Abgang

Themenwoche im Ersten zum Thema „Leben und das Andere“. Natürlich stilsicher eingebettet zwischen Volkstrauertag und Totensonntag und bei nun schon wochenlang ausbleibendem Sonnenlicht.

Man hört todkranke Menschen sich äußern und allzuoft sind es gefasste Naturen, die mit sich im Reinen zu sein scheinen, etwas traurig natürlich aufgrund der nicht aufhaltbaren, anstehenden Ereignisse aber insgesamt recht gut vorbereitet auf eine Art „smart transmission“ mit bedeutungsvollem aber dennoch leicht verschmitztem Blick.

Die Gläubigeren unter jenen sowieso ohne rechte Sorgen, was die eigene Zukunft betrifft; man macht sich – ganz edler Mensch – vor allem ein wenig Gedanken um die Hinterbliebenen und den geliebten Rhododendron.

Andere wollen es vorher nochmals ordentlich krachen lassen, die Teigschüssel des Lebens noch einmal auslecken und sich dann am besten mit einem Big Bang aus diesem Sein katapultieren

So ist das?

Ich habe schon Menschen gesehen mit riesiger Panik in den Augen, die allesalles tun würden, um noch ein paar Tage bleiben zu dürfen, die sich kein Stück mit dem Unausweichlichen abfinden können, die am Leben kleben wie Fliegen am Fangstreifen, auch wenn die Qualität dieses Lebens fast nur noch aus Qual besteht. Deren Riesenangst vor dem Ende nur hin und wieder von einer unfassbaren Traurigkeit unterbrochen wird und deren ruhigere Momente in der Regel auf Schmerzstiller oder blanke Erschöpfung zurückzuführen sind.

Daran ist nichts smart.

Sollte man diesen Menschen nicht zumindest diese Angst, diese Verzweiflung zugestehen anstatt sich zu wundern, wie wenig souverän sie damit umgehen? Sie haben das Recht darauf, so mit all dem umzugehen, was sie erwartet, nämlich nicht. Frische Mütter sollen heutzutage 4 Wochen nach der Geburt wieder ihre vorherigen Idealmaße zurückhaben und Todgeweihte sollen die Anderen gefälligst nicht so runterziehen? Das ist Bullshit im großen Stil.

Mag sein, dass es ganz am Ende dann doch leicht sein wird, aber bis dahin wäre ich wahrscheinlich auch ein Haufen Angst und Verzweiflung mit weit aufgerissenen Augen und hoffte zumindest auf eine Hand, die meine drückt und mir noch ein wenig das Gefühl gibt, da sein zu dürfen, wenn ich noch nicht gehen will.

Wenigstens das …

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2 Kommentare zu “Abgang

  1. Ja, das ist die andere Seite.

    Allerdings mußte ich mich schon oft genug mit dem Tod auseinandersetzen – das hat mein Denken verändert. Ich hoffe, daß ich entweder sehr schnell sterbe und keine Zeit für Angst und ans Leben klammern habe oder ein so abgeklärtes Verhältnis dazu habe, daß ich keine Angst habe und mich n nicht ans Leben klammern werde …

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