Ein Donnersabend im Mai

Na gut, wegen zwei oder drei Artikeln nochmal kurz in den Supermarkt, was man weg hat, hat man weg. Sogar mal zu Fuß, da einigermaßen nah gelegen.

Diesen wieder verlassend mit 12 Artikeln durfte ich feststellen, dass es mittlerweile entgegen meiner vorherigen Einschätzung zu nieselregnen begonnen hatte. Tja, deshalb heißt dieser Blog auch Drueckfrosch und nicht Wetterfrosch.

Durchs Genässte stapfend fiel mir ein, dass ich selbstverständlich und erwartbar einen der drei Artikel, wegen der ich eigentlich einkaufen gegangen bin, vergessen hatte. Nochmal zurück? Natürlich nicht, wie sähe dies denn auch aus? Sodann ging mir nochmal die gestern erhaltene Bestätigung meiner Kündigung eines Abos durch den Kopf, die ich aus Vernunftsgründen und aufgrund einer veränderten Lebenssituation vorgenommen hatte und löst mal wieder melancholisches Blau bei mir aus. Auch nichts Neues … plitschplatsch …

In dieser Stimmung kommt mir eine kleine Ansammlung Jugendlicher entgegen und beim Vorbeigehen bohrt sich mir laut aus den Kopfhörern des Einen quäkend Herrn Williams „Happy“ in den Gehörgang. Den Rest des Nachhauseweges verbringe ich dezent kopfschüttelnd.

Nun sehe ich zuhause auf dem Ereignis- und Dokumentationskanal der öffentlich-rechtlichen Sender eine Schwarzweiß-Doku, die unter Anderem nochmals zeigt, wie vor reichlich Jahren ein US-Army-Angehöriger im Nebenerwerb eine überdimensionierte Mausefalle in Frankreichs Hauptstadt besingt und die Erdbeeren schmecken leider nicht so intensiv, wie es mir ihr Aussehen vorgaukelte.

So oder ähnlich wird es die nächsten zwei, drei Jahrzehnte wohl immer wieder mal sein, bis es vorbei ist.

Just sayin‘ …

Rotierender Karl-Heinz

Ich entere nun langsam ein Alter, in dem ich wirklich achtgeben muss, nicht schon vor der Zeit zu einem das Vergangene stets verklärenden Nörgler zu werden, der immer noch auf die Rückkehr von Grammophonen, Kutschen oder beritzbaren Schiefertafeln wartet. Die Zeit ist das Feuer, in dem wir alle langsam verbrennen, der Wandel das einzig Beständige und wichtig is auffm Platz. Die Veränderungen geschehen und ganz offensichtlich muss das auch so sein, auch wenn es älteren Semestern – also den Ü30ern – mitunter schwer fallen mag, sich damit anzufreunden, bedeutet doch jeder Wandel, dass wieder ein Stück von dem, was uns durch das Leben getragen hat, wegbricht.

Weil etwas neu ist, ist es nicht alleine deshalb schon besser. Man könnte beispielsweise abendelang Klagelieder über die Haltbarkeit von mechanischen und elektronischen Gerätschaften der heutigen Zeit singen, denen gegenüber früher beispielsweise Waschmaschinen von Generation zu Generation weitergegeben werden konnten und in einer dieser ewigen Wunder bestimmt noch eine verschwundene Socke von Ludwig XIV. hätte gefunden werden können. Dafür benötigten diese Modelle aber auch die siebenunddreißigeinhalbfache Energiemenge.

Irgendwas ist also immer, deshalb ist zuviel Meckerei Unsinn und deshalb möchte ich mich eigentlich auch nicht über einen mittlerweile am PC animierten Wickie aufregen oder über eine neu designte Tagesschau. Das Intro wird also nun von Lara Croft gesprochen, die Titelmusik wurde offenbar vom Jahrespraktikanten von Vangelis auf dem Synthie zusammengefrickelt und Bilder und Grafiken nehmen nun den ganzen Bildschirm ein und alles wird ganz soft gezoomt und gescrollt. So what? Wir sind mitterweile ein wenig von der tönenden Wochenschau entfernt.

Aaaaber was mussten meine verdutzten Gehörgänge gestern vernehmen? Noch dazu bei der eigentlich unauffälligen Wettervorhersage? „Es kann kräftig schütten“ wurde da gesagt! In der Tagesschau! Also quasi dem offiziellen Nachrichtenorgan, das doch schon im Grundgesetz erwähnt wird, nicht wahr?

