Banjo ist nicht Poppy!

Oder: Natural Born Killahz im Bleistiftmuseum

Seinen ersten Pärchenurlaub trotz der zeternden und manipulativen Mutter der Frau gemeinsam mit Wohnwagen auf der Rundreise zu diversen mittel- und nordenglischen Sehenswürdigkeiten – vor allem Museen und Höhlen – verbringen, kann für viele Menschen sehr reizvoll sein. Also zumindest für einige. Nun ja, zumindest für die beiden Hauptprotagonisten des wunderbaren Films „Sightseers“, der das letztjährige Fantasy-Filmfest eröffnete und nun endlich auch in (wenigen) deutschen Kinos läuft.

Im Laufe des Films wird der Zuschauer auch mit einigen Lebenslügen konfrontiert, so zum Beispiel der Tatsache, dass das geprahlte „Sabbatical“ des Mannes zur Vorbereitung darauf, ein Buch zu schreiben, sich eigentlich als eine schnöde Arbeitslosigkeit entpuppt. Die typischen Lebensträume und -lügen, die die meisten von uns begleiten. Was den Film jedoch von einem erwartbaren Sozialdrama unterscheidet, ist die Tatsache, dass doch einige Verluste an Leben während der Tour der beiden zu beklagen sind. Zunächst ein dummer Unfall mit dem Wohnwagen, der allerdings den Richtigen erwischte, einen notorischen, unsensiblen Papierwegwerfer.

Die Vorfälle häufen sich dann aber im Laufe der Zeit und mit dem Vorankommen der Geschichte wird der moralische Hintergrund der Taten immer fragwürdiger. Zunächst noch blanke Provokation dadurch, dass man bereits an einem dritten Buch schreibt, während unser Held noch nicht einmal das erste begonnen hat oder die Frau gezwungen werden soll, Hundehinterlassenschaften mit bloßer Hand aufzuheben und die ein solches final regelndes Handeln durchaus nachvollziehbar, wenngleich etwas extrem wirken lassen, sind es am Ende wirklich niedere Instinkte, die den Zuschauer in ein moralisches Dilemma versetzen und man sich verstohlen fragt, ob das nun wirklich sein musste.

Alles in allem aber ein großer Spaß, vor allem für Menschen mit einem Faible für englischen Humor, Sommer und schroffen Felsenlandschaften. Auch Tierfreunde kommen auf ihre Kosten, tritt doch der plötzlich halbverwaiste Hund „Banjo“ in das Leben unseres Paares und ersetzt den sehr ähnlich aussehenden und ein Jahr vorher unter skurrilen Umständen tödlich verunglückten Familienhund „Poppy“

Wenngleich man während des Films vielleicht darüber nachdenken mag, wieviel Sympathie man unseren leichenproduzierenden Touristen entgegenbringt, sind es die letzten, hochemotionalen Bilder des Films, die einem vor Augen führen, was wahre Romantik mit Menschen tun kann. Seht es euch einfach an, liebe Lesefröschlein!

Das wirklich albtraumgenerierende Element des Films sind – das sollte man unbedingt noch erwähnen – weder die Sex- noch die Mordszenen, sondern selbstgestrickte, schweinchenfarbene, im Schritt offene Dessous. Tötet jede Libido sofort!

Ach ja, eines noch: Obwohl (bzw. weil) Frau Engelke und Herr Mädel den Hauptakteuren ihre deutschen Stimmen geben, rate ich eher dazu, sich den Film als OmU anzusehen. Die wohlbekannten deutschen Stimmen lenken doch arg von den Charakteren ab und Bjarnes Stimme trifft meines Erachtens nicht ganz das Wesen des Mannes.

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