Herbstzeitlose(r)

Dieser 2011er-Sommer ist ein rechter Schlingel. Bereits im April/Mai ordentlich vorglühen, dann in den klassischen Sommermonaten die Menschen mit ihren Open-Air-Theatern/Kinos/Biergärten und Freibädern schön im Regen stehen lassen und schließlich, wenn schon alle die Winterreifen aufziehen lassen, nochmal ordentlich Nachschlag geben. Nachspielzeit für T-Shirts, Flipflops, Apfelschorle und Zitroneneis. Nur das mit den spät einsetzenden, lauen Nächten funktioniert nicht mehr so richtig.

Also ab in den Park! Natürlich kann man nichts gegen unumstößliche Naturgesetze tun, demzufolge lässt sich auch heute 76 Sekunden nach meinem persönlichen Platznehmen eine Jungfamilie mit hysterisch und laut schreiendem Baby direkt neben mir nieder. Meistens halte ich es aus oder höre gekonnt darüber hinweg, heute jedoch war keiner dieser Meistens-Tage, also rascher Tischwechsel.

Nunmehr am Nachbartisch Treffen der Golden Girls. Harmlos. Es werden Hochzeitsbilder der Enkel herumgezeigt. Die klassische Hochzeitsfotosituation, Hübsche Frau im blendend weißen Hochzeitskleid auf halber Höhe zu Mann. Wird nicht das letzte Mal sein … Ich kann die begleitenden Gedanken und Gefühle förmlich noch bei mir spüren, eine Mischung aus Stolz und überwundener Angst, er interessierte sich eventuell gar nicht für Frauen. Später Diskussion über wenig freigiebigen Bekannten, die in dem Statement mündete „Die mit dem meisten Geld sind die Geizigsten!“. Ursache und Wirkung, Ladies.

Dem sich an einem weiteren Nebentisch niederlassenden jungen Herren im lila Shirt hätte ich mal kurz stecken sollen, dass ein lässiger Gang nur dann eine Chance hat, ein solcher zu sein, wenn er nicht so sehr gewollt ist. Das sah eher nach akuter Hüftdysplasie oder unmittelbar bevorstehendem Coming-Out aus. Aber was kümmerts mich …?

Eigentlich wollte ich ja etwas lesen, eine Geschichte über einen Teddybären, der am gleichen Tag wie ich Geburtstag hat, aber Sonne macht mich immer schnell passiv und ich verfiel alsbald in einen leicht dämmernden Zustand. Für gute 20 Minuten schob sich der Stamm eines Baumes zwischen mich und die Mittagssone (zugegeben, diese Formulierung opfert biologische und physikalische Genauigkeit der literarischen Freiheit) und gönnte mir eine kleine Grillpause.

Von der nicht allzuweit entfernten Straße plärrt Musik aus einem offenen Wagen herüber. Ich erkenne das aktuelle Stück von Bosse, das mir bereits am Donnerstag beim zeitweise verfolgten Bundesschlimmersongcontest als eines von wenigen positiv auffiel und dem ich den Sieg weitaus eher gegönnt hätte als dem Tim-Struppi aus Berlin mit seinem Offenbarungseid, dass Worte nicht seine Sprache sind (Protipp: Wenn einem die Worte fehlen, einfach mal die Klappe halten!) Obwohl Bosse glaube ich aus Niedersachsen kommen, besingen sie Frankfurt/Oder, einen Ort, dem meines Wissens noch nicht allzu viele musikalische Epen gewidmet wurden.

Im Song geht es im wesentlichen darum, dass es unwichtig ist, ob man gerade in Honolulu Cocktails aus Kokosnusshälften schlürft oder im ostdeutschen Gartenpavillon gemeinsam die elterlichen Schnapsvorräte vernichtet. Alles ist schön, wenn die richtige Person dabei ist.

Besser als damit kann man diesen hochsommerlichen ersten Oktobereintrag nicht beenden, also sucht euch eure Liebe oder wenn ihr sie bereits habt, zieht sie nah an euch, drückt sie liebevoll und flüstert ihr „Ich bin froh, dass Du da bist!“ oder etwas ähnliches ins Ohr. Jetzt sofort! Los!!!

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3 Kommentare zu “Herbstzeitlose(r)

  1. Auja. Und, obwohl ich den guten Ratschlag nicht lesen konnte, weil ich am 1. Oktobertag schon sehr zeitig der Sonne entgegen fuhr, habe ich ihn doch beherzigt

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