Nicht bei der funky Wetterschau bei einem der Primatsender mit einer kurzberockten Kunstblondine. In der Ta-ges-schau! Wo früher von Schauerneigung oder teils ergiebigen Regenfällen gesprochen wurde, nun dieser Gassenjargon? Wie geht dies nun weiter? „Morgen bläst es wie Sau“ oder „Es kann ordentlich scheppern und krachen“? Da das Wetter ja in meiner Heimat produziert wird (also nicht das Wetter, sondern der Wetterbericht, das wäre ja noch schöner), fließt demnächst wohl auch noch das hessische Idiom mit ein. „Macht ja de Deckel uff euer Ebbelwoiglas, sonst schiffts enei!“ wäre dann eine mögliche Folge.

Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen wieder zu eine net so krasse Gelaber finden tun, damit Herr Köpcke wieder zur Ruhe kommt …

 

Nachtrag: Natürlich hätte ich zur Wahrung der Authentizität statt „Ebbelwoiglas“ „Geribbtes“ schreiben müssen, aber herrje, dann hätten es doch noch weniger … egal …

(I) AM OK!

Tja, und wenn ich mich eines Tages vor Gericht für eine aus der Kontrolle geratene Situation zu verantworten hätte, dann könnte sie durchaus ihren Ursprung in einem Tagesbeginn wie dem gestrigen haben.

Es fing damit an, dass ich mich erledigungshalber am frühen Morgen in der großen Stadt herumtreiben musste, in der sich demnächst Jogi Löw und Olli Bierhoff um den Titel des „Galopper des Jahres“ streiten können und mir dachte, dies dann wenigstens mit einem kleinen Frühstück zu verbinden. Wie bereits mehrfach berichtet, ist dies in einer Möchtegern-Metropole wie Frankfurt vor einer gewissen Uhrzeit nur sehr schwer zu realisieren. Und siehe da, auch das von mir anvisierte Cafe hat mittlerweile seine samstägliche Öffnungszeit auf10 Uhr korrigiert. Der Mainhesse schläft halt gern‘ e bissi länger, net wohr?

Grrrr! GRRRRR!!!!

Also blieb mir nur, einen dieser Bäcker mit Sitzmöglichkeit aufzusuchen, die netterweise wenigstens bereits geöffnet hatten. Ein Croissant und einen Automatenkaffee später wollte ich mich immer noch grollend ein wenig in meine Zeitung vertiefen. So einfach jedoch wollte es mir der Tag aber nicht machen. Am Tisch nebenan unterhielten sie zwei Damen mittleren (hüstel) Alters recht angeregt,aber von mir aus. Plötzlich begann das Smartphone der einen sich bemerkbar zu machen. Offenbar eines, dessen Besitzerin öfter mal aus einem komatösen Zustand befördert werden muss, denn es klingelte nicht nur in einem dieser äußerst nervigen, roboterhaften Töne sondern ließ dabei auch noch das eingebaute Fotoblitzlicht stroboskopisch aufblitzen. Noch mehr Aufmerksamkeit wäre wohl nur noch möglich, wenn es anfinge, zu brennen oder giftiges Gas zu versprühen.

DoppelGRRRR!

Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der sich Damemittlerenalters1 erstmal mit Damemittlerenalters2 über die Identität des Anrufers auslassen musste, entspann sich in etwa folgender Dialog, denn ich versuche, aus dem Gedächtnis zu rezitieren (Dialog stimmt nicht ganz, denn ich bekam ja nur einen Teil davon mit, aber ich denke, es ist klar, was ich meine):

„Hallo? … Herr Yilmaz! … Ach, Herr Yilmaz, haben sie meine Nachricht nicht bekommen? … ich habe Ihnen extra besonders früh … Herr Yilmaz, ich hatte Sie mehrfach versucht, telefonisch zu erreichen, aber … genau … Herr Yilmaz, Haben sie gerade Ihr Handy dabei? … Ich hatte zwei Haken an meiner Nachricht, daher dachte ich … Herr Yilmaz, das tut mir schrecklich leid … Herr Yilmaz, ich bin immer noch ganz verstört von der Sache am Dienstag … ja, das verstehe ich … Herr Yilmaz, die Sache von Dienstag hängt mir noch sehr nach … ach, das ist schade,das wollte ich nicht … herr Yilmaz, ich werde Sie künftig einfach solange anrufen, bis Sie drangehen … ja, das kann ich gut verstehen … das weiß ich doch … Herr Yilmaz …“

Ich breche an dieser Stelle die Wiedergabe ab, glaubte ich doch zu hören, wie der Herr am anderen Ende der Leitung, dessen Name mir leider entfallen ist, sich einen Strick zu knoten begann.

