Jobwunder

Es musste sich doch irgendwie zeigen, dass meine Tageszeitung von einem Konzern übernommen wurde, der eine erkleckliche Anzahl von Büchern aus den Bereichen Kunst, Kultur, Design verlegte. Es konnte sich doch nicht auf die Zusammenlegung von Berliner und Frankfurter Redaktionen bei entsprechendem Stellenabbau beschränken.

Ein poetischer, künstlerischer Geist hätte Einzug halten können, war bislang aber nicht zu erkennen. Bis gestern. Da zeigte er sich, jedoch nicht im Feulle … Feuje … Sportteil, sondern an unerwarteter Stelle, genauer gesagt, bei den Stellenanzeigen. Das Blatt sucht höchstselbst, und zwar einen … *räusper* „Guten-Morgen-Macher“.

Wenn das mal kein Traumberuf ist! Und von solch einer poetischen Strahlkraft umgeben. Wer möchte keinen Guten-Morgen-Macher um sich haben? Auch für die Job … nein, ich sollte sagen Berufenen wirkt das doch wie die von Feenstaub umzuckerte Erfüllung ihrer Existenz. Da dächte sogar manch Prinzessin über einen Beschäftigungswechsel nach.

Eines muss ich allerdings zugeben: Es mag meiner verwöhnten Kindheit geschuldet sein, in der ich täglich einen ganzen Apfelkrotzen für mich allein hatte, aber meine Vorstellung eines guten Morgens erschöpft sich leider nicht darin, morgens um 6 etwas Papier ins Rohr gesteckt zu bekommen. Für mich gehören zu einem guten Morgen mindestens auch Sonnenschein, Kaffee, frische Brötchen, Saft und eine mich liebevoll wachkraulende Hand. Vor allem aber sollte ein guter Morgen ARBEITSFREI sein. Hier besteht m.E. also noch eine gewisse Soll-Ist-Diskrepanz, aber was nicht ist, kann ja noch werden, seien wir also hoffnungsvoll …

Hey, Rundschau, sucht ihr demnächst auch noch Verstärkung für eure Inkasso-Abteilung? Einen Leichtermacher eventuell?

Ach, und noch was: Ihr könntet auch noch ein wenig Verstärkung in der Endabnahme gebrauchen, dann hätte der folgende Satz im heutigen Leitartikel über die vermuteten Ursachen der britischen Unruhenächte so wohl nicht überlebt:

„Es gärte lange unter der Oberfläche der Gesellschaft, aber außer ein paar Popstars traute sich niemand, das anzusprechen. ‚I predigt a rotzot‘ sangen die Kaiser Chiefs aus Lieds …“

Stand wirklich ge-nau-so in der Zeitung. Etwas zu viele Fehler, um es mit Technikversagen  erklären zu können. Liebe Rundschau, ihr habt einen kleinen Rotzoluzzer in euren Reihen, hihi …

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10 Kommentare zu “Jobwunder

  1. Seufz. Und er/sie hatte auch noch das „i“ in den Chiefs vergessen… Das ist jetzt schon auf dem besten Weg, ein Klassiker zu werden. Und eigentlich der ideale Fall für die neue Euphemismus-Abteilung der FR. Apfelkrotzen ist übrigens ein tolles Wort.

    • Finde ich auch. wenn ich mal meine Memoiren rausbringe, nenne ich sie womöglich „Apfelkrotzenjugend“.

      Mittlerweile hat sich die FR ja lapidar entschuldigt, von wegen wildgewordenes Korrekturprogramm. Jaja, wer’s glaubt …

      Ist Magenta eigentlich auch bloggenderweise oder in vergleichbarer Art unterwegs? Bin neugierig und wünschenswert wäre es …

  2. Ach je, mein Leben ist derart ereignislos, damit möchte man ja keinen potenziellen Leser langweilen. Außerdem gibt es so viele interessante, witzige, tiefsinnige und clevere Blogs (ja, dazu zählt auf jeden Fall der Ihre, und nein, das ist kein Honig ums Maul geschmiert), ich aber würde bestenfalls etwas Lauwarmes zustande bringen. Not my cup of tea. Tatsächlich ringe ich aber seit einiger Zeit mir mir, ob ich mir nicht doch endlich einen Zwitscher-Account zulegen sollte – und sei es nur, um all den Unsinn loszuwerden, der einem so viertelstündlich durch den Kopf schießt.

    • Ich mag ja Honig …

      Die Anschaffung eines Zwitscheraccounts kann ich nur nachdrücklich empfehlen. Endlich gibt es einen Platz, wo ich den ganzen Un- und Irrsinn, der sich in meinen Synapsen breitmacht, loswerden kann und ich muss ihn nicht mehr halblaut in der S-Bahn vor mich hinbrabbeln, was doch meist ein ungünstiges Stirnrunzeln bei Anderen hervorrief.

      Und dann erst der Unsinn der Anderen, an dem man teilhaben darf … also nur zu, hier ist schon ein Follower!

  3. Apfelkrotze scheint was typisch hessisches zu sein – ob man das überhaupt sonstwo in der Republik sagt? *grübel*

    P.S. Dass man immer öfter in großen renommierten Tageszeitungen auf solche Art grober Patzer stößt, ist schon mehr als bedenklich. Aber nun… wäre alles vollkommen, gäbe es auch weniger Aufhänger.

    P.P.S. Deine Vorstellung von einem „Guten Morgen“ hat was. Wir sollten doch heiraten – aber nur, wenn du mir allmorgentlich den Kaffee ins Schlafgemach bringst ^^ *breitgrinsendesgelbesetwasmitzwinkerauge*

    • Natürlich fühle ich mich ob des Heiratsvorschlags wieder geschmeichelt aber so exotisch scheinen mir meine Guten-Morgen-Inkredenzien nicht zu sein. Ich glaube, eine Vielzahl Menschen könnte sich damit anfreunden; jedenfalls eher als durch einen Schwall kaltes Wasser, wild klingelnde Zeugen Jehovas oder einen Rattenbiss in den großen Zeh geweckt zu werden.

      • Nicht exotisch, aber du bist ein Mann und weißt einen soliden Start in den Tag trotzdem zu schätzen – das spricht eindeutig für dich ^^ Außerdem bin ich eh gerade schrecklich Männerlos.

        Bisse in die Großzehe sind ja auch überaus unerotisch. Wie wär’s mit zärtlichem Knabbern am Ohrläppchen?

  4. Einfach eine Tüte Dallmeyer Prodomo hinschicken und dann war’s das. Heutzutage weiß doch jeder, dass Job Descriptions und Offers gewürfelt werden.

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