Ein Wachsblumenstrauß für Maggie

Heute wäre Margaret Rutherford 120 Jahre alt geworden. Die Wahrscheinlicheit, dass dies tatsächlich passieren hätte können, war jedoch sehr gering. Tatsächlich ließ sie das mit dem Existieren vor nunmehr ziemlich genau 40 Jahren sein. Wer nun gut in Geometrie ist, hat sicher bereits ausgerechnet, dass sie nach ihrem 80. Geburtstag verstarb. Fein gemacht! Hier, ein Keks.

Wer aber war Frau Rutherford, werden sich zumindest einige der jüngeren unter den Lesefröschlein hier fragen. Nun, sie war Schauspielerin und weeesentlich bekannter unter dem Namen ihrer bekanntesten Rolle, Miss Marple. Die Miss-Marple-Filme laufen ja mit schöner Regelmäßigkeit im TV, also sollten die meisten diese Rolle kennen.

Interessanterweise waren es nur vier Filme, in denen Frau Rutherford die Hobbydetektivin spielte. Agatha Christie, die Autorin der Miss-Marple-Bücher, war übrigens anfangs gar nicht begeistert von Maggie in dieser Rolle; sie schien ihr viel  zu burschikos dafür, wollte lieber eine zurückhaltende Omaermittlerin.

Wie heute zu erfahren war, hatte Frau Rutherford im tatsächlichen Leben viel mehr Aufregendes zu bieten. Ihr Vater war nervlich belastet und erschlug kurz nach ihrer Geburt seinen eigenen Vater mit einem Nachttopf, was ihn mehrere Jahre in staatliche Obhut brachte. Als sie drei Jahre alt war, fuhr ihre Mutter nach Indien und erhängte sich dort an einem Baum. Ob sie extra deswegen nach Indien fuhr, entzieht sich meiner Kenntnis, aber wäre dies so gewesen, hätte dieser Suizid zumindest eine exotische Note.

Maggie wurde daraufhin von der Großmtter erzogen und schlug später eine Schauspiellaufbahn ein, die ihr aber erst recht spät den großen Ruhm einbrachte und sie letztlich sogar zur „Dame of the British Empire“ machte.

Sie heiratete Stinger Davis, ihren Schauspielerkollegen und Kompagnon in den Miss-Marple-Verfilungen. Dieser hatte sich einige Zeit vorher als homosexuell bekannt. Die beiden adoptierten einen erwachsenen Schriftsteller, der sich kurze Zeit später als einer der ersten Menschen in Großbritannien einer Geschlechtsumwandlung unterzog und noch einige Erfolge als Schriftstellerin hatte.

Kurz nach ihrem 80. Geburtstag sorgten die Folgen einer nicht optimal verlaufenen zahnärztlichen Operation für ihr Ableben.

Eine solche Biographie legt den Schluss nahe, dass sie den besten Film leider niemals drehte: Den ihres eigenen Lebens.

Ja, klar, Euer Leben ist ähnlich aufregend und flamboyant, aber davon hat mir leider noch niemand erzählt. Zu dumm!

Ich hatte heute einige sehr leckere Tortellini mit Spinat-Riccota-Füllung. High Life as usual …

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3 Kommentare zu “Ein Wachsblumenstrauß für Maggie

  1. Ich sehe die Miss-Marple-Filme von Kindesbeinen an immer und immer wieder gern. (Und das ist schon seeehr lange.) Und ich hab natürlich die DVD-Box. Die „echte“ Miss Marple, wie sie später in Serie verfilmt wurde, fand ich erstmal total dröge, bis ich las, dass eben diese Figur die ursprünglich erdachte der Frau Christie war. Aber sie schrieb der Frau Rutherford diese burschikose Miss Marple schließlich auf den Leib, wie ich mal gelesen habe. Auch wenn Frau Christie (zumindest zunächst) nicht ganz glücklich damit war, konnte sie sich ja scheinbar doch damit anfreunden, sonst wäre es bei einem Film geblieben. Ist es zum Glück nicht.

    Wie dem auch sei.

    Danke für diesen schönen kleinen Artikel über Frau Rutherford. Diese Dinge aus ihrem Privatleben kannte ich noch gar nicht, nur dass sie mit Stringer Davis verheiratet war. Und dass sie aufgrund von postoperativen Komplikationen sterben musste… hach, das tut mir Leid. Wer weiß, vielleicht hätte sie die 100 noch erreicht. Naja. Aber sie hat ihr Denkmal und wird noch lange nicht vergessen werden.

    Liebe Grüße

    Frau Thor

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