VOS

Der verkaufsoffene Sonntag wurde zumindest in dem mich beherbergenden Bundesland vor einer Reihe von Jahren eingeführt. Nicht, weil Wirtschaftsverbände hier ihren Einfluss durchsetzten, sondern selbstverständlich zum Wohle der gesamten Gesellschaft.

Schließlich sollte ja allen klar sein, dass das vorhandene Kaufpotential nicht etwa deswegen suboptimal ausgenutzt wird, weil die Menschen oft zuwenig verdienen und jeden der wenigen Euro, der bei ihnen ankommt, nur einmal ausgeben können, sondern weil sie schlichtweg zuwenig Zeit haben, einkaufen zu gehen. Klar, lediglich sechs Tage pro Woche, in denen sie höchstens bis 20, mitunter 22 und ab und an auch 24 Uhr einkaufen gehen konnten, standen vorher zur Verfügung. Wie soll man denn da die mehr oder weniger dringenden Bedürfnisse befriedigen?

Nebeneffekt: Das bislang ausgesprochen öde Wochenende der in solchen Läden Beschäftigten wird endlich einmal aufgepeppt und man kann sich vor lästigen Aufgaben wie „Verwandtenbesuch“ oder „mit den Kindern beschäftigen“ drücken.

Deshalb ist es seit einiger Zeit an vier Sonntagen im Jahr für sechs Stunden möglich, Läden zu öffnen, und zwar aus besonderem Anlass. Man kann nur vermuten, welche Anlässe der Gesetzgeber hier im Kopf gehabt haben mag. Vermutlich traditionelle Jahrmärkte, Altstadtfeste oder Beschneidungen. Tatsächlich sind aber seitdem besondere Anlässe wie Pilze aus dem Boden geschossen, die meisten davon gab es bislang nicht. Aber wen kümmerts, irgendwann einmal muss man ja mal anfangen mit solch einer Tradition.

Nun existieren also plötzlich in vielen Kommunen Erdbeerfeste, Frühsommerfeste, Spätsommerfeste, Sommerherbeiwünschfeste, Apfelweinfeste, Blumenkohlfeste, Fußpilzfeste oder Nocheinvierteljahrbisweihnachtenfeste, von denen meist nicht einmal die Veranstalter sagen können, was denn dahinterstecken mag. Das einzig ehrliche Fest wäre das Konsumförderungsfest, aber dazu hat sich bislang wohl noch niemand bekennen mögen.

Optisch sehen solche festbedingten Verkaufsoffenen Sonntage meist gleich aus: Es haben stets die gleichen Läden auf, die Samstag abend eingefrorenen Gemüse- und Obstreste werden nochmal aufgetaut anstatt sie wie ansonsten wegzuwerfen und auf den Parkplätzen vor den Läden gibt es meist eine Hüpfburg und einen Bratwurstgriller.

Oftmals regnet es auch …

Hurra.

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4 Kommentare zu “VOS

  1. Wir nutzen ja hier gern das „Die längste Pferdenacht der Welt“ – Fest um mal richtig shoppen zu können. Dafür rollen wir den Pferden und uns sogar rote Teppiche in der Fußgängerzone aus. Auch eine Kleinstadt will halt der Welt mal zeigen, was sie drauf hat…

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