Astor

Mir selbst fiel es gar nicht so sehr auf, aber offenbar ist eines der Hauptprobleme beim Kinobesuch der Pöbel, der sich ungefragt in die eigene Nähe setzt und tut, was ein Pöbel eben so tut.

Wie kann man dem wirksam begegnen? Nun, man eröffnet ein hochpreisiges Kino, welches bereits deswegen eine gewisse Ausschlussfunktion hat. Sicher, man erwischt nur den eher geldknappen Pöbel, der solvente Pöbel fühlt sich hier eher noch angezogen, aber es ist ein Anfang, nicht wahr?

Grund genug also für mich und einige Pöbelfreunde, dieses restriktive Milieu zu infiltrieren, auch wenn dies für mich bedeutete,  dafür auf ein, zwei Mahlzeiten zu verzichten. Hopphopp in die Frankfurter Konsumtempelstrasse, um sich anzuschauen,welches Leben eine Kreiszahl mit Tiger so führt.

Es ging bereits damit los, dass einem ein Doorman begrüßt und hineindeutet. Mit dem Fahrstuhl geht es dann alsbald in luftige Höhen. Ausgespuckt wird man schließlich vor einer Lounge, in der man unter anderem seine Eintrittskarte erwerben aber auch Essen und Trinken konsumieren kann. Jedem Filmfreund wird ein im Preis inbegriffener Begrüßungsdrink offeriert, gerne auch alkoholfrei und es gibt eine ebenfalls inbegriffene besetzte Garderobe für den Pelzmantel oder die diamantenbesetzte Robe.

Hinein geht es dann in den Saal, der mit gut 200 Plätzen überschaubar groß geraten ist. Bei den Sitzreihen käme Herr Steinbrück ins Schwärmen; hier wird Beinfreiheit nämlich großgeschrieben (Gut, es müsste also eigentlich BEINFREIHEIT lauten). Die Sitze sind komfortabel, in den hintersten Reihen sogar mit einem ausfahrbaren Fußbänkchen versehen, man kann sich also durchaus plumpsen lassen. Fast wie zuhause, gelle? Jetzt noch ein Bierchen? Kein Problem, denn man wird am Platz bedient (zumindest bis der Hauptfilm beginnt). Getränke und einiges an Fingerfood kann geordert werden und wird an den Platz serviert.

Irgendwann beginnt es dann an den Leinwand bunt zu werden und man erinnert sich beschämt daran, zu welchem Zweck man diese Örtlichkeit eigentlich aufgesucht hat. Leiderleider war der Auftakt sehr bedenklich; er fand in Form eines (zumindest gefühlten) 10 Minuten langen Trailers des neuen Til-Nuschler-Opus „Keinkopfhühnchen“ ..oh, nein, „Kokowääh 2“ statt. Uff. Hätte nicht sein müssen. Dann folgt unerwarteterweise Kabarett. Willy Astor, der sonst gerne dort auftritt, wo das Möbel haust, rezitiert einen langen Text, in den über 12o oscarprämierte Filmtitel hineingebaut wurden (Das ist jetzt nicht ganz richtig, denn oscarprämiert sind ja die Filme, nicht deren Titel, aber ihr wisst ja, was ich meine …)

Kurzzeitig fragte ich mich, wieso ausgerechnet Herr Astor hier bemüht wird, bis mir klar wurde, dass es offenbar mit dem Kinonamen zusammenhing. Schlagartig breitete sich in mir große Freude darüber aus, dann doch nicht in der Barth Film Lounge zu sitzen oder dem Ceylan-Center. Schließlich noch ein wenig Lichteffektshow und dann war es auch schon Zeit, seine DDD-Brillen aufzusetzen und sich zuächst nach Indien und dann auf den Pazifik entführen zu lassen.

Für all das Brimborium bezahlt man dann je nach Filmlänge und Anzahl der Dimensionen bis zu 19 Euro und die daraus sich zwangsläufig ergebende Frage lautet natürlich: Braucht man das wirklich?

Mein Fazit: Eine gelegentlich nette Abwechslung, vor allem wenig man häufig Besucher von Schachtelkinos ist, aber Stammgast werde ich dann doch eher nicht werden.

Der Film hatte übrigens tatsächlich sehr beeindruckende Bilder, war mir aber von der spirituellen Ausrichtung dann doch etwas zu überladen.

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