Glücklicherweise lief der Tag dann weniger nervenbelastend weiter, wäre ich aber beim Verlassen der Bäckerei in einen der frisch angerichteten Hundehaufen getreten oder angesprochen worden, ob ich nicht der Afd beitreten möchte, weiß ich nicht, wie die Sache ausgegangen wäre.

Ich erwähne dies hier nur rein vorsorglich, nur falls mal jemand glaubt, mich verantwortlich dafür machen zu wollen, eine Lebensgefährtin durch die geschlossene Klotür erschossen zu haben. Ich habe ja nicht mal eine … Doch, eine Klotür schon!

Wandelbar

Ich bin nun also somnambul!

Zumindest muss ich dies vermuten, da ich innerhalb von 5 Monaten schon das zweite Mal wach wurde – oder sagen wir besser zu Bewusstsein kam – und bemerken musste, dass mein Körper schon ohne mich begonnen hatte.

Beim ersten Mal fand ich mich mit schmerzendem Arm am Bettrand sitzend, einen kleinen Turm aus CDs umgeworfend und sich dabei oder vermutlich eher durch Kontakt mit der Wand einen wochenlang Schmerzen verursachenden Muskelfaserriss zugezogen habend.

Das zweite Mal kam ich zu mir, als ich erfolglos versuchte, mit heruntergelassener Hose von der Porzellanware hochzukommen und loszulaufen, was bedeutete, dass ich mich vorher, ohne mir dessen bewusst zu sein, darauf begeben haben musste, was auch eine kleine Wanderung beinhaltete, da sich WC und Bett nicht direkt nebeneinander befinden.

Später fiel mir auch noch auf, dass ich vorher einen im Schlafgemach herumstehenden und selten genutzten Fitness-Stepper umgeworfen hatte, wobei ich mir eine ansehnliche Hautabschürfung an der linken Handinnenfläche zuzog. In beiden Fällen waren es aber offenbar nicht die entstandenen Schmerzen, die mich zu Bewusstsein kommen ließen.

Nach dem ersten Mal schob ich es noch auf äußere Stressfaktoren, nun waren diese eigentlich nicht erkennbar, zumindest nicht offensichtlich. Dies bedeutet nun noch möglichen weiteren Spaß in der Zukunft oder hoffentlich auch nicht. Die Schmökerei zum Thema machte mich auch nicht viel schlauer. Kann auch noch bei Erwachsenen vorkommen, chronisch oder auch nur vorübergehender Natur sein, kommt nur in der Tiefschlafphase vor (also zumindest beruhigend, dass ich eine solche gehabt haben musste) und dauert oft nur wenige Minuten.

Man agiert in der Regel mit offenen Augen und starrem Gesicht und wäre sogar ansprechbar, antwortete aber wenn überhaupt, dann nur schwer verständlich gutteral. Klingt irgendwie nach Zombiefilm. Die Wahrnehmung sei eingeschränkt und man agiere meist sehr grobmotorisch (was mir aber auch in wachem Zustand mitunter passiert). Man sei nicht nur zu Herumwandereien fähig, sondern könne sogar komplexe Handlungen verrichten wie Autofahren oder ein Land regieren.

Das erklärt mir die Verhaltensweise mancher Autofahrer, die ich bislang einfach nur für gehirnamputierte Vollpfosten hielt. Tatsächlich könnten es aber auch unbewusst agierende Tiefschläfer sein, mit denen man vorsichtig umgehen sollte.

Es ist gar nicht so sehr die Angst davor, irgendwann auf einem Dachfirst herumzuklettern, zumal ich gar nicht weiß, wie ich dort hinkommen sollte oder nachts durch die Gegend zu fahren; es ist dieses sehr merkwürdige Gefühl, Dinge zu tun, an die sich mein Geist nicht erinnern kann, was mich nachhaltig beschäftigt. Mit dem akuten Veschwinden von diesem Flug MH370 habe ich aber ganz bestimmt nichts zu tun. Glaube ich zumindest nicht. Gelegentlich sollte ich deswegen mal einen Fachmann konsultieren.

Hier möchte ich dies auch nur prophylaktisch kundtun, damit sich die hiesigen Lesefröschlein nicht wundern, wenn an dieser Stelle mal ein besonders ungelenk formulierter und weitgehend konzept- und sinnbefreiter Blogartikel auftauchen sollte. Don’t worry, ich schlafschreibele dann nur.

