehr viele Kinder noch „Lord“!).

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4 Kommentare zu “Nomen est Omen

  1. Aber nur wenige hießen Gaylord! Die arbeiten aber jetzt entweder in der Friseurbranche oder als Flugbegleiter.

    Ist es nicht trotzdem ein schöner Gedanke, wenn demnächst auf dem Spielplatz zu hören ist: „Jesus, tu nich den He-Seh-Ki-Ell hauen, der holt sonst wieder den Barthimäus, und dann gibt’s wieder auf die Fresse! Und kuck nich dauernd der Abigail untern Rock!“

    • Delila, zieh den Samson nicht immer an den Haaren!

      Pass schön auf Abel auf, wenn ihr über die Straße geht, Kain!

      Judith! Du sollst nicht mit Holofernes‘ Kopf spielen! Schließlich sind wir Helden!

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