tiefblau/höllenbrut

In irgendeiner Form haben doch sicher die meisten von uns schon Techniken gelernt oder bereits verinnerlicht, wie man sich ein wenig aus dem stressigen Alltag herausnehmen kann und den zu kurz gekommenen Bedürfnissen von Seele und Körper Beachtung schenkt, sein Innerstes pflegt, lernt, Psychosomatisches von Somatopsychologischem zu trennen, sich wieder eins macht mit Raum und Zeit, seinen Horizont wieder auf 16:9 stellt und eine entspannte tiefblaue Klarheit in das Ich Einzug halten lässt.

Man tut dies vielleicht mittels Yoga oder Qi Gong, autogenem Training, Knaus-Ogino Tai Chi oder progressiver Muskelrelaxation nach Jacobsen, eventuell gibt man  sich auch einfach der Meditation hin, zumindest soweit es einem in der verkopften westlichen Zivilisation möglich ist oder lässt sich kunstvoll massieren.

Ich kann z.B. wunderbar auf einer Anhöhe sitzend mit Blick auf einen großen See oder das Meer entspannen, dabei vielleicht noch dezente sphärische Musik oder dergleichen im Ohr. Ich habe eine App mit diversen Geräuschen wie Regen oder Vogelpfeifen, bei der man sogar Sounds kombinieren kann. Aber jeder hat da seine eigenen Favoriten. Gerne stelle ich mir eine tiefblaue Kugel vor, in die ich mich langsam hineinbegebe, ein Teil davon werde und mich ganz entspannt im Hier und Jetzt und im Einklang mit Allem fühle.

Dann atmet es mich.

Gleichmäßig ein und aus, das Leben in jeder Faser spürend.

Woran es mir jedoch noch hapert: Ich schaffe es leider immer noch nicht, mich spontan in einen solchen Zustand des inneren Friedens zu versetzen, wenn ich mir mit den Finalisten des Stinkfurzrülpscontests einen Aufzug teilen muss, im Mediafachmarkt mit schlimmstem 90er Ballaballatechno zugedröhnt werde oder in die tägliche Vollversammlung der Autofahrerspacken gerate. Da ist dann meine imaginäre Kugel nicht tiefblau und friedvoll sondern metallen, steckt mit vielen Artgenossen in einem Maschinengewehr und wartet auf Auslauf.

Aber ich arbeite daran … zumindest schaffe ich es bereits, mir vorzustellen, wie ich erleichtert und friedlich in einem Boot sitze und Schmetterlinge um mich flattern, nachdem ich diese Hohlpfostenvereinigung niedergemetzelt habe. Das ist der Buddha in mir …

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7 Kommentare zu “tiefblau/höllenbrut

  1. Also wenn SIe das auch haben, dann ist das normal, dann muss ich mich über mich gar nicht wundern.
    By the way: Versuchen Sie mal Autogenes Training im Fahrstuhl, das geht logistisch schon gar nicht. Außerdem gucken die immer so blöd, wenn man sich hinlegt und die Augen zumacht… Das Gleiche bei PMR (nicht zu verwechseln mit PMS).
    Frau Müller, derzeit mittig, grüne Wiese, kein Horizont.
    Ommmmmmm…….

    • Namaste!

      Hihi, AT im Aufzug, das wäre ja eine beinahe lorioteske Situation:

      Ich: „Mein linker Arm ist ganz schwer“
      Mitfahrer „Oh, das … ääh … tut mir leid.“

      Bei mir funktioniert PMR deutlich besser, aber da ich mich leider nur unregelmäßig dazu aufraffen kann, verinnerlicht der Körper die Entspannungsautomatik nicht so recht und es dauert ewig, bis ich alle Körperpartien durchhabe, was mitunter dazu führen kann, dass ich von den Entspannungsübungen schon wieder genervt bin.

      Es ist ein Teufelskreis …

      Mich als Normalitätsindikator anzusehen ist übrigens durchaus eine mutige Entscheidung.

  2. Drauf gepfiffen. Was raus muss, muss raus. Mag ja sein, dass es Leute gibt, die in solchen Situationen den flügellahmen Kranich turnen und danach selig lächelnd abdrehen – aber nichts ist besser für den inneren Frieden als einem Vollpfosten die Meinung zu sagen (aber ohne Pumpgun, wenn’s geht)

    • Es ist nicht ganz einfach, einem Menschen seine Ausdünstungen vorzuhalten. Im Straßenverkehr hingegen ist es sehr schwer, an die heranzukommen, die es verdient hätten, ohne polizeibekannt zu werden.

      Der wütende Flamingo ist da eine gute Übung zum Aggressionsabbau … oder das zermalmende Krokodil … oder das rotierende Messer …theoretisch …

      • „Fall tot um, du hirnloser Bastard“ aus dem Autofenster zu brüllen, geht praktisch immer, und ich bin ziemlich sicher, dass man dafür nicht in den Knast kommt. Gesegnet seien die elektrischen Fensterheber, bis ich früher das Fenster runtergekurbelt hatte, war ich schon nicht mehr wütend und/oder der Delinquent verschwunden. Was Geruchsbelästigungen angeht, muss ich Ihnen allerdings recht geben: Das ist sehr schwierig, egal ob Fremder oder der Freund. An der Stelle würd‘ ich’s vielleicht auch mal mit der wimmernden Eule versuchen

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