Notausgang

Brigitte möchte, dass mir Burghart Geschichten von Ferdinand vorliest ..

Hörbücher also. Neue Reihe „Starke Stimmen“ und da liest u.a. Herr Klaussner aus dem Werk „Verbrechen“ des Herrn von Schirach. Ein Strafverteidiger, der aus seinem reichhaltigen Nähkästchen plaudert und offenbart, wie es bei Menschen wie Euch und mir … naja, doch eher wie bei Euch … zugehen kann.

Gleich die erste Geschichte brachte mich durchaus zum sinnieren. Da lernte ein junger angehender Arzt – bislang nicht gerade als Don Juan unterwegs – eine hübsche Frau kennen und lieben. Schon bald war Hochzeit, danach war dann aber auch schon Schluss mit lustig. Seine Frau begann mehr und mehr mit Motzereien (jaja, das scheint die Entwicklung in 92% aller Ehen zu sein), belässt es aber nicht bei deutlich dargestellter Unzufriedenheit, sondern beginnt irgendwann, ihn auch zu schmähen und zu beleidigen, zunehmend auch in sehr entwürdigender Form.

Was machte er? Er hielt es aus, gab es keineswegs mit gleicher Münze zurück und stürzte sich lieber so oft und lang wie möglich in seine Arbeit. Er wurde ein guter und beliebter Arzt und wenn er denn zuhause sein musste, beschäftigte er sich ausgiebig mit seinem Garten. So ging dies Jahr um Jahr um Jahr, bei immer schlimmer werdenden Auswüchsen ihrerseits.

Als sie schon beinahe in Richtung Goldener Hochzeit gingen, hatte sich sein Leidensfass doch noch gefüllt. Nach einer weiteren Schmähung bat er sie in den Keller des Hauses, wo er sie mithilfe einer dort lagernden Axt in eine gespaltene Persönlichkeit verwandelte und sie danach auch gleich noch entsprechend portionierte. Schließlich meldete er geruhsam den Vorgang bei der Polizei und wartete auf seine Abholung.

Bei Gericht stellte sich selbstverständlich die Frage nach dem Warum und nach Erörterung und Würdigung aller Begleitumstände bekam der sich mittlerweile in seinen Siebzigern befindliche Mann schlussendlich eine Verurteilung zu 3 Jahren, die er allerdings im offenen Vollzug verbringen konnte.

Warum – so fragen sich sicherlich die meisten – wählte er diesen Weg und trennte sich nicht einfach von ihr? Weil es nicht einfach war, weil es aus seiner Sicht auch nicht ging. Noch auf der Hochzeitsreise, als es sich noch gut anfühlte, rang sie ihm den Schwur ab, sie niemals zu verlassen. Für ihn galt dieser Schwur etwas. Außerdem liebte er sie, auch nach fast 50 Jahren der Vorwürfe und Beleidigungen, wie auch immer dies funktionieren mag.

So blieb aus seiner Sicht wohl nur dieser eine Weg.

Wäre er nicht Arzt sondern Privatrechtsanwalt geworden, vielleicht wäre er irgendwann auf die Idee gekommen, dass sich das Objekt seines Schwurs dermaßen grundlegend von dem entfernt hatte, was ihm einstmals das Gelübde abforderte, dass es eigentlich keine diesbezügliche Bindung mehr gab, denn diesem zänkischen Wesen der Nachhochzeitsjahre hätte er ein solches Versprechen wohl kaum gegeben.

Oder doch?

Die Liebe ist alles Mögliche und mitunter auch bedrohlich und kein Mensch kann einem derartig zusetzen wie derjenige, der einem am nächsten steht.

Hoffen wir also auf ein rechtzeitiges „Halt die Klappe! Halt die KLAPPE! HALT ENDLICH DEINE VERDAMMTE KLAPPE!!!“

Naja, oder halt auf einen wundervollen Menschen an unserer Seite …

 

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7 Kommentare zu “Notausgang

  1. Übrigens mag ich Hörbücher.
    Was jetzt nur als Einstieg über den Beitragsbezug zum eigentlichen Genörgel dienen soll: Was zur Hölle ist mit deinem Header passiert? Es sieht ein bisschen aus, als wäre einem kleinen, unschuldigen Farbkasten plötzlich sehr schlimm übel geworden, so dass er sich spontan über deinen Header übergeben musste. Und dann, ein wenig peinlich berührt, mit den kleinen Händchen noch versucht hat, das Dilemma unauffällig wegzuwischen….
    Mon dieu!!!

    • Es ist der Farbkasten des Teufels, der bereits Madames Kleidchen seine aparte Farbe verliehen hat.

      Hihi. Neenee, wahrscheinlich war es tatsächlich so, wie von Dir dargestellt. War halt nur derr Malkasten von Jackson Pollock. Aber keine Angat, ich werde Dich damit nur einige wenige Mo .. Wochen quälen, dann kommen wieder die Einhörner im silbernen Mondlicht oder ein kalligraphisches Bündel weißen Bambusses auf weißem Hintergrund.

      • Wochen? Monate? Und dann Bambusse? Boah, bitte. Bittebitte. Something nice, please.

        Und bevor ich in Sachen offtopic schuldig gesprochen werde: Hörbücher find‘ ich immernoch super, echt mal.
        Also sogar tatsächlich, sie haben mir früher immer die schier endlosen Staus erträglicher gemacht.

  2. Ist der Plural von Bambus nicht Bambi?
    Das mit den Hörbüchern ist so eine Sache. Einerseits mäkelt mein Schriftsteller-Ich oft an der notwendigen Verkürzung des Lesegutes herum. Andererseits liegen bei mir zunehmend un- oder angelesene Bücher herum, weil ich freie Zeit dann mit dieser Scheissbloggerei oder diesem nervigen Getwittere oder TV-Glotzen oder wasweißich verbringe. Da ist das Hören von Literatur dann doch multitaskiger.
    Bei Staus ist so etwas natürlich besonders fein.

  3. Einiges gewinnt gelesen nochmal finde ich. Beispiel hierfür wäre Sven Regener. Ich mag das geschriebene Wort, aber wenn er es selbst dahinschnoddert isses gleich nochmal putziger.
    Oder „Lass mich die Nacht überleben“, gelesen von Alexander Scheer. Als Buch nicht uninteressant, mit dem richtigen Tempo gelesen nochmal echt eine ganz andere Nummer.
    (Hey, hier, Hörbücher, ontopic, ha!)

    Aber was ich eigentlich sagen wollte: Scheiss auf den Plural, organisier lieber einen hübschen Header. Sonst verpasse ich dir einen und damit musst du dann leben. So nämlich. Ha!
    (Jaja, scheiss‘ auch auf einen dem Thema Literatur angemessenen Tonfall. Ich bin krank, ich darf das! So eine schlimme Grippe, SO schlimm!)

    • Oje.
      Ich schicke gedanklich meine fähigsten Globuli, heißen Tee, eine Kuscheldecke und meine besten Genesungswünsche. Bin auch angeschlagen, aber nicht nikatodkrank.
      „Ein hübscherer Header würde mir auch schon helfen!“ kommt jetzt garantiert, jajagrmmblll …
      Ich muss jetzt zunächst auf arte ins Breakingbadchen, dann sehen wir mal weiter.

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