Unterwasseratmen

Eine verzweifelte Andrea Saw.atzki unternimmt einen Selbstmordversuch …

Nein, nicht, weil sie bei „Let’s Dance“ rausgeflogen ist und eigentlich auch nicht sie, sondern …

Ach, fangen wir lieber von vorne an:

Auf dem Kulturrettungskanal 3sat geht es diese Woche um Leben und Tod, genauer genommen um die letzten Dinge, um Nahtoderfahrungen, Hinterbliebene, dem Umgang mit dem Tod und dergleichen mehr. Das Ganze in Dokumentationen und Diskussionen aber auch mittels einiger Spielfilme.

Am Dienstag lief deshalb in diesem Zusammenhang der Film „Vom Atmen unter Wasser“, eine deutsche Produktion aus dem Jahr 2008, die zeigt, was der gewaltsame Tod der Teenagertochter mit der übriggebliebenen Familie macht.  Ein Jahr ist vergangen, das Kind lange begraben, der Täter gefasst, die schrecklichen Umstände geklärt. Back to Business also? Keineswegs!

Die Mutter, gespielt von Frau Sa.watzki, versucht, sich das Leben zu nehmen und kann gerade so noch gerettet werden. Daraufhin bittet der Vater den älteren Sohn, der eigentlich schon zu Studiumszwecken ausgezogen war, wieder nach Hause zu kommen, um die Mutter nicht alleine zu lassen, die zwischen Apathie, Verzweiflung und Aggression pendelt und bei der eine Therapie bislang nichts bewegen kann. Der Sohn ist von dieser Rollenzuweisung keineswegs begeistert, zumal er sich immer als das ungeliebtere Kind fühlte, dem weitaus weniger nachgesehen wurde als der jüngeren Schwester.

Auch der Vater kann mit dieser Situation nicht gut umgehen und flieht in eine heimliche Beziehung mit einer Frau, die weder von seiner Familie noch den Vorgängen etwas weiß. Somit kann er zumindest stundenweise so tun, als hätte er ein unbeschwertes Leben.

Der Sohn beginnt eine Romanze mit der ehemals guten Freundin der Schwester, bis Mutter Sa.watrzki herausfindet, dass diese durch ihr Verhalten auf einer Party die Umstände begünstigte, die zum Tod des Mädchens führten. Auch die heimliche Affaire des Vaters wird entdeckt, er muss auch seiner Freundin seine Vergangenheit offenbaren. Schließlich scheint nur eine kleine „Verzweiflungstat“ des Sohnes die Dinge ein wenig bewegen zu können, sodass dem Zuschauer zumindest die Ahnung bleibt, hier könnte irgendwann doch wirkliche Verarbeitung einsetzen. Von einem Happy End kann bei der Konstruktion des Films sicher keine Rede sein, aber auf mich wirkte er sehr authentisch.

Die Art des (Nicht)-Umgangs mit den Geschehnissen, die Fehlbarkeit der Protagonisten, die immer wieder durchsickernde Erkenntnis, dass es kein Patentrezept für den Umgang mit solchen Katastrophen geben kann, machte ihn für mich zu einem der wirklich guten Filme. Das Auseinanderdriften der zurückbleibenden Familie, das qualvolle Schweigen, die Wut auf irgendwas, der immer wieder stattfindende Versuch der Mutter, die Dinge zu verstehen, indem sie beispielsweise den Ort der Tat aufsucht, der immer wieder begonnene und genauso oft scheiternde Versuch, durch Schuldzuweisungen das Leid zu mindern, all das erscheint mir sehr nachvollziehbar.

Denjenigen, die große Probleme mit der Schauspielerei von Frau Sa.watzki (welche ich in dieser Rolle durchaus glaubwürdig fand) haben, kann ich nur raten, sich vergleichsweise vorzustellen, welche Qual für den geneigten Zuschauer es hätte sein müssen, wären die Damen Ve.rres oder Neub.auer an diese Rolle geraten.

Falls er in der Mediathek zu finden ist oder demnächst wiederholt wird, kann ich nur zum Anschauen raten …

Danach bot sich übrigens noch eine Halbzeit lang die Gelegenheit, zuzuschauen, wie der F.C. Internazionale Milano sein blauweißes Wunder erlebte, selbst als Nichtschalker, hihi …

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2 Kommentare zu “Unterwasseratmen

  1. Ich habe leider nur den Anfang gesehen (hoffe den Film aber irgendwann mal ganz zu sehen). Und ich finde auch, dass Frau Sa.watrzki sehr gut in die Rolle passte. Bei der Vorstellung von Frau Ve.rres schüttelt es mich gerade zu, nee, nee, lieber nicht.

  2. Man muss so etwas wohl am eigenen Leib erfahren habe, um es wirklich nachvollziehen zu können – Frau S. hat es auch meiner Meinung nach sehr authentisch rübergebracht. Ein eindringlicher und bewegender Film – definitiv.

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