Po-litik

Ich versuche nun leicht verfremdet ausschnittsweise ein Interview mit einem buchveröffentlichenden Berliner Revierbürgermeister wiederzugeben:

Moderator:

„Sie gehen in Ihrem Buch auch auf den Zusammenhang zwischen Wintermonaten und Temperatur ein …“

Bürgermeister:

„Nun, ich versuche nur, die Tatsachen darzustellen. Obwohl die Wintermonate nur 25% des Jahres ausmachen, sind dort ca. 85% der Tage mit Höchsttemperaturen unter 10 Grad Celsius zu verzeichnen. Ich sage jetzt nicht, dass das Eine die Ursache vom Anderen ist, ich stelle lediglich Fakten fest, die niemand wirklich in Frage stellt. Fragen Sie ruhig die Experten.“

Ganz schön feige, was? Dinge in einen Zusammenhang zu stellen und dann die zwangsläufige Bewertung nicht offen auszusprechen. Nun ging es im Interview tatsächlich um einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen Ethnie und Kriminaliät, der keineswegs so zwangsläufig ist wie der Zusammenhang zwischen Temperaturen und Jahreszeit (zumindest derzeit noch, dem Klimawandel nach zu urteilen). Die Art und Weise jedoch, Ressentiments auf diese passiv-aggressive Art vorzutragen, kann einem schon wieder das Sonntagsfrühstück zurückkommen lassen.

„Aba dit is doch eener, der noch dit sacht, wat des Volk denkt“. Nun ja, unabhängig davon, dass ich keineswegs glaube, dass „das Volk“ so denkt, das ist ja keine homogene Masse, sollte ein Politiker eigentlich mehr drauf haben, als sich selbst zum Volkslautsprecher zu degradieren.

Gruselig, sowas! Immer wieder.

Einen Aspekt muss ich allerdings aufgreifen. Das von ihm kritisierte „Gutmenschentum“ empfinde ich auch als eine zunehmende Geisel der Menschheit, wenn auch nicht mit denselben Schlußfolgerugen. Gepaart mit der vielbeschworenen „political Correctness“ steckt darin m.E. viel Unheil. Wenn Dinge im Argen zu liegen scheinen, ist es sicher nicht besonders hilfreich, diese blümchenreich zu umgarnen oder ganz zu verschweigen. Davon ändert sich nichts. Hilfreicher wäre es, wenn man Dummschwätzern oder -schreibern etwas entgegenhält und wenn es sein muss, auch in deutlichen Worten. Man kann deutlich und dennoch nicht beleidigend sein.

Und Eltern, die z.B. einerseits enthusiastisch am Integrationsfestival des Stadtteils ihre VHS-Bauchtanzkenntnisse präsentieren und sich toll fühlen,weil sie arabisches Essen in sich stopfen, andererseits ihr Kind aber von der bisherigen Schule abmelden, weil der Ausländeranteil dort zu hoch geworden ist, gibt es meiner Auffassung nach schon genug.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s