Cinderella 2.1

So, Kinder, jetzt wo ihr frisch gebadet seid, erzähle ich euch auch noch das versprochene Märchen.

Also, es war einmal ein Teeniemädchen, das lebte mit seinen Stiefschwestern und der Stiefmutter in einem Kölner Vorort. Eigentlich heißt sie Vanessa aber alle nannten sie Aschenputtel, wer weiß warum.

Ihre Mutter starb vor einigen Jahren, weil sie bei KFC an einem Chickenwings-Knochen erstickte. Der Vater ist Vorwerk-Vertreter und nur sehr selten zuhause. Eines Tages wurde die Stiefmutter von einer der vielen in Köln ansässigen TV-Produktionsfirmen angesprochen, ob sie nicht an einem Scripted-Reality-Format teilnehmen möchte, das sie und ihre Kinder dabei beobachtet, wie sie sich durch eine Gesangs-Castingshow mogelten. Die Firma versprach der Familie, dass sie sich dafür einen ganzen Tag im Einkaufszentrum auf deren Kosten bedienen dürfte. Während sich die Stiefmutter und die Stiefschwestern Trulla und Pisnelka aber vor allem auf Strasskrempel. Overknee-Stiefel und Röhrenjeans stürzten, kaufte sich unser Aschenputtel lediglich ein iPhone, das ihr das schwere Leben ein wenig erleichtern sollte.

Die Stiefmutter dachte aber gar nicht daran, unser Aschenputtel mit ins Casting zu nehmen, sondern nahm nur Trulla und Pisnelka mit, in der Hofnung, dass die beiden strunzdummen und wenig attraktiven Gören wenigstens auf diesem Weg an gutsituierte Herren gerieten. Dem Aschenputtel hingegen trug man auf,währenddessen Backups aller PC-Dateien der Anderen zu machen und die Virensoftware Aller zu aktualisieren. Traurig ging sie ihrer Arbeit nach und klagte nur ihrer Katze Lapislazuli ihr Leid. Plötzlich sprach ihr Smartphone zu ihr: „Vanessa, hier spricht Siri. Auf deinem Smartphone ist eine Zauber-App installiert, diese kann dir Wünsche erfüllen. Wenn du an diesem Casting teilnehmen möchtest, kann ich etwas für dich tun …“ Zuächst war das Aschenputtel sehr erschrocken und irritiert und glaubte, jemand spielte ihr einen Streich, dann jedoch huschte ein Lächeln über ihr Gesicht …

Beim Casting raufte sich Oberjuror Prince D! , ein Erfolgsproduzent aus zudem reichem Elternhause, die Haare. Nur untalentierte  Kackbratzen waren hier zugange, am meisten nervten ihn Trulla und Pisnelka mit ihrem Versuch, die ABBA-Girls nachzuahmen. Er wollte schon das Casting schwer enttäuscht abbrechen, da kam noch eine bislang nicht angemeldete Gestalt auf die Bühne. Die Kapuze des Hoodies über den Kopf  gezogen und in Baggypants gestopft konnte er anfangs nicht einmal erkennen, ob er Männlein oder Weiblein vor sich hatte. Dann aber begann unser Aschenputtel, die sich hinter diesem Aufzug verbarg, zu singen und es war, als wären Whitney Houston, Shirley Bassey und Montserrat Caballe in einer Stimme vereinigt. Prince  D! war baff, der Mund blieb ihm offen stehen, als sie begann „If i stay, i would only be in your Way …“ zu singen und es war, als sängen die Götter selbst. Nach dem letzten zelebrierten „loooove yoooouuuu …“ des Aschenputtels war zunächst eine beinahe heilige Stille in der Halle 5.1 eingetreten, dann aber brandete ein nicht enden wollender Applaus auf und ein restlos begeisterter Prince D! sprang auf den Tisch. Von diesen heftigen Reaktionen war das Aschenputtel dermaßen erschrocken, dass es die Flucht ergriff. Dabei verlor es sein iPhone.

Prince D! suchte vergeblich nach ihr, nicht nur, dass er wahrscheinlich DIE Stimme schlechthin entdeckt hatte, er hatte sich auch spontan in sie verliebt. Nur ihr iPhone hielt er in der Hand. Da wusste er, was er zu tun hatte. Ganz Köln und Umgebung wollte er bereisen, um die eine zu finden, die das dafür passende Ladekabel hätte.

Tagelang irrte Prince D! durch Haushalte, von Zollstock über Ehrenfeld und Nippes bis nach Mülheim, aber keine der vorgefundenen jungen Damen konnte das passende Ladekabel vorweisen. Die Verzweiflung des Produzenten wuchs und wuchs, auf einmal jedoch klingelte Aschenputtels Smartphone:

„Jo, Alter, ich bin’s selbst. Sorry, ich musste mich erstmal ein wenig berappeln, aber jetzt bin ich clear. Also, es ist ja wohl klar, dass ich die tighteste Bitch mit einer Monsterröhre bin. Wir sollten also bald klären, wie wir das am besten vermarkten können.  Ich sitze jetzt im Starbucks am Neumarkt, also come over,damit wir die Details checken können!“

Ja, liebe Kinder, das kann aus verhuschten Gören werden, die nicht mit Erfolg umgehen können. Wahrscheinlich ist sie bald als „VanAsha“ in den Charts, aber glücklich wird sie dies nicht machen. Sie wird Drogen nehmen, ihre Stimme versauen und irgendwann tot in einer Badewanne gefunden werden. Deswegen bemüht euch weiterhin um gute Schulnoten, dann kommt ihr vielleicht später beim Finanzamt unter. So. und jetzt ab ins Bett!

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