Träx (IV) und (V)

(Was das soll: https://lordfoltermord.wordpress.com/2013/04/06/trax-prolog/)

Cannonball – The Breeders

Mit diesem Song verbinde ich vor allem nächtliches Nachhausekommen … damals.

Zu jener Zeit existierte im Sendenetz nämlich noch ein frei zugänglicher Musikkanal mit großem M im Logo. Tagsüber fand man dort auch überwiegend Chartssachen oder Historisches, in der Nachtschleife wurden aber gerne Perlen aus den Bereichen Electronica oder Indie versteckt. So auch dieses Stück einer Band, die eigentlich nur entstanden ist, weil Frau Deal mit den Pixies noch nicht ausgelastet war.

Der leiernde Bass, der abrupte Wechsel in einen luftig lärmenden Refrain, das alles lässt mich gerne immer wieder mal kurz ein klein wenig headbangig sein. Well done, really …!

Rusty Nails – Moderat

Was „Moderat“ sein soll, wird gleich auf dem Albumsticker erklärt, nämlich eine Kollaboration der Herren von Apparat und Modeselektor. Sie kommen von verschiedenen Enden der elektronischen Musik und haben hier eine hervorragende Schnittmenge (ich bin ein Kind der Mengenlehre und traurig, dass ihr im Matheunterricht nicht mehr die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird, selbst wenn sie einem beim schnellen Addieren nicht allzusehr weiterbringt)  ihres Könnes gezeigt.

Besonders gelungen finde ich dies bei dem Track „Rusty Nails“. Über treibenden Beats, die mich durchaus an die Sachen von Burial erinnern, erhebt sich eine melancholisch anmutende Stimme. Wann immer ich dieses Stück höre, sehe ich mich im Zeitraffer durch den suburbanen Dschungel einer Großstadt bewegen. Geiles Kopfkino! Viele Andere hatten dieses Stück auch bemerkt, deshalb wurde es eine Zeitlang gefühlt in jeder zweiten Doku oder Berichten von Lifestyle-Magazinen genutzt, aber das darf man ja dem Track nicht anlasten, wenn er Menschen inspiriert.

In den nächsten Wochen erscheint das neue Album und ich bin durchaus gespannt …

Träx (III)

Was das soll: Prolog

Summertime – DJ Jazzy Jeff & the fresh Prince

Das muss man Schmitzens Willy zugute halten: Wenn er Samples einsetzt, dann wühlt er sich recht geschickt durch die Musikwelt. Stevie Wonder, Sister Sledge, Chic, Diana Ross, Grandmaster Flash, sogar The Clash wurden schon für seinen Hiphop genutzt, das mitunter gar nicht mal so ungeschickt und selten so offensichtlich wie Patrice Rushens „Forget me nots“ für sein „Men in Black“.

Da es mir bei dem genannten Song aber weniger um sein fröhlich-belangloses Gerappe, sondern um den musikalischen Background geht, müsste es folgerichtig eigentlich heißen:

Summer Madness – Kool and the Gang

Man kennt sie vor allem für Songs wie „Ladies Night“ oder „Cherish“, aber Herr Kühl und seine Truppe waren bereits in den 70ern aktiv. Da noch nicht ganz so erfolgreich und eher zwischen Funk und Jazz pendelnd. Quentin T. machte später noch ihr „Jungle Boogie“ aus jener Zeit bekannt, aber das war nicht der erste Soundtrackeinsatz. „Summer Madness“ untermalte bereits den ersten aller „Rocky“-Filme, ich muss aber zugeben, dass ich mich selber nicht mehr so konkret daran erinnern kann.

Diese ungewohnt ruhige, aus heutiger Sicht chillige, leicht jazzige Nummer mit Einsatz des damals noch recht neuen Moog-Synthies  löst bei mir stets ein sommerlich-entspanntes Grundgefühl aus. Da muss sich Herr Smith gar nicht bemühen und mir vom Cruisen mit dem Cabrio unter Palmen erzählen. Von diesem Track hätte ich gerne einen halbstündigen Chillout-Mix, gerne auch in einem geschickten Mash-Up mit Roy Ayers‘ „Everybody loves the Sunshine“, das hierzu wie Hinterteil auf Transportgefäss passt.

Wenn nun noch das Wetter mitspielt …

Träx (II)

(Wiesoweshalbwarum:)

Lou Reed – Perfect Day

Heutzutage erklärt uns ja der Kabarettist Dieter Nuhr buchhalber das Geheimnis eines perfekten Tages. Seinerzeit übernahm dies Lou Reed.

Der Song ist häufig der zweite, den man mit dem Namen Lou Reed verbindet, gleich nach der Geschichte von Holly, die von Miami, FLA kam. Für mich ist diese von Piano unterlegte, sentimental-melancholische Betrachtung sein bester Song (Wenngleich ich kein Reed-Experte bin und längst nicht alle seine Songs kenne). So richtig populär wurde das Lied wohl erst Jahre nach seiner Veröffentlichung durch seine Aufnahme in den „Trainspotting“-Soundtrack.

Tiere im Zoo füttern wäre nicht unbedingt eine meiner Lieblingsbeschäftigungen an so einem perfekten Tag, weitaus eher wäre ich für den Programmpunkt „drink Sangria in the Park“ zu haben. Wichtig dabei ist aber vor allem das „spent it with you“ und diese Erfahrung werden sicher schon die meisten von uns gemacht haben. Glücklich machende Beschäftigungen werden noch besser, wenn wir sie mit den richtigen/wichtigen Menschen teilen können, auch wenn es nicht nötig ist, dass sie einem – wie von Herrn Reed beschrieben – das Gefühl vermitteln, jemand Anderes, Gutes zu sein.

