Oil on Canvas

Ich lasse mich hier natürlich nicht darüber aus, dass die gefühlte Frequenz meiner Museumsbesuche der letzten Zeit mir langsam das Bild einer Schnabeltasse in meine Gedankenwelt transportiert und ich beginne, zu überlegen, ob ich aus Kompensationsgründen mal wieder in … hmmm … äähhh … verflixt, wo gehen jüngere Menschen heutzutage denn hin? WLAN-Parties? Rollschuhdisco? Ein Schulfest mit dem Thema „Enchantment under the Sea“ …?

Egal, das ist hier nicht das Thema.

Bis vor einiger Zeit war ich kein so großer Freund der seit einigen Jahren in vielen Ausstellungshäusern verbreiteten Audiosets. Ich wollte die Bilder, Skulpturen und Fettbrocken lieber unmittelbar auf mich wirken lassen. Allerdings muss ich zugeben, dass mir manche Ausstellungsstücke mitunter gar nicht soviel vermittelten, wie zu erwarten gewesen wäre.

Mittlerweile habe ich mich diesbezüglich ein wenig umorientiert und lasse mich beim Betrachten gerne auch mal vollquatschen, denn nicht selten liefern die vorgetragenen Informationen einen ganz anderen Blick auf ein Bild (einen ganz anderen Blick bekommt man übrigens auch, wenn man sich an dem raumfüllenden, angejahrten Rollatorenweibchen und dem Papa mit Kind auf den Schultern vorbeidrängen konnte, aber auch dies soll jetzt nicht das Thema sein.).

Im Falle der noch laufenden Munch-Ausstellung in der Frankfurter Schirn erzählt einem sogar einer der neuesten Tatort-Kommissare die eine oder andere Geschichte. Man erfährt hierbei unter anderem, dass der norwegische Maler dem Alkohol zugeneigt war, eine Schwäche für das Kino hatte, mit Max Reinhardt befreundetwar,  sich durchaus auch mal prügelte und den Großteil seiner Existenz mit Lebensangst zu kämpfen hatte.

Beinahe muss man vorsichtig sein, sich in ein bis zwei Stunden nicht mit zuviel Informationen vollzusaugen, deshalb habe ich auf die bei einigen Bildern extra noch mitgelieferte Bildbeschreibung weitgehend verzichtet. Das erinnerte mich auch ungünstig an eine der wenigen eher unglücklichen Phasen des Deutschunterrichts, wo ich beinahe an der möglichst genauen Beschreibung einer Vase verzweifelte.

Die Audiosets verändern allerdings schon ein wenig die Atmosphäre; will sagen, mit all den Leuten, die kaum noch miteinander im Gespräch sind, weil sie entweder aussehen, als checkten sie gerade die neuesten Börsenkurse der NYSE oder als seien sie in der Kopfhörerdisco, entsteht ein weiterer eigentlich öffentlicher Raum, in dem viele kleine Universen vornehmlich um sich selbst kreisen. Aber irgendwas ist ja immer …

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So eine Beobachtung, die ich in Museen immer wieder an mir und Anderen mache, kann mir hier sicher von den gebildeten Lesefröschlein beantwortet werden: Warum neigen wir bei intensiverer Betrachtung eines Gegenstandes so häufig den Kopf zur Seite? Die Bilder hängen in aller Regel ja doch eher gerade.

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Eine kleine Nebenbei-Entdeckung durfte ich auch noch machen, nämlich wo sich George Lucas überall seine Inspirationen für Star Wars her holte. Tsstss …

 

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4 Kommentare zu “Oil on Canvas

  1. Also mit so nem Audiodingens bin ich bis jetzt nur rum gerannt bei Führungen in ausländisch. Ich wusste gar nicht, dass es so was auch hier und in Deutsch und bei Ausstellungen gibt. Muss ich mal drauf achten demnächts. Ich will ja noch zur Digedags Ausstellung.

    • Dige… was? … Ach so, na, da kommt mal wieder meine Wessijugend zwischen Micky Maus und Fix&Foxi durch. Wahrscheinlich gibt es diese Audioteile nicht bei jeder Ausstellung resp. in jedem Museum, aber es hat schon was nettes …

    • Hmmm, ja, das ist sicher eine hübsche Idee von Susanne Schnitzel, aber offen gestanden finde ich das nicht soooo spannend. Ich wäre sehr für eine Serie „Autofahrer an Ampeln“.

      Außerdem:selbst wenn ich das auswertete, brächte es mich in der Frage nicht weiter, warum Menschen das tun. Wenn Hunde das machen, sieht das ja oft niedlich aus, aber bei mir….?

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