(Wer nun entgegnet, dass ich dann bereits seit Jahren schlafwandele, da mein Blog nur so von ungelenk formulierten und sinnfreien Artikeln strotze, den … den … also den … DEN HABE ICH NICHT MEHR LIEB!!!)

About Schmidt

In seinen besten Momenten war er wie der deutsche Letterman in dessen besten Momenten. Sich erhebend über die tägliche Witzmaschinerie eines Jay Leno, auf einem ironiegetränkten Hochplateau sich gerne auch mal am Konstrukt des Daily Talks an sich abarbeiten. So was gab es in Deutschland vorher nicht und wie sich nun herausstellt nachher auch nicht mehr.

Vielleicht ist es auch nicht mehr notwendig, schließlich versenden viele von uns ihre Gagshow tagtäglich und den ganzen Tag auf Twitter oder sonstwo. Jede Schlagzeile zieht sofort eine ganze Rattenschwanzpopulation von mehr oder weniger gut gelungenen Kommentaren nach sich und ich muss zugeben, manche davon sind wirklich lustig.

Vermutlich hielt er sich irgendwann auch mal für unangreifbar, es wurden ihm Gagen nachgeworfen, die sogar höher als Herrn Hoeness hinterzogene Steuern gewesen sein sollen und eine Zeitlang hätte er tatsächlich eine ganze Sendung lang nur seinen Flatulenzen freien Lauf lassen können und noch anerkennende Pfiffe aus den Feuilletons dafür bekommen. Zwischen der komfortablen Situation, solches tun zu können und es zu tun liegt mitunter aber doch ein wesentlicher Unterschied. Seine Auszeit, aus der er als Mischung aus Gandalf und Alm-Öhi zurückkehrte, der ständige Senderwechsel aber vor allem seine mehr als fragwürdige Idee, diesen rotzblonden Sektenvertreter als Kompagnon zu holen, ließen seinen Lack langsam aber sicher abblättern.

Nun hauchte er sein TV-Leben fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus, zumindest der skyfreien, und es fehlt schon etwas. Raab ist kein Ersatz, Raab funktioniert dafür viel zu gut, er ölt das Getriebe gefühlte 58 Wochen im Jahr, trägt aber keinen wirklichen Ansatz von Anarchie in sich. Er ist Dienstleister im Unterhaltungssektor und könnte sich ein „Business as usual“ als Lebensmotto auf den Steiß tätowieren lassen.

Also vergießen wir an dieser Stelle ein Tränchen als Respektsbekundung für Harald, den hervorragenden in seinen besten Zeiten und erinnern uns dabei an seinen korrigierenden Griff mit Daumen und Mittelfinger an die stets wanderbereite Brille. Tusch von Helmut Zerlett und Band!

Hot Dog, jumping Frog, Notfallfenster

Wenn der grimme Lebenswind das traurig-tapfer leuchtende Lichtlein in einem auszublasen droht und das Draußengrau nach innen durchzudringen beginnt, sucht man etwas, wohin man sich hineinflüchten kann. Mit etwas Pech bemüht man dabei Alkohol oder andere Drogen oder stürzt sich in sinnlose Affairen, mit etwas mehr Glück stößt man hingegen beispielweise auf die bereits seit einigen Monaten erschienene neue Platte von Prefab Sprout.

Nach weißnichwievielen Jahren Pause nochmal etwas Neues, zwischenzeitlich ist soviel passiert in der Welt. Paddy McAloon, der Mastermind hinter Prefab Sprout, hatte auch schwere Zeiten hinter sich mit massivem Augenschaden und schwerem Tinnitus und sieht mittlerweile aus, als hätte er sich erfolglos um die Rolle des Gandalf in „Herr der Ringe“ bemüht, derweil man ihm immer noch als juvenilen Coverboy von Alben wie „Steve McQueen“ im Kopf hat.

Seine Stimme jedoch ist nach wie vor die eines wildromantischen Mittzwanzigers wie eh und je und verbreitet klanglich kuscheligen Trost, wann immer man ihn sucht. Die Songtexte sind nach wie vor meist intelligent, aber das Hineinfallen ermöglicht das Sprout’sche Klangspektrum. Wird wahrscheinlich in vielen Jahresrückblicken mal erwähnt, aber kein Album des Jahres, deshalb zumindest an dieser Stelle mal allerherzlichsten Dank dafür!