Nicht ungefährlich ist dieser Song für potentielle Beifahrer, denn er gehört zu jenen, die ich – wann immer ich sie zu hören bekomme – unweigerlich mitsinge … nun, sagen wir „etwas tue, dass von mir als mitsingen klassifiziert wird“.

Das sollte man dem Song aber nicht anlasten …

Träx (I)

The Sound of Silence – Simon & Garfunkel

Von den Herren S&G könnte man so einige Titel nennen, denen meine dauernde Sympathie gehört … „Scarborough Fair“ oder „The Boxer“ beispielsweise … was „The Sound of Silence“ heraushebt, ist sein Einsatz in einem der von mir am häufgsten gesehenen Filme.

„Die Reifeprüfung“, Dustin Hoffmans Durchbruch, beschreibt eine Epoche, die selbst ich mit meinem biblischen Alter noch nicht bewusst erlebte, die sich aber durch solche Filme für mich sehr gut erschliessen lässt. Gesellschaftliche Normen im Umbruch, die Menschen irgendwo zwischen noch vorhandener Fortschrittsgläubigkeit und einsetzender Nachdenklichkeit trudelnd. Inmitten dieser der ziellos wirkende Benjamin, dem Mr. Robinson in beinahe väterlicher Manier den Einstieg in die Welt des Plastik empfiehlt. Das Verhältnis dieser beiden wird sich im Laufe des Films noch deutlich verschlechtern – aus Gründen, wie man heute so treffend sagt.

Wir bewegen uns auf das Ende des Films zu, Benjamin hat seine Elaine in einer dieser presbyritanischen Kirchen endlich gefunden, jedoch zu spät, die Ehe mit dem Schnösel wurde bereits geschlossen. Dennoch erhört sie seine Rufe, lässt den überrascht dreinschauenden Neu-Ehemann stehen und beide flüchten sich durch die Masse hassverzerrter Gesichter in einem vorbeifahrenden Bus. Auf der Rückback sitzend und von den anderen Fahrgästen staunend beäugt, begiggeln sich die beiden zunächst über ihren gelungenen Coup, dann aber beruhigen sie sich und das Lächeln auf ihren Gesichtern verflüchtigt sich, da ihnen langsam die Konsequenzen ihres Tuns bewusst werden. Genau in diesem Moment, setzen die ersten gezupften Gitarrensaiten ein und eine Stimme beginnt mit „Hello Darkness, my old Friend …“

Es ist vor allem diese Erinnerung, die mich begleitet, wann immer ich diesen Song höre. Darüber hinaus bietet es sich durchaus an, sich einmal ein paar Gedanken über den Klang der Stille zu machen, ist sie heutzutage doch stark vom Aussterben bedroht.

Wer übrigens derzeit Musik im Radio hört, die klingt, als habe man unveröffentlichte S&G-Stücke aus einer bislang übersehenen Truhe gefischt, hat es womöglich mit den Milk Carton Kids zu tun. Die veröffentlichten dieser Tage ihre neues Album und klingen schon sehr nach Reinkarnation von Paul und Art, im positiven Sinne gemeint.

Noch etwas Gossip gefällig? Garfunkel soll ja einen ziemlich arroganten, schnöseligen Sohn haben, der zunächst glaubte, er sei der neue Donald Trump und später bei Jack White erfolglos vorsprach, weil er deutschen Schlager singen wollte … nein, nicht DER Jack White, sondern der deutsche Musikproduzent, der eigentlich Horst Nußbaum heißt und Lieder für Tony Marshall, Lena Valaitis und David Hasselhoff schrieb …

Träx (Prolog)

Dieser Tage lag dem aktuellen „Rolling Stone“ aus einem Jubiläumsanlass ein kleines Büchlein bei, in welchem dort tätige Redakteure insgesamt 222 Songs aussuchten, die zu ihren Lieblingen gehörten und mal kurz, mal länger beschrieben, was den jeweiligen Song zu etwas Besonderem für sie macht.

Natürlich sind viele wohlbekannte Namen dabei. Die titelgebende Band, die Beatles, Dylan, Cohen undsoweiter und natürlich werden auch Songs bevorzugt aus dem Bereichen Rock, Pop, Folk und Soul und eher weniger aus den Bereichen Electronica, Blasmusik und Kastratengesänge gefeatured, aber die eine oder andere Überraschung ist dann doch dabei, und sei es auch nur ein überraschender Track einer bekannten Band.

Dies brachte mich nun auf die wenig überraschende, aber für mich dennoch reizvolle Idee, an dieser Stelle in unregelmäßigen Abständen einige meiner Lieblingstracks vorzustellen. Immerhin höre ich nun bereits seit mehreren Jahrz …*hüstel* … ääh, seit geraumer Zeit Musik, investiere eine gewisse Menge Zeit und Geld darin und in all den Jahren hat sich mein Geschmack mal in diese, mal in jene Richtung bewegt (deshalb möchte ich auch nicht von einer Entwicklung sondern eher von einem Mäandrieren reden).

Auch hier wird Wohlbekanntes neben Überraschendem und sicher auch Peinlichem stehen, so genau weiß ich das aber noch nicht, man wird sehen.

Sofern ich nicht bereits nach der dritten Folge die Lust verlieren sollte, könnt ihr die sich bildende Sammlung unter der Subkategorie „getracked“ leicht finden. Ich werde die einzelen Folgen überdies mit aufsteigenden römischen Ziffern numerieren (weshalb aufgrund meiner überschaubaren Kenntnisse in diesem Bereich  wahrscheinlich spätestens bei 16 Schluss sein wird).

Howauchever, vielleicht kann ich ja ein paar Erinnerungen bei den hiesigen Lesefröschlein aufwärmen, Inspiration geben oder zum empörten Widerspruch anregen. Auf jeden Fall viel Spaß!