Heisenberg

Ein einzelnes Auge treibt in einem Swimmingpool herum. Es stellt sich heraus,dass es noch vor kurzem zu einem nebenan schwimmenden Teddybären gehörte. Im Hintergrund sind nach und nach wahrnehmbar Autosirenen zu hören. Noch bevor weitere Details gezeigt werden und die Kamera in die Totale geht, ahnt man, dass hier nichts Gutes passiert sein kann.

Später sieht man aus der Bodenperspektive gefilmte, sich rhythmisch bewegende Bettfedern, aber auch hier steckt ein anderer als der landläufig vermutete Grund dahinter.

Eine andere Folge beginnt mit dem Blick in ein mexikanisches Dorf, in dem sich alle möglichen Menschen auf dem Boden robbend in Richtung eines Hauses bewegen. Zwei unsympathisch aussehende junge Männer in silbernen Anzügen kommen in das Dorf und begeben sich ebenfalls in diese kriechende Haltung, weil sie etwas möchten.

Es sind alleine schon diese immer wieder verstörenden Eröffnungssequenzen vieler Folgen, die „Breaking Bad“ sehenswert machen. Aber das ist nur ein Teil der Faszination dieser Serie. Serien erleben in den letzten Jahren oftmals eine qualitative Neuorientierung und sind mitunter interessanter als mancher Kinofilm. Diese Reihe ist für mich definitiv einer der besten der letzten Jahre. In ihrem Mittelpunkt steht Walter White, ein schlecht  bezahlter Chemielehrer, der erfährt, dass er krebskrank ist. Hier entsteht bereits die erste Überraschung, denn diese dramatische Rolle spielt Bryan Cranston, den man bislang als chronisch am Rande des Nervenzusammenbruchs befindlicher Dad in „Malcolm mittendrin“ kannte. Diese Rolle ist aber weit davon entfernt. Sieht er anfangs noch Malcolms Dad Hal ähnlich, verändert sich die Figur des Walter recht schnell auch optisch so sehr, dass man bereits nach wenigen Folgen keinen Gedanken mehr an die Chaosfamilie verschwendet.

Walter verzweifelt, nicht nur weil er seinen baldigen Tod befürchtet, sondern weil er seine Frau und seinen Sohn finanziell unterversorgt zurücklassen müsste. Aus dieser Verzweiflung heraus trifft er eine folgenschwere Entscheidung: er nutzt seine vorhandene Chemiebegabung, um synthetisches Rauschgift herzustellen. Für den Vertrieb erinnert er sich an einen ehemaligen Schüler Jesse, einen kleinen Tunichtgut, der sich nach anfänglichem Erstaunen darauf einlässt.

Walter führt nun eine Doppelexistenz, nennt sich in seinem Zweitleben „Heisenberg“ („Erlenmeyer“ oder ähnliches wäre für mich logischer gewesen) und man darf als Zuschauer schon bald vermuten, was dies alles an Verwicklungen mit sich bringen wird, zumal sein Schwager auch noch als Polizist mit Dealern zu tun hat.

Man ahnt schon sehr früh, dass das auf eine Katastrophe hinauslaufen muss, aber die Art und Weise, wie die Serie inszeniert wurde, hält die Faszination aufrecht. Walter und Jesse brauen in einem alten Wohnwagen mitten in der Wüste bläuliche Brocken hoher Qualität, die die ganze Drogenbranche durcheinander bringen, das muss Folgen haben. Es wird dann auch häufiger gestorben in dieser Serie.

Beachtlich auch, dass es der Serie gelingt, einem für viele Charaktere eine Empathie zu entlocken, obwohl vom Drogenbaron mit Schnellimbiss-Scheinexistenz bis zum schmierigen Anwalt so ziemlich alles vertreten ist, was man sich eher nicht als Sympathieträger vorstellt. Die immer wieder von uns erstellte Unterteilung in „gut“ und „schlecht“ verschwimmt hier sehr schnell.

Derzeit läuft auf arte die dritte Staffel, eine vierte gibt es bereits und ich hoffe sehr, dass dieser Serie ein angemessenes, befriedigendes Ende zuteil wird und sie nicht irgendwann einfach abgesetzt oder immer sinnentstellter endlos weitergedreht wird.

Dieses Mal bitte nicht!

Seh-Empfehlung, nachdrücklich! DVDs sind bereits vorhanden.

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5 Kommentare zu “Heisenberg

  1. 🙂

    ich habe alle drei Staffeln binnen weniger Tage mir auf DVD reingezogen und giere nach der vierten (und letzten!) Staffel. (Siehe Wiki…)

    Finde auch, dass Breaking Bad so mit das Beste ist, was mir die letzte Zeit unter die Augen gekommen ist und kann nur den Daumen weit nach oben recken.

    • Ich bin extrem stolz auf mich, weil ich mich in diesem Fall komplett dem Vornewegschauen per DVD oder Stream enthalten habe und schön brav meine Wochenration auf arte hole. Das ist heute schon als anachronistisch anzusehen.

  2. zu der empathie: ich finde ja, dass alle figuren immer unsympathischer und schlimmer werden im laufe der serie. und manchmal ist es schon richtig unertraeglich, was aber eigentlich fuer mich auch ein grund ist, warum ich die serie so toll finde. und zum glueck ist die vierte staffel nicht die letzte, es wird noch eine fuenfte geben mit 16 folgen. aber jetzt heisst es fuer mich leider erstmal wieder warten.

  3. Für Breaking Bad habe ich sogar vergessen, dass ich mir Filme oder Serien mit tendenziell ekeligen oder brutalen Szenen gar nicht ansehe. Das war das Beste, das es in der letzen Zeit gab. Allerdings war ich auch so böse, mir die Folgen verbotenerweise nacheinander über eine Stream anzusehen. Uhaaaaaaaaaaaaaa, Walter holt das Schlimmste aus mir heraus. Staffel drei habe ich hinter mir und lechze nach mehr……

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