Witzigerweise finde ich ausgerechnet den größten kommerziellen Erfolg der Band, „The King of Rock’n’Roll“, auch nach vielen jahren noch ziemlich doof, aber ich muss ja immer irgendwie …

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Jetzt, wo alle noch mit roten Flecken im Gesicht hektisch nach teuren oder originellen Weihnachtsgeschenken suchen, ist sicher auch die hohe Zeit derjenigen Unternehmen, die Geschenke in Form von besonderen Erlebnissen anbieten. Meist sind es Kanufahrten auf der Sinaihalbinsel oder Tandemfallschirmsprünge mit Kühen oder dergleichen aber bei meinen Zugfahrten der letzten Zeit kam mir ein Geschenk in den Kopf, das mir persönlich große Freude bereiten könnte: Man könnte mir einen ausrangierten ICE vor die Nase stellen und mir die Möglichkeit geben, alle Notfallfenster im Zug mit diesen beigefügten Hämmerchen einzuschlagen. Wann immer ich Zug fahre, ist da dieser klammheimliche Wunsch in mir, dies einmal wenigstens auszuprobieren. Die derzeitige Gesetzgebung möchte mir diesen Spaß jedoch nicht gönnen und erst einen Zugunfall abzuwarten, um diesem Vergnügen nachkommen zu können, erscheint mir dann doch etwas unverhältnismäßig.

Die spannendste Frage dabei wäre: Schaffe ich es, mit einem einzigen Hammerschlag mitten ins Rote die Scheibenstruktur so großflächig zu zerstören, dass sie danach wie von alleine herausfällt? Sollte also jemand im Besitz eines außer Dienst geratenen Schnellzugs sein und mir eine Freude machen wollen, nur zu! Ich werde auch mein freudigstes Lächeln dabeihaben.

Lass ma‘ gut sein!

In diesen Tagen ist es mal wieder besonders deutlich erkennbar: Die Welt hat einen akuten Mangel an positiven Vorbildern im klassischen Sinne. Die Entrepreneure der letzten Jahre, die dadurch berühmt wurden, dass sie möglichst radikal und schnell zu wirtschaftlichem Erfolg sind nun mal nicht gemeint.

Es waren die Trauerfeierlichkeiten zu Nelson Mandelas Ableben, anlässlich derer einem dies mal wieder sehr deutlich vor Augen geführt wurde. Es gab sogar mal wieder bemerkenswerte Worte für den Friedensnobelpreisträger von einem anderen Friedensnobelpreisträger, der die Grundlage für diese Auszeichnung in der letzten Zeit jedoch vermissen ließ. Die Euphorie, die Obamas Wahl damals auslöste, zeigte aber auch, wie sehr sich die Menschen nach jemandem sehnten, der ihnen Hoffnung auf wieder mehr Gerechtigkeit, Fürsorge und Unterstützung machte, statt vor allem Ertragsoptimierungen im Auge zu haben

Auch der nun anstehende 100. Geburtstag von Willy Brandt und die damit verbundenen Reportagen bringen in den Menschen sehnsuchtsvolle Erinnerungen zurück, zum Teil sogar bei Menschen, die damals noch gar nicht am Leben waren. Sogar der amtierende Papst, der bislang durchaus glaubhaft nach außen tragen kann, insbesondere für die Armen der Welt da sein zu wollen, wird vom Time-Magazine zur Person des Jahres gekürt, während einer seiner Untergebenen in meiner Nähe aus den Träumen des Baus eines Palazzo Prozzo gerissen wurde.

Die Welt benötigt ganz offenbar dringend Gutmenschen, so nervig sie mitunter wohl auch sein mögen und ihren Willen, zum Wohl Anderer da zu sein, denn Steuerhinterzieher, Großkoalitionäre,  Gschaftlhuber, Onkelmörder und selbstherrliche Despoten hat es wahrlich bereits genug. Vielleicht hilft ja in den nächsten Tagen mal wieder ein Blick in den einen oder anderen Stall (nein, ich meine nicht diese riesigen Mastbetriebe, in denen durch gezielte Fütterung versucht wird, erst gar keine Seele in das zum baldigen Verzehr bestimmte Fleisch kommen zu lassen.)

Wichtig wäre, solche potentiellen Hoffnungsträger nicht moralisch zu überhöhen. Es wären dennoch vor allem Menschen mit all den Fehlern, die Menschen so haben können. Nur vielleicht mal angenehmere Fehler …

So, jetzt habe ich aber genug vom Einkaufsbummel abgehalten. Schnellschnell, die 3-Euro-Shirts werden schon knapp!