Sehrvice

Kundin: „Mein Mann hat kurze Arme und ist etwas voll in den Hüften“

anderer Kunde: „Oh, das tut mir leid!“

Wäre ich jemand, der VerkäuferInnen in Begleit … hoppla … Bekleidungs- oder Schuhgeschäften ausbildet, ich bestünde nicht darauf, zu erwähnen, dass sich die Hose durch das Eintragen der Sitzfalte im Gebrauch noch wahlweise senkt oder hebt. Vielmehr nämlich brächte ich meinen Servicekräften bei, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen ungezwungener Beratung und diskreter Zurückhaltung zu erlernen.

Das genaue Beobachten der eintretenden und umherschweifenden Kundschaft sollte hierbei Kern eines serviceorientierten Verhaltens sein. Ein suchender Blick des Kunden, sein Umherirren, ständiges Amkopfkratzen (gut, das könnte auch auf Schuppen oder Läuse hindeuten) oder ein offensichtliches Hineinzwängen in spürbar zu kleine Kleidungsstücke sollte durchaus einen Beratungsreflex bei den Angestellten auslösen.

Ganz unangemessen ist es jedoch, bei einer Kundin oder einem Kunden bereits 10 Sekunden nach Betreten des Geschäftes, zu einem Zeitpunkt also, in dem der Betroffene sich zunächst noch orientieren muss, ob er nicht versehentlich in einer Bäckerei oder U-Bahn-Station gelandet ist, nachzufragen, ob man denn zurechtkäme oder dergleichen. Dies sollte gefälligst unterbleiben.

So schwer kann das doch nicht sein!

Das nächste Mal, wenn ich bereits nach Verlassen der Drehtüre angesprochen werde, äußere ich im besten Fall den Wunsch nach 200 Gramm Aufschnitt, bei schlechter Laune werde ich von meiner Indensenkelstellfähigkeit Gebrauch machen. Vielleicht frage ich auch, ob es ein beliebig herausgewähltes Kleidungsstück auch in „S“ gibt und wenn dann die vorsichtige Nachfrage kommen sollte, ob ich denn der Meinung wäre, „S“ sei meine Größe, lasse ich ein Donnerwetter über Diskriminierung von Kunden inkl. dem Verlangen nach einem Vorgesetzten los, das sich gewaschen hat.

Ich hoffe, wir haben uns diesbezüglich verstanden …

(Ich schreibe hier übrigens über Läden, die überwiegend von Erwachsenen betreten werden. Die H&ZaPinkie-Teenieschuppen, wo einem die kaugummikauende Verkäuferin, die auch eine Kundin sein könnte, ein „Alles klar?“ zuruft, ohne von ihrem Nagelfeilen abzulassen, erwähne ich erst gar nicht)

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2 Kommentare zu “Sehrvice

  1. Warum springt mich keine Servicekraft an, wenn ich ein Bekleidungsgeschäft betrete? Sehe ich kompetent aus und kann man deshalb davon ausgehen, dass ich weiß, was ich tue? Bin ich von Natur eher gruselig und es traut sich keiner? Liegt es daran, dass sich mein Begleiter jedesmal, wenn wir einen Laden betreten, neben den BHs aufbaut und „BEDIENUNG!!“ schreit?

    Die meisten Bekleidungsfachgeschäftsmaiden kennen Loriot übrigens gar nicht und gucken, als hätte man sie gerade gefragt, ob sie sich auch brav die Beine rasiert haben… schade… seeehr schade…

    • Anspringen? Nun, so körperlich ist es glücklicherweise nicht. Ich neige schon zur ersten Überlegung. „Mann in Bekleidungsgeschäft? Is ja wie’n Blinder bei Farben-Schmidt!“ Und schon springt der Rettungsmodus an …

      Die BH-Nummer ist ja geschickt. Verstehe schon, Geschenk für die Frau, welche Körbchengröße? Tja, puuhh, keine Ahnung, so ne Handvoll? … So wie ihre? Hmmmjooahhh, vielleicht … UND DABEI QUASI LEGAL DIE EUMEL ANSTARREN!

      Muss ich mir merken …

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