Vermischtes

Die Straße zwischen meinem und dem Nachbarort hatte mal ihre große Zeit, da war sie hochoffiziell Teil einer der längsten Bundesstraßen Deutschlands. Seit einigen Jahren ist das aber vorbei, da kam 150m weiter die neue, große Verbindungsstraße, die direkt an diverse Autobahnen anknüpft. Seitdem führt sie ein vergleichsweise ruhiges Leben als Kreisstrasse.

Der frühere Rastplatz wurde gesperrt, die pralle Natur scheint die Straße mehr und mehr zu veschlingen. Derzeit grünt und blüht es um sie herum, als würde jemand dafür bezahlen. Der dezente Strom der dort noch verkehrenden Autos stört die Natur kaum, Vögel zwitschern ihre Lieder, Pflanzen recken sich gen Himmel, hier und da hoppeln Hasen über die Felder, gelegentlich erfolglos verfolgt von dort gassigehenden Hunden.

Vor einigen Tagen wurde es für einen kurzen Moment sehr laut. Ein Quietschen, ein Krachen, Metall auf Metall, dann wieder für einige Minuten Ruhe, dann wieder laute und blinkende Sirenen und stundenlange Hektik. Am Abend jedoch, als ich dort vorbeifuhr, war wieder alles ruhig und nur noch einzelne Fragmente und ein paar Kreidestriche erinnerten an das Geschehene.

Seitdem wartet ein kleines Kind im Nachbarort von da an in alle Ewigkeit, dass seine 25jährige Mama wieder nach Hause kommt und die Zeitungen schreiben das übliche „aus bislang ungeklärter Ursache“.

Unter der Rubrik „Vermischtes“ oder „Kurzmeldungen“ findet man so etwas dann, die Titelseiten bleiben selbstverständlich für schwanzgesteuerte Politiker oder Terrorgemüse reserviert; schließlich ist ja nur für wenige Menschen eine Welt untergegangen.

In einigen Haushalten werden Menschen beim Zeitunglesen darüber nachdenklich, der morgendliche Abschiedskuss ist intensiver und länger als üblich und manch einem entfleucht ein „Fahr vorsichtig!“ wo sonst ein „Denkst Du an die Kartoffeln?“ folgt.

Fahrt vorsichtig!

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4 Kommentare zu “Vermischtes

  1. Sehr traurig. 😦 Und so was passiert mehrere tausend mal pro Jahr allein in Deutschland.
    Wobei, was größere Artikel in der Zeitung betrifft, ist das ein zweischneidiges Schwert. Ich weiß, wovon ich spreche, ich habe so was selbst durchmachen müssen und in der Lokalzeitung war damals ein relativ großer Artikel mit Foto vom Autowrack. Das war in der ganzen Trauer dann noch mal wie ein Tritt. (Mögen andere anders empfinden, mir ging es aber damals so.) Auch glaube ich nicht an die abschreckende Wirkung solcher Bilder, weil die meisten doch eher nach dem Motto ticken „mir passiert so was nicht, ich bin ein super Autofahrer“. Gerade die Raser denken doch so.
    Einziges Mittel: Für Leute, die wirklich bei unverantwortlicher Raserei ertappt werden, 10 Jahre Führerschein weg. Die einzige Sprache, die viele verstehen… (Ich rede hier nicht von einer Überschreitung von zehn Stundenkilometern, aber wenn ich bei uns sehe, wenn manche mit 120 Sachen enge, kurvige Deiche entlangkacheln — weg mit dem Lappen, nicht nur 1 – 3 Monate!!)

    • Die Abschreckung wäre sicher nur vorübergehend. Ich denke auch nicht, dass so etwas auf Titelseiten gehört. Es ist nur manchmal absurd, wie so ein Vorfall, der zumindest für eine Handvoll Menschen lebensverändernd ist, zwischen Meldungen platziert wird, bei denen auf die Jahreshauptversammlung der Kaninchenzüchter hingewiesen wird oder bekanntgemacht, dass für das Sommerstraßenfest die berühmte Countryband „Eddie Montana and the Weasels“ verpflichtet werden konnte …

  2. Sehr tragisch natürlich für das kleine Kind aus dem Nachbarort, für Verwandte und Freunde und wie du ganz richtig bemerkst stimmen einen solchen Meldungen für den Moment nachdenklich – wohl auch, weil man sich seiner eigenen Sterblichkeit gerade in solchen Momenten sehr bewusst wird. Denke aber, dass diese Art von Nachdenklichkeit, eigener Vorsicht und die „Ermahnung“ an nahestehende Menschen oft nicht lang anhält, wenn man persönlich nicht betroffen ist/war – leider.

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