Kill ‚em all!

Abspänne (Plural korrekt?) bei Filmen haben nicht nur eine informative Funktion, auch wenn es für einige Cineasten natürlich von Wichtigkeit ist, zu erfahren, wer Best Boy oder Gaffer war oder ob da wirklich „Yesterday“ im Film gespielt wurde. Sie geben dem Zuschauer auch die Gelegenheit, sich  langsam wieder von der Kunstwelt der laufenden Bilder zu lösen und Hirnzelle für Hirnzelle in die Ansammlung von Banalitäten und Absurditäten, kurz: Realität, hineinzufinden.

Je nach Filmgenre wird dann noch das eine oder andere Tränchen weggewischt, man philosophiert noch ein wenig vor sich hin oder versucht zu verstehen, was einem der Regisseur mit diesem unerwarteten Filmende wohl sagen möchte. Außerdem ermöglicht es einem die noch vorhandene Dunkelheit, den obersten Hosenknopf wieder zu schließen oder mal wieder auf die Suche nach seinem aus der Jacke gefallenem Handy zu gehen, ohne dass allzuviel Aufmerksamkeit auf einen gelenkt wird.

Eine grundsätzlich segensreiche Einrichtung und wer es eilig hat, kann sich ja über mehrere Paar Füße stolpernd und das Handy einer anderen Person ungewollt vor sich her kickend aus dem Saal verabschieden.

Das alles ist aber unseren eher kommerziell orentierten Fernsehsendern eher egal. Nicht nur, dass ein Film je nach Aktualitätsgrad und Beliebtheit 2 bis 27 mal für Werbespots unterbrochen wird, nein, man spart sich Abspänne in Gänze und wirbt stattdessen mal schnell für Hämorrhoidensalbe oder Versicherungen gegen Fußpilz.

Besonders anschaulich war dies heute mal wieder zu beobachten bei einer Wiederholung von „Der Club der toten Dichter“. Man erinnere sich, die Schlussszene zeigt eine Schulklasse, die getrieben vom Zwiespalt zwischen Disziplin und der Dankbarkeit für die  Erweiterung ihres Horizontes fast geschlossen auf ihre Schulbänke steigt, um ihrem geschassten Lehrer eine letzte Ehre zu erweisen. Ein durchaus nicht ganz unepischer Filmmoment. Und noch während die Kamera auf dem traurigen Gesicht von Robert Sean Leonard verweilt, der zu diesem Zetpunkt noch nicht wusste, dass ihm noch ein jahrelanges Martyrium an der Seite eines gewissen Dr. House bevorsteht, wird der Film einfach abgeschnitten und der liebe Zuschauer daran erinnert, dass er garantiert noch nicht ausreichend versichert ist oder ruhig noch ein drittes Haus finanzieren könnte.

Was kann einem auch nur annähernd cineastisch orientierten Menschen in diesem Moment anderes wiederfahren, als dass sich in seinen Eingeweiden, in jeder Faser seiner Körpers bis in seine überweltliche Aura hinein eine unüberschaubare Menge an HASS! aufbaut?  Abgrundtief böser, in einer sauren, übelriechenden, alles verzehrenden Flüssigkeit schwimmender Hass. Mögen die Verantwortlichen mindestens 127 Stunden in einer Felsspalte eingeklemmt sein und sich nur befreien können, indem sie sich einen Arm abschneiden und … oh, hoppla, ich gerate hier soeben in eine andere Geschichte …

Liebe Lesefröschlein, tut euch und eurer Seele bitte einen großen Gefallen und schaut euch bewegende Filme im Kino, auf DVD oder zur Not auf diesen GEZettsendern an! Es hilft.

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9 Kommentare zu “Kill ‚em all!

  1. Jackie Chan versteckt in seinen Abspännen ja immer die fehlgelaufenen Szenen. Andere Filmemacher setzen noch eine einzelne Szene direkt nach den Abspann. Aber geriatrische Matratzenpullerverhinderungsmittelchen sind wohl wichtiger, damit man sie den auf die Toilette eilenden Frührentnern in doppelter Lautstärke hinterherbrüllen kann. (Damit haben wir auch die Erklärung, weshalb die Werbung immer mit hörsturzverursachender Lautstärke ausgestrahlt wird)

      • Ups … nu isser wieder da ^^ Wollte grad schreiben, dass sich der Button möglicherweise selbst elininiert hat, als du dieses Voting-Dingsda aktiviert hast.

        P.S. Das Like-Knöpfchen ist mir dann doch sympathischer als dieser Voting-Kram. Klingt so nach DreckFrosch for Bundeskanzler – oder so. Äääh… nee … will mich ja jetzt nicht um Kopf und Kragen reden.

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